ログインWährend der ersten zwanzig Minuten der Fahrt über den kurvenreichen Gebirgspass sagte Hayley kein Wort.Sie saß auf dem Beifahrersitz und starrte auf den dunklen Asphalt vor ihnen. Im Licht der Scheinwerfer beobachtete sie, wie die Bäume an ihnen vorbeirasten, bis die Fahrzeuge den hohen Bergrücken überquert hatten und der Steinkreis im Seitenspiegel zu einem winzigen Fleck aus fernen Fackellichtern geschrumpft war.Erst dann drehte sie den Kopf zu Lysander und wiederholte Wort für Wort, was Jonas ihr im Dreck zugeflüstert hatte, bevor sie den Steinkreis verließen.Lysander riss das Lenkrad nicht herum und schrie auch nicht vor Wut auf. Er hielt das Lenkrad mit ruhigen Händen fest, lenkte den Geländewagen gleichmäßig auf den unbefestigten Seitenstreifen der Straße und stellte den Motor ab.Die Scheinwerfer erloschen mit einem Klicken und tauchten den Wagen in völlige Dunkelheit, abgesehen von den Lichtern des Armaturenbretts. Er saß schweigend hinter dem Lenkrad und hielt beide Hände
Die Wölfe der umliegenden Rudel räumten die Mitte des Steinkreises und bildeten am äußeren Rand einen engen Ring. So entstand eine dreißig Fuß breite, freie Kampffläche für den Zweikampf.Vane zog seinen dunklen Mantel aus, warf ihn Valentin zu, der nahe der Begrenzung stand, und krempelte seine Hemdsärmel bis über die Ellbogen hoch. Zum allerersten Mal sah Hayley die blassen, alten Silbern arben, die sich über seine Unterarme zogen.Sie waren unverkennbare körperliche Spuren eines Mannes, der vor langer Zeit brutale Kämpfe überlebt hatte und nie mit jemandem auf dem Anwesen darüber sprach.Jonas trat in den offenen Ring, warf seine Jacke auf den Erdboden und verwandelte sich beinahe augenblicklich. Seine Knochen knackten laut, als sein Körper die Gestalt eines massigen grauen Wolfs annahm, dessen linkes Ohr eingerissen war und dessen Schultern von breiten weißen Narben gezeichnet waren. Ein tiefes Knurren drang aus seiner Kehle. Während er den Kampfplatz umrundete, gruben sich seine
Ottilie wartete nicht darauf, dass Brandt ihr das Dokument zurückgab. Sie hob das gefaltete Stück vergilbten Pergaments vom Rand des steinernen Stuhls auf, entfaltete es mit ihren trockenen Fingern und begann, den handgeschriebenen Text der gesamten Versammlung laut vorzulesen.Ihre Stimme war dünn und rau, doch jede Silbe trug klar über die stille Lichtung.Die Worte des Schreibers stimmten beinahe Silbe für Silbe mit Sabines vorheriger Aussage überein. Der Eintrag enthielt das genaue Datum, die Uhrzeit in der Nacht, die Namen der Wachen, die in der Nähe des Podiums gestanden hatten, und Jonas’ wörtliche Anweisung, Hayley aus dem Territorium zu verbannen. Die Verbannung war vor dem gesamten Rudel ausgesprochen worden, ohne jegliche Bedingung und ohne zeitliche Begrenzung.Ottilie faltete das Pergament zusammen, blickte von der Seite auf und erinnerte die halbkreisförmig versammelten Ältesten an die grundlegende Rechtsregel, die für jedes Rudel in der gesamten Region galt.„Ein Alpha,
Valentin ging neben Sabine den unbefestigten Pfad von den Zelten zum Rand des Steinkreises entlang. Als sie die Grenzlinie erreichten, die durch zwei gestapelte Steine markiert war, blieb Sabine stehen und löste sanft ihren Arm aus Valentins. Die alten Ratsregeln verlangten, dass jeder Zeuge die Schwelle überschritt und vollständig allein vor den sieben Stühlen stand.Sabine verharrte zwei Sekunden regungslos am Eingang. Sie war nach ihren Monaten der Gefangenschaft noch deutlich abgemagert, und saubere weiße Leinenbandagen waren fest um beide Handgelenke gewickelt, um die Haut darunter zu bedecken. Trotz ihrer körperlichen Schwäche war ihr Rücken vollkommen gerade, als sie über die Steingrenze trat und in die Mitte des Rings ging.Jonas beobachtete, wie sie den offenen Boden überquerte, ohne auch nur einmal zu blinzeln. Er beugte sich leicht in seinem Sitz nach vorn, die Augen fest auf ihr Gesicht gerichtet, doch Sabine blickte ihn nicht ein einziges Mal an. Sie hielt den Blick gerad
Die Morgendämmerung brach über dem Bergrücken an und tauchte den uralten Versammlungsplatz aus Stein in kaltes, graues Licht. Sieben hochrangige Älteste saßen in einem weiten Halbkreis auf den kunstvoll behauenen Steinsesseln und beobachteten, wie sich die Menge am Rand des Versammlungsplatzes versammelte.Ältester Brandt saß genau in der Mitte. Ein dicker Holzstab lag quer über seinen Knien. Er war ein kräftig gebauter, wettergegerbter Wolf, der Jonas bereits in der ersten Woche offen unterstützt hatte, nachdem dieser den Alpha-Posten in Liechtenstein beansprucht hatte. Als er auf die Delegation hinabblickte, machte er keinerlei Anstalten, seine politische Voreingenommenheit zu verbergen.Jonas stand auf der rechten Seite des Steinkreises vor dem Rat und nahm die Haltung eines zu Unrecht geschädigten Alphas ein. Er trug einen sauberen, dunklen Mantel und sprach mit ruhiger, betont vernünftig klingender Stimme, die mühelos über die stille Lichtung trug.Hayley stand auf der gegenüberl
Die Bräuche, nach denen sich der regionale Rudelrat richtete, waren weitaus älter als jeder der Geländewagen, die entlang der Schotterstraße auf dem Bergrücken parkten.Nach uraltem Gesetz mussten alle Gäste des Rates außerhalb des offiziellen Ringbereichs campieren. Weder Stahlklingen noch Schusswaffen durften über die steinerne Schwelle des Versammlungsplatzes gebracht werden, und kein Werwolf durfte sich innerhalb des Kreises in seine Tiergestalt verwandeln, bevor die vorsitzenden Ältesten die Versammlung offiziell für beendet erklärten.Ein grauhaariger Verwalter mit einem formellen Leinenband über der Kleidung ging an der Reihe geparkter Fahrzeuge entlang und trug jeder Delegation mit klarer, geübter Stimme die Regeln des Rates vor.Als er das mittlere Fahrzeug erreichte, an dem Lysander und Hayley gerade ihre Ausrüstung ausluden, blieb der Verwalter stehen und fügte eine besondere Regel hinzu.„Ein Ehemann darf sich während der Anhörung direkt hinter der angeklagten Frau aufstel







