FAZER LOGINNASTYA
Notiz an mich selbst: Wenn dich das nächste Mal ein heißer, reicher Mann für Sex bezahlt und dich dann einfach stehen lässt, solltest du die folgende Woche vielleicht nicht damit verbringen, die Szene immer wieder abzuspielen, als wäre es dein Lieblingsfilm.
Wem wollte ich hier etwas vormachen? Genau das hatte ich heute schon zweimal getan.Am Morgen im Hörsaal flüsterte Lars: „Du siehst innerlich tot aus.“ Er schob mir ungefragt die Hälfte seines Sandwichs über den Tisch. Typisch Lars. Er bemerkte, wenn es mir schlecht ging, und bot mir etwas zu essen an, ohne jemals nachzufragen. Ich wünschte mir, ich könnte in diesem Moment dasselbe von irgendjemand anderem in meinem Leben sagen.
Später, im Hinterzimmer des Cafés, wusch ich mir die Hände und starrte ins Spiegelbild: müde Augen, verschmierte Wimperntusche und einen Pferdeschwanz, der langsam den Kampf aufgab. Ich zog die Schürze zurecht, während sich Angst in meinem Magen zusammenballte. Die Spätschicht im Club stand bevor. Zuerst musste ich nur noch diesen Vormittag mit aufgeschäumter Milch und zwei Vorlesungen überstehen.
„Konzentriere dich“, formte ich mit den Lippen vor dem Spiegel. „Zehntausend Dollar.“
Meine nächtliche G****e-Sitzung kam ungebeten wieder hoch. Quentin Lorenzen war Torontos Rockstar-Architekt, geschieden, millionenschwer und wurde nie ohne eine atemberaubende Frau an seiner Seite fotografiert. Das Wort „Frauenheld“ prangte in jeder Schlagzeile. Deshalb verstand ich nicht, warum ich immer noch an ihn dachte.
Als ich in die Gasse neben dem Café trat, stand er auf der anderen Seite der verstopften Straße. Die Hände in den Taschen, in einer davon ein Pappbecher aus dem Laden zwei Häuser weiter. Er starrte direkt auf mein Café.
Mein Herz hämmerte gegen die Rippen. Er erstarrte, als hätte er mich bemerkt, dann drehte er sich um und ging davon.
Nein. Das würde er doch nicht schon wieder tun.
Ich huschte über die Straße, schlängelte mich zwischen den Autos hindurch und ignorierte die hupenden Fahrer. „Herr Lorenzen!“
Endlich blieb er stehen. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, sobald er mich sah – ein flüchtiger Ausdruck von etwas, das wie Bedauern aussah, bevor es verschwand. Sein Blick fiel auf das Namensschild an meiner Schürze, dann schnell wieder nach oben.
„Du wolltest einfach vorbeigehen, ohne überhaupt hereinzukommen“, sagte ich.
Er sagte nichts. Ich musterte den marineblauen Anzug und das gestärkte weiße Hemd und hasste es, dass es mir etwas ausmachte, was er dachte – mit meiner Schürze und meinen zerzausten Haaren.
„Ich mache nur vier Schichten im Club“, sagte ich und versuchte, lässig zu klingen. „Ich brauche das Geld, um aus dem Wohnheim auszuziehen. Ich kann dort nicht mehr wohnen.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ich arbeite die nächsten drei Dienstage, und dann bin ich fertig.“
Nach einer langen Pause sprach er endlich. „Warum glaubst du, dass mich das interessieren sollte?“
„Weil ich …“ Was zum Teufel tat ich da eigentlich? „Ich will dort keine Schicht ohne dich arbeiten.“
Er runzelte die Stirn. „Ich bin nicht der, für den du mich hältst, Skye.“
„Wenn du es nicht gewesen wärst, hätte ich in dieser Nacht mit niemandem geschlafen. Es ist nur passiert, weil ich dich schon mochte, bevor ich überhaupt dort gearbeitet habe.“
Stille. Sie zog sich so lange hin, bis ich es nicht mehr aushalten konnte. Mein Stolz, der seit diesem Morgen schon am seidenen Faden hing, riss.
„Ist es das? Ich bin mit offenem Herzen hierhergekommen, und du kannst kein einziges Wort sagen?“ Ich lachte, und es klang gebrochen. „Vergiss es. Ich bettle nicht.“ Ich schluckte. „Jedenfalls nicht zweimal. Komm gar nicht erst her.“
„Skye.“
„Du bist auch nicht der, für den ich dich gehalten habe.“
„Und für wen hast du mich gehalten?“
Die Menschen strömten an uns vorbei. Ich wandte mich ihm wieder zu, mit einem Lächeln, das trauriger wirkte, als ich beabsichtigt hatte.
„Jemand, der es wert war“, sagte ich. „Anscheinend nicht.“
Am Abend starrte ich das Mädchen im Spiegel an: stark geschminkt, in einem schwarzen, trägerlosen Spitzenkleid, das sich an jede Kurve schmiegte, als wäre es direkt auf die Haut genäht. Ihr Haar war perfekt, ihre Lippen rot, ihre Augen scharf. Sie sah überhaupt nicht so aus, wie ich mich fühlte.
Hinter den Kulissen lag Aufregung in der Luft. Die Étoiles sprühten vor Energie; Gelächter, Parfüm, Absätze auf Fliesen und das Zischen von Haarspray erfüllten den Raum. Der Gedanke, an diesem Abend einen Mann zu unterhalten, drehte mir den Magen um. Ich würde mit niemandem schlafen – weder heute noch morgen noch jemals wieder, wenn ich es verhindern konnte. Schon allein die Vorstellung zu flirten empfand ich als anstrengend.
Herr Lorenzen hatte den Tiger, der meine Libido war, gründlich gezähmt. Der körperliche Schmerz war nichts im Vergleich zu der Demütigung. Mein Ego blutete immer noch von jenem Morgen, als ich ihn praktisch auf offener Straße angefleht hatte. Erbärmlich.
„Meinst du das ernst? Er ist tatsächlich wieder da?“ Ein quietschender Ausruf durchdrang meinen Benommenheitsnebel. Pia, mit ihrem langen dunklen Haar und den endlosen Beinen, spähte durch den Spalt im Samtvorhang. „Er ist hier, und das, obwohl er sich seit Monaten nicht mehr blicken ließ.“ Sie tanzte zurück zu ihrem Schminkstuhl und fächelte sich mit einem Handspiegel Luft zu. „Heute Nacht würde ich als glückliche Frau sterben.“
„Wer ist hier?“, fragte jemand anderes.
„Mr. Silver“, hauchte Pia.
Mein Puls setzte aus.
Das war der Name, den Quentin auf die Gästeliste des Clubs geschrieben hatte.
NASTYA„Vergiss, dass ich das je gesagt habe.“Er atmete scharf ein. „Du hast keine verdammte Ahnung, wie sehr ich dich will.“Er biss mich hart, als würde er die Kontrolle verlieren, und ich schrie auf, während mein Kopf zurückzuckte. „Ahh.“Er warf mich zurück aufs Bett und riss mit den Zähnen eine Kondompackung auf.Er spuckte die Hülle aus, streifte das Kondom über und kroch über mich.„Öffne dich“, formte er mit den Lippen.Ich tat, was er verlangte, und er hob meine Beine und legte sie über seine Schultern.„Vorsichtig“, flüsterte ich.Sein Gesicht wurde weich. „Baby.“ Er küsste mich zärtlich. „Ich werde dir nicht wehtun.“Mein Herz zog sich zusammen. Es fühlte sich fast sicherer an, wenn er gemein war. Wenigstens hatte ich dann etwas Widerstand.Er sank zurück auf die Knie und strich die Spitze seines Penis hin und her durch mein geschwollenes, nasses Geschlecht. Ich zuckte zusammen, als er über meine Klitoris rieb. Ich war so kurz davor zu kommen, dass es nicht mehr lustig war
NASTYAIn einem Augenblick drückte mich das Gewicht eines Mannes so fest, dass mir der Atem stockte. Im nächsten war da überhaupt nichts mehr. Ich schnappte nach Luft und rollte mich zusammen. Durch das Klingeln in meinen Ohren hörte ich, wie ein Körper gegen die Wand prallte, und eine Stimme, die ich überall erkannt hätte – dunkel und vor Wut zitternd. Als ich endlich die Augen aufriss, stand Quentin Lorenzen zwischen mir und dem Mann, der mir wehgetan hatte. Eine Faust hatte sich in den Kragen des Mannes gekrallt. Quentins Gesichtsausdruck war mörderisch. Zum ersten Mal in dieser Nacht wurde mir klar, dass niemand außer ihm gekommen war, um mir zu helfen. „Sie hat ‚Hör auf‘ gesagt“, fauchte Quentin. „Hast du sie nicht gehört?“ Der Mann taumelte rückwärts und versuchte, seine Kleidung zu glätten. „Sie wollte das. Sie kennt mich. Sie –“ „Verpiss dich von ihr.“ Quentin stieß ihn gegen die Wand. Inzwischen hatten sich bereits Leute versammelt. Stimmen erklangen aus allen Richtung
NASTYA„Herzlichen Glückwunsch, Herr Silver, dass Sie Pia heute Abend für sich haben.“ Meine Hand rutschte ab. Ich wäre fast gestürzt, hätte die Stange mich nicht gehalten. Für einen Moment hatte ich mir eingebildet, er hätte seine Meinung geändert und wäre zu mir zurückgekommen. Er hätte mir gehören sollen. Wie konnte er sich nur für Pia entscheiden? Quentin fuhr sich mit der Zunge über die Zähne, das Kinn zur Decke gerichtet, als würde er einen Sieg auskosten. Kitty strahlte ihn an. „Herr Silver, Sie sind heute Abend ein glücklicher Mann.“ Er nahm Pias Hand und führte sie von der Bühne, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen. Ich senkte den Kopf und ließ mein Haar wie einen Vorhang herabfallen. Es konnte das Brennen hinter meinen Augen nicht verbergen. Was zum Teufel war gerade passiert? „Und darf ich Ihnen Skye vorstellen!“, erklang Kittys Stimme wieder, fröhlich und ohne jede Ahnung von dem Riss, der gerade meine Welt durchzog. „Es ist erst ihre zweite Schicht, meine Herren,
NASTYANotiz an mich selbst: Wenn dich das nächste Mal ein heißer, reicher Mann für Sex bezahlt und dich dann einfach stehen lässt, solltest du die folgende Woche vielleicht nicht damit verbringen, die Szene immer wieder abzuspielen, als wäre es dein Lieblingsfilm.Wem wollte ich hier etwas vormachen? Genau das hatte ich heute schon zweimal getan.Am Morgen im Hörsaal flüsterte Lars: „Du siehst innerlich tot aus.“ Er schob mir ungefragt die Hälfte seines Sandwichs über den Tisch. Typisch Lars. Er bemerkte, wenn es mir schlecht ging, und bot mir etwas zu essen an, ohne jemals nachzufragen. Ich wünschte mir, ich könnte in diesem Moment dasselbe von irgendjemand anderem in meinem Leben sagen.Später, im Hinterzimmer des Cafés, wusch ich mir die Hände und starrte ins Spiegelbild: müde Augen, verschmierte Wimperntusche und einen Pferdeschwanz, der langsam den Kampf aufgab. Ich zog die Schürze zurecht, während sich Angst in meinem Magen zusammenballte. Die Spätschicht im Club stand bevor. Z
NASTYA„Wenn Sie durch diese Tür gehen, Herr Lorenzen, verlassen Sie diesen Club ein für alle Mal.“ Ihr Lächeln blieb unbewegt. Es war das Furchterregendste, was ich je gesehen hatte. „Ein Kunde lehnt eine Étoile nicht ab. Nicht hier. Niemals.“ „Drohen Sie mir?“ „Das würde ich nicht wagen.“ Sie neigte den Kopf. „Sie sind ein Mann, der Regeln respektiert, Herr Lorenzen. Das sind unsere.“ Sein Kiefer zuckte. Er kam auf mich zu, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen uns lagen. Hinter uns rief jemand „Einhundertdreißig!“, doch keiner von uns zuckte mit der Wimper. Die Wut zwischen uns war still und elektrisierend. Es ging nicht um die Auktion. Es ging darum, dass er hier war – und dass ich einst geglaubt hatte, er sei jemand Besonderes. Ich hob eine Augenbraue. Er unterbrach den Blickkontakt nicht. Dann streckte er mir die Hand entgegen, still und bedächtig. Ich ergriff sie. Eine Ablehnung hätte bedeutet, zuzugeben, dass es mir etwas bedeutete. „Hier entlang“, murmelte er. „Bring
NASTYAVon allen Orten, an denen wir uns wieder hätten begegnen können, musste es ausgerechnet ein Sexclub sein.Ich stand auf dem schmalen Laufsteg, das Licht blendete mir in die Augen, und ich fragte mich zum hundertsten Mal, was zum Teufel er hier zu suchen hatte.„Darf ich euch allen unsere neueste Étoile vorstellen“, schnurrte Kitty ins Mikrofon. „Es ist ihre allererste Schicht, meine Herren. Sie ist völlig unberührt, was sie zu etwas Seltenem und Einzigartigem macht.“Ein leises, ehrfürchtiges Raunen ging durch den Raum. Ich spürte die Hitze der Blicke auf meiner Haut. Meine Lungen vergaßen für einen Moment, wie man atmet.Am Ende des Laufstegs stand ein mir sehr vertrautes Gesicht – eines, von dem ich mir gewünscht hätte, es könnte mich in diesem Licht nicht sehen.Herr Lorenzen.Quentin Lorenzen.Für einen Herzschlag geriet die Welt aus den Fugen. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich subtil und doch unübersehbar; der Kiefer spannte sich an, beherrscht und gefährlich zugleich.







