로그인Mein Messer dringt in seine Kehle, bevor er den Satz beenden kann. Die Klinge ist fein, scharf, sie gleitet zwischen den Knorpeln wie durch Butter. Das Blut spritzt hervor, heiß, schwarz, reichlich. Es läuft über meine Hände, über mein Hemd, auf den Boden der Gasse.Carlos gibt ein Gurgeln von sich, seine Hände heben sich zu seiner Kehle, versuchen die Blutung zu stoppen. Zu spät. Viel zu spät. Seine Augen verdrehen sich, sein Körper sackt zusammen, ich stütze ihn, ich begleite ihn in seinen Fall.Ich lege ihn auf den Boden, sanft, fast zärtlich. Das Blut fließt weiter, bildet eine dunkle Lache um seinen Kopf. Seine Augen sind offen, starr, bereits leer.Ich bleibe neben ihm hocken, mein Messer in der Hand. Ich betrachte sein Gesicht, seine Züge, die erstarren, sein Leben, das entweicht. Ich fühle nichts. Weder Freude, noch Trauer, noch Befriedigung. Nur die Leere.So ist es besser. Die Leere ist effizienter als der Hass. Der Hass führt zu Fehlern
Ich weiß nicht, was sie ihm im Gegenzug gibt. Ihren Körper vielleicht. Ihren Verstand, sicher. Ihren Hass auf mich, gewiss.Aber ich weiß, dass sie dort ist. Und ich weiß, dass ich sie finden werde.Nicht jetzt. Nicht sofort. Zuerst muss ich Humberto schwächen, ihn von seinen Männern, seinen Ressourcen, seiner Macht abschneiden. Dann, wenn er verletzlich ist, wenn seine Verteidigung gefallen ist, werde ich kommen, um Chiara zu holen.Und ich werde beenden, was ich in diesem Keller begonnen habe.Ich schaue durch das schmutzige Fenster. Der Tag bricht über Mexico an, grau, verschmutzt, gleichgültig. Die Stadt, die ich beherrscht habe, die ich besessen habe, die mir gehörte.Heute bin ich nichts mehr. Ein Geist. Ein Schatten. Ein Mann ohne Imperium, ohne Männer, ohne Liebe.Aber ich lebe noch. Und solange ich atme, solange mein Herz schlägt, kann ich noch handeln. Ich kann noch kämpfen. Ich kann noch zerstören.Valent
Diego Das Zimmer ist klein, schmutzig, elend. Eine Matratze auf dem Boden, ein wackeliger Tisch, ein hinkender Stuhl. Die Wände sind mit Schimmel bedeckt, die Decke tropft vor Feuchtigkeit, die Luft riecht nach Moder und Niederlage. Das Fenster geht auf einen Innenhof, in dem sich Mülltonnen stapeln, die niemand je leert. Das ist alles, was mir bleibt. Ich sitze auf der Matratze, den Rücken gegen die kalte Wand gelehnt, eine Flasche Mezcal in der Hand. Der Alkohol ist schlecht, rau, er brennt in der Kehle und im Magen. Aber es ist alles, was ich gefunden habe. Es ist alles, was ich verdiene. Die Flasche ist fast leer. Ich betrachte sie, ich betrachte den Rest bernsteinfarbener Flüssigkeit am Boden. Ich sollte sie austrinken, mich völlig betäuben, ins Bewusstlose sinken. Aber ich tue es nicht. Ich stelle sie neben die Matratze, ich schließe die Augen. Valentina. Ih
Ich male die harten, kantigen Züge, die markante Kieferpartie, die hohen Wangenknochen und die störrische Linie seiner Stirn, die sich selbst dann kaum entspannt, wenn er glaubt, dass niemand ihn beobachtet. Ich zeichne seine schwarzen Augen, tief und unergründlich, Augen, die mich anzusehen scheinen, als könnten sie mühelos all die Mauern durchdringen, die ich um mein Herz errichtet habe, und die mich selbst aus der Tiefe der Leinwand heraus noch immer festhalten, als hätte ich niemals das Recht besessen, mich von ihm zu lösen.Sein Mund bleibt geschlossen, streng und beinahe grausam, doch an den Winkeln seiner Lippen lasse ich den Schatten eines Lächelns entstehen, jenes Lächelns, das er mir manchmal schenkte, wenn er mich nach unseren gemeinsamen Nächten in seinen Armen hielt, wenn seine Stimme plötzlich weich wurde und er meinen Namen aussprach, als wäre er ein Gebet, das nur für ihn bestimmt war.Ich male weiter, immer weiter, unfähig, den Pinsel aus der
Meine Stimme wird zu einem leisen Stöhnen, das in der Stille des Zimmers beinahe unnatürlich klingt, während sich mein Körper immer stärker anspannt und ich verzweifelt versuche, in den Erinnerungen etwas zu finden, das mir für einen Augenblick Erleichterung verschaffen könnte, doch je mehr ich mich in ihnen verliere, desto deutlicher spüre ich, dass etwas in mir Widerstand leistet, dass ein Teil meiner Seele sich weigert, sich dem Verlangen vollständig hinzugeben. Vielleicht ist es die Scham, vielleicht die Wut, vielleicht auch die Verzweiflung einer Frau, die längst begriffen hat, dass sie einen Mann noch immer lieben kann, obwohl sie genau weiß, wie viel Schmerz diese Liebe ihr bereits zugefügt hat. Ich denke an den Keller. An Chiara, die dort unten in der Dunkelheit angekettet ist, an das, was Diego ihr angetan hat, und an all die Dinge, zu denen er fähig ist, wenn jemand es wagt, sich seinem Wi
ValentinaDie Nacht ist längst hereingebrochen, das Dorf liegt im Schlaf, das Meer atmet in der Ferne seinen ewigen Rhythmus, und der Mond wirft ein schwaches Licht auf die weiß gekalkten Mauern, während ich auf meinem Bett liege, die Augen weit geöffnet in der Dunkelheit, den Körper angespannt und den Geist so aufgewühlt, dass ich nicht einmal daran denken kann, die Ruhe zu finden, nach der ich mich eigentlich sehnen sollte.Mateo hat mich heute angelächelt. Mit diesem einfachen, aufrichtigen Lächeln, hinter dem sich kein Geheimnis verbirgt und das nichts verspricht, was über das hinausgeht, was er tatsächlich zu geben vermag. Mit seinen hellen Augen, die mich ansehen, als wäre ich ein Mensch und kein Opfer, keine Besitztümer beanspruchende Trophäe, kein Gegenstand, über den jemand nach Belieben verfügen darf.Ich habe zurückgelächelt. Ein echtes Lächeln, das tief aus meinem Innersten kam und sich seinen Weg durch all die Schichten aus Schmerz,
LorenzoDie ehrgeizige Frau, von der ich glaubte, sie zu kennen, hätte sich gewehrt. Sie hätte ihre Waffen eingesetzt – diesen Blick, dieses Lächeln, das mich um den Verstand brachte –, um ihr Los zu mildern. Sie hätte versucht, mich erneut zu verführen, die Kontrolle zurückzugewinnen.Aber Giulia
GiuliaIch löse mich von der Wand und eile mit schnellen Schritten davon, flüchte mich in die Toiletten. Ich schließe mich in einer Kabine ein, das Herz rast. Ich presse meine Handflächen gegen meine Augen, um die drohenden Tränen zurückzuhalten. Sie dürfen hier nicht fließen. Nicht in seinem Gebäu
GiuliaDie Lüge war so gewaltig, so monströs, dass sie beinahe wahr wurde. Ihr Glück war das Einzige, woran ich mich noch klammern konnte. Die einzige Rechtfertigung, die im Trümmerfeld meines Lebens noch Bestand hatte.— Du bist die beste Schwester der Welt, flüsterte sie mit feuchten Augen. Ich m
GiuliaDie Stille im Büro nach zwanzig Uhr ist ein lebendiges Wesen. Sie senkt sich schwer auf meine Schultern, dringt in meine Lungen ein, ersetzt das Blut in meinen Adern durch eine eiskalte, stehende Flüssigkeit. Im grellen Licht meiner Lampe ist mein Gesicht im schwarzen Spiegel des Bildschirms







