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Die erste Jagd

Penulis: Sule
last update Tanggal publikasi: 2026-06-08 18:22:19

Der nächste Morgen begann lange vor Sonnenaufgang.

Ein ohrenbetäubendes Glockensignal durchschnitt die Stille des Wohnheims und riss Elara aus einem unruhigen Schlaf. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Die Ereignisse des vergangenen Tages vermischten sich mit seltsamen Träumen, die sie die ganze Nacht verfolgt hatten. Sie hatte von roten Augen geträumt, die in der Dunkelheit auf sie warteten. Von uralten Stimmen, die ihren Namen flüsterten. Von einer gewaltigen Tür aus schwarzem Stein, hinter der etwas Lebendiges gefangen war.

Schweißgebadet setzte sie sich auf.

Das Herz schlug ihr bis zum Hals.

Das Zimmer lag noch im Halbdunkel. Durch das Fenster konnte sie die ersten blassen Lichtstreifen am Horizont erkennen. Im Nachbarbett schnarchte ihre Mitbewohnerin leise vor sich hin. Elara hatte ihren Namen bereits vergessen. Das Mädchen hatte gestern kaum zwei Worte mit ihr gewechselt und war offensichtlich nicht daran interessiert gewesen, Freundschaften zu schließen.

Plötzlich ertönte die Glocke erneut.

Diesmal begleitet von einer tiefen Männerstimme, die magisch durch das gesamte Gebäude hallte.

„Alle Erstsemester begeben sich unverzüglich zum zentralen Trainingsplatz.“

Sofort entstand hektische Bewegung auf den Fluren.

Türen wurden geöffnet. Stimmen riefen durcheinander. Schritte donnerten über den Boden.

Elara zwang sich aufzustehen.

Ihre Muskeln schmerzten von der langen Reise. Trotzdem zog sie sich schnell an und verließ gemeinsam mit den anderen Schülern das Wohnheim.

Draußen war die Luft eisig.

Grauer Nebel lag über den Trainingsfeldern der Akademie. Die riesigen Gebäude wirkten im frühen Morgenlicht noch beeindruckender als am Vortag. Während Elara den anderen Schülern folgte, bemerkte sie bereits die Unterschiede zwischen den Gruppen.

Die Alphas bewegten sich voller Selbstvertrauen.

Die Betas wirkten konzentriert und aufmerksam.

Die Omegas dagegen hielten sich meist im Hintergrund.

Fast so, als hätten sie gelernt, möglichst wenig Raum einzunehmen.

Der zentrale Trainingsplatz war gigantisch.

Mehrere hundert Schüler hatten sich bereits versammelt.

Lehrer und Aufseher standen entlang der Begrenzungen und beobachteten die Neuankömmlinge.

In der Mitte wartete ein großer Mann mit silbernem Haar und einem Gesicht voller Narben.

Seine bloße Anwesenheit ließ die Menge verstummen.

„Mein Name ist Professor Ragnar Eisenherz.“

Seine Stimme war tief und rau.

„Ich leite die Kampfausbildung dieser Akademie.“

Niemand sprach.

Niemand bewegte sich.

„Die meisten von euch glauben wahrscheinlich, dass sie etwas Besonderes sind.“

Sein Blick glitt über die Menge.

„Das seid ihr nicht.“

Mehrere Schüler wirkten beleidigt.

Ragnar lächelte kalt.

„Nicht hier.“

Er verschränkte die Arme.

„Goldkronen hat kein Interesse an euren Titeln. Euren Familien. Eurem Reichtum.“

Seine Augen wurden schmal.

„Hier zählt nur Stärke.“

Die Worte hallten über den Platz.

Elara spürte sofort die Veränderung der Atmosphäre.

Viele Alphas richteten sich stolz auf.

Andere grinsten selbstsicher.

Einige wirkten bereits überzeugt, die Besten zu sein.

„Deshalb werden wir heute eure Grenzen testen.“

Ein Murmeln ging durch die Menge.

„Ihr werdet an der ersten Jagd teilnehmen.“

Stille.

Selbst die Vögel schienen aufgehört zu haben zu singen.

„Jagd?“, flüsterte Felix neben Elara.

„Am ersten Tag?“

Niemand beantwortete seine Frage.

Ragnar hob die Stimme.

„Der Verbotene Wald beginnt direkt hinter den Mauern der Akademie.“

Mehrere Schüler wurden sofort blass.

„Ihr werdet in Gruppen hineingeschickt.“

Einige Erstsemester tauschten nervöse Blicke aus.

„Eure Aufgabe besteht darin, ein Mondkristall Abzeichen zu finden und vor Sonnenuntergang zurückzubringen.“

„Und wenn wir keins finden?“, fragte ein Schüler.

Ragnar grinste.

„Dann scheitert ihr.“

„Und was lebt dort draußen?“

Das Grinsen verschwand.

„Dinge, die euch töten können.“

Sofort breitete sich Unruhe aus.

Elara schluckte.

Das klang nicht wie eine gewöhnliche Schulprüfung.

Es klang wie ein Überlebenskampf.

Eine Stunde später standen die Schüler am Rand des Waldes.

Gewaltige schwarze Bäume ragten in den Himmel.

Ihre Äste waren so dicht, dass kaum Sonnenlicht den Boden erreichte.

Der Wald wirkte uralt.

Lebendig.

Fast feindselig.

Elara konnte nicht erklären warum, doch bereits beim ersten Blick auf die Baumgrenze spürte sie eine seltsame Verbindung.

Etwas zog sie an.

Etwas tief im Inneren des Waldes.

„Das gefällt mir überhaupt nicht.“

Felix stand neben ihr und starrte auf die Dunkelheit zwischen den Bäumen.

„Mir auch nicht.“

„Weißt du eigentlich, warum sie diesen Ort Verbotenen Wald nennen?“

„Nein.“

„Weil dort ständig Schüler verschwinden.“

Elara glaubte zunächst an einen Scherz.

Doch Felix lachte nicht.

„Ich habe gestern Abend einige ältere Schüler reden hören.“

Seine Stimme wurde leiser.

„Angeblich verschwinden jedes Jahr Menschen.“

Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.

Bevor sie etwas antworten konnte, ertönte ein Hornsignal.

Die Prüfung begann.

Gruppen von Schülern verschwanden zwischen den Bäumen.

Elara und Felix wurden gemeinsam eingeteilt.

Außerdem gehörten zwei weitere Erstsemester zu ihrer Gruppe.

Eine stille Omega namens Mira.

Und ein kräftiger Beta namens Tobias.

Anfangs verlief alles ruhig.

Sie folgten einem schmalen Waldpfad.

Das Licht wurde schwächer.

Die Geräusche der Akademie verschwanden hinter ihnen.

Schon bald hörten sie nur noch das Rascheln der Blätter und das Knacken von Ästen unter ihren Füßen.

„Ich hasse diesen Ort“, murmelte Tobias.

„Er beobachtet uns.“

Mira nickte nervös.

Niemand widersprach.

Denn genau so fühlte es sich an.

Die Stunden vergingen.

Mehrmals glaubten sie, ein Mondkristall Abzeichen gefunden zu haben.

Jedes Mal stellte es sich als gewöhnlicher Stein heraus.

Die Stimmung wurde zunehmend angespannter.

Dann geschah etwas.

Ein Schrei durchschnitt den Wald.

Alle vier blieben augenblicklich stehen.

Der Schrei kam aus der Ferne.

Doch er war eindeutig menschlich.

Und voller Panik.

„Habt ihr das gehört?“

Niemand antwortete.

Denn jeder hatte es gehört.

Ein zweiter Schrei folgte.

Dann Stille.

Absolute Stille.

Selbst die Vögel verstummten.

Felix wurde blass.

„Wir sollten zurückgehen.“

Tobias nickte sofort.

„Einverstanden.“

Doch bevor sich jemand bewegen konnte, bemerkte Elara etwas zwischen den Bäumen.

Eine Gestalt.

Groß.

Dunkel.

Unnatürlich.

Sie stand regungslos zwischen den Schatten.

Und beobachtete sie.

„Da!“

Die anderen drehten sich um.

Die Gestalt verschwand.

„Was war das?“

„Ich weiß es nicht.“

Doch Elara wusste, dass sie diese Präsenz bereits gespürt hatte.

Im Nebel während ihrer Anreise.

Genau dieselbe Aura.

Genau dieselben roten Augen.

Panik breitete sich in der Gruppe aus.

Sie beschlossen umzukehren.

Doch nach wenigen Minuten bemerkten sie ein neues Problem.

Der Weg war verschwunden.

Die Bäume sahen plötzlich alle gleich aus.

Jeder Pfad führte ins Nichts.

„Wir sind verlaufen.“

Niemand widersprach Tobias.

Denn er hatte recht.

Die Dunkelheit wurde dichter.

Die Schatten länger.

Und das Gefühl, beobachtet zu werden, stärker.

Plötzlich ertönte ein tiefes Knurren.

Direkt hinter ihnen.

Mira schrie auf.

Alle wirbelten herum.

Zwischen den Bäumen standen drei riesige Kreaturen.

Sie ähnelten Wölfen.

Doch sie waren größer als Pferde.

Ihre Augen leuchteten blutrot.

Speichel tropfte aus ihren Mäulern.

„Verdammt.“

Tobias trat einen Schritt zurück.

„Das sind Schattenwölfe.“

Die Kreaturen bewegten sich langsam vorwärts.

Elara konnte die pure Feindseligkeit in ihren Blicken erkennen.

Diese Wesen wollten nicht jagen.

Sie wollten töten.

„Lauft!“

Die Gruppe rannte los.

Äste peitschten gegen ihre Gesichter.

Wurzeln ragten aus dem Boden.

Hinter ihnen erklangen schwere Schritte.

Die Schattenwölfe verfolgten sie.

Immer näher.

Immer schneller.

Elara kämpfte verzweifelt darum mitzuhalten.

Ihr Atem brannte.

Ihre Beine schmerzten.

Doch die Bestien holten auf.

Plötzlich stolperte Mira.

Sie fiel hart zu Boden.

„Nein!“

Elara blieb sofort stehen.

Die anderen liefen weiter.

Die Schattenwölfe kamen näher.

Mira versuchte aufzustehen.

Doch ihr Knöchel war verdreht.

Sie konnte nicht laufen.

„Elara!“

„Komm schon!“

„Wir müssen weg!“

Doch Elara bewegte sich nicht.

Die Bestien waren nur noch wenige Meter entfernt.

Mira weinte.

Vor Angst.

Vor Hilflosigkeit.

Vor dem sicheren Tod.

Und genau in diesem Moment geschah etwas Seltsames.

Etwas tief in Elaras Brust begann zu glühen.

Wärme breitete sich durch ihren Körper aus.

Eine Energie, die sie niemals zuvor gespürt hatte.

Die Welt um sie herum wurde plötzlich schärfer.

Klarer.

Lebendiger.

Sie konnte jeden Herzschlag hören.

Jedes Blatt.

Jeden Atemzug.

Die Schattenwölfe erstarrten.

Ihre roten Augen richteten sich auf Elara.

Dann geschah das Unmögliche.

Die Kreaturen senkten ihre Köpfe.

Als würden sie sich verbeugen.

Niemand bewegte sich.

Niemand atmete.

Selbst Elara verstand nicht, was geschah.

Die Schattenwölfe knurrten leise.

Doch diesmal klang es nicht bedrohlich.

Es klang unterwürfig.

Respektvoll.

Nach einigen Sekunden drehten sich die Bestien um.

Und verschwanden zwischen den Bäumen.

Einfach so.

Mira starrte sie an.

„Was... war das?“

Elara konnte nicht antworten.

Denn sie wusste es selbst nicht.

Die Wärme verschwand langsam.

Zurück blieb nur Verwirrung.

Und Angst.

Tiefe Angst.

Etwas stimmte nicht mit ihr.

Etwas, das sie ihr ganzes Leben lang nicht bemerkt hatte.

Schließlich fanden sie mit Hilfe eines Suchtrupps zurück zur Akademie.

Die Lehrer schienen überrascht, dass die Gruppe unverletzt war.

Vor allem Professor Ragnar beobachtete Elara ungewöhnlich lange.

Fast so, als hätte er etwas bemerkt.

Etwas, das sie selbst noch nicht verstand.

Später am Abend stand Damian Schwarzwald auf dem Balkon des Alpha Turms und blickte auf das Gelände der Akademie.

Der Wind bewegte sein dunkles Haar.

Neben ihm stand Adrian Silberfang.

„Es ist passiert.“

Damian sagte nichts.

„Die Berichte sind eindeutig.“

Noch immer schwieg der Alpha König.

Adrian seufzte.

„Sie hat die Schattenwölfe beeinflusst.“

Damian schloss langsam die Augen.

Für einen Moment wirkte er älter als zwanzig Jahre.

Belastet.

Erschöpft.

„Dann ist es wahr.“

„Ja.“

„Die Prophezeiung hat begonnen.“

Stille breitete sich aus.

Tief unter der Akademie begann gleichzeitig ein uraltes Siegel zu flackern.

Risse erschienen auf seiner Oberfläche.

Langsam.

Fast unmerklich.

Doch sie waren da.

Und irgendwo in der Dunkelheit erklang ein leises Lachen.

Ein Lachen, das seit Jahrhunderten niemand mehr gehört hatte.

Das Wesen unter Goldkronen war erwacht.

Und es wusste genau, wer Elara Morgenstern wirklich war.

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