LOGINMaëlles Sachas weißes Hemd liegt auf dem Bett, direkt neben seiner Uhr und seinem Reisepass.Ich begreife, noch bevor er sein Telefonat beendet hat.Seine Stimme kommt aus dem Wohnbereich der Suite. Er spricht von drei Aktionären, einer vorgezogenen Abstimmung und dem Flugzeug, das wieder nach Paris zurückkehren muss. Noch vor wenigen Minuten hatte er dem Sicherheitsteam, das das Hotel überwacht, Anweisungen erteilt. Jetzt steht sein Koffer offen da.Sacha kommt zurück ins Schlafzimmer und steckt sein Handy weg.— Armand hat die Vorstandssitzung auf morgen früh vorverlegt. Er will die Kontrolle über die Investitionen zurückgewinnen, und drei Aufsichtsratsmitglieder können ihm die Mehrheit verschaffen. Ich muss vor Mitternacht in Paris sein. Wenn ich das morgen regle, komme ich am Sonntag zurück.Er erklärt mir alles in einer einzigen fließenden Bewegung, bereits abflugbereit.Der Grund ist absolut stichhaltig. Sein Konzern steht für Tausende von Arbeitsplätzen, Hotels, Häfen und Summ
MaëllePunkt acht Uhr stehen unsere Koffer bereits im Flur.Ich habe nur ein paar nötigste Sachen für Mia und mich eingepackt, aber Dorian hat inzwischen zwei zusätzliche Taschen aus Saint-Cyr einfliegen lassen. Die Unterlagen für mein Studium stecken in einer Plastikhülle auf meinem Koffer. Meinen Laptop drücke ich fest an die Brust, fast so, als befürchtete ich, dass ihn mir auf dem Weg zum Auto noch jemand entreißen will.Sacha kommt die Treppe herunter und beendet im Gehen ein Telefonat. Er hat den Anzug von gestern durch eine dunkle Stoffhose und einen schweren schwarzen Pullover ersetzt. Er erteilt Dorian noch zwei kurze Anweisungen, streift sich den Mantel über und wirft einen Blick auf die Uhr.Alles ist vorbereitet. Seine Maschine wartet am Flughafen Le Bourget auf uns, und ein Sicherheitsvorkommando steht in Lyon bereits vor meinem Wohnblock.Er hat nicht einmal einen Tag gebraucht, um eine logistische Operation durchzuziehen, für die ich eine ganze Woche gebraucht hätte.Mi
MaëlleSachas Hand schließt sich noch fester um meinen Nacken. Er zieht mich mit unwiderstehlicher Kraft an sich und drückt seine Lippen auf meine.Mein Stuhl weicht polternd über das Parkett zurück. Er fängt ihn geistesgegenwärtig mit dem Fuß ab, bevor er ganz wegrutschen kann, und drängt mich dann so weit nach hinten, bis mein Rücken fest am Schreibtisch anliegt. Seine Mundpartie zermalmt meine mit einer ungeduldigen Gier, die eher nach angestautem Zorn als nach einer echten Antwort klingt.Meine Fingerkrallen klammern sich reflexartig in das Revers seines Sakkos.Er schmeckt noch immer nach Kaffee. Die Kühle von draußen haftet an seinen Kleidern, doch seine Hand auf meiner Haut brennt wie Feuer. Sie wandert von meinem Nacken über meine Hüfte und hebt mich mühelos an, sodass ich mich mit dem Oberschenkel auf die Kante des Schreibtisches setzen muss. Mehrere lose Papierblätter rieseln zu Boden.Sacha schiebt sich energisch zwischen meine Kine.Sein Kuss vertieft sich. Ich spüre die A
MaëlleDas Foto taucht kurz vor neun Uhr auf meinem Handy auf.Sacha und Apolline schreiten gemeinsam die Stufen eines Ausbildungszentrums hinab. Sie trägt ihren cremefarbenen Hosenanzug, er den dunklen Mantel, den er sich vor dem Verlassen des Hauses übergeworfen hatte. Seine Hand liegt auf ihrem Arm, und sie blicken in dieselbe Kamera wie ein Paar, das es gewöhnt ist, sich gemeinsam in der Öffentlichkeit zu zeigen.Die Schlagzeile verkündet vollmundig, dass sie ungeachtet des „bedauerlichen Zwischenfalls“ vom Vorabend fest zueinanderstehen.Mit dem bedauerlichen Zwischenfall ist jenes Foto gemeint, auf dem Sacha mich an der Taille festhält.Mein Name ist aus den meistgeteilten Artikeln inzwischen verschwunden. In den Kommentarspalten geht es stattdessen um die Stiftung, die von beiden Familien finanzierten Zentren und Apollines makellose Garderobe. Mias Existenz wird nirgendwo mehr erwähnt.Die Strategie fruchtet.Ich schließe den Browsertab und wende mich wieder meinen Baustellenka
SachaDas erste Foto verschwindet um zweiundzwanzig Uhr zweiundvierzig.Um Mitternacht existiert es immer noch auf über vierhundert Accounts.Ich beobachte Dorian, wie er auf dem Büromonitor durch die Neuveröffentlichungen scrollt. Die aggressivsten Artikel wurden zwar gelöscht, die Journalistin hat ihre Akkreditierung verloren, und die Bildagentur stimmt zu, die Rechte an der zweiten Aufnahme abzutreten. All das hält die Leute jedoch nicht davon ab, das Bild längst lokal gespeichert zu haben.Maëlle ist darauf klar und deutlich zu erkennen.Ihr Name kursiert bereits im Netz – in Verbindung mit der Hotelbaustelle, ihrer alten Adresse in Lyon und jenen Artikeln, die nach dem Unfall erschienen waren. Einige User haben herausgefunden, dass sie Mutter ist. Bislang ist es noch keinem gelungen, ein klares Foto von Mia zu ergattern.»Lass den Namen des Kindes aus allen Veröffentlichungen löschen«, ordne ich an. »Wer ihn wieder online stellt, bekommt noch vor dem Morgengrauen eine Klage an de
MaëlleSacha nimmt mir die Handtasche aus den Fingern und fördert das Armband im selben Augenblick zutage, als er den Reißverschluss öffnet.Der kleine Raum dient eigentlich als provisorisches Büro für das Museumspersonal. Zwei ausgeschaltete Bildschirme blockieren einen wackelnden Tisch, Pappkartons stapeln sich meterhoch an der Wand, und durch das schwere Holz drang die Musik des Galas als dumpfes, unheilvolles Vibrieren.— Gib es mir her.Er schließt den Reif erneut um mein Handgelenk.— Es bleibt, wo es ist.— Du standest vor zwei Minuten noch mit deiner Verlobten auf einer Bühne. Dein Geschenk hat an mir absolut nichts zu suchen.Sacha hebt den Kopf. Seine Hand wandert augenblicklich an meinen Ellenbogen und zieht mich unnachgiebig an seinen Körper.— Glaubst du ernsthaft, ich habe dich hierher mitgebracht, damit du dich hinter einer Marmorsäule versteckst?— Ich habe dir gerade eine weitere peinliche Schlagzeile erspart.— Auf die Fotos scheiße ich.— Das sagt sich verdammt leic







