
Neun Monate im Versteck
Mara Whitfield verfasst seit zwei Jahren als Ghostwriterin Pressemitteilungen für Calloway Industries, ohne den CEO jemals persönlich getroffen zu haben. Julian Calloway leitet sein Imperium hinter einer Mauer aus Geheimhaltungsvereinbarungen und verschlossenen Türen – sein Name ist ihr geläufiger als sein Gesicht. Als sie auf der Firmengala von einem Fremden in die Enge getrieben wird, der auf eine Weise witzig und ungezwungen ist, wie es noch kein Führungskraft je war, ahnt sie nicht, dass sie gerade die schönste Nacht ihres Lebens mit ihrem eigenen Chef verbracht hat.
Zwei Wochen später findet sie es heraus, als sie sein Gesicht auf dem Cover von Forbes betrachtet.
Aus Angst, zur nächsten Schlagzeile über eine Frau zu werden, die einen Milliardär in die Falle gelockt hat, tut Mara das Einzige, was Sinn ergibt: Sie verschwindet. Neue Telefonnummer, keine Nachsendeadresse, zurück in die kleine Stadt in Vermont, aus der sie schon als Kind wegwollte. Sie redet sich ein, es sei zu ihrem Schutz. In Wahrheit ist es nur Angst, die sich als Vernunft tarnt.
Julian hat neun Monate damit verbracht, nach der einzigen Frau zu suchen, die ihm jemals das Gefühl gegeben hat, ein Mensch zu sein und nicht nur eine Schlagzeile – ohne Namen und ohne Telefonnummer, an denen er sich orientieren könnte. Als er sie endlich findet, ist sie nicht allein, und das Leben, das sie sich ohne ihn aufgebaut hat, ist nichts, in das er einfach so hineinspazieren darf. Er hat eine einzige Chance zu beweisen, dass er sie will – nicht die Erbin, nicht die Geschichte. Nur sie.
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Chapter: Kapitel 7„Du bist dir da sicher.“Er sagte es im Aufzug, den Daumen über dem Knopf für seine Etage schwebend, und sah mich an, statt auf die Zahlen zu achten, die über den Türen hochkletterten. Kein Zögern. Eine letzte Chance, ganz offen angeboten – die Art von Frage, die bedeutete, dass er genau dort aufhören würde, wenn ich ihm irgendeinen Grund dazu gäbe.„Ich bin mir sicher“, sagte ich und beobachtete, wie sich bei dieser Antwort etwas in seinen Schultern lockerte.Die Aufzugstüren öffneten sich zu einem Flur, der von einem teuren Teppich gedämpft wurde, und er hielt meine Hand den ganzen Weg bis zu seiner Tür in der seinen, als würde ein Loslassen das zerbrechliche Etwas zerstören, das sich zwischen einer Restaurantnische und diesem Stockwerk aufgebaut hatte. Er fummelte einmal, zweimal an der Schlüsselkarte herum und lachte leise über seine eigenen unruhigen Hände, und der Klang dieses Lachens, leise und ein wenig verlegen, bewirkte etwas in mir, was die ganze ausgefeilte Darbietung der
Last Updated: 2026-09-01
Chapter: Kapitel 6„Du machst es schon wieder.“„Was denn?“„Du versuchst, meinen Namen durch Ausschlussverfahren herauszufinden.“ Er schob mir den Torten Teller zu und beobachtete mein Gesicht über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg. „Ich sehe, wie es in deinem Kopf arbeitet. Du gehst gerade jeden CEO durch, über den du jemals schreiben musstest, nicht wahr?“„Vielleicht.“„So wirst du ihn nicht herausfinden.“„Warum nicht?“„Weil ich ihn dir nicht gesagt habe und du zu höflich bist, um einfach direkt danach zu fragen.“ Seine Mundwinkel hoben sich, und darin lag etwas Warmes und ein wenig Verschmitztes. „Was ich, nur damit das klar ist, übrigens sehr charmant finde. Die meisten Leute in diesem Ballsaal hätten meinen vollständigen Namen, mein Vermögen und meine Familiengeschichte auswendig gelernt, noch bevor sie ihr erstes Getränk ausgetrunken hätten.“Ich legte meine Gabel hin, und eine Hitze kroch mir den Nacken hinauf, die nichts mit dem Kaffee zu tun hatte. „Ich könnte fragen. Ich darf fragen.“„Da
Last Updated: 2026-09-01
Chapter: Kapitel 5Das Diner roch nach verbranntem Kaffee und Speckfett, über uns summte leise das Licht der Leuchtstoffröhren, die Vinyl-Sitznischen waren vom Alter rissig und an mindestens zwei Stellen, die ich sehen konnte, mit Klebeband geflickt. Es war in jeder Hinsicht das genaue Gegenteil des Raums, den wir gerade verlassen hatten.„Das ist also deine Vorstellung von Verstecken“, sagte ich und ließ mich in eine Sitznische ihm gegenüber gleiten. „Ein Diner, zwei Blocks von einer Gala in Abendgarderobe entfernt.“„Niemand aus diesem Gebäude hat seit einem Jahrzehnt einen Fuß in einen Ort wie diesen gesetzt.“ Er streifte seine Jacke ab, hängte sie über die Rückenlehne der Sitzecke und krempelte seine Hemdsärmel so hoch, dass er zum ersten Mal, seit ich ihn kennengelernt hatte, wie ein echter Mensch wirkte und nicht wie ein Gerücht, das im Raum die Runde gemacht hatte. „Statistisch gesehen ist es der sicherste Ort der Stadt.“Eine Kellnerin erschien, unbeeindruckt von seinem Anzug oder meinem Kleid,
Last Updated: 2026-08-31
Chapter: Kapitel 4„Wofür sollte man weniger von dir halten? Weil du auf der Gala deiner eigenen Firma ein geheimnisvoller Mann bist?“Die Worte waren schon herausgerutscht, bevor ich ihre Bedeutung ganz erfasst hatte. Seine Augenbrauen hoben sich ganz leicht, und etwas in seinem Gesichtsausdruck verschärfte sich zu echtem Interesse.„Die Gala seiner eigenen Firma“, wiederholte er. „Vorsicht. Das ist ein konkreter Vorwurf.“Hitze stieg mir in den Nacken. Ich hatte das nicht so gemeint, nicht wirklich – die Bemerkung war mir herausgerutscht, bevor mein Verstand mit meinem Mund Schritt halten konnte. Aber jetzt ergab es irgendwie Sinn: die Art, wie es im Raum still geworden war, die Art, wie eine Frau in Rot ihn mit der Geduld einer Person verfolgt hatte, die sich das Recht verdient hatte, ihn in die Enge zu treiben. Ich hatte angenommen, sie sei Vorstandsmitglied. Eine Führungskraft vielleicht. Ich hatte mich nicht auf die eine Schlussfolgerung festlegen lassen, die die besondere Stille erklärte, die ihm
Last Updated: 2026-08-21
Chapter: Kapitel 3„Wie bitte?“„Ich weiß, wie das klingt.“ Seine Hand schloss sich um mein Handgelenk, nicht fest, aber bestimmt, so wie man etwas festhält, von dem man befürchtet, es könnte einem entgleiten, bevor man sich vollständig erklärt hat. „Da ist eine Frau bei der Eisskulptur, die schon seit drei Jahren in Folge versucht, mir ihren Neffen vorzustellen, und wenn sie mich erwischt, bevor ich einen Ausgang finde, werde ich die nächsten vierzig Minuten damit verbringen, mir etwas über seinen Hedgefonds anzuhören.“Ich blickte an seiner Schulter vorbei. Tatsächlich hatte ihn eine Frau in einem roten Kleid entdeckt, hob bereits ihre Hand zu einer Welle, die es ernst meinte, und lenkte schon einen jungen Mann in einem etwas zu engen Anzug mit der zielstrebigen Entschlossenheit einer Frau, die diesen Hinterhalt den ganzen Abend lang geplant hatte, auf uns zu.„Dann sprich doch mit ihr“, sagte ich. „Lehne höflich ab. So gehen Erwachsene normalerweise mit unerwünschten Vorstellungsversuchen um.“„Ich h
Last Updated: 2026-08-21
Chapter: Kapitel 2„Er kommt nicht. Er kommt nie.“Ich hörte den letzten Teil des Satzes von zwei Frauen in der Nähe der Eisskulptur auf – ihre Stimmen waren leise, aber nicht leise genug. Eine von ihnen hielt ein Glas Champagner an ihrem Schlüsselbein, als hätte sie vergessen, dass sie es in der Hand hielt.„Vor zwei Jahren ist er gekommen“, sagte die andere. „Für zwanzig Minuten. Hat eine Rede gehalten und ist noch vor dem Dessert wieder gegangen.“„Das ist kein ‚Kommen‘. Das ist eine Geiselnahme mit besserer Beleuchtung.“Ich verlangsamte meine Schritte gerade so weit, dass ich mehr hören konnte, zwang mich dann aber, weiterzugehen, denn das Belauschen von Fremden würde den Saal nicht weniger riesig erscheinen lassen. Der Ballsaal erstreckte sich vor mir in Gold und Weiß, Kronleuchter ließen Licht auf Marmorböden tropfen, die so stark poliert waren, dass ich mein eigenes nervöses Spiegelbild darin sehen konnte. In der Ecke spielte ein Quartett etwas Klassisches. Kellner bewegten sich mit auf Schulter
Last Updated: 2026-08-21
Chapter: Kapitel 7„Sie müssen Miss Ellis sein.“Der Mann in der Tür sah aus, als wäre er noch nie in seinem Leben überrascht worden: an den Schläfen ergraut, im Anzug, der so scharf gebügelt war, dass man sich daran hätte schneiden können, und mit einem Tablet unter dem Arm, das wie eine Verlängerung seines Körpers wirkte. Wren stand mit ihrem einzigen Koffer in der Tür und fühlte sich zum ersten Mal seit Jahren wirklich klein.„Wren reicht.“„Thomas Reyes. Ich leite den Haushalt.“ Er reichte ihr keine Hand, trat lediglich einen Schritt zurück, um sie hereinzulassen, und musterte den Koffer mit einem Blick, der nichts verriet. „Ist das alles?“„Ich hatte keinen sechsmonatigen Urlaub geplant.“Etwas zuckte in seinem Mundwinkel, fast ein Lächeln, das schon verschwunden war, bevor es richtig da war. „Hier entlang.“Allein die Lobby war größer als ihre gesamte Wohnung. Wren hielt ihr Gesicht sorgfältig ausdruckslos, während sie ihm an einer Fensterfront vorbei folgte, die den Blick auf eine Skyline freigab
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel 6„Sag das noch mal, ich glaube, ich habe dich nicht richtig verstanden.“„Ich ziehe bei ihm ein. Für sechs Monate.“ Wren zog ihren einzigen intakten Koffer unter dem Bett hervor, wobei der Reißverschluss wie immer auf halber Strecke hängen blieb. „Ab nach der Operation.“Priya stand in der Tür ihres gemeinsamen Schlafzimmers, die Arme verschränkt, das Geschirrtuch noch in einer Hand, von was auch immer sie gerade in der Küche gemacht hatte, bevor Wren hereinkam und ihren ganzen Abend in die Luft jagte. „Der Milliardär. Der, dessen Baby du ausgetragen hast und an den du danach rechtlich gesehen nicht mehr denken durftest. Dieser Milliardär.“„Genau der.“„Und du hast dem zugestimmt.“„Ich habe fünfzigtausend Dollar zugestimmt und einem Vertrag, auf dem mein Name in jeder Zeile steht, einschließlich des Auszugsdatums.“ Wren riss eine Schublade heftiger auf, als nötig gewesen wäre. „Ich ziehe nicht ein, weil ich es will, Priya. Ich ziehe ein, weil ein Arzt bestätigt hat, dass es medizinis
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel 5„Nein.“Dorian starrte sie an, als hätte er das Wort gar nicht registriert. „Du hast die Summe noch nicht einmal gehört.“„Das brauche ich auch nicht.“ Wren zog ihren Mantel enger um sich und war bereits auf halbem Weg zur Tür des Sprechzimmers. „Ich mache das nicht des Geldes wegen.“„Jeder in diesem Krankenhaus macht das des Geldes wegen. Die Chirurgen, der Anästhesist, die Frau, die mir gerade im Souvenirladen vier Dollar für eine Flasche Wasser abverlangt hat.“ Er stellte sich vor die Tür, bevor sie sie erreichte. „Ich will Sie nicht beleidigen, Miss Ellis. Ich bin nur ehrlich. Sie waren zwei Jahre lang verschwunden. Sie wirken auf mich nicht wie jemand, der aus sentimentalen Gründen zurückgekommen ist.“Ihr Kiefer spannte sich an. „Sie wissen gar nichts über mich.“„Ich weiß, dass du die passende Spenderin bist. Ich weiß, dass du am Tag nach seiner Geburt gegangen bist, ohne die zweite Hälfte deiner Bezahlung einzustreichen. Und ich weiß: Was auch immer dein Grund war, damals auf
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel 4„Du musst dich nicht die ganze Fahrt über mit mir unterhalten.“„Das hatte ich auch nicht vor.“ Wren richtete ihren Blick auf das Fenster, auf Manhattan, das in einem Lichtschleier an ihr vorbeiglitt – ein Anblick, den sie aus dem Inneren eines so leisen Autos selten zu sehen bekam. „Ich frage mich nur, worauf ich mich da einlasse.“„Hauptsächlich Untersuchungen. Blutuntersuchungen, um die Übereinstimmung zu bestätigen. Wenn das Ergebnis so ausfällt, wie Dr. Osei es erwartet, machen wir von da an schnell weiter.“„Und wenn es nicht so ausfällt, wie sie es erwartet?“Dorian antwortete nicht sofort, und das war Antwort genug.Das Auto bog in einen privaten Eingang ein, von dem Wren nicht gewusst hatte, dass Krankenhäuser so etwas hatten – eine Seitentür ohne Wartezimmer, ohne Anmeldeschalter, nur mit einem Wachmann, der Dorian zunickte, als würde er schon seit Jahren erwartet. Sie folgte ihm einen Flur entlang, der wie jedes Krankenhaus roch, in dem sie jemals eine Schicht gearbeitet ha
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel 3„Wer ist da?“„Wren Ellis?“Stille hinter der Tür. Lange genug, dass Dorian sich fast wiederholen wollte, bevor die Kette gleiten ging, dann aber auf halbem Weg stehen blieb.Die Tür öffnete sich vier Zoll weit. Ein Paar dunkler Augen, scharf und unbeweglich, musterte ihn von den Schuhen aufwärts – den Mantel, das Gesicht – und blieb irgendwo knapp jenseits des Misstrauens hängen.„Ich kenne Sie nicht.“„Nein. Das würdest du auch nicht.“ Dorian hielt seine Hände sichtbar und sprach mit leiser Stimme, so wie er es bei Verhandlungen gelernt hatte, bei denen eine falsche Bewegung alles beenden konnte. „Mein Name ist Dorian Vance.“Welche Reaktion er auch immer erwartet hatte, es war nicht die, die er bekam. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. Ihre Hand, die den Türrand umklammerte, wurde an den Knöcheln weiß.„Ich weiß, wer du bist“, sagte sie. „Ich habe heute vier verpasste Anrufe von einem Krankenhaus erhalten, in dem ich nie Patientin war. Bei etwa dem dritten Anruf habe ich e
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel 2„Sie heißt Wren Ellis. Vierundzwanzig. Und du musst dich hinsetzen, bevor ich dir den Rest erzähle.“Dorian setzte sich nicht hin. „Thomas.“„ „Ich meine es ernst.“ Thomas Reyes legte ein schlankes Tablet auf den Schreibtisch zwischen ihnen – eine Geste, die er immer dann machte, wenn er die bevorstehende Reaktion bereits kannte. „Ich habe vierzig Minuten gebraucht, um sie zu finden, nicht weil sie sich gut versteckt, sondern weil es nichts zu verbergen gibt. Keine Vermögenswerte. Kein Eigentum. Ein Girokonto, das zweimal im Monat wie am Schnürchen überzogen wird.“„Das ist unmöglich. Sie wurde bezahlt.“„Sie wurde so bezahlt, wie es im Vertrag festgelegt war. Und das – ich habe es zweimal überprüft, weil ich es selbst nicht glauben konnte – war weniger, als du Rosa für ein Jahr als Haushälterin in diesem Penthouse zahlst.“Dorian presste die Kiefer zusammen. Er hatte sich die Zahlungsbedingungen seit zwei Jahren nicht mehr angesehen, hatte es nicht gebraucht – so wie man sich keine Q
Last Updated: 2026-09-18