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Kapitel 4: Die Wahl

Author: Cat Ink
last update publish date: 2026-09-15 01:30:29

POV: Catherine

Zum ersten Mal sehe ich die Waffe wirklich. Richtig. Schwarz, matt, groß. Der Lauf des Pistols ist direkt auf Damon gerichtet, und Damians Blick ist völlig wahnsinnig. Nicht mehr kalt und kontrolliert wie vorhin im Esszimmer. Jetzt ist da etwas Wildes, etwas Gefährliches darin. Etwas, das mir noch mehr Angst macht als Damon.

„Wenn man sich die Tränen in den Augen dieses armen Mädchens ansieht, ist sie ganz offensichtlich gegen dich“, sagt Dam mit beißendem Sarkasmus. Seine Stimme trieft vor Verachtung.

„Was zur Hölle soll das hier werden?“, knurrt Damon. Sein ruhiges, überlegenes Gehabe ist wie weggeblasen. Er ist wütend. Richtig wütend. „Verpiss dich! Hau ab!“

In diesem Moment stürmen Coopers Assistenten in den Raum. Die Tür kracht gegen die Wand. Sie haben die Waffe gehört oder das Geschrei. Zwei, drei Männer in Schwarz. Sie sehen mich und werfen mir sofort verächtliche Blicke zu. Als wäre ich schuld an dieser Situation. Als wäre ich der Grund, warum die beiden Brüder sich wieder an die Kehle gehen. Ich kauere mich auf das Bett, die Hände zittern so stark, dass ich sie kaum unter Kontrolle habe, aber das hindert mich nicht daran, nach der Decke zu greifen und mich bis zum Kinn damit zu bedecken. Als könnte mich ein dünnes Stück Stoff vor ihnen beschützen.

Damian ignoriert die Ausrufe seines Bruders völlig. Er ignoriert auch die Wachen, die jetzt mit den Händen an ihren eigenen Waffen im Türrahmen stehen. Er hält Damon weiter in Schach und sieht dabei mich an. Direkt. Unsere Blicke treffen sich über den Lauf der Waffe hinweg. Sein eisblauer Blick ist intensiv, fast durchdringend.

„Willst du mit mir kommen?“, schlägt er plötzlich vor. Seine Stimme ist leiser jetzt, nur an mich gerichtet.

Die Frage hängt schwer in der Luft. Mit ihm kommen? Weg von hier?

„Du kannst sie nicht einfach fragen, ob sie mit dir mitkommen will, sie gehört mir. Bezahlung, Bruder“, knurrt Cooper sofort. Er klingt, als würde er jeden Moment explodieren. „Sie ist eine Bezahlung. Eine Schuld. Sie gehört mir!“

„Sie wird selbst entscheiden“, sagt Damian ruhig, ohne den Blick von mir zu nehmen.

„Nein“, Damon stellt sich abrupt vor mich, er deckt mich mit seinem Körper ab, als würde er seinen Besitz verteidigen. „Sie gehört mir, hast du das verstanden? Mir!“

„Wirklich?“, Dam lächelt angespannt, hart und furchteinflößend. Es ist kein schönes Lächeln mehr. Es ist ein Raubtierlächeln. „Meine Liebe, kommst du mit mir oder bleibst du bei meinem kleinen Bruder?“ Er betont das Wort klein mit purem Hohn.

Cooper dreht sich ruckartig zu mir um. Seine Augen sind dunkel vor Wut. Er packt mich nicht an, aber sein Blick ist ein Befehl.

„Wenn du gehst, werden dein Vater und deine Mutter den Abend nicht mehr erleben“, sagt er leise, so leise, dass nur ich es hören kann. Jedes Wort ist ein Dolchstoß.

Ich halte mein Schluchzen kaum zurück. Mein ganzer Körper zittert, unkontrollierbar. Ich sehe Damian an, ich sehe die Waffe, ich sehe einen möglichen Ausweg. Und dann sehe ich das Gesicht meiner Mutter vor mir. Meines Vaters. Ich weiß, dass Damon nicht blufft. In dieser Welt blufft man nicht mit so etwas.

Als ich antworte, zittert meine Stimme fast nicht. Ich bin selbst überrascht, wie fest sie klingt.

„Ich bleibe.“

Aus einem mir völlig unbekannten Grund ist Damian nicht überrascht. Keine Spur von Enttäuschung in seinem Gesicht. Im Gegenteil, es wirkt fast so, als hätte er genau diese Antwort erwartet. Als hätte er sie gewollt.

„Ihr habt es gehört“, unterbricht Cooper sofort triumphierend und richtet sich auf. Er hat gewonnen. Zumindest denkt er das.

Dam senkt langsam seine Waffe. Ganz langsam. Und hebt dann beide Hände, als würde er sich ergeben. Eine Geste der Kapitulation, die aber überhaupt nicht echt wirkt.

„Okay, okay, ich gehe schon“, sagt er und seine Stimme ist wieder völlig ruhig, fast gelangweilt. „Aber ich verspreche euch, ich komme wieder.“ Er zwinkert uns allen zu, erst mir, dann seinem Bruder und seinen Wachen, dann verlässt er mit lässigen Schritten das Zimmer. Als wäre nichts gewesen.

Cooper ist völlig außer sich. Seine Fassade ist komplett zerbrochen.

„Wenn mein Bruder kommt, um sie zu holen, müsst ihr mich warnen, und zwar sofort, ihr beide!“, brüllt er seine Männer an. Seine Stimme überschlägt sich fast. „Habt ihr mich verstanden? Sofort!“

Ich schaudere, meine Finger verkrampfen sich um die Decke, als wäre sie ein Schild, das mich retten könnte.

„Du“, Damon sieht mich jetzt wieder an. Sein Blick ist dunkel und unberechenbar. „Geh duschen und mach dich fertig für heute Abend.“

„Es tut weh“, sage ich mit rauer Stimme. Ich weiß nicht einmal genau, was wehtut. Alles. Meine Knie, mein Herz, meine Seele.

„Es tut weh?“, fragt er und kneift die Augen zusammen. Er kommt einen Schritt näher. „Solange es wehtut, bist du am Leben, meine Kleine. Sei heute Abend bereit. Verstanden?“

Cooper geht hinaus und verriegelt die Tür hinter sich. Und sobald ich das leise, endgültige Klicken des Schlosses höre, schießen mir die Tränen in die Augen. Ich lasse mich auf das Bett fallen und weine. Lautlos, damit niemand es hört.

Später, viel später, bringt jemand das Abendessen. Ein Tablett mit einer Abdeckung. Ich esse. Mechanisch. Ich schmecke nichts. Ich muss essen, sonst habe ich keine Kraft.

Als die Nacht hereinbricht und das Zimmer nur noch vom schwachen Licht der Nachttischlampe erhellt wird, öffnet sich die Tür erneut. Damon steht auf der Schwelle. Er hat sich umgezogen. In der einen Hand hält er einen riesigen Strauß roter Rosen, in der anderen eine kleine, teure Geschenktüte mit einer goldenen Schleife.

„Hey“, sagt er leise, fast sanft. „Ich will, dass du verstehst: Ich bin vielleicht nicht der Sanfteste, aber ich bin auch kein Monster“, sagt er. „Das ist für dich.“

Ich stehe auf, meine Beine sind steif. Ich nehme die Geschenke entgegen, meine Hände zittern so sehr, dass ich fast die Tüte fallen lasse.

„Danke“, sage ich leise. Was soll ich sonst sagen?

Nachdem ich den Strauß auf das Bett gelegt habe – er riecht so stark, dass mir übel wird – öffne ich die Schachtel. Darin liegt ein Schmuckset aus Weißgold. Eine feine Kette, Ohrringe, ein Armband. Es muss ein Vermögen wert sein. Es funkelt im schwachen Licht.

„Siehst du“, sagt Damon und steht jetzt direkt hinter mir. Ich kann seinen Atem in meinem Nacken spüren. „Ich werde mich um dich kümmern, meine Kleine. Alles, was du brauchst, ist, mir zu gehören. Nur mir.“

Der Schrei bleibt mir im Hals stecken. Ich kann nicht atmen.

„Was ist mit der Vorherigen passiert?“, frage ich mit zitternder Stimme. Die Frage kommt einfach so aus mir heraus, ich kann sie nicht zurückhalten. Ich muss es wissen.

Damon erstarrt für einen Moment.

„Oh“, sagt er dann gleichgültig. „Die habe ich verschenkt.“

„An wen?“, flüstere ich.

„An ein paar Geschäftspartner meines Bruders.“

„Lebt sie noch?“, murmle ich, die blanke Angst im Bauch. Meine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch.

„Genug geredet“, sagt Damon scharf. Seine sanfte Maske fällt wieder.

Er kommt näher, packt mich plötzlich und brutal an den Haaren und reißt meinen Kopf nach hinten. Alles in mir schreit vor Terror.

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