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Der Vertrag

Penulis: Jäger
last update Tanggal publikasi: 2026-11-01 03:57:21

Die dritte Nachricht traf am nächsten Morgen um 6:12 Uhr ein.

Mira las sie halb verschlafen auf der Bettkante. Eine eisige Kälte breitete sich von ihren Fingerspitzen bis zu ihrer Wirbelsäule aus.

Deine Mutter ruft sonntags an. Deine Miete ist am Ersten fällig. Du solltest vorsichtiger sein, wem du vertraust.

Sie las die Nachricht dreimal.

Nichts davon stand in ihren sozialen Medien. Sie hatte nie etwas über die Gewohnheiten ihrer Mutter oder ihre finanziellen Schwierigkeiten veröffentlicht. Niemand an der Universität wusste, wie sehr sie jeden einzelnen Pfundbetrag für ihre Miete umdrehen musste.

Wer auch immer dahintersteckte, kannte sie. Und diese Person wollte, dass sie es wusste.

Mira legte ihr Handy mit dem Display nach unten auf die Decke und starrte lange an die Wand.

Auf der anderen Seite der Stadt hörte Julian Rowans Bericht schweigend zu.

„Zwei Anrufe seit gestern“, sagte Rowan. „Einer aus Ashgrove, einer aus dem Hause Thorne. Beide waren höflich, aber ungewöhnlich interessiert am Hale-Anwesen. Sie behaupten, auf dem Campus etwas Ungewöhnliches gespürt zu haben, und wollen wissen, ob wir ein neues Mitglied haben.“

„Was hast du ihnen gesagt?“

„Dass die Universität groß ist und unsere Leute diskret sind.“ Rowan verzog den Mund. „Damit werden sie sich nicht lange zufriedengeben. Was auch immer du gespürt hast, andere haben es ebenfalls bemerkt.“

Julian schwieg. Sein Blick ruhte auf dem feinen Riss im steinernen Briefbeschwerer auf seinem Schreibtisch. Er konnte sich noch immer nicht erklären, wie er entstanden war.

Er hatte Aldric versprochen, vorsichtig zu sein. Er hatte sich eingeredet, dass Miras Unwissenheit ihre Sicherheit bedeutete. Doch wenn bereits zwei andere Rudel auf seinem Campus herumschnüffelten, war Unwissenheit keine Sicherheit. Sie war eine offene Tür.

Mira war allein, ungeschützt und ahnte nicht, was vor sich ging.

„Ich muss wieder mit ihr sprechen“, sagte er.

Er fand sie in der Bibliothek. Sie saß an einem Ecktisch am Fenster, das Skizzenbuch vor sich, ihr Gesicht sorgfältig ausdruckslos.

Julian blieb neben dem Tisch stehen.

„Darf ich?“

Mira sah ihn an, dann den freien Stuhl und schließlich demonstrativ zur offenen Tür des Lesesaals.

„Das ist eine öffentliche Bibliothek.“

Er setzte sich, ohne zu lächeln oder sich ihr zu nähern. Dann legte er ein einzelnes Blatt Papier zwischen sie.

„Ich würde Ihnen gern ein überarbeitetes Angebot machen.“

„Ich habe Nein gesagt.“

„Das haben Sie. Sehr deutlich sogar.“ Er erwiderte ihren Blick. „Aber ich möchte, dass Sie sich die Bedingungen anhören, bevor Sie es noch einmal sagen.“

Sie verschränkte die Arme.

„Eine Vergütung für Ihre Zeit. Ein fester Betrag, unabhängig davon, wie die Dinge laufen. Schutz vor der Aufmerksamkeit, die Sie in dieser Woche erfahren haben. Niemand wird Sie ansprechen wollen, wenn er weiß, mit wem Sie gesehen werden.“ Er machte eine kurze Pause. „Außerdem werde ich Ihnen helfen, wenn Sie es brauchen. Das schließt auch die Nachrichten auf Ihrem Handy ein.“

Mira erstarrte.

„Woher wissen Sie davon?“

„Das weiß ich nicht.“ Seine Stimme blieb ruhig. „Aber seit ich mich gesetzt habe, haben Sie elfmal auf Ihr Handy geschaut und halten es, als könnte es Sie beißen.“

Sie wandte den Blick ab. Es war ärgerlich, wie leicht er sie durchschaute.

„Ich nehme kein Geld“, sagte sie schließlich. „Ich lasse mich nicht dafür bezahlen, so zu tun, als würde ich mit jemandem ausgehen. Das entspricht einfach nicht dem, was ich bin.“

„Ich würde es nicht als Bezahlung fürs Vortäuschen bezeichnen. Betrachten Sie es als Vergütung für Ihre Zeit und Verschwiegenheit. Sie behalten Ihr Studium und Ihre Arbeit. Ich würde Sie um keines von beidem bitten, aufzugeben.“

Ihr Bleistift bewegte sich wieder und hinterließ eine unruhige Linie am Rand der Seite.

Sie dachte an das Geflüster auf dem Campus und an Daniels verletzende Worte. Dann an ihre Miete und die drei Aufträge, die sie in diesem Semester hatte ablehnen müssen, weil sie abends im Café in der Delmore Street arbeitete.

Wie wäre es wohl, endlich die Aufträge annehmen zu können, die sie wollte, statt ständig der Arbeit nachgehen zu müssen, die sie brauchte?

Dann erinnerte sie sich an die Nachricht.

„Die Hälfte“, sagte sie.

Julian blinzelte. „Wie bitte?“

„Die Hälfte von dem, was Sie anbieten wollten. Und ich will alles schriftlich festhalten, mit klaren Regeln.“ Sie drehte das Blatt um und schob es zu ihm zurück. „Wenn ich das mache, dann zu meinen Bedingungen genauso wie zu Ihren. Ich entscheide, womit ich mich wohlfühle. Ich bin weder eine Dekoration noch Ihre Marionette.“

Julian betrachtete sie aufmerksam.

„Der Betrag lag bei vierundzwanzigtausend Pfund für das Semester.“

„Dann zwölf.“

Sie hielt ihr Gesicht regungslos, obwohl sich in ihrem Magen alles umdrehte. Zwölftausend Pfund entsprachen ihrer Miete für ein ganzes Jahr. Es würde sogar genug übrig bleiben, damit sie dem Café Lebewohl sagen konnte.

Für einen kurzen Moment wirkte Julian beinahe erleichtert und beeindruckt.

„Einverstanden. Schreiben Sie Ihre Bedingungen auf.“

Sie verbrachten die nächste Stunde mit Verhandlungen. Es war die seltsamste ihres Lebens.

Mira schrieb den Entwurf in ihr Skizzenbuch, in ihrer kleinen, ordentlichen Handschrift. Julian las jede Zeile, sobald sie fertig war. Er widersprach nicht. Wenn sie den Kopf hob und Widerstand erwartete, nickte er lediglich und bedeutete ihr weiterzumachen.

Das fand sie auf merkwürdige Weise beunruhigend. Männer wie er sollten doch feilschen.

Schließlich übertrug sie alles auf ein sauberes Blatt und schob es über den Tisch.

Vereinbarungsbedingungen

1\. Beide werden sich in der Öffentlichkeit als echtes Paar präsentieren.

2\. Öffentliche Auftritte und Zärtlichkeiten müssen im Voraus von beiden Parteien abgesprochen werden. Ohne gegenseitiges Einverständnis wird es keine unnötige körperliche Nähe geben.

3\. Beide werden gemeinsam an vereinbarten gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen.

4\. Keine der beiden Parteien wird sich in das akademische oder berufliche Leben der anderen einmischen.

5\. Keine der beiden Parteien wird Entscheidungen im Namen der anderen treffen.

6\. Keine der beiden Parteien wird bewusst versuchen, romantische Gefühle zu entwickeln.

7\. Beide werden einander unverzüglich informieren, wenn sie von jemandem bedroht oder kontaktiert werden, der mit dieser Vereinbarung in Verbindung steht.

8\. Julian wird Mira für das Semester 12.000 Pfund zahlen. Die Hälfte wird bei Unterzeichnung, die andere Hälfte am Ende des Semesters ausgezahlt. Sollte er gegen die Vereinbarung verstoßen oder sie vorzeitig beenden, bleibt der ausstehende Betrag dennoch geschuldet.

9\. Die Vereinbarung gilt für ein akademisches Semester. Danach werden beide die Beziehung öffentlich beenden.

10\. Jede Partei kann die Vereinbarung vorzeitig beenden, wenn die andere gegen ihre Bedingungen verstößt.

11\. Keine der beiden Parteien darf die Existenz dieser Vereinbarung offenlegen.

Julian las alles durch. Sein Blick blieb an der Zeile über die Gefühle hängen.

„Das kann ich nicht unterschreiben.“

„Warum nicht? Das ist die wichtigste Regel.“ Mira hob das Kinn. „Ich habe es schon einmal ernsthaft versucht und weiß, wie es endet.“

„Weil Gefühle nichts sind, was einer von uns vollständig kontrollieren kann“, erwiderte Julian ruhig. „Ich werde kein Versprechen unterschreiben, von dem ich nicht sicher sein kann, dass ich es halten kann.“

Mira öffnete den Mund, schloss ihn wieder und blickte auf das Blatt. Ärgerlicherweise hatte er recht.

„Dann ändern wir die Formulierung.“

Sie strich die Zeile durch und schrieb darunter:

Keiner von uns wird bewusst versuchen, solche Gefühle zu entwickeln. Wir können nicht beeinflussen, was geschieht, aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen.

„Das kann ich unterschreiben.“ Er tippte auf das Blatt. „Und ich habe noch eine Bedingung. Wenn Sie jemand bedroht oder erneut kontaktiert, sagen Sie es mir. Nicht, damit ich für Sie entscheiden kann, sondern damit Sie damit nicht allein bleiben müssen.“

Mira dachte einen Moment nach.

„Es Ihnen sagen. Nicht Sie um Erlaubnis bitten.“

„Sagen Sie es mir.“

Sie schrieb es auf.

Es war eine bessere Regel, als sie ursprünglich formuliert hatte. Julian wusste das. Ihm war auch bewusst, dass es schwierig werden könnte, einige dieser Bedingungen einzuhalten. Vielleicht verletzte er sogar bereits eine davon.

Er nahm ihr den Stift aus der Hand und unterschrieb. Mira setzte ihre Unterschrift darunter. Ihre beiden Namen standen nun nebeneinander: ihrer klein und schwungvoll, seiner klar und gleichmäßig.

Julian streckte ihr die Hand entgegen.

„Dann sind wir uns einig, Freundin.“

Sie betrachtete seine Hand, bevor sie widerwillig einschlug.

„Gewöhnen Sie sich aber nicht zu sehr daran. Das ist rein geschäftlich.“

Ein schwaches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Natürlich.“

Ihre Handflächen berührten sich.

Ihre Hand war klein und warm, an ihren Fingern haftete ein wenig Tinte. In Julian wurde alles still und dann plötzlich laut. Sein Wolf erhob sich nicht aus Alarm oder Verlangen, sondern aus etwas, das der Ruhe erschreckend nahekam.

Als hätte er endlich einen Atemzug losgelassen, den er viel zu lange angehalten hatte.

Miras Finger zuckten in seinem Griff. Sie runzelte leicht die Stirn und betrachtete ihre ineinanderliegenden Hände, als hätte sie etwas gespürt, für das sie keine Bezeichnung kannte.

„Ihre Hand ist wirklich warm“, sagte sie beinahe vorwurfsvoll und zog sie zurück.

„Das hat man mir schon gesagt.“

Sie sammelte ihr Skizzenbuch ein und ging. Julian sah ihr nach. Der Vertrag lag noch in seiner Hand, während die beständige, beinahe unmögliche Ruhe durch seine Brust strömte.

Seit Tagen machte er sich Sorgen darüber, was die anderen Rudel tun könnten, wenn sie Mira entdeckten. Er hatte darüber nachgedacht, ob sie zustimmen würde, ob sie in Sicherheit wäre und ob er sie im Unwissen lassen könnte, ohne sie mehr als nötig anzulügen.

Bis zu diesem Augenblick war ihm nicht in den Sinn gekommen, dass die vorgetäuschte Beziehung vielleicht der einfachere Teil sein könnte.

Der Vertrag besagte, dass er nicht bewusst versuchen durfte, romantische G

efühle für sie zu entwickeln.

Julian las die Zeile noch einmal.

Und zum ersten Mal seit Jahren war sich Julian Hale nicht mehr sicher, ob er eine Regel tatsächlich befolgen konnte.

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