LOGINKAPITEL 31Am Morgen nach Sophias Nachricht legte sich eine unruhige Stille über das Blackwood Sanctuary.Anders als die friedliche Ruhe, die das Berganwesen sonst umhüllte, trug diese Stille das Gewicht der Erwartung – als spürten die alten Mauern selbst, dass etwas Unumkehrbares begonnen hatte. Krieger bewegten sich mit schärferer Wachsamkeit über das Gelände; ihre Gespräche waren auf Murmeln reduziert, die Augen ständig den umliegenden Wald absuchend. Die Nachricht von Isabellas Handlungen hatte sich über Nacht im inneren Kreis von Blackwood verbreitet, und niemand unterschätzte, was sie bedeutete.Sobald der Alpha-Rat aufhörte, aus den Schatten zu operieren, war die Diplomatie bereits gescheitert.Aria stand am Bibliotheksfenster und blätterte abwesend in einem Buch, das sie seit fast einer Stunde nicht gelesen hatte. Die Worte verschwammen und weigerten sich, sich in ihrem Kopf festzusetzen. Alle paar Minuten blickte sie zur langen Auffahrt, die ins Sanctuary führte, und fragte s
KAPITEL 30Das Blackwood Sanctuary erwachte langsam aus einer Decke silbrigem Nebels. Hoch in den Bergen gelegen, wo die Welt unendlich weit entfernt schien, stand das alte Anwesen unberührt vom Chaos, das die Außenwelt verzehrte. Hohe Kiefern wiegten sich sanft im Morgenwind, während die ersten Sonnenstrahlen über die Steinmauern strömten, die Generationen der Blackwood-Blutlinie beschützt hatten. Von Weitem hätte es friedlich gewirkt – ein Ort, an dem nichts Schlimmes je geschehen konnte.Aria wusste es besser. Frieden war etwas, dem sie nicht mehr vertraute.Sie stand allein auf dem Balkon vor ihrem Schlafzimmer, die Finger lose um eine Tasse Tee gelegt, die längst kalt geworden war. Die Wärme war dem Porzellan gewichen – genau wie die Gewissheit, die einst ihr Leben erfüllt hatte. Hinter den Bergen leuchtete der Himmel in weichen Gold- und Hellblautönen, doch sie konnte den Anblick nicht bewundern. Schönheit war schwer zu schätzen, wenn jeder Sonnenaufgang geborgt wirkte.Ihre fre
KAPITEL 29Das Morgenlicht filterte durch die schweren Vorhänge des Blackwood Mountain Estate und warf ein weiches goldenes Leuchten über das Hauptschlafzimmer. Die festungsartige Zuflucht tief in den Bergen war zu ihrem vorübergehenden Zuhause geworden – ein Ort, an dem die Außenwelt mit ihren Räten, Feinden und Skandalen fern wirkte. Doch für Aria Johnson war der Frieden zerbrechlich, wie ein dünner Schleier, der jederzeit reißen konnte.Sie lag im großen Bett, die Hand ruhte auf dem deutlichen Rund ihres Bauches. Mit fast sechs Monaten Schwangerschaft war das Baby aktiv und stark; es trat in einem Rhythmus, der sie sowohl tröstete als auch ängstigte. Das Kind war eine lebendige Erinnerung an die Liebe, die sie mit Damien geteilt hatte – und an die Gefahr, die diese Liebe in ihr Leben gebracht hatte.Damien lag neben ihr, den Arm schützend über ihre Taille gelegt. Sein Atem ging gleichmäßig, doch Aria wusste, dass er nicht ganz schlief. Seit ihrer Ankunft auf dem Anwesen hatte er ih
KAPITEL 28 Der Privatjet setzte auf einer verborgenen Landebahn tief in den schroffen Blackwood Mountains auf. Das Anwesen war eine von Damiens privatesten Besitzungen – eine alte Festung, die vor Jahrhunderten in den Berghang gebaut und mit moderner Sicherheit ausgestattet worden war. Nur einem vertrauenswürdigen inneren Kreis bekannt. Der Alpha-Rat hatte keine Aufzeichnungen darüber. Isabellas Spione hatten sie nie gefunden. Es war der perfekte Ort, um sich zu verstecken und neu zu formieren. Damien half Aria die Treppe hinunter, den Arm schützend um ihre Taille gelegt. Die Bergluft war klar und kühl und trug den Duft von Kiefern und frischem Schnee. Aria zitterte leicht, doch das Baby trat sanft, als würde es die neue Umgebung billigen. „Das ist das Blackwood Sanctuary“, sagte Damien leise und führte sie zum massiven steinernen Eingang. „Es gehört seit Generationen zu meiner Familie. Niemand außerhalb des inneren Kreises weiß davon. Hier sind wir sicher.“ Aria blickte zu der Fes
KAPITEL 27Der SUV raste durch die engen Straßen von Willow Bay, die Reifen quietschten auf dem nassen Asphalt, während Lucas einer weiteren Straßensperre auswich. Hinter ihnen hallten die Kampfgeräusche durch die Nacht – Knurren, Schüsse und die wütenden Heulrufe der Blackwood-Krieger im Gefecht mit der Crimson Guard des Alpha-Rates. Die einst friedliche Küstenstadt war zu einer Kriegszone geworden, und die Einsätze waren nie höher gewesen.Damien Blackwood saß auf dem Rücksitz, den Arm schützend um Aria gelegt, die Hand ruhte behutsam auf ihrem runden Bauch. Das Gefährtenband zwischen ihnen summte wie eine lebendige Flamme – heiß und beharrlich – und zog sie mit jeder Sekunde enger zusammen. Aria lehnte sich an ihn, den Kopf an seiner Brust, die Finger mit den seinen verschränkt. Das Baby trat kräftig, als spüre es gleichzeitig die Gefahr und die Sicherheit der Gegenwart seines Vaters.„Geht es dir gut?“ fragte Damien, die Stimme tief und rau vor Sorge. Mit der freien Hand strich er
KAPITEL 26Die Nachtluft in Willow Bay war dick von Anspannung; die stille Küstenstadt fühlte sich plötzlich an wie ein Schlachtfeld, das darauf wartete, zu entflammen. Damien Blackwood stand auf der Veranda von Arias Hütte; seine goldenen Augen durchsuchten die Dunkelheit. Das Gefährtenband summte zwischen ihnen – stark und lebendig –, doch etwas stimmte nicht. Eine scharfe Warnung pulsierte durch das Band: Gefahr.Genau in dem Moment, in dem der Krieger der Crimson Guard den Wolfsbanen-Pfeil aus den Schatten gegenüber abschoss, spürte Damien die Bedrohung. Ohne zu zögern stürzte er durch die Haustür und schirmte Aria mit seinem eigenen Körper ab. Der Pfeil verfehlte sie nur knapp und bohrte sich mit einem widerlichen dumpfen Laut in die Wand der Hütte.„Aria!“ brüllte Damien und riss sie zu Boden, während draußen das Chaos ausbrach.Lucas wechselte sofort in den Kampfmodus; sein Körper verwandelte sich in einen massiven grauen Wolf. Er heulte und kontaktierte die Blackwood-Krieger,







