LOGINZara hätte nie erwartet, ein riesiges steinernes Herrenhaus in Yorkshire, England, zu erben. Doch das vergessene Anwesen birgt weit mehr als nur altes Vermögen und verstaubte Kronleuchter. Als sie ihr neues Zuhause erkundet, entdeckt sie ein Gästezimmer, das unheimlich gut erhalten geblieben ist und eine eisige Kälte ausstrahlt. Dort lebt Elias – arrogant, außergewöhnlich attraktiv und seit über hundert Jahren tot. Durch einen dunklen Familienfluch ist Elias an dieses Zimmer gebunden und kann dessen Schwelle nicht überschreiten. Zunächst ist er nur eine gebieterische Stimme, die aus den Schatten zu ihr spricht. Doch schon bald beginnt er, Nachrichten in der noch feuchten Farbe auf ihren Gemälden zu hinterlassen. Während sie Nacht für Nacht lange Gespräche führen, erkennt Zara, dass sie sich unaufhaltsam in einen Mann verliebt, den sie nicht einmal berühren kann. Doch ihre zerbrechliche Welt beginnt zu zerfallen. Das Herrenhaus verändert sich, und Elias beginnt langsam zu verblassen. Nun muss Zara die verborgenen Geheimnisse des Anwesens aufdecken und den Fluch brechen, bevor der einzige Mann, den sie jemals wirklich geliebt hat, für immer verschwindet.
View MoreDer dichte Staub der zerbrochenen Säulen schwebte wie grauer Schnee durch die stille Krypta. Die bedrückende Kälte war verschwunden und hatte dem feuchten Geruch frischer Erde Platz gemacht, der durch Risse in der hohen Steindecke drang.Elias hielt Zara fest an seiner Brust, seine starken Arme stützten sie, bis ihre zitternden Beine wieder genug Kraft hatten. Die körperliche Erschöpfung, die dadurch entstanden war, dass sie so viel geistige Energie freigesetzt hatte, hatte ihre Haut blass werden lassen. Doch der sanfte Rhythmus seines Herzschlags, den sie durch ihre Blutbindung spürte, brachte langsam wieder Farbe in ihre Wangen.„Ich kann laufen“, flüsterte Zara und lächelte schwach, während sie zu ihm aufsah.„Stütz dich trotzdem auf mich“, murmelte Elias. Er legte einen Arm sicher um ihre Taille, während sie sich gemeinsam zu den vier Jugendlichen umdrehten.Die Kinder saßen inzwischen aufrecht da und rieben sich die Augen, während der Nebel des dunklen Schlafes vollständig aus ih
Die runde Krypta roch nach verbranntem Salbei, trockener Erde und abgestandenem Wasser. Das grüne Fackellicht flackerte an den feuchten Kalksteinwänden und warf lange, schwankende Schatten an die Decke. In der Mitte der Kammer lagen die vier Jugendlichen eng aneinandergekauert in einem dicken Ring aus hellgrauer Asche. Ihre Augen waren halb geöffnet und von einem trüben Schleier bedeckt, während dünne Fäden ihrer Lebenskraft wie schwacher Rauch aus ihren Körpern aufstiegen und in Richtung der abgesenkten Grube im Steinboden gezogen wurden.Zwischen den vier großen, mit Runen bedeckten Steinen hob der Älteste sein gebogenes Ritualmesser. Sein zerfetztes Zeremoniengewand war am Saum mit trockenem Schlamm bedeckt, eine Erinnerung an die Jahrzehnte, die er in der Dunkelheit unter dem Tal verbracht hatte. Seine Haut spannte sich eng über seinen Schädel, und seine roten Augen glänzten mit einem hungrigen, unnatürlichen Feuer.„Du hast eine sterbliche Frau in dieses Heiligtum gebracht, Elias
Die schweren Eingangstüren aus Eichenholz hingen schief in ihren rostigen Angeln. Im Inneren öffnete sich die große Eingangshalle zu einer weiten Rotunde, die von tiefen Schatten verschluckt wurde. Verfaulte Dielen knarrten unter ihren Schritten, während dicke Schichten grauen Staubs die zerbrochenen Möbel entlang der Wände bedeckten. Die Luft war eisig und schmeckte nach feuchtem Kalkstein und altem Kupfer.Zara hielt Elias' Hand fest umklammert. Jeder Schritt, den sie über die Schwelle machten, ließ ein leises, tiefes Summen durch die Sohlen ihrer Stiefel vibrieren. Es war keine Maschine. Es war ein rhythmischer Puls tief im Fundament, wie ein langsamer Herzschlag, der unter dem Felsgestein gefangen war.„Das Haus atmet“, flüsterte Zara. Ihr Atem bildete blasse Wolken in der beißenden Kälte.Elias antwortete nicht sofort. Seine dunklen Augen wanderten über die gewölbten Decken, an denen schwarzes Moos in komplizierten, kreisförmigen Mustern wuchs.„Nicht das Haus“, sagte er schließl
Die asphaltierte Straße endete schon vor mehreren Meilen. Der nicht gekennzeichnete weiße Van kroch einen kurvenreichen Feldweg entlang, während sich hohe, abgestorbene Eichen über ihnen wölbten. Ihre kahlen Äste waren wie verdrehte Finger ineinander verschlungen und zeichneten sich gegen den dämmrigen Himmel ab.Julian tippte auf den Bildschirm seines Tablets. Seine Stirn war vor tiefer Frustration gerunzelt. Die GPS-Karte auf der Konsole drehte sich ständig im Kreis.„Die Navigation ist komplett ausgefallen“, sagte Julian und ließ seine Finger über die Tastatur fliegen. „Das Satellitensignal ist verschwunden, sobald wir die Flussbrücke überquert haben. Laut diesem Bildschirm stehen wir mitten in einem leeren Sumpfgebiet, aber die Straße führt eindeutig weiter.“Auf dem Beifahrersitz presste Zara ihre Hand gegen die Fensterscheibe. Die Luft draußen wirkte dick und grau, wie ein schwerer Vorhang aus unbeweglichem Nebel, der über der feuchten Erde hing. Kein Wind regte sich. Keine Gril