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KAPITEL 5: DER SCHWEIGSAME FREMDE

Author: C.C
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-28 17:20:57

Tara kniff die Augen zusammen.

Gott, Dave, warum zur Hölle hast du es ihnen erzählt?

„Gegengift?“, fragte die Feinschmeckerin und kaute unbeholfen weiter. „Was für ein Gegengift?“

„Ich kann nicht glauben, dass du dich traust, mir unter die Augen zu treten, nach allem, was du meiner Schwester angetan hast!“, fuhr Lion-Tats Schwester ihn an.

Die Raucherin drehte ihnen erneut den Rücken zu, steckte sich ihren Ohrhörer wieder ins Ohr und blies Rauch in Richtung Decke.

Der Typ, der auf der Pritsche lag, rührte sich nicht einmal und zog auch das Tuch nicht von seinem Gesicht.

„Tara, erzähl ihnen, was du gehört hast“, sagte Dave und hielt Taras Handgelenk zwischen seinen Händen fest.

„Gehört?“, wiederholte Lion-Tats Schwester mit gereizter Stimme. „Hab ich gerade verdammt noch mal richtig gehört? Du hast gesagt, sie hätte es gehört?“

„Gott, ich dachte, du hättest es mit deinen eigenen Augen gesehen. Das wäre interessant gewesen.“ Der Insasse, der mit seinem Taschentuch herumwedelte, kicherte. „Verdammt interessant sogar.“

„Macht das denn einen Unterschied? Das bedeutet, dass wir Hoffnung haben“, sagte die ältere Frau und presste ihre Hände fest ineinander.

Die Feinschmeckerin hörte auf zu kauen und schlug ihren Löffel gegen den Teller. „Wie soll das keinen Unterschied machen, wenn wir nicht einmal wissen, ob dieses verdammte Zeug überhaupt existiert?“

„Wie sollten wir nach etwas suchen, wenn wir nicht einmal wussten, wie es aussah?“, fügte Lion-Tats Schwester hinzu.

„Was redest du da überhaupt?“

„Tara, wo hast du das gehört?“, fragte Mata.

„Auf der Toilette“, antwortete Dave.

Im Raum erhoben sich murmelnde Stimmen.

„Toilette? Haben die verdammt noch mal Toilette gesagt?“, höhnte Lion-Tats Schwester.

Der Typ mit dem Taschentuch kicherte erneut und schien sich prächtig zu amüsieren.

„Was ist denn so schlimm an der Toilette? Dort kann alles Mögliche passieren“, gab die Feinschmeckerin zurück.

„Du solltest besser dein verdammtes—“

„Verpiss dich aus meinem Gesicht, du Idiot!“

„Wie hast du mich gerade genannt?“

Die Raucherin nahm ihren Ohrhörer heraus. „Ihr verdammten Idioten werdet sie noch direkt zu uns locken!“

„Jemand wurde deswegen getötet.“ Taras Stimme durchschnitt den Streit wie ein Messer.

Totenstille breitete sich im Raum aus.

„Was?“, fragte Dave.

„Jemand ...“, fuhr Tara fort. „Jemand wurde erschossen. Kein Infizierter. Ein ganz normaler Mensch wie wir wurde deswegen getötet. Nur um zu zeigen, wie ernst die Sache war.“

Sie blickte in die Gesichter der anderen. Mitten in diesem Chaos kaute das kurzhaarige Mädchen wortlos weiter auf ihrem Stäbchen herum, während der Typ auf der Pritsche völlig reglos und still blieb.

„Tara, wann ist das alles passiert?“, fragte Mata.

„Hast du verdammt noch mal nicht zugehört? Auf einer Toilette!“

Der schweigsame Typ, der sich an die Wand schmiegte, schob seine Brille mit zitternden Händen zurecht. „Hast du gesehen, wer getötet wurde oder wer es getan hat?“

Tara verengte die Augen und schüttelte dann den Kopf. „Nein, das konnte ich nicht.“

„Wo ...?“, fragte er erneut. „Wo war es ... die Dosis?“

Alle Augen richteten sich wieder auf Tara und warteten auf eine Antwort. Nur die beiden seltsamen, schweigsamen Personen schienen sich nicht dafür zu interessieren.

Tara schüttelte den Kopf.

Flüche hallten durch den Raum.

„Deshalb müssen wir danach suchen“, sagte Tara.

„Und wie sollten wir das finden, meine Liebe?“, fragte die ältere Frau leise. Dunkle Ringe zeichneten sich unter ihren Augen ab.

„Wir werden es finden“, antwortete Dave. „Meine Frau hat einen Weg gefunden, uns zu helfen. Also werden wir es auch bekommen.“

„Awww, die Liebe liegt in der Luft ...“, kicherte der Typ mit dem Taschentuch.

Tara trat einen Schritt vor. „Es gibt keinen Grund mehr, es geheim zu halten. Außerdem wird es viel einfacher sein, wenn wir alle zusammenarbeiten, um es zu finden. Deshalb müssen wir—“

„Willst du hier etwa die Regeln bestimmen?“, fragte der Bodyguard und verschränkte die Arme. „Er war als Erster hier, also ist er der Hausherr.“ Er deutete mit dem Daumen auf den Mann auf der Pritsche. „Er sollte die Regeln aufstellen. Er war schließlich zuerst da.“

Der Fremde hob lediglich eine Hand und winkte leicht ab. Sofort verstummte der Bodyguard.

Tara betrachtete seine Hand. Ihr Blick blieb an einem bestimmten Detail hängen.

Ein Schmetterlingstattoo.

„Du wirst früh sterben, wenn du dich weiterhin in die Angelegenheiten anderer einmischst ...“

Es war genau derselbe Typ aus der Cafeteria.

Lion-Tats Schwester ließ sich wieder auf ihre Pritsche sinken. „Es wird spät. Was auch immer noch besprochen werden muss, kann bis morgen warten.“ Sie zog sich eine Decke über das Gesicht.

Einer nach dem anderen zog sich die Rest der Gruppe an ihre Plätze zurück und legte sich hin.

Tara stand einen Moment lang wie erstarrt da.

„Komm, lass uns ausruhen. Morgen finden wir eine Lösung“, flüsterte Dave.

Sie nickte langsam.

„Wie kann man an einem Ort wie diesem überhaupt schlafen? Was, wenn sie kommen?“, murmelte Mata und blickte nervös umher.

„Das werden sie nicht“, versicherte Dave ihr. „Bevor sie uns zu nahe kommen, hören wir die Glocken, die an beiden Türen zum Flur hängen.“

„Wow, das ist schlau. Wer ist denn auf diese geniale Idee gekommen?“ Mata sah sich um und verdrehte dann die Augen. „Wenn ich mir die Leute hier so ansehe, glaube ich nicht, dass auch nur einer von ihnen normal ist.“

„Er hatte die Idee“, sagte Dave und deutete auf den seltsamen Typen auf der Pritsche.

Taras Blick blieb an ihm hängen. „Redet der überhaupt?“, murmelte sie, bevor sie erneut die Augen verdrehte.

Der Schlaf wollte einfach nicht kommen, obwohl der Raum allmählich in Dunkelheit versank.

Tara starrte an die Decke, während Dave neben ihr ins Bett kroch, die Arme um sie legte und leise schnarchte.

Wie konnte irgendjemand so friedlich schlafen, wenn das eigene Leben an einem seidenen Faden hing? Wenn man draußen ihre seltsamen, schleifenden Schritte und ihr kehliges Knurren hören konnte ...

Dann bemerkte sie eine Bewegung. Ein Schatten regte sich.

Langsam drehte sie den Kopf. Der massive, hochgewachsene Körper des seltsamen Typen, der größer war als alle anderen im Raum, richtete sich auf.

Er ging ganz ruhig zur Tür hinaus.

Wo zur Hölle wollte er hin?

Schließlich übermannte die Erschöpfung Tara, und sie schlief ein. Ihre Gedanken drifteten zurück zu ihrem Zuhause und ihrer Schule, zu der Zeit, bevor all das geschehen war.

---

„Sie sind immer noch verdammt noch mal da draußen.“ Daves tiefe Stimme riss sie aus dem Schlaf, während er aus dem Fenster hinuntersah.

Tara starrte ihn an und blinzelte gegen das grelle Sonnenlicht. Bin ich hier wirklich eingeschlafen?

„Es gibt kein Wasser, kein verdammtes Essen, gar nichts“, beschwerte sich die Feinschmeckerin. „Hat eigentlich niemand daran gedacht, dass wir verhungern könnten, bevor die überhaupt hier reinkommen?“

„Dann werden unsere Knochen eben über den ganzen Boden verstreut liegen“, kicherte der Typ mit dem Taschentuch.

„Bist du eigentlich völlig verrückt?“

Tara blickte zu dem seltsamen Typen hinüber. Wie gewohnt lag er wieder auf seiner Pritsche und hatte sich vollständig zugedeckt.

Wo zur Hölle war er letzte Nacht gewesen?

„Ich habe tatsächlich eine Menge Essen in meiner Zelle. Genug, um euch alle zu versorgen“, sagte Lion-Tats Schwester und präsentierte stolz ihre manikürten Nägel.

„Ich verhungere, Tara“, flüsterte Mata.

„Okay, jetzt wird es interessant.“ Der Typ mit dem Taschentuch rieb sich die Hände und kicherte. „Warum gehen wir nicht auf Nahrungssuche? Puw-puw-puw ...“

„Auf Nahrungssuche? Als ob du dich tatsächlich raustrauen würdest!“, fuhr Lion-Tats Schwester ihn an.

„Das wäre doch langweilig, Hübsche.“

„Gott, dieser Arsch geht mir langsam auf die Nerven.“

„Wir gehen alle zusammen“, unterbrach Tara sie und blickte in die Runde. „In der Highschool hatten wir Aufgaben und Dienstpläne. Warum machen wir das hier nicht auch?“ Sie schluckte schwer, als die anderen sie ansahen. „Jeden Tag sind andere Leute an der Reihe.“

„Das ist eine gute Idee, meine Liebe.“

Tara nickte. „Wir werden entscheiden—“

„Kurzhaarige, ich gehe mit dir“, unterbrach Lion-Tats Schwester sie. „Du siehst schlau aus.“

„Dave, kann ich mit dir gehen?“, fragte Mata. „Tara, kann ich mit Dave gehen? ... Du weißt doch, dass ich nicht mit Fremden gehen kann. Ich habe Angst. Ich brauche jemanden.“

Tara blinzelte überrascht, als Dave sofort zustimmte, Mata mitzunehmen.

Die Raucherin drehte sich um und zeigte mit dem Finger auf den Typen mit der Brille. „Du kommst mit mir.“

Die anderen suchten sich ebenfalls ihre Partner aus.

Tara warf einen Blick auf die letzte Person, die ihr zugeteilt worden war.

Den seltsamen Typen.

„Wer geht dann als Erster raus?“, fragte jemand.

„Ich“, antwortete eine tiefe Stimme.

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