LOGINMIT VORSICHT LESEN Ein Haus. Ein gemeinsames Geheimnis. Eine Grenze, die niemals überschritten werden sollte. Daniel Walker war das Fundament meiner Familie – der Beschützer, der mich großgezogen und für unsere Sicherheit gesorgt hat. Bis ich einundzwanzig wurde, meine Mutter nach Europa reiste und Daniel in mein Penthouse zog. Unter einem Dach veränderte sich alles. Der stille Schutz, auf den ich mich immer verlassen hatte, wandelte sich in etwas Intensives, Einnehmendes und zunehmend Komplexes – besonders, als eine Präsenz von außen unser zerbrechliches Gefüge bedrohte. Ehe wir es versahen, war eine Grenze überschritten, und unsere Welt spaltete sich in zwei Hälften. Für die Außenwelt ist er noch immer die ehrbare Vaterfigur. Doch hinter verschlossenen Türen verbindet uns eine Wahrheit, die uns beide ruinieren könnte. Jetzt läuft uns die Zeit davon. Die Rückkehr meiner Mutter steht kurz bevor, jemand beobachtet jeden unserer Schritte, und das Leben, das ich mir aufgebaut habe, steht vor dem Zusammenbruch. Wenn die Wahrheit schließlich ans Licht kommt, werde ich eine unmögliche Entscheidung treffen müssen: die Familie zu bewahren, die ich schon immer kenne ... oder alles für die eine Person zu riskieren, für die ich mich niemals hätte entscheiden dürfen.
View MoreEmilys PerspektiveIch habe keine einzige Sekunde geschlafen.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich genau derselben Albtraum in einer Endlosschleife in meinem Kopf ablaufen: Daniel, wie er ohne Hose in unserem Hauptschlafzimmer steht, und Charlotte, die sich wie eine selbstgefällige Bienenkönigin auf unserer weißen Bettdecke ausstreckt und dieses schmutzige, siegreiche Schmunzeln zeigt.Um sieben Uhr morgens waren meine Augen vom Weinen völlig zugeschwollen, mein Kopf pochte wie verrückt und mein Hals fühlte sich an wie Sandpapier.„Hier, trink das“, flüsterte Sophia behutsam, setzte sich auf die Bettkante und reichte mir eine heiße Tasse schwarzen Tee.Lila saß am Schreibtisch und tippte mit einer finsteren Miene, die töten konnte, auf ihrem Handy herum. „Wenn dieser Mistkerl heute noch einmal vor diesem Fenster auftaucht, schütte ich ihm einen Eimer kochendes Wasser über den Kopf. Mir egal, ob er Milliardär ist.“Ich umklammerte die warme Tasse mit meinen zitternden Händen
Emilys PerspektiveIch fuhr durch den Regen, während Tränen meine Sicht blendeten und meine nackten Füße in den High Heels auf dem Gaspedal zitterten.Jedes rote Rücklicht auf der Autobahn sah aus wie ein Verschwimmen karminroter Spitze – eine widerliche Erinnerung an das Set aus transparenter Spitze, das ich immer noch unter meinem zugeschnürten Trenchcoat trug. Ich hasste den Geruch von Scotch. Ich hasste das innere Bild von Charlottes triumphierendem Schmunzeln. Aber am meisten hasste ich mich selbst dafür, dass ich geglaubt hatte, ich könnte jemals mit einem Milliardär und seiner giftigen Vergangenheit Hausfrau spielen.Als ich meine Limousine schließlich auf den Parkplatz des Bellmont-Wohnheims lenkte, war es mir nicht einmal mehr egal, dass ich in transparenter Unterwäsche und High Heels in den strömenden Herbstregen trat.Ich rannte die drei Beton-Treppenläufe hoch, meine Hände zitterten so heftig, dass ich meinen Schlüssel zweimal fallen ließ, bevor ich meine Wohnheimtür aufsc
Emilys PerspektiveMein Herz hörte auf zu schlagen. Das Blut in meinen Adern verwandelte sich in pures Eis und explodierte dann in eine blendende, atomare Hitze.Daniel drehte seinen Kopf scharf zur offenen Türöffnung, seine silbernen Augen weit vor absolutem Schock. Er war nicht nur ohne Hemd – seine dunkle Hose war völlig aufgeknöpft und rutschte ihm von den Hüften, seine muskulöse Brust war nackt, seine Haut gerötet und warm.Und genau dort auf unserem Kingsize-Bett lag Charlotte langgestreckt auf der weißen Bettdecke – in einem hautengen seidenen BH und dem dazu passenden Slip.Als Charlotte mich in der Türöffnung in meiner transparenten karminroten Spitze stehen sah, überflogen ihre Augen für einen Bruchteil einer Sekunde meinen Körper. Dann breitete sich ein langsames, triumphierendes, widerliches Schmunzeln auf ihren roten Lippen aus. Sie beeilte sich nicht, sich zu bedecken. Sie sah nicht verlegen aus. Sie blickte mit einem leisen, schnurrenden, zufriedenen Seufzer zu Daniel a
Emilys PerspektiveDie nächsten vier Wochen vergingen in einem schnellen, anstrengenden Schleier aus Campus-Vorlesungen, Anwesenheitsregeln und ständigen psychologischen Minenfeldern.Julian an der New York Academy anzumelden hätte einfach sein sollen, aber Charlotte sorgte dafür, dass jeder einzelne Schulweg zu einer internationalen Krise wurde.„Ich bin seine biologische Mutter!“, hatte Charlotte während der zweiten Woche vor dem großen Steineingang des Haupthauses gezischt und ihre Designer-Ledertasche wie eine Waffe geklammert. „Ich werde ihn jeden Morgen zur Schule fahren und jeden Nachmittag abholen!“„Das Sicherheitsteam fährt Julian, Charlotte“, hatte ich ganz ruhig von der Veranda aus geantwortet und meinen warmen Reisebecher gehalten. „Du bist herzlich eingeladen, auf dem Beifahrersitz des gepanzerten Suburban zu sitzen, wenn Maya zustimmt. Andernfalls bleibst du im Gästehaus.“Charlotte hatte mich angestarrt, als wolle sie mich auf der Stelle erwürgen, aber sie stieg trotzd





