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40 Stunden Licht

last update 게시일: 2026-04-04 18:29:55

Elena

Einige Tage waren vergangen. Tante Ava war sofort angereist, als sie von dem Unglück gehört hatte. Sie war außer sich vor Sorge, und ich war ihr unendlich dankbar, dass sie jetzt für Dad da war und versuchte, den Alltag im Restaurant und zu Hause irgendwie am Laufen zu halten. Der Vorfall hatte uns alle gezeichnet, aber Dad schien unter der Last fast zu zerbrechen. Er wirkte kränker, war sichtlich abgemagert und sprach kaum noch ein Wort. Meistens starrte er nur gedankenverloren ins Leere. Ava meinte, ich solle ihm Zeit lassen, er würde sich schon erholen, aber ich hatte meine Zweifel.

Meine größte Sorge galt Isabella. Was würde passieren, wenn sie aufwachte? Es war eine Höllenqual gewesen, sie in der Lagerhalle schreien zu hören. Ob ich die Kraft aufbringen würde, sie jetzt weinen zu sehen, wusste ich nicht. Und wie musste es erst in ihr aussehen?

Körperlich geschah fast ein Wunder. Ihr Gesicht war nach nur drei Tagen beinahe verheilt. Ava hatte mir geraten, die Wunden vorsichtig mit Zinksalbe einzureiben, und die Wirkung war erstaunlich. Ich saß an ihrem Bett, hielt ihre Hand und streichelte sanft ihren Handrücken. Sie war mein Ein und Alles. Ich hatte sie nicht beschützen können, und dieser Vorwurf würde ewig wie ein Dorn in meinem Herzen brennen.

„Izzi?", flüsterte ich.

Piep – Piep – Piep.

Nur die Monitore antworteten mir mit ihrem gleichmäßigen, sterilen Rhythmus. „Wie kann ich dir nur helfen?", murmelte ich verzweifelt.

„Elena?"

Ich zuckte zusammen, als ich die vertraute Stimme von Dr. Rodriguez hörte. Schnell wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht und stand auf. „Ja?"

„Geht es dir gut?", fragte er und trat ans Bett.

„Ja, Doktor. Bestens."

Er musterte mich kurz und nickte dann. „Du kannst mich übrigens Jack nennen."

Ich nickte knapp. „Wie geht es deinem Vater?", hakte er nach.

Ich stieß einen schweren Seufzer aus. „Er fängt sich hoffentlich wieder."

„Leider kann man die Unterwelt nie verlassen, ohne den Preis dafür zu zahlen", sagte Jack ernst. „Dein Vater hat fünfzehn Jahre in Frieden gelebt, aber jetzt holt ihn sein altes Leben ein."

„Dad hat sich dieses Leben nicht ausgesucht. Er wurde hineingeboren. Er hat sich direkt nach dem Tod meines Großvaters von allem abgewandt. Aber du hast recht ... die Konsequenzen sind schrecklich. Das hätte niemals passieren dürfen." Ich merkte erst jetzt, dass mir schon wieder Tränen über die Wangen liefen. Jack hielt mir schweigend ein Taschentuch hin.

„Danke."

„Ich bin ehrlich zu dir: Im ersten Moment, als ich dich im Krankenhaus sah, wollte ich dir den Kopf abreißen", gestand er plötzlich. Ich sah ihn überrascht an. „Aber dann wurde mir klar, dass du nicht wie sie bist. Dass du einfach nur Elena bist."

„Du dachtest, ich wäre meine Mutter", stellte ich fest. Er nickte nur stumm. „Ist es wahr? Hat mein Großvater wirklich jemanden aus deiner Familie umgebracht?" Ich kannte die Antwort eigentlich schon, aber ein Teil von mir klammerte sich noch an eine Lüge.

„Meinen Vater", sagte Jack flach.

Ich erstarrte. Das konnte nicht wahr sein. „Es tut mir schrecklich leid. Ich weiß, dass eine Entschuldigung deinen Vater nicht zurückbringt, aber Isabella und ich ... wir teilen diese Werte nicht. Dad erst recht nicht."

„Deswegen solltet ihr euch komplett aus der Unterwelt heraushalten. Aber stattdessen heiratest du jetzt meinen Cousin. Ist dir eigentlich klar, was du da tust?"

Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Um ehrlich zu sein: Ich weiß gar nichts. Ich kenne ihn nicht, ich habe noch nie von ihm gehört. Aber ich musste Izzi retten und Dad war am Ende. Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen."

Jack nickte verstehend. „Elena, du hast noch keine Vorstellung davon, worauf du dich einlässt. Sobald du die Wahrheit kennst, wirst du das alles nicht mehr wollen. Und denk an die Zukunft: Solltest du jemals ein Kind mit ihm haben, wird es der Nächste sein, der diesen blutigen Platz einnimmt."

„Ich verstehe das alles noch nicht ...", entschuldigte ich mich leise.

„Daran zweifle ich nicht. Dein Vater hat dich zu gut abgeschirmt."

„Ich weiß nur vage, dass es einen Rat gibt und verschiedene Clans. Mehr nicht. Dad redet nicht darüber."

„Verständlich. Ich selbst bin auch nicht mehr direkt involviert. Ich habe einen Mittelweg als Arzt gefunden, aber dein Vater hat das nicht geschafft. Er hätte zur Bank gehen sollen, anstatt sich wieder auf das Geld der Unterwelt einzulassen."

„Das kann ich jetzt nicht mehr ändern", erwiderte ich matt. „Und Dad ist momentan nicht in der Verfassung, Vorwürfe zu hören."

„Ich muss jetzt los. Wir werden uns in nächster Zeit sowieso öfter sehen. Bis dann."

Nachdem Jack das Zimmer verlassen hatte, sah ich wieder zu meiner Schwester. „Ich liebe dich, Isabella. Bitte komm zurück."

Der Tag war lang gewesen, und als ich schließlich nach Hause fuhr, fühlte ich mich vollkommen ausgebrannt. Ich brauchte dringend Schlaf, aber die Arbeit wartete. Ich hoffte, ohne Provigil auszukommen. Während meines Studiums war ich zeitweise fast süchtig nach diesen Wachmacher-Pillen gewesen. Man sagte zwar, sie machten nicht physisch abhängig, weil sie kein klassisches Stimulans waren, aber die psychische Abhängigkeit war real. Sie waren umsonst gewesen, und nichts hatte mich davon abgehalten, sie zu nehmen, wenn der Druck zu groß wurde.

Da Dad sich nicht gut fühlte, musste ich im Restaurant aushelfen. In meiner Verzweiflung griff ich doch zur Packung. Ich stieg die Treppen hoch, wühlte in meiner Tasche und schluckte eine der Tabletten mit reichlich Wasser hinunter. Sie würde mich für die nächsten 40 Stunden auf den Beinen halten.

Kurz darauf fühlte ich mich klarer. Ich ging hinüber ins Restaurant und half Priya und Akash beim Schneiden von Gemüse.

„Elena, wann hast du dich das letzte Mal richtig ausgeruht?", fragte Priya besorgt.

„Ich bin fit, mach dir keine Sorgen", log ich mit einem Lächeln und arbeitete bis zum Schichtwechsel um 20 Uhr durch.

Wieder zu Hause angekommen, hatte ich noch eine Mission: Ich musste Isabella hier wegbekommen, sobald sie aufwachte. Ich wollte sie aus der Stadt haben, weit weg von den Rodriguez und den Schatten unserer Familie. Dad hatte immer meine Studienkosten bezahlt, und da ich bei Ava umsonst gewohnt hatte, hatte ich das monatliche Taschengeld von Dad fast komplett gespart.

Ich holte meine kleine hölzerne Kiste unter dem Bett hervor und öffnete sie. Ein Haufen Geldscheine quoll hervor. Akribisch begann ich zu zählen. Es waren 4.580 Dollar. Ein kleines Vermögen für einen Neuanfang. Das Geld würde Isabella den Start am College ermöglichen. Ich hatte jahrelang auf alles verzichtet, damit sie später nicht verzichten musste.

Anschließend setzte ich mich an meinen Laptop. Es war bereits Mitternacht, als ich anfing, die Bewerbungsunterlagen für Isabella zusammenzustellen. Es dauerte eine Ewigkeit, alles hochzuladen und die Formulare auszufüllen. Als ich endlich auf „Abschicken" klickte, war es fast ein Uhr nachts.

Ich klappte den Laptop zu und ging unter die Dusche. Das lauwarme Wasser auf meiner Haut fühlte sich herrlich an. Ich rasierte mich, cremte mich ein und schlüpfte in meine Schlafshorts und ein Top.

Obwohl ich körperlich sauber war, kreisten meine Gedanken. Ich ging nach unten in die Küche, fand in einer Frischhaltedose die Spaghetti, die Ava gekocht hatte, und aß sie hastig auf. Mein Körper brauchte die Energie, auch wenn der Wirkstoff der Tablette das Hungergefühl unterdrückte.

Bevor ich mich wieder nach oben begab, spähte ich kurz in Dads Zimmer. Es war dunkel, und sein gleichmäßiger Atem verriet, dass er schlief. Wenigstens er fand Ruhe. Ich schloss leise die Tür und blieb im dunklen Flur stehen. Schlafen konnte ich dank der Tablette nicht. Ich war hellwach in einem Haus voller Schatten.

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