Mag-log in„Ich werde nicht zulassen, dass dir irgendetwas zustößt“, flüsterte er mit rauer, von Emotionen erfüllter Stimme. „Nicht das Schicksal. Nicht der Tod. Ich werde mich dem Himmel entgegenstellen, die Tore der Hölle stürmen und selbst dem Schicksal trotzen, wenn das der Preis dafür ist, dich zu beschützen.“ °°°°°°°°°°° Alpha Viktor war ein Rogue, verflucht, weil er seinen eigenen Vater getötet hatte. Vom Schicksal gezeichnet, war er dazu verdammt, jede Frau zu verlieren, die es wagte, ihn zu lieben – außer seiner wahren Gefährtin. Nur sie konnte den Fluch brechen. Deshalb verschloss Viktor sein Herz und zog auf der verzweifelten Suche nach ihr verwüstend durch die Welt. Liebe hatte keinen Platz in seinem Leben. Romantik ebenso wenig. Und doch war ihm seine Gefährtin selbst mit achtundzwanzig Jahren noch immer nicht begegnet. Dann trat Ariel Virellis in sein Leben – eine gewöhnliche Omega. Verlassen, gebrochen und von ihrem eigenen Gefährten zurückgewiesen ... der ausgerechnet Viktors Halbbruder war. Sie riss die Mauern ein, die Viktor für unzerstörbar gehalten hatte. Sie war in jeder Hinsicht verboten. Und trotzdem konnte er der verbotenen Frucht nicht widerstehen, selbst als er Gefahr lief, sich dabei vollkommen zu verlieren. Konnte sie seine Erlösung sein? Oder würde die Liebe zu ihm ihr beider Untergang werden?
view moreKapitel 1: Luna
ARIELS SICHT „Ich liebe dich“, sagte ich, obwohl ich Angst hatte, dass er es nicht erwidern würde. Rhyder hatte mir bereits den Rücken zugewandt und zog sich mit seiner gewohnt mühelosen Eleganz die Hose an. Er warf mir einen flüchtigen Blick zu und schenkte mir den Hauch eines Lächelns. Es verschwand so schnell, wie es gekommen war, doch es reichte, um mir warme Röte ins Gesicht steigen zu lassen. Trotzdem wäre ich glücklicher gewesen, wenn er es mir wenigstens ein einziges Mal gesagt hätte. Ich verdrängte den kleinen Knoten, der sich in meinem Bauch bildete, und redete mir ein, dass ich albern war. Heute würde er mich zu seiner Luna machen. Das musste doch etwas bedeuten. Wenn er es nicht aussprach, dann fühlte er es bestimmt. Taten sagten schließlich mehr als Worte. „Du warst großartig. Jetzt steh auf und mach dich fertig, damit du nicht alle warten lässt“, sagte Rhyder, während er den Reißverschluss seiner Hose zuzog. „Vergiss nicht: Eine Luna sollte immer pünktlich sein.“ Mit diesen wenigen Worten zerschlug er den letzten kleinen Funken Hoffnung in mir, die darauf gewartet hatte, genau diese drei Worte zu hören. Ich seufzte, doch die Traurigkeit hielt nicht lange an. Ich wusste, dass er mich liebte. Er wusste nur nicht, wie er es sagen sollte. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen, als ich ihm nachsah. Selbst schweigend zog er alle Blicke auf sich. „Ja, Alpha“, murmelte ich leise, obwohl er längst gegangen war. Ich stieg aus dem Bett und ging nackt ins Badezimmer, wo das Personal bereits ein duftendes Bad für mich vorbereitet hatte. Ich hasste es, sie Omegas zu nennen. Jedes Mal, wenn Rhyder dieses Wort in Bezug auf mich benutzte, zog sich etwas tief in meinem Inneren zusammen. Es krallte sich in meine Brust, ließ mich klein und minderwertig fühlen. Vielleicht lag es an der Art, wie er es aussprach. Aber ich wollte nie, dass sich irgendjemand so fühlte. Einige der Bediensteten kamen herein, um mir beim Baden zu helfen, doch ich lehnte höflich ab. Selbst nach zwei Jahren als Rhyders Gefährtin war ich es gewohnt, alles selbst zu machen. Warum sollte sich das jetzt ändern, nur weil ich gleich zur Luna gekrönt wurde? Außerdem brauchte ich einen Moment für mich. Ich musste durchatmen. Alles begreifen. Heute würde ich endlich gekrönt werden. Natürlich war ich glücklich. Ich hatte hart dafür gearbeitet, zu beweisen, dass ich dieser Rolle würdig war. Trotzdem fühlte es sich wie eine Ehre an, dass mein Gefährte beschlossen hatte, sie mir zu geben. Als Omega war man schwach, gewöhnlich – nichts im Vergleich zu der starken, gebieterischen Präsenz, die sich ein Alpha normalerweise an seiner Seite wünschte. Doch vor zwei Jahren hatte die Mondgöttin mein Schicksal verändert. Nach einem Unfall, durch den ich zwei Monate lang mein Gedächtnis verloren hatte, hatte sich unsere Gefährtenbindung geschlossen. Es hatte sich angefühlt wie ein Traum. „Miss Ariel, bitte, Sie müssen bald herauskommen, sonst kommen Sie zu spät zur Zeremonie“, rief die Frau, die Rhyder ausgesucht hatte, um mir beim Ankleiden zu helfen. „Oh – okay. Einen Moment bitte“, antwortete ich hastig und riss mich aus meinen Gedanken. Mir war gar nicht aufgefallen, wie viel Zeit vergangen war. Das Letzte, was ich heute wollte, war, Rhyder zu verärgern. Er hasste Unpünktlichkeit – ganz gleich, welche Ausrede man hatte oder wer man war. °°°°°°°°°°° Wenige Augenblicke später öffneten zwei Wachen die großen Flügeltüren. Mein Blick fiel auf den prachtvollen Ballsaal, der für meine Luna-Zeremonie festlich geschmückt worden war. Ich holte tief Luft und hob den Saum meines grünen Ballkleides leicht an. Rhyder hatte das Kleid ausgesucht, und ich liebte es. Es brachte meine grünen Augen zum Leuchten und harmonierte perfekt mit meinem goldbraunen Haar. Ich ließ den Blick über die erwartungsvolle Menge schweifen, bevor ich den langen Mittelgang entlangging. Mein Puls hämmerte so laut, dass ich ihn in meinen Ohren hören konnte. Auf meinen Lippen lag ein sanftes, beherrschtes Lächeln – eines, das zu der Luna passte, die ich gleich sein würde. Mein Blick blieb auf meinem Gefährten ruhen. Diese eisblauen Augen. Dieses undurchdringliche Gesicht. Wie konnte man sich nicht zu ihm hingezogen fühlen? Ich hatte zwei lange Jahre auf diesen Moment gewartet. Und doch ließ der Gedanke, Luna zu werden, mein Herz längst nicht so heftig schlagen wie der Anblick des Mannes, der vor mir stand. Er war nicht nur mein Gefährte. Er war derjenige, der mich gerettet und mir ein Leben geschenkt hatte, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. „Du siehst wunderschön aus“, flüsterte Anya lächelnd, als ich an ihr vorbeiging. Sie stand neben Beta Vayne, der sich sichtlich genauso für mich freute. Mein Lächeln wurde breiter, verblasste jedoch leicht, als ich ein paar Schritte weiter Nerissa entdeckte, die neben ihrem Ehemann, dem Gamma des Rudels, stand. Der finstere Blick, den sie jedes Mal aufsetzte, sobald sie mich sah, war kein bisschen milder geworden. Wenn überhaupt, wirkte er heute noch verbissener. Ich hatte nie so getan, als würde ich sie mögen. Also richtete ich meine Aufmerksamkeit sofort wieder auf Rhyder. Mein Lächeln kehrte zurück – wärmer als zuvor. Wenn das Nerissa störte, umso besser. Schließlich erreichte ich das Podest, auf dem der betagte Schamane und mein Gefährte bereits auf mich warteten. Respektvoll verbeugte ich mich, bevor ich mich Rhyder zuwandte. In seinem dunklen Zeremoniengewand mit den silbernen Verzierungen sah er beeindruckend und mächtig aus. „Ihr könnt beginnen“, sagte er zum Schamanen. Ungeduld schwang scharf in seiner Stimme mit. Es gefiel mir nicht, doch ich schwieg. Vielleicht konnte er es einfach kaum erwarten, mich endlich an seiner Seite zu sehen. Vielleicht hatte er sogar vor, mich heute Nacht zu markieren. Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch, doch ich blieb aufrecht stehen. Eine Luna musste stets Haltung bewahren. Der Schamane räusperte sich, und augenblicklich verstummte der Saal. Er hob die silberne Krone empor, geschmückt mit Mondsicheln – eine Krone, die seit Generationen von Luna zu Luna weitergegeben wurde. Es wurde so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Oder den rasenden Schlag meines Herzens. „Unter dem wachsamen Blick des Mondes, uralt und ewig, versammeln wir uns heute als ein Rudel, ein Blut, eine Seele.“ Ich begegnete dem Blick meines Gefährten und lächelte erneut, doch seine Miene blieb reglos. Er wirkte wie ein Mann, der sich zwang, stillzustehen, während seine Gedanken ganz woanders waren. Ein dumpfer Schmerz zog durch meine Brust, doch ich verdrängte ihn sofort. Wahrscheinlich hatte er einfach zu viel im Kopf. „In dieser Nacht werden die Sterne Zeugen, während wir unsere Luna krönen. Nicht nur die Gefährtin unseres Alphas, sondern das Herz unseres Volkes. Die Stimme in der Stille. Die Stärke in unserem Sturm. Das Licht in unserer Dunkelheit.“ Seine Worte drangen tief in meine Seele. Ich verstand die Verantwortung, die sie in sich trugen. Aber ich hatte keine Angst. Ich hatte unserem Rudel schon lange vor diesem Tag gedient. Es war nie leicht gewesen, doch ich hatte jede einzelne Minute davon geliebt. Der Schamane hob die Krone noch höher, und mein Herz setzte mehrere Schläge aus. Dann machte er einen Schritt auf mich zu. „Mit dieser Krone ehren wir nicht nur eure Bindung an unseren Alpha. Wir erkennen eure Verbundenheit mit uns allen an. Von diesem Augenblick an—“ Plötzlich brach am Ende des Saales lauter Tumult aus. Der Schamane verstummte. Köpfe drehten sich in Richtung des Lärms – auch meiner. Verwirrt runzelte ich die Stirn, als ich eine Frau entdeckte, die mitten im Mittelgang von mehreren Wachen festgehalten wurde. Sie kämpfte verzweifelt dagegen an. Sie wirkte schwach und schmutzig, das genaue Gegenteil meines sorgfältig gepflegten Erscheinungsbildes. Trotzdem breitete sich in dem Moment, als ich den Schock und das unverkennbare Wiedererkennen in Rhyders Augen sah, ein seltsames Unbehagen in meiner Magengegend aus. „Lysandra?“, sagte er mit einer Stimme voller Unglauben. Als ich ihren Namen hörte, schrillten in meinem Kopf sämtliche Alarmglocken. Noch bevor ich überhaupt reagieren konnte, stürmte Rhyder bereits nach vorn und fing die Frau auf, gerade bevor sie zusammenbrach.Kapitel 54: Pflicht über LiebeVIKTORS PERSPEKTIVESoraya verrückte sich, ein flüchtiger Blitz von Unbehagen war kaum sichtbar, bevor er unter dieser ungewohnten, einstudierten Ruhe verschwand. Es ließ mich fragen, was wirklich in ihr vorging.„Ich will nicht an den nächsten verfügbaren Alpha verschifft werden“, sagte sie. „Ich denke, es ist hier besser.“Ich widerstand dem Drang, die Stirn zu runzeln. „Und was lässt dich denken, dass ein Abtrünniger in irgendeiner Weise besser ist als ein echter Alpha?“„Weil du der Erste bist, der sich nicht die Mühe macht, so zu tun, als möge er mich“, sagte sie, die Stimme gleichmäßig, obwohl etwas an der Art, wie sie es sagte, bemitleidenswert wirkte. „Wenigstens bei dir ist die Absicht klar. Du willst mich für die Allianz. Nichts weiter. Und die Akten lügen nicht. Du hast mehr erreicht als die meisten echten Alphas. Du hast alles, was du hast, aus dem Nichts aufgebaut.“Mein Blick schärfte sich. Ich hatte diese Art von Ehrlichkeit nicht von ihr
Kapitel 53: Herz oder LebenARIELS PERSPEKTIVEMein Herz schlug gegen den Brustkorb, die Luft wurde mir beinahe aus den Lungen gerissen bei dem Anblick der Person, gegen die ich rannte, während ich vor Viktor floh.Aeron.Seine Brauen waren zusammengezogen, die Augen wanderten langsam von mir zu Viktor. Ich konnte spüren, wie er die Punkte verband, aber ich wartete nicht ab, was er als Nächstes tun würde.Ich quetschte mich vorbei und eilte zu meinem Zimmer. Alles spielte sich in meinem Kopf ab wie ein Albtraum, den ich nicht abschütteln konnte.Ich hatte nicht vorgehabt, diesen Weg zu gehen. Nicht mit einem Mann, der verlobt war. Einem Mann, dessen Verlobte irgendwo in diesem Haus war. Einem Mann, von dem ich gerade herausgefunden hatte, dass er verflucht war. Nicht nur geheimnisvoll mit mir verbunden – sondern gefährlich genug, dass ihn zu lieben mich töten könnte.Aber in dem Moment, als Viktor mich küsste … löste sich etwas in mir auf. Ich kann es nicht erklären. Es fühlte sich an
Kapitel 52: FallenVIKTORS PERSPEKTIVEEntsetzen bedeckte Ariels Gesicht, genau wie ich erwartet hatte.Ich machte ihr keinen Vorwurf. Sie hatte gerade herausgefunden, dass sie nicht nur irgendwie mit einem Monster verbunden war, sondern dass das Monster sie wollte, selbst wenn es ihr Leben riskierte. Ehrlich gesagt, verkraftete sie es besser, als die meisten es getan hätten.Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare, angewidert von mir selbst. Ich hatte diese Worte nicht einmal sagen wollen. Ich wusste nicht, wann sie herausgerutscht waren.Alles, was ich wollte, war, ihr meinen Plan zu erzählen … dass ich wollte, dass Rhyder ihre Bindung löste. Ich wollte sie nur vor dem Schmerz retten, den ich gestern gesehen hatte, wie er sie zerfleischte. Aber in dem Moment, als ich den Mund öffnete, kam alles falsch heraus. Dinge, die ich hätte begraben lassen sollen. Dinge, die ich kein Recht hatte zu fühlen, geschweige denn laut auszusprechen.Seit dem Moment, als ich sie und Maeron gestern Na
Kapitel 51: Ich will dichARIELS PERSPEKTIVEIch hielt inne, drehte mich aber nicht sofort zu ihm um. Er kam und stellte sich vor mich.Ich machte zwei Schritte zurück und hielt den Abstand. Nicht, weil ich immer noch Angst vor ihm hatte, sondern weil seine Gegenwart mich immer noch auf Weisen beeinflusste, die zu viel zu ertragen waren. Sie ließ mein Herz zu schnell schlagen, ließ flatternde Empfindungen unter meiner Haut spüren. Dinge, die ich kein Recht hatte zu fühlen, Dinge, die schon längst begraben sein sollten.Er gehörte jemand anderem – jemandem, der jeden Moment hereinkommen konnte, erinnerte ich mich.Sein Gesicht fiel bei meinem Rückzug, klar verletzt. Aber er trat trotzdem näher, und ich wich weiter zurück, bis mich die Wand stoppte.Viktor legte die Hände auf meine Schultern, die Augen ruhten sanft auf mir. Sein Blick war zwiespältig, aber immer noch intensiv genug, um mich zusammenzucken zu lassen.Ich wollte weglaufen, dem vertrauten Schmerz und Unbehagen entkommen, d











