LOGINMoritz ist tatsächlich gestorben?Wieder ertönte eine Stimme in Sebastians Kopf: „Sebastian, diese Klara aus deiner Klasse ...“„Verzieh dich!“Fiona fiel noch etwas ein. „Ach ja, stimmt. Du kannst es Klara inzwischen sowieso nicht mehr erzählen. Sonst lädst du mich wohl kaum zum Essen ein, nur um mich mit deinen alten Geschichten vollzuquatschen.“Sebastian antwortete nicht.In letzter Zeit träumte er ständig von seiner Zeit als Sechzehn- oder Siebzehnjähriger. Deshalb unterhielt er sich gelegentlich mit Fiona über früher. Zwischen ihren Worten lag noch immer der Duft von Lindenblüten, der aus längst vergangenen Tagen herüberwehte.Fionas Stimme war weiter zu hören: „Nur wer mit seinem Leben unzufrieden ist, hängt an der Vergangenheit. Wer voller Tatendrang ist, blickt nach vorn und geht seinen Weg. Sebastian, lass Klara endlich los. Sie verdient eine bessere Zukunft.“Sebastian verspürte einen heftigen, stechenden Schmerz in der Brust. Vor seinen Augen verschwamm allmählich alles.Je
Liebe oder keine Liebe – darüber dachte Sebastian überhaupt nicht nach.Er wollte Charlotte unbedingt beweisen, wie mächtig er war, wie sehr er die Fäden in der Hand hielt und wie weit er bei der Verwöhnung einer Frau gehen konnte.Natürlich verletzte er damit Klara.Aber damals machte er sich darüber keine Gedanken. Im Umgang mit Charlotte verlor er sich allmählich immer mehr.Er erklärte Klara, dass er Charlotte nur aus Dankbarkeit für ihren damaligen Einsatz als Freiwillige half und dass zwischen ihnen absolut nichts vorgefallen war.Vielleicht war dieser Grund ja stichhaltig? Er brauchte schließlich immer einen Vorwand, um die eigene dunkle und niederträchtige Psyche zu rechtfertigen.Aber er dachte wirklich so: Er konnte alles für Charlotte tun, ohne Klara unrecht zu tun – und Klara nicht unrecht zu tun, bedeutete für ihn, Grenzen zu wahren und keine Grenze zu überschreiten.Aber Sophie sagte, dass auch emotionale Untreue als Untreue zähltZählt das wirklich?War er emotional untr
Sebastian blieb im Büro. Kurz darauf klingelte sein Handy.Es war Justin.„Ja?“ Er vermutete, dass Justin ihn um diese Uhrzeit anrief, um ihn zum Ausgehen zu überreden. Und er hatte vor, abzulehnen.Ha! Ausgerechnet er war inzwischen so weit gekommen. Früher zog er mit allen möglichen Freunden um die Häuser und ließ sich mit der Heimkehr immer schön Zeit.Aber Justin rief an, damit Sebastian Charlotte tröstete.„Was hast du denn angestellt, dass Lotti so sehr weint?“, fragte Justin verständnislos. Im Hintergrund war tatsächlich Charlottes leises Schluchzen zu hören.Sebastian überlegte kurz. Wahrscheinlich ging es nur darum, dass er Charlotte kein neues Haus kaufen wollte.Er lachte freudlos und legte auf.Von wegen, eine Frau, die ihn liebte, brauchte nicht mehr als einen Platz in seinem Herzen. Daran hatte er nie geglaubt. Damals hatte er Charlotte einfach gern verwöhnt.Vor fünf Jahren, als Charlotte ihn verließ, steckten Sebastian, Justin und Alex gerade mit ihrem Start-up in einer
„Dann taugt deine neue Sekretärin wohl einfach nichts! Die hat ja keine Ahnung, mit wem sie es zu tun hat. Das Verbot gilt doch nicht für mich!“ Charlotte stützte das Kinn in beide Hände und lehnte sich über seinen Schreibtisch.„Was machst du denn hier?“ Sebastian wich ihrem Blick aus.„Ich wollte dich besuchen! Du hast nicht mal auf meine Nachrichten geantwortet! Ich habe mir eben Sorgen gemacht!“Sebastian hüstelte leicht und nahm sein Handy zur Hand. „Ich war gerade eingeschlafen.“„Sebastian, ist es so anstrengend für dich?“, sagte Charlotte mit blinzelnden Augen, „wie wäre es, wenn du zu mir ziehst? Dann kann ich mich auch um dich kümmern.“Sebastian senkte den Blick und tippte auf seinem Handy herum. „Lieber nicht. Auf meinem Rechner zu Hause habe ich jede Menge Unterlagen, die ich oft für Überstunden brauche.“„Aber ...“, sagte Charlotte und verzog schmollend den Mund, „ich will auch nicht zu dir nach Hause ... Sebastian, ich mag dein Zuhause nicht. Dort erinnert alles an Klara
„Ich bringe es runter.“ Klara stand mit der Schüssel auf.Als sie aus dem Zimmer trat, sah sie Frau Krügel auf dem Flur vor Omas Zimmer stehen. Sie wirkte geistesabwesend.„Frau Krügel warum stehst du hier?“ fragte Klara mit der Schüssel in der Hand.Frau Krügel zuckte erschrocken zusammen und sah sie unsicher an. „Nichts ... ich warte nur darauf, das Geschirr abzuräumen.“Klara bemerkte, dass die Schüssel noch randvoll war. „Schmeckt es ihr nicht?“„Nein, das ist es nicht. Du hast versehentlich Zucker statt Salz genommen. Bist du in letzter Zeit sehr müde?“ Klara reichte ihr die Schüssel.„Nein ...“ Frau Krügel zwang sich zu einem Lächeln. „Nein, ich bin wirklich schusselig geworden. Ich mache Ihnen sofort eine neue Portion.“Ohne auf Klaras Antwort zu warten, eilte Frau Krügel mit der Schüssel die Treppe hinunter.Nachdem Klara eine Kleinigkeit gegessen hatte, machte sie sich direkt auf den Weg zur Praxis.Unterwegs traf eine Nachricht von einer unbekannten Nummer ein: „Klara, es t
Unter den empörten Kommentaren verfärbte sich Sebastians Gesicht. Trotzdem musste er weiter für Charlotte bitten. „Klara, können wir die Polizei bitte aus dem Spiel lassen? Ich akzeptiere wirklich jede deiner Bedingungen.“Klara stützte ihre Großmutter und lächelte kalt. „Keine Sorge. Ich rufe die Polizei nicht.“Sebastians Gesicht hellte sich auf. Er atmete erleichtert aus. „Wirklich?“„Natürlich. Allerdings ...“ Bei diesem Wort stockte sowohl ihm als auch Charlotte hinter ihm der Atem.Hass blitzte in Klaras Augen auf. „Sebastian, glaubst du mir, wenn ich sage, dass ich wirklich im Guten mit dir auseinandergehen wollte? Das wollte ich tatsächlich. Bis heute. Uns für den Rest unseres Lebens nie wiederzusehen, war für mich der bestmögliche Ausgang.“Aber ihre Großmutter hätten sie niemals anrühren dürfen ...„Und jetzt ...?“ Sebastian konnte nicht einschätzen, worauf sie hinauswollte.„Jetzt ...“ Klaras Blick glitt zu Charlotte hinter ihm. „Verspreche ich dir, dass ich die Polizei nich






