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Kapitel Vier : Tiefpunkt

Author: Heymmar
last update publish date: 2026-06-23 01:58:45

Nicole Garcia.

Der Alkohol brannte in meiner Kehle, als ich die zweite Flasche leerte und zur dritten überging. Ich habe ihn gerade verloren. Ich habe Damian gerade verloren. Der einzige Mensch, der sich in diesem Leben wirklich um mich gekümmert hat. Ich…

Ich war bei meiner dritten Flasche, als Maria mich fand.

Sie muss das Klirren der Flaschen auf den Fliesen aus der Küche gehört haben. Oder vielleicht hat sie den Whiskey schon den Flur entlang gerochen. Auf jeden Fall erschien sie in der Tür des Wohnzimmers mit weit aufgerissenen Augen und einer zitternden Hand vor dem Mund.

„Ma’am… bitte, Sie müssen aufhören.“

Ich sah sie nicht an. Ich kippte die Flasche einfach wieder und ließ die Flüssigkeit meine Kehle hinunterlaufen, ohne zu zucken oder zu bemerken, dass ich nichts mehr schmeckte. Ich wollte nur den Schmerz betäuben, den ich jetzt fühlte. Sein Rücken zu mir… wie er mit seinem Auto in die Nacht verschwand…

„Ma’am.“ Die Haushälterin machte einen Schritt näher, und ich wusste, wenn sie noch näher kommt, würde ich gewalttätig werden. „Bitte… Sie werden sich selbst verletzen.“

„Raus hier, Maria.“ Ich spuckte es mit der härtesten Stimme aus, die ich aufbringen konnte.

„Sie trinken schon seit Stunden. Lassen Sie mich jemanden anrufen. Lassen Sie mich Mr. Damian anrufen… oder Ihre Mutt—“

Die Erwähnung von Damiano traf mich wie eine neue Welle Schmerz in die Brust, so stark, dass der Alkohol kaum noch dagegen ankam.

Ich knallte die Flasche auf den Boden, und die Flüssigkeit spritzte über meine Hand. „Ich habe gesagt, raus hier!“

Sie zuckte zusammen, bewegte sich aber nicht. „Bitte, Ma’am. Ich kann Sie nicht einfach so lassen.“

„Doch, das kannst du. Und du wirst es. Du bist gefeuert.“ Ich stampfte mit den Füßen auf den Boden, sodass sie endlich sah, dass ich es ernst meinte. „Pack deine Sachen und verschwinde aus meinem Haus.“

„Ma’am—“

„RAUS!“

Maria rannte. Ich hörte ihre Schritte den Flur hinunter verschwinden, dann das leise Klicken der Tür zu den Personalräumen. Gut. Alle waren weg. So wie ich es verdient hatte.

Ich nahm die vierte Flasche. Oder vielleicht war es die fünfte. Ich wusste es nicht mehr. Der Raum drehte sich, aber ich trank weiter, weil es besser war als all die Erinnerungen, die mich verfolgten.

Damian’s Gesicht, als Allison ihm von dem Baby erzählte…

Damian’s Hand, als er die Scheidungspapiere unterschrieb…

Damian, der aus der Haustür ging…

Damian zu dem ich ihn fast jedes Mal erniedrigte, sogar vor dem Personal…

Ich trank, bis ich nicht mehr wusste, wann alles schwarz wurde.

Meine Augen öffneten sich leicht, als ich spürte, wie jemand meine Schultern heftig schüttelte. Ich blinzelte immer wieder, aber ich konnte meine Augen kaum für eine Sekunde offen halten. Der Alkohol musste noch immer meinen Kopf vernebeln, denn ich hörte die Stimme, nach der ich mich sehnte.

„Nicole! Nicole, wach auf!“ Er klang wütend, ängstlich und gleichzeitig vertraut.

Es war nur eine Halluzination. Er konnte unmöglich hier sein oder überhaupt zurück sein wegen mir. Ich versuchte, die Augen zu öffnen, aber alles war verschwommen. Zwei Gesichter schwebten über mir. Nein, ein Gesicht— Damian. Seine Hände lagen auf meinen Schultern und schüttelten mich wie eine Puppe.

„Kannst du mich hören? Was hast du genommen? Wie viel hast du getrunken?“

Er war wirklich hier. Er war zurückgekommen. Hatte Maria ihn angerufen? War er wegen mir zurück? Hatte er meine Entschuldigung akzeptiert?

Ich versuchte zu antworten, aber meine Zunge war schwer und nutzlos. „D’ami… ’m sorry…“

Er fluchte leise und hob mich dann unter den Armen hoch. Mein Kopf sank gegen seine Brust und ich sehnte mich zum ersten Mal seit drei Jahren nach seinem Duft, als ich mein Gesicht in seinen Körper drückte.

„…dumm, so dumm…“ murmelte er. „…hätte sterben können…“

„Sorry…“ lallte ich wieder. Tränen liefen mir übers Gesicht, aber ich wusste nicht, wann ich angefangen hatte zu weinen. „Sorry… sorry…“

„Hör auf damit.“ Er trug mich jetzt durch das Wohnzimmer, weil ich hörte, wie er die Flaschen wegtrat, um einen Weg nach draußen zu finden. Die kalte Luft traf mein Gesicht draußen, aber ich spürte sie kaum.

„Meinst es ernst… diesmal…“ ich schluckte schwer. „Ich meine es ernst, D’ami…“

„Du bist betrunken. Du meinst gar nichts.“

Die Autotür öffnete sich, und er setzte mich auf den Beifahrersitz und machte den Sicherheitsgurt um mich fest. Ich versuchte, seinen Arm zu greifen, aber meine Finger hatten keine Kraft.

„Geh nicht… bitte… geh nicht…“

Aber er war schon weg, stieg auf der Fahrerseite ein und knallte die Tür zu.

„Ich gehe nicht“, sagte er mit angespannter Stimme. „Ich bringe dich ins Krankenhaus. Schon wieder.“

Das Einzige, woran ich mich während der Fahrt erinnerte, war, dass ich die ganze Zeit weinte und mich entschuldigte, aber Damian kein einziges Wort sagte.

Im Krankenhaus, nachdem die Schwestern ihre Arbeit gemacht hatten und ich langsam wieder zu mir kam, waren Damian und ich allein im Zimmer.

„Wenn du jemals wieder so etwas Dummes machst, nur um meine Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte er mit hartem, ernstem Gesicht, „lasse ich dich sterben. Verstehst du mich?“

Ich nickte, aber mein Kopf pochte so stark, dass ich nicht sprechen konnte.

„Ich meine es ernst, Nicole. Ich bin fertig mit dir. Wir sind fertig miteinander!“

Er zog sofort sein Handy heraus und wählte, bis jemand abnahm, und mein Herz sank.

„Mrs. Garcia? Hier ist Damian. Ihre Tochter ist im Krankenhaus. Alkoholvergiftung.“ Er hielt kurz inne. „Nein, sie stirbt nicht. Aber ich denke, Sie sollten kommen. Ich habe die Scheidungspapiere unterschrieben. Es ist vorbei. Sie ist jetzt Ihr Problem.“

Er legte auf und sah mich an, bevor er zur Tür ging. „Ihre Mutter wird in einer Stunde hier sein.“

Die Tür öffnete sich zwei Stunden später. Meine Mutter stürmte in das VIP-Zimmer, ihr Gesicht voller Wut, während ihre Absätze laut auf den Fliesen klackten. Sie blieb am Fuß meines Bettes stehen und starrte mich mit Augen an, die Feuer hätten gefrieren lassen können.

„Alkoholvergiftung“, sagte sie und tippte ununterbrochen mit dem Fuß auf den Boden, während sie die Arme vor der Brust verschränkte. „Hast du eine Ahnung, wie beschämend das ist?“

Ich versuchte mich aufzusetzen, aber der Raum drehte sich leicht, und ich legte mich wieder hin. „Mom—“

Sie presste sich frustriert die Finger an die Schläfen. „Weißt du überhaupt, was du getan hast? Damianos Vater ist gestorben, als er deinen Vater gerettet hat. Er hat ihn aus dem Weg eines Autos gestoßen und den Aufprall selbst abbekommen, und er ist drei Tage später gestorben.“

„Was?“ Mein Blut gefror in meinen Adern.

„Seine Mutter hat jeden einzelnen Cent investiert, um die Firma unserer Familie vor dem Zusammenbruch zu retten. Jeden einzelnen Cent.“ Ihre Stimme wurde lauter. „Und du? Du hast ihn drei Jahre lang verspottet. Ihn betrogen. Ihn zerstört. Und jetzt ist er weg.“

„Mom, ich wusste das nicht—“

„Natürlich wusstest du es nicht. Weil du nie gefragt hast. Du hast dich nie für jemanden interessiert außer für dich selbst.“

Tränen liefen mir über das Gesicht, und ich wischte sie nicht weg, weil ich jedes einzelne Stück davon verdient hatte. Ich habe mir das selbst angetan. Ich war egoistisch, dumm und einfach nutzlos.

„Die Ehe war keine Strafe, Nicole. Es war eine Schuld. Eine Schuld, von der wir dachten, dass du dankbar sein würdest, sie zu begleichen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Stattdessen hast du ihn vertrieben. Du hast ihn gebrochen. Und jetzt hat er die Scheidung eingereicht.“

„Mom, bitte—“ der Kloß in meinem Hals kam zurück.

„Ich schäme mich, dich meine Tochter zu nennen.“ Ihre Stimme brach, aber sie weinte nicht. „Dein Vater kann deinen Namen im Moment nicht einmal aussprechen. Ruf mich nicht an, bis du das repariert hast. Falls du es jemals kannst.“

Sie drehte sich um und verließ wütend das Zimmer, und die Tür klickte hinter ihr zu. Ich lag dort im Dunkeln, während die Maschinen um mich herum piepsten und der Tropf an meinem Arm zog.

Damian’s Vater ist für meinen gestorben.

Seine Mutter hat unsere Firma gerettet.

Und ich habe gelacht, als er mich angefleht hat zu leben.

Ich war einfach so dumm.

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