ValentinaDas Morgenlicht ist grau, zögerlich, als ob der Tag selbst es nicht wagen würde, sich durchzusetzen. Ich stehe seit einer Stunde vor dem Küchenfenster, vielleicht seit zwei. Meine Kaffeetasse ist längst kalt, aber ich halte sie noch immer zwischen meinen Händen, wie einen Anker, wie eine Boje, wie einen Vorwand, um hier zu bleiben, um zu beobachten, um zu warten.Der Hof erstreckt sich vor mir, grau und feucht unter dem tiefen Himmel. Die Wachen wechseln ihre Posten in einer Choreografie, die ich auswendig gelernt habe. Die Bewegungen, die Blicke, die Stille. Ich kenne all das. Ich kenne jedes Gesicht, jeden Namen, jede Gewohnheit.Deshalb habe ich ihn gesehen.Eine Wache, die ich nicht kenne.Er ist jung, zu jung, um hier zu sein, zu nervös, um sich wohlzufühlen. Seine linke Hand verlässt nie seinen Gürtel, dort, wo seine Waffe ist, sein Funkgerät, sein Leben. Seine Augen durchkämmen den Hof, als ob er etwas suchen würde, oder jemanden. Er mischt sich nicht unter die andere
Read more