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DAS GESCHÄFT DES VATERS

Autor: Fana Palms
last update Data de publicação: 2026-09-17 23:25:59

Ich klopfte, bevor ich den Mut verlieren konnte, und als die Stimme meines Vaters etwas Scharfes und Abweisendes zurückrief, öffnete ich die Tür trotzdem. Irgendeine alte, törichte Hoffnung lebte noch immer in mir, dass er mich vielleicht, nur ein einziges Mal, im Zimmer bleiben lassen würde, anstatt mich wieder hinauszuschicken.

Seine Hand schloss sich um mein Handgelenk, noch bevor ich die Schwelle vollständig überquert hatte. So fest, dass ich das Protestieren meiner eigenen Knochen hörte, noch bevor ich den Schmerz spürte. Er zog mich den Rest des Weges ins Zimmer und trat die Tür hinter uns mit der Ferse zu.

„Du wirst mir zuhören“, sagte er, „und du wirst den Mund nicht aufmachen, bis ich fertig bin.“

„Papa, du tust mir weh—“

„Das ist mir egal.“

Seine Finger gruben sich noch fester in meine Haut, und ich sah fassungslos zu, wie sich der Vater, der mich sechsundzwanzig Jahre lang einfach ignoriert hatte, in etwas Kälteres verwandelte, in etwas, das mir mehr Angst machte als Elenas Ringe es je getan hatten, denn Elenas Grausamkeit war wenigstens vertraut.

Das hier war neu.

Das hier war schlimmer.

„Verstehst du, was mit dieser Familie passiert, wenn Damian Blackwood entscheidet, dass wir ihn betrogen haben?“

„Ich weiß nicht einmal, was das alles mit mir zu tun hat.“

„Es hat alles mit dir zu tun.“

Er stieß mich auf den Stuhl gegenüber seinem Schreibtisch, und zum ersten Mal in meinem Leben sah ich meinen Vater mich nicht mit Gleichgültigkeit ansehen, sondern mit Berechnung. Mit der besonderen Berechnung eines Mannes, der genau abwägt, wie viel von einem anderen Menschen er bereit ist zu opfern, um sich selbst zu retten.

„Es gibt eine Schuld. Wegen des Veranstaltungsortes. Wegen der Fusion selbst. Wenn sie nicht vor der Hochzeit beglichen wird, zieht er sich zurück, und wenn Männer wie er sich zurückziehen, ruinieren sie zuerst die Menschen, die ihre Zeit verschwendet haben, Vivienne.“

„Dann sag ihm die Wahrheit. Bitte ihn um mehr Zeit.“

„Es gibt keine Zeit mehr.“

Seine Stimme brach.

„Ich muss, dass du verstehst, was ich von dir verlange, und ich muss, dass du verstehst, dass das keine Bitte ist.“

„Was verlangst du?“

„Wenn deiner Schwester vor dieser Zeremonie etwas passiert“, sagte er langsam, „wenn sie in Panik gerät, wenn sie wegläuft, wenn sie irgendetwas tut, das diese Hochzeit gefährdet, wirst du an ihrer Stelle an diesem Altar stehen. Und du wirst kein einziges Wort sagen, um es zu verhindern.“

„Das kann nicht dein Ernst sein.“

„Ich war noch nie in meinem Leben ernster.“

Er ging vor meinem Stuhl in die Hocke und umklammerte nun beide meiner Hände.

„Du wirst das tun, Vivienne. Denn wenn du es nicht tust, werde ich dafür sorgen, dass Damian Blackwood genau erfährt, was du in den letzten drei Jahren hinter meinem Rücken getan hast. Die Bücher, die du verändert hast. Das Geld, das du heimlich zwischen den Konten verschoben hast, um Elenas Ausgaben zu decken, ohne mein Wissen. Er wird eine Rossi-Tochter sehen, die ihre eigene Familie bestohlen hat, und er wird dich dafür untergehen lassen.“

„Ich habe nichts gestohlen. Ich habe diese Familie beschützt—“

„Es wird keine Rolle spielen, was du getan hast. Es wird nur darauf ankommen, wie es aussieht.“

Sein Griff wurde fester, und ich begriff, krank und innerlich leer, dass mein eigener Vater mich mit einer Lüge erpresste, die aus dem einzigen guten Ding aufgebaut war, das ich jemals still für diese Familie getan hatte.

„Nicke, wenn du mich verstehst.“

Ich nickte.

Ich hasste mich dafür, dass ich nickte.

Ich nickte trotzdem.

Er ließ mich los und ging zurück um den Schreibtisch, als wäre nichts geschehen. Ich saß noch lange danach dort, mein Handgelenk pochend, und begriff zum ersten Mal, dass ich in diesem Haus niemals sicher gewesen war.

Elena kam erst weit nach Mitternacht nach Hause.

Ich hörte die Haustür gegen die Wand schlagen, noch bevor ich ihre Stimme hörte, die undeutlich und viel zu laut für das schlafende Haus war. Als ich in meinem Morgenmantel die Treppe hinunterkam, schwankte sie bereits in der Eingangshalle, ein Absatz fehlte, und ihre Wimperntusche war unter ihren Augen zu dunklen Halbmonden verschmiert.

„Da ist sie ja.“

Elenas Lachen klang falsch, an den Rändern scharf und ausgefranst.

„Meine kleine Dienstmagd. Kommst du, um mich ins Bett zu bringen?“

„Elena, du wirst Papa aufwecken—“

„Gut. Dann soll er aufwachen.“

Sie taumelte auf mich zu und klammerte sich an meinen Arm, um das Gleichgewicht zu halten. Ihre Nägel bohrten sich so fest in meine Haut, dass sie halbmondförmige Abdrücke hinterließen.

„Weißt du, was ich gerade gemacht habe, Vivi? Ich habe einen ganzen Privatraum im Cielo auf Papas Karte gesetzt. Flaschen, die Rechnungen von allen, alles. Meine letzte Nacht als freie Frau verdient einen richtigen Abschied, findest du nicht?“

Mein Magen sank.

„Elena, es gibt bereits ein Problem mit dem Geld für den Veranstaltungsort. Papa hat gesagt—“

„Es ist mir egal, was Papa gesagt hat.“

Ihr Griff wurde fester, und sie beugte sich so nah zu mir, dass ich den Champagner in ihrem Atem riechen konnte, gleichzeitig säuerlich und süß.

„Ich brauche Geld, Vivi. Jetzt. Ich weiß, dass du etwas davon beiseitegeschafft hast, während du hinter dem Rücken aller die kleine Buchhalterin gespielt hast. Gib es mir.“

„Das Geld gehört mir nicht. Es ist für Notfälle, Elena. Es ist das, was dieses Haus am Laufen gehalten hat, wenn—“

Die Ohrfeige kam schneller als die erste an diesem Tag, schärfer. Dieses Mal trafen ihre Ringe meinen Kiefer statt meine Wange, und ich schmeckte Blut, noch bevor ich den Schmerz überhaupt registrierte.

„Du selbstsüchtiger, undankbarer kleiner Schatten“, zischte sie und stieß mich so heftig gegen das Geländer, dass mir die Luft aus den Lungen wich.

„Ich heirate morgen einen Milliardär, und du hortest immer noch jeden Penny, als könnte er dich davor bewahren, bedeutungslos zu sein. Gib mir das Geld oder ich schwöre, ich werde dafür sorgen, dass Papa dich noch vor Beginn meiner Hochzeit aus diesem Haus wirft.“

„Bitte, Elena, ich habe es nicht hier. Es ist auf einem Konto, ich kann es nicht einfach—“

„Dann ist es für mich nutzlos.“

Sie ließ mich mit einem Ausdruck vollkommenen Ekels los, richtete sich auf und drehte sich unsicher in Richtung Treppe.

„Nutzlos. Genau wie du.“

Sie verschwand ohne ein weiteres Wort in ihrem Zimmer, und ich ließ mich auf die unterste Stufe sinken. Mein Kiefer pochte, Blut lag auf meiner Zunge, und das ganze Haus war wieder still um mich herum, als wäre überhaupt nichts geschehen.

Ich saß lange dort und lauschte, wie sich das alte Haus setzte und knackte, und es war beinahe Morgengrauen, als ich mich schließlich zurück ins Bett schleppte.

Zwei Nächte später zerriss der Schrei meines Vaters das ganze Haus. Er war von einer Panik erfüllt, die ich in sechsundzwanzig Jahren nicht ein einziges Mal von ihm gehört hatte.

Ich rannte auf das Geräusch zu, mein Herz bereits bis in meinen Hals gestiegen, und war irgendwie schon sicher, dass das, was mich unten erwartete, das Ende von allem war, was ich bis zu diesem Zeitpunkt als mein Leben gekannt hatte.

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