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99 Mal abgesagt: Ich verlasse den Alpha
99 Mal abgesagt: Ich verlasse den Alpha
Author: coco

Kapitel 1

Author: coco
Das Autofenster war halb geöffnet, und Ella streckte den Kopf hinaus, um sich bei mir zu entschuldigen:

„Tut mir leid, Luna, ich wollte einfach nur in einer Bar entspannen. Aber mach dir keine Sorgen, wenn wir zurückkommen, lasse ich den Alpha dir bestimmt etwas Leckeres mitbringen!“

Noch bevor ich etwas erwidern konnte, lachte Alpha Leon und fuhr ihr sanft durchs Haar.

„Kleine Naschkatze, du bist selbst verfressen und glaubst, die ganze Welt wäre genauso, was?“

„Kümmere dich nicht um sie, sonst frisst sie hinterher wieder zu viel und behauptet, sie hat einen Anfall durch Wolfsgift. Für solche Spielchen habe ich wirklich keine Zeit.“

Also hatte er mein Unbehagen zuvor doch bemerkt, glaubte aber, ich hätte es nur vorgetäuscht, aus Eifersucht und um Aufmerksamkeit zu erregen.

Früher wäre ich in solchen Momenten stets in Tränen ausgebrochen, hätte Leon erklärt und gestritten.

Doch diesmal sagte ich nichts, ich nickte nur.

„In Ordnung, ich wünsche euch viel Spaß.“

Leon war kurz überrascht, dann legte sich wieder dieses spöttische Lächeln auf seine Lippen.

„Wenn du vernünftig bleibst, umso besser.“

Das Auto fuhr davon.

Bevor sie losfuhren, ließ Leon aus Sorge, Ella könnte sich langweilen, fürsorglich alle Fenster ganz hinunter.

Mir hingegen wurde leicht übel, besonders, wenn Leon fuhr – in solchen Fällen half nur frische Luft.

Doch er hatte mir nie erlaubt, das Fenster zu öffnen:

„Was heißt hier Reisekrankheit? Stell dich nicht so an, du übertreibst mal wieder.“

Ich verstand sofort. Lautlos zog ich den Ring von meinem linken Ringfinger und warf ihn in den vorbeifahrenden Müllwagen.

Am nächsten Morgen fuhr ich in aller Frühe zum Rudelhaus, um die Arbeit zu übergeben.

Seit Leon die Position des Alpha von seinem Vorgänger übernommen hatte, arbeitete ich als seine Sekretärin.

„Du kündigst? Weiß Alpha Leon davon?“, fragte Beta überrascht.

„Wenn die neue Sekretärin da ist, wird er es schon erfahren.“

Damit verließ ich das Büro.

Zuhause traf ich auf Leon, der gerade aus der Dusche kam. Sein ganzer Körper duftete nach meinem Badegel – ein Duft, den er eigentlich nicht mochte.

Verwundert sah ich ihn an.

Er rieb sich leicht das Handgelenk, senkte den Blick und sagte:

„Gestern Abend hatte ich zu viel getrunken, um noch zu fahren. Ich habe mir ein Zimmer im Hotel genommen und dort übernachtet. Deshalb bin ich erst heute Morgen heimgekommen.“

Zum ersten Mal in fünf Jahren erklärte sich Leon von selbst.

Ich nickte nur, ohne ein Wort zu sagen.

„Wo warst du heute Morgen?“, fragte er weiter.

Ich hob den Blick zu ihm und erinnerte mich daran, wie ich nach jeder Feier schon im Morgengrauen aufgestanden war, um ihm einen magenschonenden Haferbrei zu kochen.

Dass er heute früh nichts vorfand, war also Grund genug für seine Verwunderung.

Ich nickte bloß. „Ich hatte etwas zu erledigen.“

Ich wollte gerade gehen, als Leon, der seit meinem Eintreten die Stirn leicht gerunzelt hatte, mit verfinstertem Gesicht meine Hand packte.

„Selene, das reicht jetzt. Ich habe unsere Markierung doch nur aufgeschoben, das ist keine endgültige Weigerung! Wenn du weiter so tust, wird das wirklich albern!“

Aber ich tat gar nichts – ich hatte nur endgültig beschlossen, mich von ihm nicht mehr markieren zu lassen.

Gerade als ich antworten wollte, erklang eine zuckersüße, leicht vorwurfsvolle Stimme:

„Alpha Leon! Das ist alles deine Schuld!“

„Das Ding, das du mir heute Morgen gekauft hast, war völlig die falsche Größe!“

„Mit so einem Modell komme ich überhaupt nicht zurecht! Alpha Leon, du verstehst mich wirklich kein bisschen!“

Ella trug Leons Hemd, nur zwei der Knöpfe waren lose geschlossen, sodass ihre zarten Schlüsselbeine sichtbar wurden. Sie ging direkt auf Leon zu, hakte sich vertraut bei ihm ein und schwang spielerisch seinen Arm.

In diesem Moment glätteten sich Leons Stirnfalten, und seine Stimme klang so sanft, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte: „Warum hast du nicht noch ein wenig geschlafen? Wenn es dir nicht passt, kaufe ich dir nächstes Mal einfach ein anderes.“

Er beugte sich sogar hinunter, um Ellas leicht zerzauste Strähnen zu ordnen. Die Geste war so selbstverständlich, so vertraut, als wären sie schon seit zehn Jahren ein Paar.

Ich sah zu, wie sich diese Szene abspielte, und es fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Hand mein Herz fest umklammern. Doch seltsamerweise war der stechende Schmerz von früher verschwunden; es blieb nur eine dumpfe Leere, eine lähmende Taubheit.

Erst da bemerkte Ella mich, wie ich abseits stand. Ein Hauch von Triumph blitzte in ihren Augen auf, bevor sie betont überrascht tat: „Ach, Selene, du bist ja auch hier? Verzeih bitte, ich dachte, Leon und ich wären allein zu Hause.“

Sie sprach die Worte „Leon und ich“ betont deutlich aus, als müsse sie damit ein Besitzrecht verkünden.

Leon widersprach nicht. Er warf mir nur einen flüchtigen Blick zu, in dem ein Anflug von Ungeduld lag, als störte meine bloße Anwesenheit ihre kleine „Zweisamkeit“.

Ich zog meine Hand aus seinem Griff, meine Fingerspitzen waren eiskalt.

„Ich wollte nur etwas holen. Ich bin gleich wieder weg“, sagte ich ruhig, ohne jede Regung in der Stimme.

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