Share

SUCHTRUPP

Author: Onyekewrites
last update publish date: 2026-06-22 23:07:47

Kapitel Drei

SUCHTRUPP

*Saras POV

Ich lag lange auf dem Bett und starrte an die Decke. Mein Körper fühlte sich wund und schwer an, doch die Gefährtenbindung summte stärker in mir. Ich hasste es, wie sehr ich Kael noch immer wollte, selbst nach seinen kalten Worten.

„Er will mich nicht", flüsterte ich mir selbst. „Aber ich brauche ihn, um zu überleben."

Ich zwang mich auf und reinigte mich mit dem Tuch, das er zurückgelassen hatte. Jede Bewegung erinnerte mich an das, was zwischen uns geschehen war — wie überwältigend die Bindung gewesen war, wie sie durch uns beide gestürmt war wie ein Sturm, dem keiner von uns entkommen konnte.

Ein leises Klopfen ertönte an der Tür. Ich erstarrte.

„Ich bin es", rief die Dienerin leise. „Ich habe Kleider und Essen gebracht."

Ich öffnete die Tür einen Spalt. Die ältere Frau schlüpfte herein und reichte mir eine einfache schwarze Hose und eine Tunika. Sie hielt den Blick gesenkt.

„Der Alpha ist damit beschäftigt, sich um Späher an der Grenze zu kümmern", flüsterte sie. „Blackthorn-Wölfe kommen näher. Sie fragen gezielt nach dir."

Ich zog mich schnell an. Meine Gedanken rasten. Sie wollten mich tot, bevor ich beweisen konnte, dass mein Vater unschuldig war. Bevor ich enthüllen konnte, welche Lügen sie benutzt hatten, um ihn zu vernichten.

„Danke", sagte ich.

Sie ging und schloss die Tür hinter sich ab.

Ich aß das Essen, obwohl mein Appetit gering war. Die Bindung zog an meiner Brust und zog mich zu Kael hin. Er war irgendwo da draußen und kämpfte meinetwegen. Ich schritt im Zimmer auf und ab und fühlte mich ruhelos. Mein Wolf wollte rennen. Kämpfen. Etwas Nützliches tun.

Stunden vergingen. Entfernte Heulrufe wurden lauter, verstummten dann, stiegen dann wieder auf. Sie testeten die Grenzen. Spielten mit uns.

Plötzlich flog die Tür auf. Kael Draven stürmte herein, bedeckt mit Schmutz und Blut. Seine stürmischen Augen fanden mich sofort.

„Sie wissen, dass du hier bist", sagte Kael, seine Stimme leise und gefährlich. „Ryker führt sie persönlich an. Er will deinen Kopf."

Ich trat näher. „Dann lass mich helfen. Ich kann kämpfen."

Kael lachte kalt. „Du bist noch schwach. Bleib aus dem Weg."

Er packte mein Kinn und zwang mich, ihn anzusehen. Selbst jetzt sandte seine Berührung eine ungewollte Wärme durch mich. Die Gefährtenbindung pochte zwischen uns, hartnäckig und unerbittlich.

„Diese Bindung ist ein Fluch", murmelte Kael, doch sein Körper lehnte sich trotzdem näher. Sein Duft hüllte mich ein — Zeder und Frost und rohe Macht.

Bevor ich antworten konnte, küsste er mich heftig. Ich zog mich nicht zurück. Die Bindung ließ es nicht zu, und wenn ich ehrlich mit mir selbst war, ich auch nicht. Als er den Kuss schließlich brach, atmeten wir beide schwer.

„Ich sollte das nicht wollen", knurrte Kael und trat zurück.

Ein lautes Krachen hallte von draußen. Irgendwo im Rudelhaus zerbrach Glas. Heulrufe stiegen auf — nah. Zu nah.

Kael schob mich hinter sich. „Bleib hier", befahl er und griff nach seinen Waffen.

Doch ich folgte ihm in den Flur. Ich konnte mich nicht einfach verstecken.

Wir erreichten den Hauptkorridor, als ein massiver Wolf durch ein zerbrochenes Fenster hereinbrach. Seine Augen glühten in einem krankhaften Gelb — dieselbe beunruhigende Farbe, die ich beim Angriff der Streunenden gesehen hatte. Etwas stimmte nicht mit ihm. Verzerrt.

Kael verwandelte sich augenblicklich, sein riesiger silbergestreifter Wolf prallte auf den Eindringling. Sie stürzten durch Möbel, knurrten und rissen aneinander.

Ich griff einen Dolch von der Wand und trat näher. Ein zweiter Wolf trat aus den Schatten hervor und sprang auf Kaels Rücken zu.

Ich stach ihm in die Seite. Er heulte vor Schmerz auf und wandte sich wutentbrannt gegen mich.

Kael erledigte den ersten Wolf mit einem heftigen Biss in die Kehle und wirbelte dann herum, um mir zu helfen. Doch mehr Heulrufe antworteten von draußen. Sie brachen durch.

Während Kael den zweiten Wolf bekämpfte, bemerkte ich eine große Gestalt, die regungslos in den Schatten am Ende des Korridors stand. Silbernes Haar. Durchdringende eisgraue Augen. Macht strömte von ihm aus — kontrolliert, aber immens.

*Alpha Snow.*

Sein Blick traf meinen durch das Chaos hindurch. Für einen kurzen Moment blitzte etwas Dunkles und Hungriges in seinen Augen auf. Er sah mich an, als hätte er auf genau diese Gelegenheit gewartet. Doch er bewegte sich nicht. Er beobachtete nur mit intensiver Aufmerksamkeit, bevor er in den Schatten zurückglitt.

Kael verwandelte sich zurück in Menschengestalt, atmete schwer, Blut auf seiner Brust. Er packte meinen Arm.

„Wir müssen in den Sicherheitsraum. Jetzt", knurrte Kael.

Wir rannten den Flur hinunter, doch mehr Wölfe strömten durch die zerbrochenen Fenster herein. Der Kampf wurde lauter. Überall Chaos.

Gerade als wir die verstärkte Tür erreichten, traf etwas Massives Kael von der Seite und schleuderte ihn gegen die Wand.

Ein dritter verzerrter Wolf stand über ihm und knurrte.

Und hinter ihm trat eine weitere Gestalt aus der Dunkelheit. Er trug Blackthorn-Farben, bewegte sich aber mit Silvermoon-Anmut.

*Ein Verräter.

Er sah mich direkt an und lächelte.

„Sara Harlan", rief er. „Die Geheimnisse deines Vaters sterben heute Nacht mit dir."

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    Die Tür öffnet sich

    Kapitel sechsundsechzig: Die Tür öffnet sichSaras Perspektive„Sara“, sagte Kael, die Arme noch immer um mich. „Sprich mit mir.“„Ich bin hier“, sagte ich. „Ich bin noch hier.“„Was fühlst du?“, sagte Snow. Er war direkt neben mir, seine Hand an meinem Gesicht, seine Augen suchten meine.„Es ist wie in einer Strömung zu stehen“, sagte ich. „Sie zieht mich nirgendwohin. Sie bewegt sich durch mich hindurch.“ Ich sah Luca an, der noch immer auf dem Pfad stand. „Du hast das von Anfang an geplant. Nicht die Bindung. Mich. Dafür zu sorgen, dass ich hier stehe.“„Ja“, sagte Luca. Ohne Triumph. Ohne Entschuldigung. Nur ein Mann, der eine Tatsache feststellte, die er lange mit sich herumgetragen hatte. „Sera Voss hat etwas über die Schatten-Omega-Blutlinie verstanden, das Thalira nie vollständig akzeptiert hat. Der Erbe öffnet die Tür nicht mit Kraft. Der Erbe öffnet die Tür, indem er über dem strukturellen Punkt anwesend ist, wenn der Bruch das kritische Stadium erreicht. Deine Kraft erledig

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    In die umkämpften Lande

    Kapitel fünfundsechzig: In die umkämpftenLandeSaras PerspektiveWir verließen Silvermoon, bevor das Rudel das Frühstück beendet hatte.Zu viert. Ich, Kael, Snow, Lira. Nach Osten durch das äußere Tor, ohne Ankündigung oder Zeremonie.Thalira stand am Tor, als wir vorbeikamen. „Ich werde den Bruch so lange halten, wie ich kann“, sagte Thalira. „Lasst mich ihn nicht länger halten, als ich kann.“„Werden wir nicht“, sagte ich.Sie nickte einmal, und wir ließen sie dort zurück.Ich hatte Mira gebeten zurückzubleiben. Sie hatte es nicht gut aufgenommen.„Du lässt mich hier“, sagte Mira flach, als ich es ihr sagte.„Ich brauche jemanden, dem ich vertraue, innerhalb dieser Mauern, während wir fort sind“, sagte ich. „Jemanden, der nicht Thalira ist, weil Thalira die Bindung managen wird und nicht gleichzeitig das Rudel beaufsichtigen kann.“„Du willst, dass ich babysitte“, sagte Mira.„Ich will, dass du meine Augen bist“, sagte ich. „Das ist ein Unterschied.“Mira hatte mich einen langen Mo

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    Zu spät

    Kapitel vierundsechzig: Zu spätSaras PerspektiveWir verließen den Kriegsraum gemeinsam und gingen, um Aldric zu suchen.Kael stieß seine Tür auf, ohne anzuklopfen.Der Geruch erreichte uns vor allem anderen. Snow legte seine Hand auf meinen Arm. Thalira trat an uns beiden vorbei und ging zuerst hinein.Aldric saß auf dem Stuhl neben dem Fenster. Diese besondere Reglosigkeit, die keine Abstufungen kennt und keinen Zweifel daran lässt, was sie bedeutet.Kael durchquerte den Raum und kauerte sich neben ihn. Er presste zwei Finger an Aldrics Kehle und hielt sie länger dort, als nötig gewesen wäre. Dann stand er auf, drehte sich um, und sein Gesicht machte das, was es immer machte, wenn etwas Ungeheures in einer Tiefe festgehalten wurde, die erst später sichtbar werden würde.„Wie lange?“, sagte Snow.„Nicht lange“, sagte Thalira. Sie untersuchte den Türrahmen und fuhr mit den Fingern langsam über das Holz. „Jemand, der genau wusste, was er tat, und keine Zeit damit verschwendet hat.“„L

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    Alte Allianzen, neue Gefahren

    Kapitel dreiundsechzig: Alte Allianzen, neue GefahrenSaras PerspektiveDer Kriegsraum fühlte sich anders an, als wir alle vier gleichzeitig am selben Tisch saßen und dieselbe Richtung hatten.Keine Krise, die uns dorthin zog. Keine unmittelbare Bedrohung, die das Gespräch erzwang. Nur Sara, Kael, Snow und Thalira um den steinernen Tisch, mit allem, was wir wussten, zwischen uns ausgebreitet und einem klaren Ziel, das zum ersten Mal im Zentrum stand.Ich hatte ihnen erzählt, was ich Kael auf dem Trainingshof gesagt hatte. Der Name meines Vaters. Ryker, der vor einer Menge stand. Die Wahrheit, die in Blackthorn ans Licht kam, auf eine Weise, die nicht gemanagt oder begraben werden konnte.Niemand widersprach. Niemand bot ein anderes Ziel an. Was mir sagte, dass sie alle darauf gewartet hatten, dass ich es laut aussprach.„Das Instrument zuerst“, sagte Kael. „Vor allem anderen. Wir können nichts aufbauen, solange jemand aktiv gegen uns innerhalb dieser Mauern arbeitet.“„Einverstanden“,

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    DAS VERLANGEN

    Kapitel zweiundsechzig: DAS VERLANGENSaras PerspektiveIch erwachte vor Sonnenaufgang und versuchte nicht, wieder einzuschlafen.Ich saß im Dunkeln auf der Bettkante und erlaubte mir etwas, das ich seit der Nacht, in der Kael mich aus dem Renegatengebiet hinausgetragen hatte, nicht mehr richtig getan hatte. Ich erlaubte mir, mich zu erinnern.Das Gesicht meines Vaters an dem Morgen, an dem sie ihn holten. Er hatte über den Platz hinweg zu mir gesehen, mit einem Ausdruck, den zu entschlüsseln ich Monate verbracht hatte. Keine Angst. Keine Entschuldigung. Etwas, das näher an Vertrauen lag. Als übergäbe er mir etwas, das er nicht mehr tragen konnte, und glaubte, ich sei stark genug, es zu halten.Dann Ryker.Er stand vor dem gesamten Rudel, seine Stimme trug über den Platz, als verkünde er etwas Alltägliches. Jedes Wort präzise und öffentlich und darauf angelegt, mit größtmöglichem Schaden zu treffen. Dein Vater war ein Verräter. Du bist nichts. Du gehörst nicht mehr zu mir. Du bist hie

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    Der Name

    Kapitel einundsechzig: Der NameSaras PerspektiveIch fand Kael kurz vor Mitternacht im Kriegsraum.Er saß am Tisch, ohne dass etwas vor ihm lag. Er sah auf, als ich hereinkam, und las mein Gesicht so, wie er es gelernt hatte – schnell und ohne zuerst unnötige Fragen zu stellen.„Setz dich“, sagte ich.Er setzte sich.Ich sagte ihm den Namen.Ich beobachtete, wie er landete. Nicht dramatisch. So, wie die schlimmste Art von Nachricht bei Menschen landet, die gelernt haben, Dinge im Stehen zu empfangen – leise, in der Reglosigkeit von jemandem, der etwas Schweres hält und in Echtzeit entscheidet, wie er es tragen soll.Kaels Blick ging in eine mittlere Ferne, in der nichts war außer der Erinnerung, die der Name gerade heraufgezogen hatte.Dann stellte er mir eine Frage.„Wie lange?“, sagte Kael.„Aldric glaubt mindestens vierzehn Monate“, sagte ich. „Möglicherweise länger.“Kael nickte einmal. Langsam. Wie ein Mann, der etwas aufnimmt, das er nicht hatte kommen sehen, das ihn aber nicht

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    CHAOS

    Kapitel AchtCHAOS*Saras SichtLira stürzte sich mit erhobener Klinge auf mich. Im letzten Moment wich ich aus. Der Dolch zischte durch die Luft und verfehlte meine Kehle nur um Haaresbreite. Ich taumelte zurück, mein Herz raste.„Du Miststück“, zischte Lira, ihre Augen glühten vor Hass. „Du glaub

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    SILVERMOON

    Kapitel SiebenSILVERMOON*Saras POVDie Spannungen in Silvermoon erreichten neue Höhen. Mehrere Krieger weigerten sich, in meiner Nähe Patrouille zu laufen. Liras Einfluss wurde jeden Tag stärker. Sie hatte eine Gruppe von Wölfinnen davon überzeugt, dass ich ein Fluch war, der geschickt wurde, um

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    DAS GEFLÜSTER

    Kapitel SechsDAS GEFLÜSTER*Saras POVIch schlief nicht, nachdem ich den Zettel gefunden hatte. Ich saß die meiste Nacht am Fenster und starrte auf die elegante, feminine Handschrift, bis die Worte ineinander verschwammen. *Verlasse Silvermoon, oder du wirst enden wie dein Vater.* Ich redete mir e

  • ABGELEHNTE SCHATTENLUNA    RUDELHAUS

    Kapitel FünfRUDELHAUS*Saras POVAm nächsten Morgen verlegte Kael uns in einen sichereren Flügel des Rudelhauses. Ich ging neben ihm und spürte das Gewicht jedes Blickes aus dem Rudel. Manche Augen waren neugierig. Andere brannten vor offener Feindseligkeit.„Du wirst in diesem Zimmer bleiben", sa

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status