"Anne, was ist los? Soll ich kommen? Sag mir, wo du bist, ich nehme das Auto und komme vorbei."„Nein“, seufzte Anne. „Nein, komm nicht. Nicht jetzt. Ich … ich musste einfach reden. Mit jemandem reden.“Es herrschte erneut Stille, dann sagte Sophie leiser: „Ich höre zu. Nur zu, ich höre zu.“Dann sprach Anne.Sie sprach lange, ihre Stimme brach, immer wieder unterbrochen von Schluchzern. Sie erzählte alles. Alexandres Lächeln für eine andere Frau, den fremden Duft an seinen Kleidern, die Nächte, die er fort war und die sie in einem Notizbuch gezählt hatte. Die weißen Pillen, die sie jeden Morgen schluckte, ohne zu wissen, was darin war. Ihre Stiefmutter, ihre Besuche, ihre Sticheleien mit lächelnder Grausamkeit. Sarah, Alexandres Ex, wieder in der Stadt, die sie von oben bis unten gemustert hatte, als wäre sie nichts. Und sie sprach auch von ihrer Einsamkeit, ihrer Angst, ihrer Scham. Jener Scham, die sie daran hinderte zu sprechen, sich zu wehren, zu gehen.Sophie hörte zu, ohne zu u
Read more