LOGINSven~Sie war atemberaubend. Das war alles, woran ich denken konnte.Sie stand vor dem Spiegel und analysierte das braune Kleid mit der Verkäuferin, und alles, woran ich denken konnte, war, wie ich es von ihrem Körper fischen konnte.„Glaubst du, Reeves hätte dasselbe gedacht?“ Vuks Stimme schlängelte sich durch meinen Kopf.Meine Hände ballten sich zu Fäusten, bevor ich sie stoppen konnte. Er würde es nicht wagen.„Was hältst du von diesem hier?“Ihre Stimme schnitt durch den Nebel – diesmal weicher. Ich blickte auf – und Götter, sie strahlte. Nicht lächelnd, nicht genau. Aber ihre Brauen waren nicht mehr gerunzelt, und zum ersten Mal seit heute Morgen sah sie nicht aus, als wollte sie mir die Kehle rausreißen.Sie erschien erneut in einem schwarzen Bleistiftrock und passendem Hemd, der Stoff umschmeichelte jede richtige Kurve.„Es—“ ich räusperte mich. „Es ist… anständig.“Rayna hob eine Braue, aber der Mundwinkel zuckte, als würde sie ein Lächeln bekämpfen. „Anständig, hm?“„Das ha
Sven~Ich weiß nicht, was zum Teufel ich mir gedacht habe, als ich ihren Anstellungsbrief tippte – oder als ich mein verdammtes Büro verließ und den ganzen Weg bis zur Kinderkrippe lief, nur um ihn ihr zu geben.Aber hier war ich trotzdem.„Oh, ich sag’s dir“, höhnte Vuk aus dem Hinterkopf. „Du hast daran gedacht, dass Reeves ihre ganze Aufmerksamkeit bekommt.“„Verpiss dich“, murmelte ich.„Schätz mal, die kleine Warnung, die wir ihm gegeben haben, hat nicht viel gebracht.“„Ich habe Reeves nicht verprügelt, weil er Zeit mit Rayna verbracht hat“, zischte ich unter dem Atem. „Ich habe ihn verprügelt, weil er die Hände an sie gelegt hat.“„Ja, okay. Kartoffel, Potätoh.“„Ich will keinen Job, Sven.“Ihre Stimme riss mich zurück – scharf, genervt und viel zu verdammt süß für ihr eigenes Wohl. Sie verschränkte die Arme, die Lippen zu einem Schmollmund gespitzt, der eigentlich nichts mit mir machen sollte, es aber trotzdem tat.Es war egal, was sie wollte. Götter, hilf mir, ich wollte sie
Rayna~Ich wusste nicht, wie ich gestern Nacht in dem Zimmer gelandet war. Eine Minute war ich bei Mary und die nächste in Svens Jacke und in unserem Zimmer.Unser. Es fühlte sich seltsam an, so zu denken. Nichts hier gehörte mir. Zumindest noch nicht.Ich trat auf den Trainingsplatz, der leer war, außer ein paar Wachen, die so taten, als würden sie meine Anwesenheit nicht bemerken.Reeves hatte gesagt, wir würden heute nicht kämpfen – der Göttin sei Dank –, sondern dass er mir neue Taktiken beibringen würde, die keine Fäuste brauchten.Was auch immer das bedeutete.Die Sonne brannte mir beinahe durch die Haut, während ich ungeduldig auf Reeves wartete, der nirgendwo zu sehen war.Ich hasste Warten, es nervte mich zu Tode. Entweder man hält die Zeit ein oder man sorgt dafür, dass man ordentlich umplant.Ich hatte so viel zu tun, die Zeit, die ich mit Warten verbrachte, hätte ich nutzen können, um mehr über die ganze Dana-Situation zu recherchieren, die Sven in meinem Kopf gepflanzt ha
Sven~„Komm rein“, rief ich, den Rücken zur Tür gewandt.In dem Moment, als sie sich öffnete, veränderte sich die Luft. Meine Sinne spitzten sich an.Sie war hier, und sie war freiwillig gekommen.„Sven.“Ihre Stimme war weich, kaum mehr als ein Flüstern, als wäre sie sich nicht sicher, ob ich sie hören wollte.Wenn sie nur wüsste.Es kostete mich alles, mich nicht umzudrehen. Ich griff fester in die Armlehne und hielt meinen Ton flach. „Wie kann ich dir helfen?“Sie stieß einen genervten Laut aus, ich hätte meine Samen darauf verwettet, dass sie dabei die Augen verdrehte. Es hätte mich fast zum Lachen gebracht.„Könntest du dich bitte umdrehen? Das ist dringend.“Ich musste es mir nicht zweimal sagen lassen. Alles, was sie tun musste, war zu bitten, und ich gehorchte.Doch in dem Moment, als ich es tat, zog sich meine Brust zusammen.Sie stand da, blau und grün, die Haare zerzaust, die Augen müde – und hielt ein kleines Mädchen, das ein abgetragenes Stofftier umklammerte.Und Götter,
Rayna~ Reeves war ein verdammtes Biest – Monster, Dämon, such dir aus –, wenn es ums Training ging. Meine Glieder schrien vor Protest, als ich mich tief duckte und meinen Bauch umklammerte, wo sein letzter Schlag gelandet war. Jeder Atemzug, den ich tat, kam keuchend heraus und schnitt durch meine Lungen. Warum tat ich das nochmal? „Jämmerlich“, murmelte er und schritt vor mir auf und ab wie ein Wolf, der Beute umkreist. „Wenn das Venus gewesen wäre, wärst du jetzt tot.“ „Vielleicht würde ich glücklicher sterben“, zischte ich und zwang mich, aufrecht zu stehen. Er schnaubte, das schwächste Grinsen huschte über seine Lippen. „Wenn nur deine Fäuste so schnell wären wie dein Mund, Tigerin.“ Bevor ich antworten konnte, stürzte er sich erneut vor. Seine Faust zischte an meiner Wange vorbei und verfehlte mich um Haaresbreite. Ich stolperte zurück, fand kaum das Gleichgewicht, bevor sein Bein meines wegwischte. Ich prallte hart auf den Boden, der Aufprall rüttelte durch meine Knoc
Rayna~„Du blutest!“Die Worte kamen heraus, bevor ich sie zurückhalten konnte. Ich griff instinktiv nach ihm, meine Finger streiften die Seite seines Halses.Seine Haut war warm, zu warm, und er zuckte nicht einmal bei der Berührung zusammen – stattdessen schloss er die Augen, ein Seufzer entwich seinen Lippen, als er sich in meine Berührung lehnte, als hätte er danach gelechzt.Diese pure Handlung ließ mein Herz unruhig werden.„Du scheinst dir Sorgen um mich zu machen, Prinzessin“, murmelte er, rau genug, um über meine Haut zu kratzen. „Vielleicht sollte ich mich öfter verletzen, wenn es mir diese Art von Zärtlichkeit einbringt.“Ich schluckte schwer.Das war das erste Mal, dass ich ihn seit jener Nacht gesehen hatte, und es war nicht so, dass ich ihn mied.Ich wusste einfach nicht, was ich zu ihm sagen sollte, wie ich reagieren sollte. Ich wusste genau, dass das, was wir in jener Nacht getan hatten, nicht Teil seiner Pläne gewesen war.Aber er hatte mir ein gutes Gefühl gegeben. D







