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CEO, deine Vertragsehefrau ist weg!
CEO, deine Vertragsehefrau ist weg!
Author: Noona Aurora

Kapitel 1: Unbedeutend

Author: Noona Aurora
last update publish date: 2026-09-06 13:36:42

„Es ist also schon fast ein Jahr her … und alles ist einfach so an mir vorbeigezogen.“

Das leise Murmeln entkam den Lippen von Sienna Hayes – einer dreißigjährigen Frau, die seit einem Jahr in einer veränderten, eiskalten Ehe gefangen war.

Ihre sanfte Stimme ging beinahe im Klirren der Kristallgläser und dem leisen Lachen der High Society unter, die am heutigen Abend den Ballsaal des Fünf-Sterne-Hotels füllte.

Siennas Blick war leer. Er drang durch die riesige Glasfront nach draußen, wo die Lichter der Stadt in heller Pracht erstrahlten.

Ihre Brust zog sich unter einer unsichtbaren Last zusammen.

„Achte auf deinen Gesichtsausdruck, Sienna. Lächle, die Kameras der Journalisten sind auf uns gerichtet.“

Die tiefe, kühle und gebieterische Baritonstimme riss Sienna augenblicklich aus ihren Gedanken.

Damian Blackwell – ihr Vertragsehemann, ein fünfunddreißigjähriger, ehrgeiziger Mann von kühler Natur.

Damian stand aufrecht neben ihr. Er rückte ein Stück näher, legte seinen Arm possessiv um ihre Taille – eine Berührung, die sich auf der Haut glühend heiß anfühlte, im Herzen jedoch eisig kalt war.

Sienna schrak ganz leicht zurück, fing sich jedoch schnell wieder.

Sie wandte sich Damian zu und erwiderte den Blick ihres Ehemannes mit jenem formellen Lächeln, das sie in den vergangenen 365 Tagen bis zur Perfektion eingeübt hatte.

„Tu deine Pflicht wie immer. Lass den Vorstand nicht den kleinsten Hauch von Unmut in deinem Gesicht sehen“, flüsterte Damian mit nachdrücklicher Schärfe. Er sprach, ohne dabei kaum die Lippen zu bewegen, während sein Blick starr nach vorne gerichtet war und er den Geschäftspartnern zunickte.

Siennas Lippen formten ein Lächeln, um das Unbehagen zu verbergen, das sie überkam.

Vor den zuckenden Blitzlichtern der Fotografen boten sie das perfekte Bild eines Paares, das jeden neidisch machen konnte: der attraktive, entschlossene und ehrgeizige CEO der Blackwell Group an der Seite seiner wunderschönen, sanftmütigen Ehefrau.

Doch hinter dieser prachtvollen Fassade wussten beide ganz genau, dass diese Ehe nichts weiter als eine geschäftliche Vereinbarung auf dem Papier war. Vor einem Jahr hatten sie vor dem Altar nicht aus Liebe den Bund fürs Leben geschlossen, sondern aufgrund eines einjährigen Vertrags im Interesse beider Seiten.

Damian brauchte das Image eines stabilen Familienvaters, um den Vorstand zu überzeugen, seine Position als CEO zu sichern und das Megaprojekt für das neue Einkaufszentrum zu gewinnen. Sienna hingegen, die von der Grausamkeit ihrer eigenen Familie in die Enge getrieben worden war, benötigte Damians finanzielle Macht und seinen juristischen Einfluss, um das alte Haus ihrer verstorbenen Mutter auszulösen.

Sobald die Fotografen ihre Kameras gesenkt hatten und sich respektvoll verbeugten, um Platz zu machen, verflüchtigte sich die Wärme an Siennas Taille schlagartig.

Damian zog seine Hand zurück, als hätte Siennas Haut ihm einen Stromschlag versetzt. Er strich die Falten seines maßgeschneiderten Designer-Sakkos glatt, das perfekt an seinem aufrechten Körper saß, ohne seiner Frau auch nur einen einzigen Blick zu würdigen.

„Bleib hier. Tu nichts Unüberlegtes, das die Fragen der Journalisten heraufbeschwören könnte“, sagte Damian monoton, ohne sie anzusehen.

Nachdem Sienna bisher nur geschwiegen und gelächelt hatte, brachte sie schließlich Worte über die Lippen. „Damian, mein Kopf tut etwas –“ Ihre Worte blieben mitten im Satz hängen.

Damian hatte sich bereits umgedreht und ging mit großen Schritten auf die Mitglieder des Verwaltungsrats zu, die gerade am Eingang eingetroffen waren.

Er wartete ihre Erklärung nicht ab, noch kümmerte ihn das blasse Gesicht seiner Frau.

Für Damian hatte Siennas Anwesenheit am heutigen Abend ihren Zweck bereits vollkommen erfüllt: Sie war das lebendige Ausstellungsstück gewesen, das sein Ansehen am heutigen Abend perfektionierte.

Sienna atmete leise aus. Ihre Finger, die vor ihrem elfenbeinfarbenen Satinkleid ineinander verflochten waren, liefen weiß an. Sie kämpfte gegen den Schwindel an, der langsam in ihren Schläfen aufstieg.

„Sieh mal an, wer da ganz allein wie ein billiges Dekostück in der Ecke steht.“

Die überheblich vertraute Stimme ließ Sienna den Kopf wenden.

Beatrice Blackwell, ihre Schwiegermutter, kam zusammen mit Elena, Damians jüngerer Schwester, näher. Beide hielten Champagnergläser in den Händen und musterten Sienna von Kopf bis Fuß.

„Mutter, Elena“, begrüßte Sienna die beiden und verneigte sich so sanft wie möglich.

Ein ganzes Jahr lang hatte sie stets versucht, vor der Familie Blackwell die Haltung zu bewahren, und all deren Arroganz und Herablassung klaglos geschluckt.

Beatrice schnaubte und heftete ihren Blick auf die dünne Perlenkette um Siennas Hals. „Die Familie Blackwell gewinnt heute Abend ein Milliarden-Projekt, Sienna. Und du entscheidest dich dafür, alten Schmuck zu tragen, der nicht einmal mehr wert ist als eine Flasche Champagner auf diesem Tisch? Willst du etwa, dass unsere Geschäftspartner glauben, Damian würde nicht für dich sorgen?“

Sienna hob die rechte Hand und berührte die Kette, die an ihrem Hals hing. Sie zwang sich zu einem kleinen Lächeln und erwiderte: „Das ist das Erbe meiner Mutter. Ich fand, es passt am besten zu –“

„Deiner längst verstorbenen Mutter aus der Hayes-Familie, die fast pleite war?“, unterbrach Elena sie mit einem leisen, bewusst unterdrückten Lachen.

Die Siebenundzwanzigjährige blickte mit spöttisch funkelnden Augen auf Siennas Kleid. „Damian ist viel zu gut zu dir, Sienna.“

Sienna schwieg und sah Elena an, die stets die Güte der Familie Blackwell betonte, wann immer sie sie in die Enge treiben wollte.

Noch bevor Sienna antworten konnte, ergriff Elena erneut das Wort.

„Wenn Damian das alte Haus deiner Mutter nicht von deinem nutzlosen Vater ausgelöst hätte, würdest du jetzt wahrscheinlich auf der Straße sitzen. Zeig ein bisschen Anstand. Sorge wenigstens dafür, dass du den Namen Blackwell bei einem so großen Event nicht beschmutzt.“

Elenas Worte trafen Sienna mitten ins Herz.

Es schmerzte, doch es floss kein Blut.

Sienna blickte zur Mitte des Saales. Dort lachte Damian leise und stieß mit einem Minister an – ein seltener Anblick, den Sienna nur höchst selten zu Gesicht bekam.

Sie sah, wie Damian kurz zu ihr herüberschaute, ehe er seinen Blick wieder abwandte.

Sienna lächelte bitter. Selbst wenn Damian wusste, dass seine Mutter und seine Schwester sie nicht ausstehen konnten, hatte er sie nie so beschützt, wie es ein Ehemann tun sollte.

Ha! Wie konnte sie auch so etwas erwarten, wo ihre Ehe doch nichts weiter als ein Vertrag war?

Sienna schloss für einen Moment die Augen.

Der Schmerz in ihrem Kopf wurde nun von der Erschöpfung überschattet, die ihre Seele quälte. Ein ganzes Jahr lang hatte Sienna schweigend durchgehalten.

Sie hatte die herablassenden Blicke der Bediensteten im Hause Blackwell ertragen, Beatrices scharfe Sticheleien und Elenas verwöhntes Verhalten, mit dem sie sie stets wie eine unbezahlte Assistentin behandelte.

All das hatte sie ertragen, weil sie Damian etwas schuldete – dafür, dass er die letzte Erinnerung an ihre Mutter vor der Habgier ihrer Stiefmutter gerettet hatte.

Doch heute Abend, als sie sah, wie Damian sie für eine bloße Geschäftsbeziehung ignorierte, zerbrach etwas in Siennas Innerem. Die Risse, die sie all die Zeit mit Geduld gekittet hatte, stürzten nun vollständig ein.

Sienna schlag die Augen auf. Ihr Blick war nicht mehr so sanft wie sonst. Sie sah Beatrice und Elena an, die immer noch spöttisch vor ihr standen, und lächelte kaum merklich – doch voller Entschlossenheit, die die beiden noch nie an ihr gesehen hatten.

„Vielen Dank für Ihre Zurechtweisung, Mutter, Elena“, sagte Sienna mit einer bemerkenswert ruhigen Stimme. Ihre Ansprache wurde vollkommen förmlich. „Ich entschuldige mich kurz für den Waschraum.“

Sienna drehte sich um, ohne auf die Erlaubnis von Beatrice zu warten. Aufrecht und mit festen Schritten ging sie durch die Menge.

Als sie in dem stillen Damenwaschraum ankam, stützte sie beide Handflächen auf den Rand des Marmorwaschbeckens. Sie blickte auf ihr Spiegelbild im großen Spiegel.

Sie war blass. Mit den Fingern der rechten Hand tastete sie nach der Perlenkette an ihrem Hals.

In genau einer Woche lief ihre Zeit in diesem Hause ab. Die Dokumente über den Besitz des Hauses ihrer Mutter waren bereits vor zwei Tagen offiziell auf ihren Namen übertragen worden.

Ihre Pflicht als Vorzeige-Ehefrau war erfüllt.

Sienna griff nach ihrer kleinen Tasche, holte ihr Smartphone heraus und blickte auf den digitalen Kalender.

„Es reicht, Sienna. Lass nicht zu, dass du noch mehr von deiner Würde verlierst“, flüsterte Sienna ihrem eigenen Spiegelbild zu.

Ihre Tränen flossen nicht. Trauer hatte sich in kalte Entschlossenheit verwandelt.

Als sie den Waschraum verließ, stand Damian bereits auf dem etwas verlassenen Flur. Er hatte die Arme verschränkt und ein ungeduldiges Gesicht gezogen.

„Warum hat das so lange gedauert? Die Hauptveranstaltung ist fast zu Ende, wir müssen uns von der Familie verabschieden“, herrschte Damian sie scharf an.

Sienna sah in Damians scharfe, schwarze Augen. Dieser Mann fragte sie nie, ob sie müde war, ob sie Kopfschmerzen hatte oder warum sie so lange fortgeblieben war.

„Gehen wir“, antwortete Sienna kurz. Sie lächelte nicht mehr.

Sienna ging an Damian vorbei und ignorierte ihn zum ersten Mal in ihrem Leben.

Und von nun an für immer.

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