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Kapitel 3: Hinter verschlossenen Türen

Author: Mefoni Modey
last update publish date: 2026-09-01 08:54:50

Devlins Sicht

Wochenlang mied Jason mich absichtlich und benutzte seine eigenen Worte – Rudelangelegenheiten – als Ausrede, während Chloe jeden Nachmittag im Rudelhaus genoss, als gehöre es ihr schon allein. Jedes Mal, wenn ich einen Raum betrat, tauchte sie wie aus dem Nichts auf, und jedes Mal, wenn Jason das Haus verließ, um sich mit dem Rat zu treffen, war sie nicht weit entfernt. Wann immer ich versuchte, ein privates Gespräch mit meinem Gefährten zu führen, schien immer wieder etwas dazwischenzukommen.

Es wurde langsam offensichtlich.

Ich kehrte früh an einem Donnerstagmorgen zum Rudelhaus zurück und blieb im Wohnzimmer stehen, als ich Jasons Eltern den Flur entlang in ihrer Sprache sprechen hörte. Ich hielt den Atem an und spitzte die Ohren, um zu verstehen, was sie sagten, und versuchte, die Worte so schnell wie möglich zu erfassen.

„…Conseil…“, knurrte Charles grimmig. „Annulation…“

Mein Herz hämmerte mir in den Ohren, während mein Verstand fieberhaft versuchte, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Conseil – ich wusste, das bedeutete Rat. Annulation bedeutete Annullierung.

 Isabelle sagte etwas Scharfes, und Charles sprach erneut.

„Chloe … nouvelle Luna … le mois prochain.“

Neue Luna … nächsten Monat.

Ich musste nichts weiter verstehen. Ich verstand die Worte „neu“ und „nächsten Monat“, und das genügte, um die wenigen Informationen, die ich hatte, zusammenzusetzen. Der Schmerz in meiner Brust war sofort da und stechend. Der Rat plante eine Annullierung, und Chloe sollte innerhalb weniger Wochen meinen Platz einnehmen.

Ich wich leise zurück, bevor mich jemand sehen konnte, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Als ich das Ende des Korridors erreichte, erlaubte ich mir endlich zu atmen, meine Hände bereits zu Fäusten geballt.

Nächsten Monat.

Die Worte hallten immer wieder in meinem Kopf wider.

Sie hatten bereits entschieden, wer meine Nachfolgerin sein sollte, und Jason hatte vollkommen einverstanden damit gewesen.

Ich starrte auf meinen Ehering und drehte ihn langsam an meinem Finger entlang. Vor vier Jahren hatte dieser Ring alles symbolisiert, was ich mir von meiner Ehe erhofft hatte. Ich hatte gedacht, es würde für immer sein. Ich hatte gedacht, es würde bedeuten, dass Jason immer an meiner Seite wäre, egal was passiert.

Jetzt fühlte es sich an wie ein Countdown.

Ich wischte mir die Träne weg, die sich in meinem Augenwinkel gesammelt hatte, bevor sie fallen konnte. Ich weigerte mich, um Menschen zu weinen, die mich bereits für entbehrlich erklärt hatten.

An diesem Abend kam Jason in mein Büro und schloss die Tür hinter sich. Er sah erschöpft aus, und in seinen Augen spiegelten sich Gefühle wider, über die er nicht sprechen wollte, als er auf meinen Schreibtisch zuging.

„Du warst so distanziert“, sagte er leise.

„Das ist ja wohl ein Witz von dir“, erwiderte ich und stand auf.

„Devlin … du musst mir vertrauen. Es ist viel passiert, und ich versuche wirklich, das alles zu verarbeiten“, sagte er mit leiser Stimme.

Ich sah ihm in die Augen. „Warum sollte ich, Jason? Du verbringst ständig Zeit mit Chloe und ignorierst mich komplett, obwohl du bei deiner Gefährtin sein solltest. Du lässt dich von deinen Eltern wie eine Fußmatte behandeln, wann immer sie wollen, und tust nichts. Und jetzt redest du hier von Vertrauen?“

Meine Stimme zitterte, obwohl ich versucht hatte, sie zu beherrschen.

„Wie glaubst du, fühle ich mich dabei, Jason? Glaubst du, ich habe keine Gefühle? Glaubst du nicht, es tut mir weh, dich so zu ignorieren, als hätte ich dir nie etwas bedeutet?“

Zum ersten Mal seit Langem blitzte Schuld in seinen Augen auf, und er kam näher.

„Es tut mir leid, Devlin. Ich wusste nicht, dass du so fühlst. Ich möchte, dass du verstehst, dass es mir auch schwerfällt.“

„Jason, ich bin deine Gefährtin. Erinnerst du dich überhaupt daran?“, fragte ich leise.

Ich musste es einfach rauslassen, denn egal wie sehr ich Stärke vortäuschte, tief in meinem Inneren wusste ich die Wahrheit. Ich liebte ihn, und ich konnte diese Gefühle nicht einfach abstellen, nur weil er mich verletzte.

„Ich möchte dir wirklich vertrauen, Jason, aber du musst ehrlich zu mir sein. Tust du irgendetwas, das mein Vertrauen in dich erschüttern könnte?“

Seine Augen blitzten schuldbewusst auf.

„Was? Nein!“

Die Lüge kam wie von selbst, so defensiv, dass ich fast lachen musste.

Ich war wütend auf ihn, aber dieser erbärmliche Teil von mir liebte ihn immer noch so sehr. Ich hasste es, dass ich ihn nach allem, was er mir angetan hatte, immer noch wollte. Vielleicht war das das Schlimmste daran. Ich konnte Isabelle gegenübertreten. Ich konnte Chloe gegenübertreten. Ich konnte sogar dem Rat gegenübertreten, falls sie beschließen sollten, mir meinen Titel zu entziehen.

Aber Jason?

Ich wusste nicht, wie ich aufhören sollte, ihn zu lieben.

 Er stand vor mir, so nah, dass ich seine Körperwärme spüren konnte, und plötzlich erinnerte ich mich an den Mann, in den ich mich verliebt hatte, nicht an den Alpha, den alle anderen sahen. Unser erstes Treffen. Sein Blick, wenn wir allein waren. Unser erster Kuss. Die Nächte, in denen ich glaubte, seine Arme seien der sicherste Ort der Welt.

Meine Brust schnürte sich zusammen.

Mondgöttin, ich hatte ihn vermisst.

Ich hatte es vermisst, von meinem Gefährten begehrt zu werden. Ich vermisste seine Hände auf mir, seine Lippen auf meinen, wie ein einziger Blick aus seinen strahlend blauen Augen mein Herz noch immer rasen ließ, egal wie sehr ich dagegen ankämpfte.

Ich hätte zurücktreten sollen.

Stattdessen ging ich näher.

Bevor ich es mir anders überlegen konnte, legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn an mich.

Er starrte mich an, fast verwirrt.

„Devlin …“

Ich küsste ihn, bevor er etwas sagen konnte.

Einen Moment lang rührte er sich nicht.

 Dann erwiderte er meinen Kuss.

In dem Moment, als sich unsere Lippen berührten, schien all der Zorn, den ich in mir getragen hatte, mit der Liebe zu kollidieren, die ich immer noch verzweifelt zu verdrängen versuchte. Ich klammerte mich fester an ihn, fast aus Angst, dass alles wieder hochkommen würde, wenn ich ihn losließ.

Er hob mich auf den Schreibtisch, und ich schlang meine Arme um ihn und zog ihn näher an mich heran.

Ich wollte nicht nachdenken.

Ich wollte ihn nicht befragen.

Ich wollte mich nicht daran erinnern, wie Chloe vor seinem Arbeitszimmer gewartet hatte oder an die Worte, die ich an diesem Morgen mitgehört hatte.

Für diese wenigen Augenblicke wollte ich meinen Mann.

Ich wollte meinen Gefährten.

Ich wollte den Mann, der mir einst versprochen hatte, mich niemals zu verlassen.

„Jason“, flüsterte ich gegen seine Lippen.

Seine Stirn ruhte einen Moment lang an meiner. Sein Atem ging schwerer, und seine Augen hatten sich verändert; sie leuchteten im Gold von Riven.

 „Du bist so wunderschön“, flüsterte er.

Die Worte trafen mich härter, als sie sollten.

Ich schloss die Augen und erlaubte mir, sie für einen Moment zu glauben.

„Dann sieh mich an“, flüsterte ich. „Bitte. Sieh mich einfach an.“

Sein Blick ruhte auf meinem.

Und für einen Augenblick sah ich den Jason, den ich so vermisst hatte.

Den Mann, den ich liebte.

Den Mann, den ich geheiratet hatte.

Den Mann, an den ich jahrelang geglaubt hatte, er würde sich immer wieder für mich entscheiden.

Ich zog ihn näher an mich heran.

„Hör nicht auf.“

Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, und er küsste mich erneut.

Jede Berührung machte es mir schwerer, mich daran zu erinnern, warum ich versucht hatte, Abstand zu halten. Meine Wut wich der Sehnsucht, und meine Sehnsucht verwandelte sich in etwas, gegen das ich keine Kraft hatte anzukämpfen.

„Jason …“

Er hielt mich fester.

„Ich habe dich vermisst“, gestand ich, meine Stimme kaum hörbar. „Ich hasse es, dass ich dich so sehr vermisst habe.“

Er antwortete nicht.

Vielleicht konnte er nicht.

Ich lehnte meine Stirn an seine und schluckte den Schmerz in meinem Hals hinunter.

„Nur für heute Nacht“, flüsterte ich. „Lass mich alles vergessen.“

Seine Augen suchten meine, und was auch immer er darin sah, schien auch den letzten Rest seiner Selbstbeherrschung zu brechen.

Er küsste mich erneut, und ich ergab mich dem Moment.

In diesen wenigen Minuten gab es keinen Rat. Keine Chloe. Keinen Ersatz. Kein Geflüster über Annullierung.

Es gab nur uns.

Oder zumindest den Teil von uns, den ich noch immer verzweifelt zu retten versuchte.

Als es vorbei war, waren wir beide atemlos.

Ich lag einen Moment lang da und versuchte, die Wärme festzuhalten, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte. Meine Finger ruhten auf seiner Brust, während ich lauschte, wie sich sein Atem langsam normalisierte.

Dann sah ich ihn an.

Und ich sah es.

Schuld.

Die Wärme in mir begann zu schwinden.

Jason wandte sich sofort ab und richtete seine Kleidung.

„Was ist passiert?“, fragte ich leise.

„Nichts. Ich sollte gehen.“

Mein Herz sank.

 „Jason …“

Er hielt inne, drehte sich aber nicht um.

„Wir haben gerade miteinander geschlafen“, sagte ich mit zitternder Stimme. „Warum kannst du mich nicht einmal ansehen?“

Endlich blickte er mich an.

„Es tut mir leid, Devlin.“

Diese Worte verletzten mich mehr, als ich erwartet hatte.

„Nein.“ Meine Stimme versagte. „Ekle ich dich etwa an?“

Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

„Devlin, es liegt nicht an dir …“

„Dann sag es mir!“

Ich trat näher, wollte ihm keine weitere Ausrede erlauben.

„Ich bin deine Gefährtin. Deine Frau. Deine Luna. Warum habe ich das Gefühl, dass nur ich für uns kämpfe?“

Er öffnete den Mund, doch bevor er antworten konnte, klingelte sein Handy.

Er sah auf den Bildschirm. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

Er lehnte den Anruf ab. Dann sah er mich wieder an.

„Es tut mir leid, Devlin.“

 Das Telefon klingelte erneut. Diesmal erschien Chloes Name auf dem Display.

Jason sagte kein Wort mehr. Er verließ den Raum, um ans Telefon zu gehen. Ich stand neben meinem Schreibtisch und sah ihm nach.

So einfach war es, und ich war wieder allein.

Und irgendwie fühlte sich die Frau, die diese wenigen Minuten geglaubt hatte, ihren Partner noch an ihrer Seite zu haben, noch tiefer verraten als zuvor, bevor er mein Büro betreten hatte.

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Comments (1)
goodnovel comment avatar
allthatgliterzz
Warum habe ich ständig das Gefühl, dass er Chloes Namen aussprechen würde, wenn er mit ihr zusammen ist?
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