Erst dann weinte sie. Zuerst stille Tränen, dann Schluchzer, die sie bis ins Mark erschütterten. Sie weinte um sich selbst, um ihre Naivität, um ihre verlorenen Jahre, um das Kind, das sie nie haben würde, um die Liebe, die sich als Falle erwiesen hatte. Sie weinte, bis ihre Tränen versiegten, bis nur noch Leere übrig war. Und dann füllte sich langsam die Leere. Keine Trauer. Keine Resignation. Ein kalter, unbändiger Zorn erhob sich wie eine Welle aus den Tiefen seines Wesens. Eine klare, fast ruhige Wut, die Schmerz und Angst vertrieb. Er dachte, er hätte sie gebrochen. Er irrte sich. Anne stand auf. Ihre Beine waren nun fest. Sie wischte sich mit dem Handrücken die Tränen ab, faltete den Testbogen sorgfältig zusammen, steckte ihn zurück in den Umschlag und verstaute alles in ihrer Tasche. Sie dachte an das kleine Glas in ihrer Nachttischschublade, in dem sich die Tabletten stapelten, die sie nicht geschluckt hatte. Sie dachte an Sophie, die ihr Hilfe angeboten hatte und die sie
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