LOGINKapitel 6: Neues Rudel
ARIELS PERSPEKTIVE Nyra: „Wach auf, Ari. Wach auf.“ Ich rührte mich. Jeder Zentimeter meines Körpers schmerzte. „Wo sind wir?“, fragte ich und versuchte, den Nebel und den stechenden Schmerz um meinen Bauch zu durchdringen. „Keine Ahnung. Aber da sitzt ein verdammt heißer, rabenschwarzer Typ auf einem eisernen Thron“, antwortete Nyra. Heiß. Sexy. Thron. „Solltest du wirklich gerade aufs Aussehen achten?“ „Du hast gefragt. Das ist die beste Beschreibung, die ich dir geben kann“, murmelte sie und zog sich mit einem leisen Winseln zurück. „Alpha, wir haben diese Wölfin erwischt, als sie unautorisiert die Rudelgrenze überschritten hat“, drang eine tiefe, raue Stimme an mein Ohr. Alles kam in einer gewaltsamen Welle zurück. Mein Herz schlug gegen meine Rippen. Hatten mich Abtrünnige erwischt? Oder schlimmer … ein anderer gnadenloser Alpha? Ich blieb reglos liegen, tat so, als wäre ich noch bewusstlos, und lauschte. „Wer bist du, und was hat dich auf mein Land geführt, Goldie?“ Die Stimme war tief und ruhig, aber mit einer Kante, die scharf genug war, um Blut zu ziehen. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Goldie? Redete er mit mir? Ich rührte mich immer noch nicht. „Ich weiß, dass du mich gehört hast. Sprich jetzt, oder ich lasse dir die Worte aus dem Leib peitschen. Ich habe keine Zeit für stille, nackte Streuner.“ Nackte Streunerin? Göttin. Ich war in meiner Wolfsform gewesen, bevor sie mich erwischt hatten. Jetzt war ich nackt. Meine Augen flogen auf … und stießen direkt in stechende, stahlgraue Augen, die durch Knochen schneiden konnten. Ich schoss hoch, die Arme flogen über meine Brust, um meine Brüste zu bedecken. Ein riesiger Mann stand neben mir. Ich war zwischen den beiden völlig entblößt. Ich wollte am liebsten im Boden versinken. „Diese strammen Dinger werden dein kleinstes Problem sein, wenn ich mich wiederholen muss.“ Mein Blick huschte zurück zu dem Mann auf dem Thron – in Schwarz gehüllt, hing er da wie die Sünde in Fleisch und Blut. Sein Gesicht war auf die furchterregendste Weise schön. Macht strahlte von ihm ab wie dichter, erstickender Rauch. Seine Alpha-Aura füllte jeden Winkel des Raumes. Mein Atem stockte. „I–Ich bin Ariel Virellis … vom … vom Mondschatten-Rudel.“ Bei der Erwähnung meines Rudels schien die Raumtemperatur auf unter null zu fallen. „Bringt sie weg“, sagte er kalt. Mein Herz sank. Der Mann neben mir packte meinen Arm und riss mich ohne jede Sanftheit auf die Füße. „Kerker?“ Entsetzen ersetzte jedes andere Gefühl. Gerade erst von meinem Gefährten verraten, und jetzt sollte ich in einem unbekannten Rudel in den Kerker geworfen werden. Meine Nacktheit war plötzlich das kleinste meiner Probleme. „Nein. Übergib sie Ravenna, bis ich entschieden habe, was mit ihr geschieht.“ Seine Stimme duldete keinen Widerspruch. Für einen Moment spürte ich eine winzige Erleichterung. Ich wurde zum Ausgang gezerrt, immer noch nackt. So beschämt hatte ich mich noch nie gefühlt. Aber dann … „Warte, Drake“, hallte die Stimme des Alphas erneut durch den Raum. Der Mann, den ich jetzt als Drake kannte, blieb mitten im Schritt stehen. Ich drehte mich ebenfalls um und sah zu, wie das kalte Wesen aufstand. Er streifte seinen schwarzen Mantel ab und enthüllte einen Körper, der aussah, als wäre er nur dafür geschaffen worden, Sünde zu wecken. Nyra schnurrte leise in meinem Kopf. „Bedeck sie damit“, sagte er und warf den Mantel. Drake fing ihn mühelos auf und reichte ihn mir, während er mich losließ. Ich fing einen flüchtigen Ausdruck in seinen Augen auf – Ungläubigkeit? Verwirrung? Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich klammerte mich an den Mantel, für einen Moment wie gelähmt von dieser unerwarteten Güte von jemandem, dessen Aura die Hölle selbst einfrieren könnte. Rhyder hätte einer Omega niemals sein Kleidungsstück gegeben. Warum dachte ich gerade an ihn? Ich zog ihn an. Er roch verboten und viel zu berauschend für einen Mann, der mir Angst machte. „Danke“, flüsterte ich. Doch die Worte waren kaum heraus, da packte Drake mich schon wieder und führte mich aus dem Raum. Das Haus war riesig. Es dauerte lange, bis wir endlich nach draußen traten. Ein weitläufiges Gelände erstreckte sich vor mir, Menschen waren unterwegs. Manche arbeiteten. Ein paar Blicke streiften mich, während wir auf ein weiteres weißes Gebäude zugingen. Warum waren hier so viele Leute? Waren das Sklaven? Nein – Sklaven sahen nicht so glücklich oder frei aus. Angst zog mir den Magen zusammen. Meine Gedanken rasten. Was würde die nächste Minute in diesem fremden Rudel bringen? Warum hatte der Alpha mir seinen Mantel gegeben? Mitleid? Er wirkte nicht wie jemand, der Mitleid kannte. Er hatte gesagt, ich sollte bei jemandem bleiben, bis er über mein Schicksal entschieden hatte. Was, wenn er mich doch in den Kerker warf, wie dieser kalte Drake vorgeschlagen hatte? Oder schlimmer … mich an einen reicheren Alpha verkaufte? Meine Sicht verschwamm bei dem Gedanken. Ich wollte wegrennen, aber das war gerade unmöglich. Eine sanfte Stimme schnitt plötzlich durch mein Chaos. „Eine Neue, Drake.“ Ich blinzelte die Tränen weg und sah auf. Eine wunderschöne Frau betrachtete mich neugierig. Ihre braunen Augen hatten den wärmsten Blick, den ich seit langer Zeit gesehen hatte. Aber was meinte sie mit „eine Neue“? „Der Alpha will, dass du dich um sie kümmerst, bis er entschieden hat“, sagte Drake emotionslos. „In Ordnung. Sag Viktor, er schuldet mir was für die hier“, antwortete sie nüchtern. Ein Windhauch bewegte ihr silbernes Haar und ließ sie aussehen wie etwas aus einem Traum. „Er ist dein Alpha, Ravenna. Er schuldet dir nichts dafür, dass du deinen Job machst“, sagte Drake und ging davon. Was war ihr Job? Sie schüttelte den Kopf und musterte mich amüsiert in dem Mantel. Dann traf ihr Blick den meinen. Ich versuchte, nicht wegzusehen. Sie lächelte sanft. „Willkommen im Sturmklaue-Rudel. Ich bin Ravenna. Wie heißt du?“ Ich erstarrte. Alpha Viktor. Sturmklaue-Rudel. Hatte ich gerade den abtrünnigen Alpha getroffen? Rhyders Halbbruder und den Mörder des ehemaligen Alphas. Schweiß trat auf meine Haut, als ich mich an die schrecklichen Gerüchte erinnerte. „Ich sehe, du bist noch nicht bereit zu reden. Komm einfach rein“, sagte Ravenna und durchbrach meine Gedanken. Sie drehte sich um und betrat ein Bungalow. Ich folgte ihr, die Beine schwer. Mein Mund fiel auf bei der wunderschönen violetten Einrichtung und den flackernden Kerzen. „Bist–du eine–“ Sie lächelte wieder. „Ja, ich bin eine Hexe“, antwortete sie, als hätte sie meine Gedanken gelesen, und rückte eine Kerze auf dem Tisch zurecht. „Die einzige Hexe im Rudel.“ Ich schluckte schwer, noch ängstlicher als zuvor. Der Rest des Tages verging in einem Nebel. Ich lag in dem Zimmer, das Ravenna mir gegeben hatte. Das Bett war weich, und ich war erschöpft, aber ich konnte es nicht riskieren einzuschlafen. Wie auch, wenn mein Entführer womöglich der abtrünnige Alpha war – der, über den man sagte, er sei die Gefahr selbst? Und die Frau, in deren Haus ich war … eine Hexe? Besser wach bleiben und warten, bis die Gefahr kam. Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als es an die Tür klopfte. Ich zuckte zusammen, umklammerte meine Knie und wartete, dass sich zeigte, wer es war. Ravenna trat ein und trug ein Tablett, das köstlich roch. Meine Augen folgten jeder ihrer anmutigen Bewegungen, als sie es auf dem Bett abstellte. „Du musst Hunger haben.“ Ich schüttelte schnell den Kopf, aber mein dummer Magen knurrte genau in diesem Moment. Ich verfluchte mein Pech. „Ich glaube, dein Magen sieht das anders, Süße“, kicherte sie. „Komm, iss etwas. Es ist nicht vergiftet.“ Mein Herz hämmerte in meiner Brust. Konnte sie meine Gedanken lesen? „Der Alpha will dich sehen, wenn du fertig bist“, fügte sie hinzu und ging hinaus. Mein Herz schlug noch heftiger. Hatte er schon entschieden? Würde er mich jetzt in den Kerker werfen? Ich öffnete den Teller mit gebratenem Reis und zerkleinertem Truthahn. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Heute Morgen hatte ich vor der Arbeit in der Waffenkammer nur leicht gefrühstückt. Meine Brust zog sich wieder zusammen bei dem Gedanken an Rhyders Verrat. Ich aß hastig, aus Angst, dass dies meine letzte richtige Mahlzeit für lange Zeit sein könnte – falls der Alpha beschloss, mich einzusperren oder zu verkaufen.Kapitel 55: GeständnisRHYDERS PERSPEKTIVEIch knallte die Faust auf den Tisch und fluchte. Wie konnte das passieren?Ich drehte mich um und trat erneut gegen den Tisch, sodass einige Gegenstände klirrend zu Boden stürzten.„Du musst dich beruhigen und dir etwas überlegen, Baby“, kam Lysandras weiche Stimme. „Es muss einen Weg geben, ihn aufzuhalten.“„Sie hat recht, Rhyder. Wir können nur etwas herausfinden, wenn du weniger aufgebracht bist“, fügte Malrik hinzu.Vayne war nicht hier. Tatsächlich hatte ich ihn kaum gesehen seit unserer letzten Begegnung, bei der ich gedroht hatte, ihm die Beta-Position zu entziehen. Dieses Rudel könnte bald einer großen Bedrohung gegenüberstehen, wenn dieses Problem nicht gelöst wurde, und doch entschied er sich, woanders zu sein und immer noch über Ariels Verschwinden zu grübeln. Ich spürte, wie mein Blut vor Wut noch schneller kochte.„Ich brauche eine Minute. Allein“, sagte ich, die Stimme tief. Meine Wut drohte zu explodieren, meine Faust juckte
Kapitel 54: Pflicht über LiebeVIKTORS PERSPEKTIVESoraya verrückte sich, ein flüchtiger Blitz von Unbehagen war kaum sichtbar, bevor er unter dieser ungewohnten, einstudierten Ruhe verschwand. Es ließ mich fragen, was wirklich in ihr vorging.„Ich will nicht an den nächsten verfügbaren Alpha verschifft werden“, sagte sie. „Ich denke, es ist hier besser.“Ich widerstand dem Drang, die Stirn zu runzeln. „Und was lässt dich denken, dass ein Abtrünniger in irgendeiner Weise besser ist als ein echter Alpha?“„Weil du der Erste bist, der sich nicht die Mühe macht, so zu tun, als möge er mich“, sagte sie, die Stimme gleichmäßig, obwohl etwas an der Art, wie sie es sagte, bemitleidenswert wirkte. „Wenigstens bei dir ist die Absicht klar. Du willst mich für die Allianz. Nichts weiter. Und die Akten lügen nicht. Du hast mehr erreicht als die meisten echten Alphas. Du hast alles, was du hast, aus dem Nichts aufgebaut.“Mein Blick schärfte sich. Ich hatte diese Art von Ehrlichkeit nicht von ihr
Kapitel 53: Herz oder LebenARIELS PERSPEKTIVEMein Herz schlug gegen den Brustkorb, die Luft wurde mir beinahe aus den Lungen gerissen bei dem Anblick der Person, gegen die ich rannte, während ich vor Viktor floh.Aeron.Seine Brauen waren zusammengezogen, die Augen wanderten langsam von mir zu Viktor. Ich konnte spüren, wie er die Punkte verband, aber ich wartete nicht ab, was er als Nächstes tun würde.Ich quetschte mich vorbei und eilte zu meinem Zimmer. Alles spielte sich in meinem Kopf ab wie ein Albtraum, den ich nicht abschütteln konnte.Ich hatte nicht vorgehabt, diesen Weg zu gehen. Nicht mit einem Mann, der verlobt war. Einem Mann, dessen Verlobte irgendwo in diesem Haus war. Einem Mann, von dem ich gerade herausgefunden hatte, dass er verflucht war. Nicht nur geheimnisvoll mit mir verbunden – sondern gefährlich genug, dass ihn zu lieben mich töten könnte.Aber in dem Moment, als Viktor mich küsste … löste sich etwas in mir auf. Ich kann es nicht erklären. Es fühlte sich an
Kapitel 52: FallenVIKTORS PERSPEKTIVEEntsetzen bedeckte Ariels Gesicht, genau wie ich erwartet hatte.Ich machte ihr keinen Vorwurf. Sie hatte gerade herausgefunden, dass sie nicht nur irgendwie mit einem Monster verbunden war, sondern dass das Monster sie wollte, selbst wenn es ihr Leben riskierte. Ehrlich gesagt, verkraftete sie es besser, als die meisten es getan hätten.Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare, angewidert von mir selbst. Ich hatte diese Worte nicht einmal sagen wollen. Ich wusste nicht, wann sie herausgerutscht waren.Alles, was ich wollte, war, ihr meinen Plan zu erzählen … dass ich wollte, dass Rhyder ihre Bindung löste. Ich wollte sie nur vor dem Schmerz retten, den ich gestern gesehen hatte, wie er sie zerfleischte. Aber in dem Moment, als ich den Mund öffnete, kam alles falsch heraus. Dinge, die ich hätte begraben lassen sollen. Dinge, die ich kein Recht hatte zu fühlen, geschweige denn laut auszusprechen.Seit dem Moment, als ich sie und Maeron gestern Na
Kapitel 51: Ich will dichARIELS PERSPEKTIVEIch hielt inne, drehte mich aber nicht sofort zu ihm um. Er kam und stellte sich vor mich.Ich machte zwei Schritte zurück und hielt den Abstand. Nicht, weil ich immer noch Angst vor ihm hatte, sondern weil seine Gegenwart mich immer noch auf Weisen beeinflusste, die zu viel zu ertragen waren. Sie ließ mein Herz zu schnell schlagen, ließ flatternde Empfindungen unter meiner Haut spüren. Dinge, die ich kein Recht hatte zu fühlen, Dinge, die schon längst begraben sein sollten.Er gehörte jemand anderem – jemandem, der jeden Moment hereinkommen konnte, erinnerte ich mich.Sein Gesicht fiel bei meinem Rückzug, klar verletzt. Aber er trat trotzdem näher, und ich wich weiter zurück, bis mich die Wand stoppte.Viktor legte die Hände auf meine Schultern, die Augen ruhten sanft auf mir. Sein Blick war zwiespältig, aber immer noch intensiv genug, um mich zusammenzucken zu lassen.Ich wollte weglaufen, dem vertrauten Schmerz und Unbehagen entkommen, d
Kapitel 50: DuARIELS PERSPEKTIVEDie Wände fühlten sich an, als würden sie sich schließen, der Boden, als würde er unter meinen Füßen nachgeben. Aber ich zwang mich, stehen zu bleiben.Wie konnte das real sein?Ich wollte glauben, ich hätte etwas missverstanden. Dass es nur ein weiterer furchterregender Traum war. Ein Fehler. Aber er hatte es nicht geleugnet.Jene Nacht … die Art, wie dieses Ding mich angeschaut hatte, die Art, wie es innegehalten hatte – als würde es mich kennen. Sogar wie er wusste, dass ich von der Schaukel gefallen war, als niemand sonst da war. Meine Hand legte sich über den Mund, dankbar für den warmen Atem, der die Schauer ein winziges bisschen lindern half. Meine Güte, ich hätte es wissen müssen.Bilder blitzten durch meinen Kopf. Dasselbe Entsetzen kroch über meine Haut, wie eisige Finger, und ließ mich erneut am ganzen Körper zittern.Wie konnte derselbe Mann, den ich wollte … etwas so Furchterregendes sein? Etwas aus meinen Albträumen … das jetzt vor mir s







