
Seine wunderschöne Besessenheit von nebenan
Er wurde geschickt, um eine Bedrohung auszuschalten. Stattdessen hinterließ er ihr mitten in der Nacht Vintagegeschenke.
Charlotte Skylar zieht die ruhige Sicherheit der Restaurierung von Antiquitäten dem unvorhersehbaren Chaos echter Menschen vor. Doch ihr friedliches Leben zerbricht, als sie in einem Mahagonischreibtisch ein verstecktes Kassenbuch entdeckt. Es ist eine hochbrisante Abschussliste, die dem tödlichsten Mafiasyndikat der Stadt gehört. Um ihr Überleben zu sichern, richtet Lottie einen digitalen Totmannschalter ein und fordert die Unterwelt stillschweigend auf, den ersten Schritt zu tun.
Auftritt **Timothy Kings**. Für die Nachbarschaft ist er der große, unbestreitbar gutaussehende und entwaffnend tollpatschige Buchhalter, der gerade nebenan eingezogen ist. Er bringt Lottie morgens Kaffee und zeigt das warme Lächeln eines perfekten Gentleman.
Aber Timothy ist kein Gentleman. Er ist der tödlichste Vollstrecker des Syndikats, eingesetzt, um das Buch zu finden und jeden auszulöschen, der es gesehen hat. Sein Ziel war einfach. Ihre Wohnung verwanzen, das Buch finden und verschwinden.
Er hätte nur nie erwartet, dass die Überwachung zu einer alles verzehrenden Besessenheit werden würde.
Entgegen jeder Logik gerät Lottie nicht in Panik, als sie eine versteckte Kameralinse entdeckt. Sie beginnt, Notizen für ihren unsichtbaren Beobachter zu hinterlassen, und verliebt sich unsterblich in den Schatten in ihren Wänden. Nun muss Timothy herausfinden, wie er beweisen kann, dass der süße Mann von nebenan und das furchteinflößende Monster, nach dem sie sich sehnt, exakt dieselbe Person sind.
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Chapter: Der Takt der HeimatDrei Wochen waren vergangen, seit die Glocken über dem Anger geläutet hatten, und die Sommersonne hatte sich warm und sanft über Oakridge gelegt.Der wilde Klee an den Zäunen stand hoch und duftend, umschwärmt von dicken Hummeln aus Mrs. Gables Bienenstöcken. Unten am Weg war der Schlamm der Frühjahrsschmelze längst vergessen, festgefahren zu trockenem, hellem Kies durch die Fuhrwerke, die von High River über den Pass kamen. Der Ort bewegte sich in einem ruhigen, stetigen Rhythmus, und oben in der Glockenstube schlug die Rathausuhr jede einzelne Stunde, ohne auch nur einen einzigen Takt zu versäumen.Im Laden von Skylar & Kings fiel das Morgenlicht durch die saubere Scheibe des vorderen Fensters und warf breite Bahnen aus goldenem Licht über die Kieferndielen.Die schwere Kirschholzwandbank, die Timothy aus dem Holz des alten Miller gehobelt hatte, stand mitten im Raum. Ihre tiefrote Maserung nahm bereits jenen feinen, weichen Glanz an, der nur durch die tägliche, ehrliche Arbeit ents
Last Updated: 2026-09-17
Chapter: Die Trauung am GlockenturmDer Samstag brach an, ohne dass auch nur ein Hauch von Bergwind die Nadeln der Hemlocktannen regte.Der Himmel über Oakridge leuchtete in jenem tiefen, reinen Blau, das sich erst zeigt, wenn die Kälte des Winters endgültig vergangen ist. Unten auf dem Dorfanger war das Gras trocken, weich und von kleinen weißen Kleeblüten durchsetzt. Zwei Dutzend Kirchenbänke aus Holz waren in den Sonnenschein getragen und in einem ruhigen Halbkreis direkt im Schatten des hohen Rathausturms aufgestellt worden.Oben im vorderen Raum des Uhrenladens stand Timothy vor dem kleinen Wandspiegel, während seine Finger mit dem dunklen Kragen seines sauberen Wollanzugs rangen.Der Rock war aus anthrazitfarbener Wolle geschneidert, sauber gebürstet und fleckenlos, weit geschnitten für seine breiten Schultern. Es war keine feine Seide aus der Stadt, sondern ehrlicher, fest gefügter Stoff, der nach Zeder und Seife roch.Owen saß auf der Kante der Werkbank und ließ seine geputzten Stiefel baumeln. Der Junge trug ei
Last Updated: 2026-09-17
Chapter: Die Zusammenkunft bei Mrs. GableSie waren noch keine zwei Schritte an den Fliederbüschen vorbei, als die hintere Fliegengittertür mit einem lauten Schlag aufsprang.Owen stolperte die Stufen der Veranda hinab, von seiner Angelrute war weit und breit nichts zu sehen. Sein Gesicht war rot angelaufen, sein sandfarbenes Haar stand wild ab, und er grinste so breit, dass seine Zähne im Sonnenlicht wie weiße Kieselsteine aufblitzten."Hat sie Ja gesagt?", brüllte Owen über den Hof und scherte sich nicht im Geringsten darum, wer auf dem Weg mithören konnte. "Timothy! Miss Lottie! Hat sie den Ring genommen?"Lottie konnte das Lachen nicht zurückhalten, das aus ihrer Brust aufstieg. Sie hob die linke Hand, und das Licht des Nachmittags fing den Kupferreif und den blassgrünen Bachkiesel ein.Owen blieb mitten im Klee stehen, stieß einen Jubelschrei aus, der drei Spatzen aus der Dachrinne aufscheuchte, und warf seine Mütze geradewegs in die Luft."Ich wusste es!", rief Owen, fing die Mütze an der Kappe auf und rannte auf sie zu
Last Updated: 2026-09-17
Chapter: Sonntag am Black Pine CreekDas Mittagsgeschirr war gespült, abgetrocknet und sauber im Kiefernschrank verstaut, noch ehe das Geläut der Nachmittagskirche verklang.Owen schlüpfte mit einer alten Angelrute und einer Wurmdose aus der Vordertür und pfiff leise vor sich hin, während er zum Mühlteich hinabging. Hinter Lotties Rücken warf er Timothy ein kurzes, wissendes Zwinkern zu, wobei seine Ohren vor lauter Vorfreude auf das wohlbehütete Geheimnis glühten.Timothy wartete, bis die Fliegengittertür ins Schloss fiel, ehe er sich zu Lottie umwandte.Sie stand am Küchentisch und band die Schleife ihrer Haube, ihre Wangen noch gerötet vom heißen Spülwasser. Sie trug ihren dunkelgrünen Wollrock und eine weiße Bluse mit kleinen Perlmuttknöpfen auf der Vorderseite."Lottie", begann Timothy mit ruhiger, fast schüchterner Stimme. "Lass den Besen in der Ecke stehen. Gehen wir ein Stück den Bachpfad hinauf, bevor die Sonne hinter den Kamm sinkt."Lottie blickte überrascht auf. "Was ist mit dem Zifferblatt der Schuluhr? Du m
Last Updated: 2026-09-17
Chapter: Ein Geheimnis im WerkzeugkastenDer Tanz auf dem Anger hatte bis weit nach Sonnenuntergang gedauert, doch um Mitternacht waren die Laternen verloschen, und im Ort war Ruhe eingekehrt.Der Sonntagmorgen brach über Oakridge an, ohne dass auch nur eine einzige Wolke am Himmel stand. Das Schmelzwasser in den Niederungen war beinahe abgeflossen und hinterließ das Gras der Wiese grün, feucht und duftend nach schwerer Erde. Hoch über den Hausdächern schlug die große Glocke neun langsame, melodische Töne, die bis hinauf zur Baumgrenze hallten.Unten im Werkstattschuppen hinter dem Uhrenladen war die Tür fast vollständig angelehnt, sodass nur ein schmaler Streifen Morgenlicht über den Lehmboden fiel.Timothy stand an seiner Werkbank, tief gebeugt über den kleinen Schraubstock aus Eisen, der an der Kante des Kirschholztisches befestigt war. Er trug eine alte Hose und eine offene Weste über einem grauen Wollhemd. Seine Ärmel waren bis über die Ellbogen hochgeschoben, und seine kräftigen Knöchel traten weiß hervor, während er e
Last Updated: 2026-09-17
Chapter: Der MittagsschlagDie Sonne stieg über das Tal, bis sie hell und gerade über dem Kiefernkamm stand.Es war noch nicht ganz Mittag, doch das halbe Umland hatte sich bereits auf dem Anger versammelt. Pferdewagen säumten den abgetrockneten Weg, die Tiere an den Pfosten angebunden, mit Futtersäcken voll süßem Hafer vor den Nüstern. Kleine Kinder in sauberen Hemden jagten einander um die Stämme der Ahornbäume, und ihr Lachen klang hell durch die milde Bergluft.Oben in der Glockenstube fiel das Licht in breiten Bahnen durch die Holzlamellen.Timothy kniete auf den Eichendielen, den Schraubenschlüssel fest an der letzten Vierkantmutter der Wandfassung angesetzt. Er gab dem Werkzeug einen letzten, kräftigen Ruck, sodass sich das Eisen tief in das abgelagerte Holz grub."Das sitzt fest", sagte Timothy und wischte sich die Stirn mit dem Handrücken ab. "Die Welle weicht jetzt keinen Millimeter mehr aus."Lottie stand am Gestell des Räderwerks, ihre Taschenuhr auf der offenen Handfläche. Der kleine Sekundenzeiger
Last Updated: 2026-09-17

Ein Zimmer für den Geist
Zara hätte nie erwartet, ein riesiges steinernes Herrenhaus in Yorkshire, England, zu erben. Doch das vergessene Anwesen birgt weit mehr als nur altes Vermögen und verstaubte Kronleuchter. Als sie ihr neues Zuhause erkundet, entdeckt sie ein Gästezimmer, das unheimlich gut erhalten geblieben ist und eine eisige Kälte ausstrahlt. Dort lebt Elias – arrogant, außergewöhnlich attraktiv und seit über hundert Jahren tot.
Durch einen dunklen Familienfluch ist Elias an dieses Zimmer gebunden und kann dessen Schwelle nicht überschreiten. Zunächst ist er nur eine gebieterische Stimme, die aus den Schatten zu ihr spricht. Doch schon bald beginnt er, Nachrichten in der noch feuchten Farbe auf ihren Gemälden zu hinterlassen. Während sie Nacht für Nacht lange Gespräche führen, erkennt Zara, dass sie sich unaufhaltsam in einen Mann verliebt, den sie nicht einmal berühren kann.
Doch ihre zerbrechliche Welt beginnt zu zerfallen. Das Herrenhaus verändert sich, und Elias beginnt langsam zu verblassen. Nun muss Zara die verborgenen Geheimnisse des Anwesens aufdecken und den Fluch brechen, bevor der einzige Mann, den sie jemals wirklich geliebt hat, für immer verschwindet.
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Chapter: Die drei ZimmerDer Aufstieg über den steilen Pfad ging langsam voran, doch jeder Schritt fühlte sich leichter an als der vorherige.Elias hielt seinen linken Arm fest um Zaras Taille gelegt und nahm den größten Teil ihres Gewichts auf seine breite Schulter. Ihre Stiefel knirschten im blassen Morgenreif und hinterließen tiefe Spuren im gewundenen Pfad. Unten in der Senke waren die alten Basaltsäulen nur noch kleine Haufen grauen Schotters, die leise unter einer zarten Schicht frischen Schnees verschwanden.Der üble Geruch des roten Steins war vollkommen verflogen.Die Luft war frisch und rein, schmeckte nach Kiefernnadeln, kühlem Fels und dem klaren Morgenlicht.Als sie die letzte Biegung am Rande des Kessels erreichten, kamen zwei Gestalten durch die niedrigen Fichten herbeigeeilt.Julian rannte so schnell, dass sein Schal wie eine Fahne hinter ihm herwehte, während seine Brille auf der Nase hüpfte. Dicht hinter ihm lief Clara, die ihren Rock mit einer Hand gerafft hielt, ihre Wangen leuchtend rosa
Last Updated: 2026-09-15
Chapter: Die zerborstene SäuleDie Luft auf dem Grund des Kessels schmeckte nach verbranntem Kupfer und abgestandenem Wasser.Victor stand am Fuße der riesigen roten Säule und stützte beide Hände auf seinen eisernen Stock. Der weiße Samt seines Kragens regte sich nicht, denn auf dem Grund der Senke wehte kein natürlicher Windhauch. Nur die kranke Hitze, die von dem roten Stein aufstieg, rollte über den Frost und roch wie eine offene Wunde, die nicht heilen wollte.Elias wich keinen Schritt zurück. Er stand zwei Schritte vor Zara, seine breiten Schultern fest gegen den roten Schein gestellt. Seine derben Stiefel standen sicher und unbeweglich auf den gefrorenen Bodenplatten."Du sprichst wie ein Herrscher, Victor", sagte Elias mit rauer, fester Stimme. "Doch du stehst in einer leeren Grube. Deine zwölf Pfeiler sind toter Fels. Du hast kein Gefolge, keine Brüder und kein Gewölbe mehr. Du bist nur ein alter Mann mit einem Gehstock, der darauf wartet, dass die Kälte ihn einholt."Victors schmale Lippen verzogen sich zu
Last Updated: 2026-09-15
Chapter: Die flüsternde SenkeDer Weg ging in gefrorene Erde über, als der weiße Wagen in das Tal des Nordens hinaufstieg.Die Nacht war schon vor Stunden hereingebrochen, doch es war keine gewöhnliche Dunkelheit. Es war der Vorabend der Wintersonnenwende, die längste Nacht des ganzen Jahres.Über den kahlen Baumkronen stand der schwarze Himmel voller kalter Sterne, die nicht funkelten. Sie standen unbeweglich am Firmament, scharf wie gesprungenes Glas.Julian schaltete die Scheinwerfer achthundert Meter vor dem Pass aus und ließ den Wagen mit dem Schwung ausrollen, bis die Reifen in einer dichten Schicht welker Farne zum Stehen kamen."Hier ist der Rand", flüsterte Julian. Er nahm die Brille ab und wischte den Beschlag mit dem Saum seines Hemdes von den Gläsern. Seine Hände wollten einfach nicht aufhören zu zittern. "Auf den Karten der Landvermesser heißt dieser Ort Teufelskessel, doch die alten Urkunden nennen ihn die Flüsternde Senke. Die Straße endet genau am Abgrund des Beckens."Clara griff nach hinten und r
Last Updated: 2026-09-15
Chapter: Das Herannahen der längsten NachtDer salzige Seewind fühlte sich rein an, als sie den schmalen Klippenpfad wieder hinaufstiegen.Unten in der felsigen Bucht stand das leere Lagerhaus aus Stein der Flut weit offen. Die schwere Eisentür lag nur noch als verbogene Platte im nassen Kies und kühlte ab, während das Salzwasser bereits über die Schwelle schwappte und die letzten Reste von Knochen und geborstenen Fässern forttrug.Als sie den Rand der Klippe erreichten, stand Julian auf dem Dach des weißen Wagens und blickte durch sein Fernglas.Kaum sah er die beiden aus dem Ginster treten, glitt er über die Haube hinab und stolperte im nassen Gras beinahe über seine eigenen Stiefel. Clara stieß die Seitentür auf, ihr Wolltuch flatterte im Wind, als sie ihnen entgegeneilte."Der weiße Rauch!", rief Julian, sein Gesicht strahlte vor lauter Freude. "Wir haben ihn vor zwanzig Minuten gesehen! Eine saubere weiße Wolke stieg direkt aus den Felsen auf! Der Funk schwieg für ein paar Sekunden, und dann kamen von allen Stationen gute
Last Updated: 2026-09-15
Chapter: Die Schatzkammer an den KlippenDas Tosen des Meeres war das Erste, was an ihre Ohren drang, während die Wellen sechzig Meter weiter unten gegen die schroffen Felsen brandeten.Ein feuchter, salziger Nebel lag schwer auf den Scheiben des Wagens, dicht und grau. Julian lenkte das Fahrzeug in ein weites Ginsterdickicht und stellte den Motor direkt an einer alten Steinmauer ab, die halb im Unkraut versunken war.Die Luft draußen war schneidend kalt und schmeckte nach Seetang, feuchtem Schiefer und herbem Salzwasser.Zara setzte sich auf der hinteren Bank auf und rieb sich mit dem Ärmel die Augen. Elias stand bereits auf den Beinen und schnallte seinen derben Ledergürtel fest um die Hüfte. Sein schweres Jagdmesser saß sicher in der Scheide, und den dicken Kragen hatte er hochgeschlagen, um die kalte Gischt von seinem Nacken fernzuhalten."Wir sind da", sprach Elias ruhig und reichte Zara die Hand, um ihr aufzuhelfen.Zara nahm seine Finger, und die vertraute violette Wärme floss sogleich in ihre Haut. Die Müdigkeit verf
Last Updated: 2026-09-15
Chapter: Der Weg zur KüsteDer weiße Wagen holperte über die zerfurchten Feldwege, während die Salzhügel hinter ihnen verblassten.Julian hielt das Lenkrad mit beiden Händen fest umklammert, die Kiefer angespannt, während er tiefen Schlaglöchern auswich. Die gelben Scheinwerfer schnitten durch die aufziehende Dunkelheit und warfen ihr Licht auf totes Gras, verrostete Drahtzäune und einsame Telefonmasten, die seit fünfzig Jahren keine Stimme mehr übertragen hatten.Hinten im Wagen verflüchtigte sich langsam der Geruch nach trockenem Salz.Clara hatte ein kleines Glas mit eingelegten Pflaumen geöffnet und ein hartes Roggenbrot auf einem sauberen Leinentuch in Scheiben geschnitten. Sie reichte Zara zwei dicke Stücke und goss dann warmen, bitteren Zichorienkaffee in zwei Blechbecher."Esst auf, ihr beiden", sagte Clara leise und setzte sich auf die Bank ihnen gegenüber. "Die Küstenstraße ist rau, und der Wind vom Salzwasser beißt sich direkt durch ein Wollhemd, wenn der Magen leer ist.""Danke, Clara", murmelte Zar
Last Updated: 2026-09-15