Mag-log in„Iss das verdammt noch mal nicht!“, zischte Tara Mata zu, die ihren Löffel langsam sinken ließ.
„Warum?“
Tara beugte sich über den Tisch. „Ich glaube nicht, dass das Essen sicher ist.“
„Du klingst wie jemand, der früh sterben wird“, knurrte eine tiefe Stimme hinter ihnen.
Sie drehten sich zu einem riesigen Mann um, der lässig mit dem Rücken zu ihnen am eisernen Absperrgitter lehnte.
„Wie bitte?“
Er stieß sich vom Gitter ab und steckte die Hände in die Taschen. Als er sich bewegte, bemerkte Tara ein kleines Schmetterlingstattoo auf seinem Handgelenk.
„Du wirst früh sterben, wenn du weiterredest“, sagte er, ohne sich umzudrehen, und ging davon.
„Kennst du ihn?“, fragte Mata und sah ihm nach, bis sein Rücken in der Menge verschwand.
Tara schüttelte den Kopf. Ihr Blick folgte seinen breiten Schultern. Er sah gepflegt aus, viel gepflegter als alle anderen in diesem Raum.
Sie wandte sich wieder Mata zu. „Ich sage dir, mit dem Essen stimmt etwas nicht.“
„Warum?“
„Ich ... weiß es selbst noch nicht, aber wir müssen vorsichtig sein.“
Mata nickte.
Tara schlüpfte in die Gemeinschaftstoilette und drehte den Wasserhahn auf. Kaltes Wasser rann über ihre Hände, während sie ihr Spiegelbild betrachtete.
Sie hatte gerade ihren Abschluss gemacht.
Heute sollte der Beginn ihres Lebens sein, nicht der Anfang vom Ende.
Sie musste hier raus.
*Zuerst muss ich Dave finden*, dachte sie.
BUMM.
Die schwere Badezimmertür flog hinter ihr auf. Tara zuckte zusammen und blickte in den Spiegel.
Eine Frau stand mit einem lässigen Lächeln im Türrahmen. In beiden Ohren steckten schwarze Ohrhörer.
„Hi“, begrüßte die Frau sie beiläufig.
Tara nickte knapp und beobachtete das Spiegelbild der Frau, als diese sich eine Zigarette zwischen die Lippen schob.
„Beachte mich gar nicht“, sagte die Frau, betätigte ein metallisches Feuerzeug und entzündete die Zigarettenspitze.
*Ein Feuerzeug? Wie zur Hölle hat sie das hier reingeschmuggelt?*
Die Frau grinste, ging in eine der Toilettenkabinen, schloss die Tür und begann, eine Melodie zu summen.
Tara zog ein Papiertuch aus dem Spender, um sich die Hände abzutrocknen.
BUMM.
Die Tür flog erneut auf und schlug heftig gegen die Wand.
Eine weitere Gefangene stolperte herein und streckte hektisch ihren Hals, ihre Arme und ihre Schultern.
„Was zur Hölle stimmt nicht mit mir?“, stöhnte die Frau.
Sie taumelte zum Waschbecken neben Tara und umklammerte den Porzellanrand so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden.
„Was ist los?“, murmelte Tara und beobachtete, wie die Frau ihren Körper mit hektischen, unnatürlichen Bewegungen verdrehte und streckte.
Ihr Blick fiel auf die unbedeckte Haut der Frau.
Überall auf ihrem Körper bildeten sich Gruppen seltsamer, mit Flüssigkeit gefüllter Blasen. Sie wurden immer mehr, direkt vor Taras Augen.
Plötzlich hob die Frau den Kopf und starrte Tara direkt an.
Tara zuckte zusammen. Kalte Angst durchströmte sie, und sie senkte sofort den Blick.
Die kranke Frau wand sich weiter und streckte ihren Körper. Langsam drückte Tara die Badezimmertür auf und schlüpfte zurück auf den Flur.
„Wo warst du?“, fragte Mata, sobald sie Tara zurückkommen sah.
„Ich war auf der ...“
BUMM.
Ein Mann prallte heftig gegen Taras Schulter.
„Tut mir leid“, murmelte er hastig, rückte seine Brille zurecht und stolperte an ihnen vorbei in die Dunkelheit.
Tara sah ihm nach, bevor sie sich wieder Mata zuwandte.
„Ich war auf der Toilette.“
„Na gut, dann lass uns zurückgehen“, stöhnte Mata. „Anscheinend müssen wir heute ja verhungern.“
„Ich habe Dave immer noch nicht gefunden“, sagte Tara und ließ den Blick durch den Flur schweifen, während die Wärter die verbliebenen Gefangenen zurück in ihre Zellen trieben.
„Wir finden ihn später ...“ Mata packte sie am Arm und zog sie mit sich.
Sie saßen in ihrer Zelle, während der Nachmittag langsam verstrich. Ihre Mägen knurrten, während das Nachmittagslicht durch die hohen, vergitterten Fenster fiel.
„Warum ist meine verdammte Mutter immer noch nicht hier?!“, schrie Mata und schlug mit den Fersen gegen die Betonwand.
„Sieht so aus, als hättest du deine Lektion immer noch nicht gelernt, Schlampe“, rief eine Stimme von der anderen Seite der Trennwand.
Es war die Frau mit dem brüllenden Löwentattoo am Hals.
„Sollen wir dir noch eine verpassen?“
Mata grub ihre Fingernägel in ihre Handflächen.
„Du verdammte Schlampe“, murmelte sie leise.
„Was hast du gerade gesagt?“, knurrte Lion-Tat.
Sie stand von der Bank gegenüber von Taras Zelle auf, trat gegen die Tür ihrer eigenen Zelle, sodass sie aufsprang, und marschierte direkt zu Taras Zelle.
„Was zur Hölle hast du gerade gesagt?“
Tara saß regungslos da, während die Stimme der Frau immer lauter wurde.
„Mata, du weißt doch, dass wir die Tür endlich richtig verriegelt haben. Deshalb hast du jetzt so eine große Klappe, oder?“, neckte Tara sie.
Mata grinste.
„Die können uns gar nichts ...“ Sie starrte der Frau direkt in die Augen. „Na los! Zeig, was du draufhast, du Hure!“
Lion-Tat trat an ihre Zellentür und blieb direkt davor stehen. Sie umklammerte die Gitterstäbe so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden.
„Ach, ihr habt die Tür also richtig verriegelt, ja? Deshalb reißt du jetzt so das Maul auf“, knurrte sie. „Warum machst du sie dann nicht auf?“
AAAAAAHHHHHHHH!
Ein markerschütternder Schrei zerriss die Stille des Trakts. Er kam aus einer Zelle weiter unten im Flur.
Lion-Tat hielt inne und blickte den dunklen Gang hinunter.
„Hey! Was zur Hölle ist da drüben mit dir los? Halt endlich die Klappe!“
Tara sprang auf und trat an die Zellentür, um zu sehen, was vor sich ging.
Eine einsame Gestalt stand mitten im Flur. Ihr Kopf hing schlaff nach vorne, das Kinn auf die Brust gesunken.
„Ich ...“, krächzte die Gestalt.
Dann hallte ein lautes, widerwärtiges KNACKEN von den Betonwänden wider, als sich ihre Wirbelsäule auf unnatürliche Weise verdrehte.
„Was zur Hölle?“, fluchte Lion-Tat und wich von Taras Zelle zurück. „Wenn das irgendein verdammter Scherz ist, schlitze ich dich auf ...“
KNACK.
Der Kopf der Frau wurde in einem unmöglichen Winkel nach hinten gerissen.
Im gesamten Zellentrakt herrschte plötzlich Totenstille. Die Gefangenen pressten ihre Gesichter gegen die Gitterstäbe, um das Geschehen zu beobachten.
Tara kniff die Augen zusammen. Ihr Magen zog sich vor Entsetzen zusammen.
Es war die Frau aus dem Badezimmer.
„Was stimmt mit ihr nicht?“, flüsterte Mata mit zitternder Stimme.
Tara brachte kein Wort heraus. Ihr Blick blieb wie gebannt auf der Gestalt haften.
KNACK.
Ohne Vorwarnung griff Lion-Tat durch die Gitterstäbe von Taras Zelle und packte Mata am Hals.
„Hey! Was zur Hölle tust du da?!“, schrie Tara und hämmerte mit den Fäusten gegen die Arme der Frau, während Matas Füße vom Boden abhoben.
„Töte sie! Töte sie!“, schrien einige Gefangene und schlugen ihre Metallbecher gegen die Gitterstäbe.
„Nein! Hör auf!“, riefen andere mitten im Chaos.
Tara hastete über den Zellenboden, griff nach einem losen Stück zerbrochenen Betons und eilte zurück zu den Gitterstäben. Mit aller Kraft schlug sie den schweren Stein auf Lion-Tats Unterarm.
DONK.
Lion-Tat zuckte vor Schmerz zusammen und ließ Mata los. Diese fiel zu Boden und rang keuchend nach Luft.
„Was ist dein verdammtes Problem?!“, brüllte Lion-Tat.
Sie griff direkt nach Tara, schlang ihre dicken Finger um Taras Hals und hob sie hoch, bis sie gegen die eisernen Gitterstäbe gepresst wurde.
Draußen ertönten weiterhin Schreie, doch das ohrenbetäubende Gebrüll der Gefangenen übertönte alles andere.
„H-Hilfe ...“, würgte Tara hervor und kratzte verzweifelt an der Hand, die ihr die Luftröhre zudrückte.
KNACK.
Die Frau im Flur knackte ein letztes Mal mit dem Hals und hob langsam den Kopf.
Das Gebrüll verstummte.
Der gesamte Zellentrakt versank in Stille, während alle die unheimliche Gestalt anstarrten.
Die Frau, die Tara erst wenige Stunden zuvor im Badezimmer gesehen hatte, sah nun verwest aus. Ihre Haut war geschrumpft und eingefallen wie die einer Leiche.
„Was zur Hölle ...?“, stammelte Lion-Tat. Ihr Griff um Taras Hals lockerte sich ein wenig, während sie wie gebannt auf den Flur starrte.
Bevor irgendjemand reagieren oder auch nur Luft holen konnte, stürzte sich die Frau nach vorne, packte Lion-Tat an den Haaren und riss mit brutaler Gewalt daran.
Mit einem widerwärtigen Reißen von Fleisch und Knochen wurden Lion-Tats Kopf und Körper von der Hand getrennt, die noch immer fest um Taras Hals geklammert war.
Tara stockte der Atem. Ihr ganzer Körper zitterte.
DONK.
Lion-Tats kopfloser Körper schlug draußen vor der Zelle auf dem Boden auf.
Tara beobachtete voller Entsetzen, wie die infizierte Frau auf die Knie fiel und hektisch begann, die Leiche aufzureißen und zu verschlingen.
Ihre Augen waren vollkommen schwarz. Weder das Weiße noch die Iris waren zu erkennen. Dickes, dunkles Blut rann wie Tränen über ihre Wangen.
„Was ... was ist das?!“, rief eine panische Stimme aus einer Nachbarzelle.
Dann brach eine Gefangene in einer Zelle weiter unten zusammen. Das Geräusch hallte von den Wänden wider.
Tara rang nach Luft und kratzte verzweifelt an der abgetrennten Hand der toten Frau, die sich noch immer fest um ihren Hals geklammert hielt.
Das Mädchen hörte auf zu fressen.
Langsam wandten sich ihre pechschwarzen Augen Tara zu.
Tara kniff die Augen zusammen.Gott, Dave, warum zur Hölle hast du es ihnen erzählt?„Gegengift?“, fragte die Feinschmeckerin und kaute unbeholfen weiter. „Was für ein Gegengift?“„Ich kann nicht glauben, dass du dich traust, mir unter die Augen zu treten, nach allem, was du meiner Schwester angetan hast!“, fuhr Lion-Tats Schwester ihn an.Die Raucherin drehte ihnen erneut den Rücken zu, steckte sich ihren Ohrhörer wieder ins Ohr und blies Rauch in Richtung Decke.Der Typ, der auf der Pritsche lag, rührte sich nicht einmal und zog auch das Tuch nicht von seinem Gesicht.„Tara, erzähl ihnen, was du gehört hast“, sagte Dave und hielt Taras Handgelenk zwischen seinen Händen fest.„Gehört?“, wiederholte Lion-Tats Schwester mit gereizter Stimme. „Hab ich gerade verdammt noch mal richtig gehört? Du hast gesagt, sie hätte es gehört?“„Gott, ich dachte, du hättest es mit deinen eigenen Augen gesehen. Das wäre interessant gewesen.“ Der Insasse, der mit seinem Taschentuch herumwedelte, kicherte
„Tara, ich glaube, wir sollten zurückgehen ... jetzt.“ Matas Stimme zitterte, während sie auf Block D zugingen.Tara blieb stehen, nachdem sie das eiserne Tor passiert hatten, das zum Block D führte.Sollte ich umkehren und fliehen? Was, wenn er bereits entkommen ist? Würde ich ihn verraten, wenn ich ihn zurückließe?Sie ballte die Hände zu Fäusten und hob den Kopf zu den schwarzen Buchstaben über dem Eingang.BLOCK D.„Gehen wir.“Selbst uniformierte Beamte lagen verstreut auf dem Betonboden und kämpften verzweifelt um ihr Leben.„Dieser Ort ist verdammt noch mal viel gefährlicher als unser Block!“, beschwerte sich Mata.Tara ignorierte sie und suchte das Chaos weiter nach Dave ab.„Tara!“ Mata zog sie zurück, erstarrte dann jedoch, als sich einer der Infizierten umdrehte und sie direkt anstarrte.„Nicht bewegen ...“, flüsterte sie.Die Kreatur stand regungslos da, ohne mit der Wimper zu zucken. Beide Mädchen hielten den Atem an, bis hinter ihnen ein lauter Knall ertönte.Die Kreatur
Tara erstarrte. Die abgetrennte Hand des tätowierten Mädchens hielt sich noch immer fest um ihren Hals geklammert. Ihr Körper zitterte, während das infizierte Mädchen langsam ihr Gesicht verzog und Blut aus ihrem Mund tropfte.Das Mädchen schleifte einen Fuß näher an die Eisengitter heran ...Näher.Sie legte den Kopf schief.Tara hielt sich sofort die Hand vor den Mund und hielt den Atem an.„Hey!“, rief eine andere Gefangene, woraufhin die Kreatur den Kopf ruckartig von Tara weg und in Richtung der Stimme drehte.Tara stürzte sofort zu Boden und versuchte verzweifelt, die Hand von ihrem Hals zu lösen. Sie kroch zu Mata hinüber, die reglos auf dem Beton lag, und schüttelte sie heftig, um sie aufzuwecken.Die Kreatur legte den Kopf schief und knurrte, während sie der Gefangenen zuhörte, die den Flur hinunterbrüllte.„Hältst du das hier für irgendeinen verdammten Witz?!“, schrie die Frau. „Oh Gott ... Ich hatte sowieso schon einen beschissenen Tag, weil ich nichts zu essen bekommen hab
„Iss das verdammt noch mal nicht!“, zischte Tara Mata zu, die ihren Löffel langsam sinken ließ.„Warum?“Tara beugte sich über den Tisch. „Ich glaube nicht, dass das Essen sicher ist.“„Du klingst wie jemand, der früh sterben wird“, knurrte eine tiefe Stimme hinter ihnen.Sie drehten sich zu einem riesigen Mann um, der lässig mit dem Rücken zu ihnen am eisernen Absperrgitter lehnte.„Wie bitte?“Er stieß sich vom Gitter ab und steckte die Hände in die Taschen. Als er sich bewegte, bemerkte Tara ein kleines Schmetterlingstattoo auf seinem Handgelenk.„Du wirst früh sterben, wenn du weiterredest“, sagte er, ohne sich umzudrehen, und ging davon.„Kennst du ihn?“, fragte Mata und sah ihm nach, bis sein Rücken in der Menge verschwand.Tara schüttelte den Kopf. Ihr Blick folgte seinen breiten Schultern. Er sah gepflegt aus, viel gepflegter als alle anderen in diesem Raum.Sie wandte sich wieder Mata zu. „Ich sage dir, mit dem Essen stimmt etwas nicht.“„Warum?“„Ich ... weiß es selbst noch
„Entschuldigen Sie, Sir! Wollen Sie mir verdammt noch mal sagen, dass ich Handschellen angelegt bekomme, nur weil ich in einer Bar war?“, fragte Tara wütend, während eine uniformierte Polizistin sie hinter sich herzog.„Mein Gott, Tara! Ich hab dir gesagt, du sollst ihn in Ruhe lassen, und du hast verdammt noch mal auf ihn eingestochen!“, schrie Mata, ihre beste Freundin, hinter ihr, während ein weiterer Polizist sie an der Menge vorbeizerrte.Eingestochen?Tara blinzelte. Das Wort hallte in ihrem Kopf wider.Sie blickte auf ihre Hände hinunter.Blut.Wovon zur Hölle redete Mata?Tara konnte nicht einmal ein Küchenmesser richtig halten, um Obst zu schneiden, ohne sich dabei in den Finger zu schneiden. Wie sollte sie da jemanden umgebracht haben?„Sir, ich habe niemanden umgebracht. Sie müssen mir glauben“, schluchzte sie, während ihr Tränen über die Wangen liefen. „Ich bin viel zu sanft, um überhaupt eine Klinge anzufassen ...“Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war, wie sie







