Die Morgenluft war immer noch dicht mit Abgasen und dem entfernten Hupen von Taxis, als ich endlich das Schultor erreichte, mein Rucksack schwer an meinen Schultern und meine Haare immer noch feucht von der eiligen Dusche. Ich hatte kaum einen Fuß auf den rissigen Betonweg gesetzt, als eine vertraute Hand herausschoss und sich mit erschreckender Kraft um meinen Arm drückte.
"Beeil dich! Harper!" Jane zischte, ihre Stimme war leise und drängend, ihre Finger gruben sich mit einer Verzweiflung in meinen Bizeps, die mir sofort die Nerven auf die Nerven setzte. Sie zog mich seitwärts vom Hauptweg weg und drückte uns beide gegen das kühle Metall des Tores.
Ihre Augen waren weit aufgerissen und schossen verzweifelt auf den Versammlungssaal am anderen Ende des Vierecks zu, wo sich die Studenten bereits in ordentlichen, stillen Reihen aufstellten. "Der Schulleiter bestraft heute Nachzügler", flüsterte sie, ihr Atem warm und minzig gegen mein Ohr.
"Wie echte Strafen."
Ein kalter Knoten der Angst fiel in die Grube meines Magens. Ich konnte es mir schon vorstellen - der dicke Ledergürtel des Schulleiters, sein Gesicht verzog sich zu diesem grausamen, zufriedenen Grinsen, das er trug, wenn er eine Ausrede hatte, Schüler vor der ganzen Schule zu demütigen. Mein Puls begann einen hektischen Rhythmus gegen meine Kehle.
"Oh mein Gott!" Ich atmete, meine eigene Stimme kaum hörbar, zitterte vor Panik. "Dieser Mann hat wieder mit seinen Problemen angefangen. Was soll ich jetzt tun? Ich will nicht in die Falle dieses bösen Mannes tappen", flüsterte ich zurück, während meine Augen den Hof nach Anzeichen von Gefahr absuchten.
Da habe ich ihn entdeckt.
"Ist das nicht Asher, der niederkniet?" Fragte ich, mein Magen drehte sich beim Anblick meines Freundes aus Kindertagen, der sich vor dem Versammlungsgelände positionierte, sein Kopf verneigte sich vor Scham, während der Schulleiter vor ihm hin und her ging wie ein Raubtier, das verwundete Beute umkreiste.
Die Morgensonne glitzerte grausam vom kahlen Kopf des Schulleiters, und selbst aus dieser Entfernung konnte ich die starre Spannung in Ashers Schultern sehen.
"Genug von all diesen Fragen." Janes Griff um meinen Ärmel wurde fester, ihre Nägel bissen durch den dünnen Stoff meiner Uniformbluse. Sie gab mir einen scharfen Stoß in Richtung des Klassenzimmerblocks, ihre Augen verließen nie den Versammlungssaal.
"Schleicht sich einfach hinter mich und versteckt sich in einer Toilette, bis die Versammlung vorbei ist. Seien Sie schnell, bevor der Schulleiter vermutet, dass hier etwas vor sich geht", flüsterte sie dringend, ihr Körper schräg, um mich vor den Ansichten zu schützen.
Sie drückte mich erneut, diesmal beharrlicher, und ich stolperte rückwärts, mein Herz hämmerte, als mir klar wurde, wie knapp dieser Anruf war. „Wenn ich dreißig Sekunden später angekommen wäre, wenn Jane nicht das Tor beobachtet hätte“ -
Ich habe mir den Gedanken nicht ausreden lassen. Ich duckte mich tief, umarmte die Wand, meine Turnschuhe quietschten schwach gegen den polierten Boden, als ich in die nächste Toilette schlüpfte und mich im letzten Stall einschloss.
Die Luft im Inneren war dicht mit dem chemischen Stich von Industriedesinfektionsmitteln und der anhaltenden Luftfeuchtigkeit von Morgenmopps. Ich drückte meinen Rücken gegen die kalte Metalltür, drückte meine Augen zu und versuchte, meine Atmung zu verlangsamen.
Die Zeit kroch in diesem beengten, erstickenden Raum vorbei. Der Toilettensitz war unten, und ich saß auf dem Rand davon, die Knie an meine Brust gezogen, und lauschte dem gedämpften Dröhnen der Stimme des Schulleiters, die durch das PA-System dröhnte.
"Endlich ist die Versammlung vorbei", murmelte ich vor mich hin, fast schwach vor Erleichterung in dem Moment, als sich die Stimmen der Schüler in der vertrauten, drunschenden Kadenz des einmarschierenden Liedes erhoben. "Ich werde bald aus dieser erstickenden Toilette rauskommen."
Ich wartete noch ein paar qualvolle Minuten, bis sich der Flur mit Donner von Schritten und Geschwätz füllte, dann tauchte ich auf, blinzelte im fluoreszierenden Licht und machte mich auf den Weg zum Unterricht.
...
(MINUTEN SPÄTER)
Das Klassenzimmer brummte mit dem leisen Murmeln von Gesprächen vor dem Unterricht, als ich hereinkam, das Morgensonnenlicht schräg durch die staubigen Fenster in blassgoldenen Balken.
Asher war bereits an seinem Schreibtisch, seine Uniform leicht zerknittert, sein dunkles Haar zerzaust von der Strafe, die er erlitten hatte.
Er blickte auf, als ich näher kam, und trotz allem zog ein verschmitztes Grinsen an meinen Lippen.
“Ha! Ha! Ha! Asher, mein Typ." Ich ließ mich auf den Sitz neben ihm fallen und lehnte mich bewusst beiläufig zurück. "Wie bist du in die Falle des Schulleiters getappen?" Fragte ich neckend, meine Stimme war von spielerischer Sympathie durchzogen, als wir uns alle in der Klasse niederließen und darauf warteten, dass der Fachlehrer kam.
"Wo warst du, Harper?" Er drehte sich zu mir um, seine Stirn runzelte sich in echter Verwirrung. "Ich habe dich nicht in der Versammlungshalle gesehen", fragte er.
"Oh! Asher! So eine brillante Frage." Ich verschränkte meine Arme vor meiner Brust und kämpfte gegen den Drang, über die Absurdität von allem zu lachen. "Wie auch immer, ich habe mich für alle unsichtbar gemacht", antwortete ich, mein Ton tropfte vor Scheingeheimnissen.
"Halten Sie es dort! Harper!" Janes Stimme durchdrang das Gespräch wie ein Messer, als sie die Klasse betrat, ihre Tasche schwankte von einer Schulter, ihre Wangen waren immer noch rot vom Adrenalin des Morgens.
Sie schritt auf uns zu und legte ihre Hände mit theatralischer Empörung auf ihre Hüften. "War ich nicht derjenige, der dich gerettet hat? Erlaube ihr nicht, dich zu täuschen. Ich war heute ihr Retter", fügte Jane prahlerisch hinzu, ihr Kinn vor Stolz erhoben.
"Gut, das sollte dir nicht das Gefühl geben, ein Gott zu sein", antwortete ich sofort und rollte mit den Augen, selbst als sich ein warmes Flackern der Dankbarkeit durch meine Brust bewegte. Sie hatte mich schließlich vor einer sehr öffentlichen Demütigung bewahrt.
Eine schwere Stille fiel über unser kleines Trio. Ashers Gesichtsausdruck veränderte sich, sein Kiefer zog sich zusammen, als er von Jane zu mir und wieder zurück schaute.
"Jetzt verstehe ich, was los ist", sagte Asher langsam, seine Stimme sank auf ein tieferes, ernsteres Register. Wir blieben beide still und beugten uns instinktiv vor, um zu hören, was er zu sagen hatte.
"Also, Jane, du hast Harper gerettet und mir nicht einmal gesagt, dass der Schulleiter Nachzöger bestraft, als ich am Tor an dir vorbeikam." Er fixierte sie mit einem Blick, der teils verletzt, teils echte Wut war. "Also, wofür sind wir Freunde?" Fragte er, die Worte waren scharf genug, um Jane zusammenzucken zu lassen.
"Asher, es tut mir sehr leid." Janes prahlerisches Auftreten zerbröckelte sofort, ihre Schultern sacken nach. "Ich wusste nicht, dass der Schulleiter Nachzuglinge bestraft", flehte sie mit großen und ernsthaften Augen, während sie versuchte, sich zu verteidigen. "Ich schwöre, ich habe es erst herausgefunden, kurz bevor Harper hier ankam -"
"Seufz!" Das Geräusch entwich mir, bevor ich es stoppen konnte. Ich streckte die Hand aus, legte eine Hand auf Ashers Unterarm und spürte, wie sich die Spannung dort aufwirbelte. "Ich vertraue Jane. Sie kann dir nicht erlauben, absichtlich in ein Problem zu geraten." Ich schaute zwischen ihnen hin und her, meine Stimme wurde weicher mit dem Gewicht der Erinnerungen.
"Hast du vergessen, was wir drei seit unserer Kindheit zusammen gemacht haben, als wir noch in der Grundschule waren und uns in Zeiten der Not immer füreinander eingedeckt haben? Das Schicksal hat uns wieder zusammengebracht".
"Also, es ist nicht jetzt, dass wir uns gegenseitig im Stich lassen würden", sagte ich und versuchte, das Problem zu lösen, die Worte trugen das volle Gewicht unserer gemeinsamen Geschichte - die abgekratzten Knie, die geheimen Verstecke, die Versprechen, die unter der Spielplatzausrüstung gemacht wurden, dass wir uns immer gegenseitig den Rücken freihaben würden.
Die Spannung in Ashers Schultern löste sich nur ein wenig.
"Wie auch immer, es gibt etwas, das ich mit euch beiden besprechen möchte", fügte ich hinzu, meine Neugier auf den Traum brannte immer noch in meinem Hinterkopf und verlangte, geteilt zu werden.
Aber in diesem Moment öffnete sich die Tür des Klassenzimmers mit einem scharfen Knarren, und die Fachlehrerin kam herein, ihre Absätze klickten gegen das Linoleum, ein Stapel Lehrbücher in ihren Armen.
"Keine Sorge, Leute! Wenn wir in der Pause sind, werde ich dich erfassen", sagte ich schnell, die Worte stürzten in einem Flüstern heraus, als wir alle auf die Beine kletterten, um den Lehrer zu begrüßen.
....
(MOMENTE SPÄTER)
Die Glocke für die Pause läutete laut durch den Flur, ein raues, metallisches Klingeln, das die Monotonie des Morgens zerstörte.
Stühle kratzten sich am Boden, als alle aufsprangen, und der Raum brach in eine chaotische Symphonie aus Reißverschlusstaschen und geschrienen Gesprächen aus. Das Sonnenlicht strömte nun durch die Fenster und verwandelte die Staubmoten in schwimmende Goldspetchen.
"Okay Leute, lasst uns in die Cafeteria gehen", sagte ich, während ich bereits meine Sachen sammelte, mein Magen flatterte mit einer seltsamen Mischung aus Aufregung und Nervosität.
"Dies ist unsere Chance, endlich zu reden", fügte ich hinzu, als wir drei zusammenfielen und durch den überfüllten Flur navigierten. Die Luft roch nach Bodenwachs und Teenager-Parfüm, Schließfächer schlugen auf beiden Seiten von uns zu, als wir uns auf den Weg zur Cafeteria machten. Wir hielten uns fest, unsere Schultern stießen zusammen, eine enge kleine Einheit bewegte sich durch das Meer von Studenten.
Die Cafeteria war ein höhlenreicher Raum mit hoher Decke, der mit dem Klappern von Tabletts und dem überlappenden Brüllen von hundert gleichzeitigen Gesprächen gefüllt war.
Der Geruch von gebratenen Kochbananen und dem gestrigen Eintopf hing schwer in der Luft. Wir schlängelten uns durch die Tische, vorbei an einem Haufen lachender Studenten,, bis wir unseren Lieblingsplatz erreichten - einen Ecktisch in der Nähe der hohen Fenster, der über das überwachsene Fußballfeld blickte, etwas abseits des Chaos.
Ich stellte mein Tablett ab und rührte mein Getränk um, wobei das Eis gegen den Plastikbecher klirrte, und beobachtete, wie wir uns alle in der Cafeteria, an unserem Lieblingsplatz, niederließen.
"Seufz! Würdet ihr glauben, dass ich jetzt einen Traumfreund habe?" Fragte ich neckend, meine Stimme war leicht und verspielt, auch wenn mir die Hitze den Nacken hinaufschlich.
"Hmmmm, ist das dein Ernst?" Jane beugte sich sofort vor, ihre Augen leuchteten vor Neugierde, ein Lächeln spielte auf ihren Lippenwinkeln. "Wo hast du diesen glücklichen Kerl getroffen?" Fragte sie mit einem neugierigen Lächeln.
"Ja, wir sollten alle wissen, wer dieser Typ ist", fügte Asher hinzu, seine frühere Verärgerung völlig vergessen, ersetzt durch großes Interesse.
Ich holte tief Luft und spürte das Gewicht des Geheimnisses, das ich tagelang allein getragen hatte.
"Ich hoffe, ihr versteht, was ich mit Traumfreund meine?" Ich hielt inne und ließ die Worte zwischen uns in der Luft hängen, meine Stimme sank zu einem verschwörerischen Flüstern.
"Wie, der Typ fickt mich normalerweise jede Nacht in meinem Traum und ich würde sehr nass und tropfend aufwachen. Das passiert normalerweise jedes Mal, wenn ich diesen Roman lese, den ich heruntergeladen habe, bevor ich schlafe", sagte ich, das Geständnis stürzte in Eile heraus, während ich ihre Gesichter aufmerksam beobachtete und mich auf Urteil, Lachen oder Unglauben vorbereitete.
"Ah! Welcher Roman ist das?" Die beiden riefen und fragten fast gleichzeitig, ihre Augen weiteten sich mit leicht geöffnetem Mund, als der Lärm in der Cafeteria in ein entferntes Brummen um uns herum verblasste.
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