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KAPITEL DREI: DAS ANGEBOT

Author: Ruby Andrews
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-22 17:53:23

Liora kam vor der ersten Stunde an, genau wie es die Nachricht verlangt hatte, und stellte sich an den Rand des östlichen Innenhofs, wo die alten Eichen das meiste Morgenlicht aufhielten, und sie redete sich ein, sie sei nur hier, um Celeste anzuhören, nichts weiter, denn die Gestalt einer Bedrohung zu kennen war immer sicherer, als sie formlos in ihrem Kopf zu lassen.

Celeste erschien auf die Minute pünktlich, ohne jede Eile, als würde die gesamte Schule nach ihrem Zeitplan existieren und nicht umgekehrt, und sie ließ sich mit der Leichtigkeit einer Person auf die Steinbank gegenüber Liora sinken, die sich nie fragen musste, ob ein Raum sie überhaupt wollte.

„Du bist gekommen", sagte Celeste, und in ihrer Stimme lag etwas beinahe Erfreutes, die Zufriedenheit einer Person, die zusah, wie ein Plan sich genau so entfaltete, wie sie es vorausgesagt hatte.

„Du hast mir nicht wirklich eine Wahl gelassen", sagte Liora und behielt ihre Arme verschränkt, hielt ihre Stimme fest, obwohl ihr Herz so heftig hämmerte, dass sie sicher war, Celeste könne es ebenfalls hören.

„Es gibt immer eine Wahl", sagte Celeste und neigte den Kopf leicht zur Seite, während sie Liora musterte, wie man ein Rätsel betrachtet, das man bereits gelöst hat. „Ich bevorzuge es nur, wenn Menschen ihre Entscheidung mit allen Informationen vor sich treffen."

Liora sagte nichts, denn Schweigen fühlte sich sicherer an als etwas zu sagen, das sie später bereuen könnte, und Celeste schien das Schweigen als Erlaubnis zu deuten, fortzufahren.

„Lucien Blackwood", sagte Celeste, und der Name legte sich zwischen sie wie etwas, das aus großer Höhe fallen gelassen wurde. „Du hast ihn bemerkt. Jeder bemerkt ihn irgendwann. Unnahbar, verschlossen, angeblich unfähig, sich um irgendjemanden außerhalb des Imperiums seiner eigenen Familie zu sorgen."

„Ich verstehe nicht, was das mit mir zu tun hat", sagte Liora, auch wenn die Enge in ihrer Brust andeutete, dass sie es bereits ahnte.

„Es hat alles mit dir zu tun", sagte Celeste und beugte sich leicht vor, ihre Stimme senkte sich zu etwas Leiserem, Bedachterem. „Ich brauche ihn öffentlich gedemütigt, gründlich, auf eine Weise, von der er sich vor Ende des Jahres nicht mehr erholen kann. Und du, Liora Bennett, wirst diejenige sein, die es tut."

Die Worte trafen sie seltsam, gleichzeitig absurd und erschreckend, und ein kurzes, ungläubiges Lachen entfuhr Liora, bevor sie es unterdrücken konnte. „Ich soll was?"

„Bring ihn dazu, sich in dich zu verlieben", sagte Celeste schlicht, als würde sie eine Hausaufgabe beschreiben und nicht das Herz eines Menschen. „Lass ihn dir vertrauen, lass ihn sich auf eine Weise öffnen, wie er es sonst niemanden sehen lässt, und dann, wenn es am meisten zählt, vor allen, die ihn je beobachtet und sich gefragt haben, ob er überhaupt etwas fühlen kann, zerbrichst du ihn. Öffentlich. Vollständig."

Lioras Magen drehte sich, jene Art von Übelkeit, die entsteht, wenn man gebeten wird, etwas zu tun, das sich grundlegend falsch anfühlt, noch bevor man alle Gründe dafür versteht. „Warum sollte ich mich jemals auf so etwas einlassen?"

Celestes Lächeln wankte nicht, und das war irgendwie schlimmer, als wenn es das getan hätte. „Weil ich genau weiß, wie viel deine Familie schuldet, bis auf den Dollar genau. Ich weiß von der Hypothek. Ich weiß von den Medikamenten deines Bruders, und davon, dass die Apotheke letzte Woche zweimal wegen einer überfälligen Rechnung angerufen hat. Ich weiß, dass Mrs. Ferris dir gestern gesagt hat, dass dein Stipendium nur bis zum Winter überbrückt wird, und ich weiß, dass du keine Ahnung hast, woher der Rest des Geldes kommen soll."

Die Luft schien Liora mit einem Mal komplett aus den Lungen zu weichen, und sie starrte Celeste an, während sich Kälte in ihr ausbreitete, trotz der Wärme der Morgensonne, die durch die Eichenblätter über ihnen fiel. „Woher weißt du das alles?"

„Weil es mein Beruf ist, Dinge zu wissen", sagte Celeste, und zum ersten Mal blitzte etwas Kälteres unter ihrer gefassten Fassade hervor, etwas, das Liora mit plötzlicher Klarheit verstehen ließ, dass dieses Mädchen ihr gesamtes Leben darauf aufgebaut hatte, genau zu wissen, an welchen Hebeln man bei jedem ziehen musste, der ihr im Weg stand. „Und ich biete dir an, jedes einzelne dieser Probleme verschwinden zu lassen. Eine Zahlung jetzt, mehr mit jedem Schritt, den du gehst, und eine Abschlusssumme, sobald alles vorbei ist, die alles begleichen würde, die Hypothek, die Medikamente, alles, endgültig."

Lioras Gedanken rasten durch Zahlen, die sie sich aus Notwendigkeit eingeprägt hatte, die Hypothekenraten, die sich hinter der Mehldose stapelten, Masons zur Neige gehendes Inhalationsgerät, die erschöpfte Stimme ihrer Mutter am Telefon, jeden einzelnen Abend, und für eine schreckliche Sekunde erlaubte sie sich vorzustellen, wie es sich anfühlen würde, all das einfach verschwinden zu sehen.

„Ich werde es nicht tun", sagte Liora, und sie meinte es ernst, sie musste es ernst meinen, denn die Alternative fühlte sich an wie etwas, mit dem sie nicht würde leben können, egal wie verzweifelt sie noch werden würde. „Was auch immer zwischen dir und ihm steht, worum es hier wirklich geht, ich werde niemanden zerstören, mit dem ich noch nie ein Wort gewechselt habe."

Celeste musterte sie einen langen Moment lang, ungerührt, fast amüsiert, so wie man eine kleine Flamme betrachtet, von der man weiß, dass sie irgendwann von selbst erlöschen wird. „Das ist eine bewundernswerte Antwort", sagte sie und erhob sich geschmeidig von der Bank, während sie unsichtbare Falten aus ihrer Uniform strich. „Ich gebe dir zwei Wochen."

„Wie bitte?"

„Zwei Wochen", wiederholte Celeste, bereits im Weggehen, ihre Stimme trug über die Schulter zurück mit der beiläufigen Gewissheit einer Person, die sich bei Menschen noch nie geirrt hatte. „So lange dauert es normalerweise, bis Prinzipien gegen echte Verzweiflung keinen Platz mehr haben. Ich werde warten, Liora. Und wenn du deine Meinung änderst, musst du mich nicht einmal suchen."

Liora stand noch lange wie erstarrt im Innenhof, nachdem Celeste durch den Torbogen zum Hauptgebäude verschwunden war, ihr Puls weigerte sich, sich zu beruhigen, ihre Gedanken spielten jedes Detail wieder ab, das Celeste mit erschreckender Präzision heruntergerasselt hatte. Sie redete sich ein, sie würde ihre Meinung nicht ändern. Sie redete sich ein, zwei Wochen bedeuteten nichts, denn ihre Antwort stand bereits endgültig fest.

Ihr Handy summte einmal in ihrer Handfläche, und als sie hinunterblickte, war es überhaupt keine Nachricht von Celeste.

Es war vom Finanzbüro der Schule, das ihr mitteilte, dass der Antrag ihres Bruders auf Schulgeldunterstützung im Rahmen des Gemeindeprogramms soeben abgelehnt worden war, mit sofortiger Wirkung, und dass jeder ausstehende Betrag innerhalb von dreißig Tagen beglichen werden müsse.

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