MasukIch hätte gehen sollen. Mein ganzer Instinkt schrie mir zu, die Eisbahn zu verlassen und so zu tun, als hätte ich den unantastbaren Matteo Arden nie gegen die Bande krachen sehen. Aber meine Füße rührten sich nicht, und mein Mund entschied sich wie immer, alles nur noch schlimmer zu machen.
„Hey“, sagte ich leise und trat näher, anstatt mich zu entfernen. „Du brichst dir noch die Hand, wenn du so weitermachst.“
Er erstarrte, die Faust noch immer gegen die Wand gepresst, die Brust hob und senkte sich, als hätte er gerade einen Marathonlauf hinter sich. Als er sich zu mir umdrehte, waren seine Augen gerötet, glasig – ein Blick, der so gar nicht zu der kalten, beherrschten Seite von ihm passte, die ich den ganzen Tag über gesehen hatte.
„Geh“, sagte er mit rauer Stimme.
„Nein.“
„Morgana.“
„Das ist das erste Mal, dass du meinen Namen sagst.“ Ich verschränkte die Arme und weigerte mich, meine Stimme zittern zu lassen, obwohl mein Herz raste. „Schon ein seltsamer Anfang. Mich anzuweisen, dich um Mitternacht allein in einer dunklen Eishalle zurückzulassen, wie ein finsterer Vampir.“
Er stieß einen Atemzug aus, der fast wie ein Lachen klang, doch er verstummte abrupt und klang nun eher wie Schmerz.
„Du weißt nichts über mich“, murmelte er.
„Stimmt. Wirklich nicht.“ Ich trat einen Schritt näher, langsam und vorsichtig, so wie man sich einem Verwundeten nähert, der immer noch zubeißen könnte. „Aber ich weiß, wie es aussieht, wenn jemand versucht, vor anderen nicht zusammenzubrechen. Ich bin da so eine Art Expertin.“
Irgendetwas in seinem Gesichtsausdruck veränderte sich. Nicht direkt weicher, aber er öffnete sich so weit, dass ich direkt sehen konnte, was er unter all dem Eis verbarg.
„Meine Mutter ist vor acht Monaten gestorben“, sagte er plötzlich, als hätten die Worte zu lange zwischen seinen Zähnen gesessen und wären endlich herausgebrochen. „Alle erwarten von mir, dass ich einfach weiterspiele. Weitergewinne. Weiter Kapitän bin. Niemand fragt, ob es mir gut geht. Sie fragen nur, ob ich für das Spiel nächste Woche bereit bin.“
Mir schnürte es die Kehle zu. Damit hatte ich nicht gerechnet. Nicht von ihm, nicht so, nicht mit seiner so rauen Stimme, dass er kaum wieder der Junge war, der achtlos an mir vorbeigegangen war.
„Das ist schrecklich“, sagte ich leise, diesmal ohne Witz, ohne etwas Schlaues, hinter dem ich mich verstecken konnte. „Es tut mir leid.“
Er sah mich lange an, als wollte er herausfinden, ob ich es ernst meinte oder nur das sagte, was man eben so sagt.
„Du bist die Erste, die nicht sofort Hockey erwähnt hat“, sagte er leise.
„Hockey interessiert mich nicht wirklich“, gab ich zu. „Mich interessiert nur, dass du aussiehst, als würdest du gleich wieder mit der Faust gegen die Wand schlagen.“
Er blickte auf seine blauen Knöchel und bewegte sie langsam. „Hilft mir beim Nachdenken.“
„Versuch’s mal mit Therapie, ist billiger als neue Wände.“
Diesmal musste ich laut lachen, kurz und überrascht, als wäre es mir entglitten, bevor er es unterdrücken konnte. Das Geräusch löste ein seltsames Gefühl in mir aus.
Er kam näher. So nah, dass ich nur noch die kalte Luft um ihn herum atmen konnte. Mein Rücken lehnte nun fast an der Bande, und ich hatte gar nicht bemerkt, wie ich mich bewegte, bis es keinen Ausweg mehr gab.
„Hör auf, mich so anzusehen“, sagte er leise.
„Wie denn?“
„Als ob du dich wirklich um mich sorgst.“
„Vielleicht“, sagte ich und war selbst überrascht, wie ehrlich es klang.
Seine Hand hob sich, seine Finger schlossen sich locker um mein Handgelenk, nicht schmerzhaft, nicht bedrohlich, einfach da, beruhigend, als bräuchte er etwas Festes zum Festhalten. Seine Stirn berührte fast meine, so nah, dass ich seinen Atem spüren konnte, jede Regung in seinem Gesicht huschen sah, bevor er sie wieder hinter seiner kalten Maske verbarg.
Eine gefährliche Sekunde lang rührten wir uns nicht. Dann zerriss ein scharfes Klicken die Stille.
Ein Kameraverschluss.
Wir wirbelten beide herum, doch die Eisbahn lag dunkel und leer vor uns, keine Bewegung, keine Schatten, nichts außer dem leisen Summen der Flutlichtanlage, die irgendwo über den Tribünen flackerte.
„Toll“, sagte ich mit zitternderer Stimme, als ich wollte. „Vielleicht spukt es ja in der Eishalle.“
Matteo lachte diesmal nicht. Sein Kiefer spannte sich an, seine Augen suchten die Dunkelheit mit einer Intensität ab, die mir eine Gänsehaut bescherte.
„Wir sollten gehen“, sagte er leise und ließ mein Handgelenk los, als hätte er sich plötzlich wieder an sich selbst erinnert.
Ich nickte, mir plötzlich bewusst, wie schnell mein Herz raste, und wir gingen schweigend. Der seltsam aufgeladene Moment verschwand hinter uns.
Am Morgen war ich fast überzeugt, mir das alles nur eingebildet zu haben. Bis ich durch die Eingangstür von Blackthorne trat und der Flur plötzlich totenstill war.
Alle Köpfe drehten sich um. Handys schossen wie eine Welle leuchtender Rechtecke in die Höhe. Um mich herum brach ein Geflüster aus, scharf und schnell, Worte, die ich nicht richtig verstehen konnte, aber auch nicht musste. Mädchen funkelten mich an, als hätte ich ihnen persönlich etwas angetan. Eine Gruppe Hockeyspieler stand wie angewurzelt neben den Spinden und starrte mich mit Blicken an, die irgendwo zwischen Schock und Ungläubigkeit lagen.
Dann rannte Nyra auf mich zu, das Handy fest in der Hand, Panik stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Bitte sag mir, dass du das nicht bist“, sagte sie atemlos und schob mir das Display hin, bevor ich überhaupt fragen konnte, was sie meinte.
Ich blickte hinunter und mir sank das Herz in die Hose. Es war ein Foto. Matteo und ich, allein in der Eishalle. Seine Hand umfasste mein Handgelenk, unsere Stirnen berührten sich fast, mein Rücken gegen die Bande gepresst, als hätte er mich dort gefangen. Auf dem Foto wirkte es anders, als es war. Intim. Gefährlich. Genau die Art von Moment, über die die Leute tratschen.
Die Bildunterschrift prangte darunter in fetten, spöttischen Buchstaben: „Sieht so aus, als wäre Blackthornes Eiskönig endlich geschmolzen.“ Meine Hände begannen zu zittern.
Matteo berührte nie Mädchen in der Öffentlichkeit. Das wusste jeder. Dieses Foto war also nicht nur Klatsch, es war eine Explosion, und ich stand mittendrin, ohne die geri
ngste Ahnung, wer es gemacht hatte, warum oder was als Nächstes passieren würde.
Matteos SichtDie Nummer führte ins Nichts.Ich saß um zwei Uhr morgens in meinem Wohnheimzimmer, den Laptop aufgeklappt. Nachverfolgungs-Apps waren nutzlos gegen eine Wegwerfnummer. Draven saß mir gegenüber, die Füße auf meinem Schreibtisch, und sah zu, wie ich zum fünften Mal dieselbe Suche eingab.„So wirst du das nicht finden“, sagte er.„Und wie dann?“„Du fragst jemanden, der sich wirklich damit auskennt, sich hinter einer gefälschten Nummer zu verbergen.“ Er hob eine Augenbraue. „Was jemanden mit Geld bedeutet. Echtes Geld. Kein Taschengeld.“Mein Mund öffnete sich ein wenig. Das schränkte die Liste schnell ein.Seraphine hatte Geld. Die Hälfte der Mädchen auf Blackthorne auch. Aber irgendetwas an der Nachricht passte nicht zu ihrem Stil.Seraphine mochte ein Publikum. Sie wollte, dass die Leute zusahen, wenn sie jemanden zerstörte. Das hier fühlte sich privat an. Vorsichtig.Geplant von jemandem, der keinen Applaus brauchte, um sich mächtig zu fühlen.„Was ist mit Celestine?“,
Morganas SichtNyra schleppte mich drei Tage, nachdem das Foto geleakt worden war, zu der Party.„Du brauchst das“, sagte sie und zog ein Kleid von meinem Bett. „Du versteckst dich nicht in deinem Wohnheim, nur weil Seraphine ein Bild gepostet hat.“„Ich verstecke mich nicht.“„Du hast gestern zweimal Essen auf dein Zimmer bestellt.“Darauf hatte ich keine Antwort.Die Party fand in einem Haus außerhalb des Campus statt, das einem ehemaligen Eishockeyspieler gehörte. Musik ließ die Wände erbeben. Menschen drängten sich im Wohnzimmer, rotes Plastikgeschirr überall, und die ganze Szene roch nach Bier und Rasierwasser. Nach zehn Minuten verlor ich Nyra an einen Typen aus ihrem VWL-Kurs.Stattdessen fand ich die Küche. Leer. Ruhig. Ein Fenster stand auf Kipp und ließ kalte Luft durch den Lärm aus dem anderen Zimmer dringen.Matteo stand an der Theke.Er hatte mich noch nicht gesehen. Er hielt eine Wasserflasche fest, kein Bier, das Kieferngesicht angespannt, und starrte ins Leere. Drei Ju
Ich hätte gehen sollen. Mein ganzer Instinkt schrie mir zu, die Eisbahn zu verlassen und so zu tun, als hätte ich den unantastbaren Matteo Arden nie gegen die Bande krachen sehen. Aber meine Füße rührten sich nicht, und mein Mund entschied sich wie immer, alles nur noch schlimmer zu machen.„Hey“, sagte ich leise und trat näher, anstatt mich zu entfernen. „Du brichst dir noch die Hand, wenn du so weitermachst.“Er erstarrte, die Faust noch immer gegen die Wand gepresst, die Brust hob und senkte sich, als hätte er gerade einen Marathonlauf hinter sich. Als er sich zu mir umdrehte, waren seine Augen gerötet, glasig – ein Blick, der so gar nicht zu der kalten, beherrschten Seite von ihm passte, die ich den ganzen Tag über gesehen hatte.„Geh“, sagte er mit rauer Stimme.„Nein.“„Morgana.“„Das ist das erste Mal, dass du meinen Namen sagst.“ Ich verschränkte die Arme und weigerte mich, meine Stimme zittern zu lassen, obwohl mein Herz raste. „Schon ein seltsamer Anfang. Mich anzuweisen, di
Ich riss ihm das Papier so schnell aus der Hand, dass ich mich beinahe geschnitten hätte.„Vorsicht“, sagte ich und faltete es zusammen, bevor es jemand lesen konnte. „Zu viel Klatsch kann deinen IQ senken.“Er reagierte nicht. Er stand nur da und sah mir zu, wie ich das Blatt in meinen Ordner stopfte, als könnte es Feuer fangen, und sagte kein Wort.Kein Grinsen, kein Kommentar, nicht einmal ein Anflug von Verurteilung. Nur Stille, schwer und undurchdringlich, als würde er mich in einer mentalen Schublade mit der Aufschrift „Problem“ ablegen.Es ärgerte mich mehr, als wenn er tatsächlich etwas Gemeines gesagt hätte. Wenigstens Gemeines, mit dem ich hätte umgehen können. Stille fühlte sich an, als stünde man vor einer verschlossenen Tür, klopfte und bekäme keine Antwort.„Wow. Spannende Unterhaltung“, murmelte ich und ging an ihm vorbei, bevor mein Gesichtsausdruck verriet, wie aufgewühlt ich mich fühlte.Hinter mir pfiff einer seiner Teamkollegen leise. „Alter, alles klar bei dir? Du
Morgana's View"So, to be clear: I'm supposed to apologize for something that wasn't my fault, to people who already thought I was guilty?"The director's smile twitched as if I had slapped him in the face with a wet towel.“Miss Vale, I simply want to give you a fresh start here in Blackthorne.”"Good. Then perhaps you should lower the blinds first, because your students are currently commenting on me live through the window."I was right. Three girls stood in front of their office window, their cell phones at the ready like paparazzi, whispering behind their manicured hands."That's the girl from the video.""Wasn't she expelled from school?""She looks totally crazy."I turned my head just enough to catch their gaze, waved to them slowly and kindly, and then turned back to the director as if nothing had happened.“Wow,” I said. “I’ve only been here for four minutes and I already have a fan club.”He cleared his throat, clearly unfazed by my comedic timing, which was frankly rude. "







