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KAPITEL 3: DAS NEUE ANGEBOT

作者: Aka
last update 公開日: 2026-11-03 11:44:33

Perspektive: Léora Hale

Ich bin ungeduldig und zähle verzweifelt die Tage bis Freitag.

Ich habe sofort bei der Frau angerufen, die dringend eine Nanny suchte – noch am selben Abend, als ich nach Hause kam und das Telefon benutzen konnte, denn ich habe kein eigenes Handy. Sie schlug Freitag gegen drei Uhr nachmittags vor. Kai kennt die Adresse und wird mich dorthin fahren. Es ist erst Dienstag, und ich kann es kaum erwarten.

Meine Mutter hat sich gefreut, als ich ihr von dem Vorstellungsgespräch erzählte. Ihr schlechtes Gewissen ist immer so deutlich spürbar. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einem sehr vornehmen Hotel. Die Bezahlung ist gering, aber so kann sie später aufstehen und früher nach Hause kommen. Sie könnte sicher eine bessere Arbeit finden, aber jemand muss auf die Zwillinge aufpassen und sich um sie kümmern. Morgens übernehme ich das, abends sie. Es funktioniert so. Es ist nicht viel, aber es reicht uns.

So schleppe ich mich durch den Rest der Woche.

Vespers Schikane ist wie immer intensiv, aber nichts Außergewöhnliches geschieht – bis Freitagmorgen.

Wir haben wieder Leistungsfach Englisch.

»Ich habe eure Testergebnisse hier, aber bevor ich sie verteile, möchte ich über einige von euch sprechen.« Frau Olive blickt enttäuscht in die Runde.

»Die Klasse hat gut abgeschnitten, wie erwartet – aber einige sind durchgefallen, auch das war zu erwarten. Vesper, vielleicht solltest du überlegen, den Kurs zu verlassen?« Sie wählt ihre Worte mit Bedacht, aber man merkt, dass sie Vespers Verhalten satt hat.

»Was?«, schreit Vesper und wird rot vor Wut.

»Du und deine Freunde habt vier Tests in Folge nicht bestanden. Das ist ein Leistungskurs, und es ist keine Schande, wenn es mal schwierig wird. Wir können dich auch im regulären Englisch unterbringen«, sagt sie bestimmt, lächelt dann und wendet sich an Kai: »Du warst hervorragend wie immer – aber Léora hat dich wieder geschlagen.«

»Oh nein, ich bin total überrascht«, sagt er sarkastisch und grinst.

Ich kichere und es wird mir warm ums Herz. »Sei kein schlechter Verlierer.«

»Dein Aufsatz war ausgezeichnet, Léora. Wie du Satire und bildhafte Details eingesetzt hast, hat mich wirklich beeindruckt. Ich bin stolz auf euch alle. Kommen wir nun zum heutigen Thema. Es ist ein sehr ergreifendes Buch, und wir sollten es mit Respekt behandeln. ›Der Drachenläufer‹ wurde von Khaled Hosseini geschrieben.« Sie beginnt, und wir alle hören aufmerksam zu.

Nach dem Unterricht haben wir Sport. Ich bevorzuge Schwimmen, also gehe ich zur großen Halle mit dem Schwimmbecken.

Überraschenderweise ist niemand da. Das hätte mir zu denken geben müssen, aber ich ignoriere es und springe ins Wasser.

Einen Augenblick später kommen die Jungs von der Fußballmannschaft.

Vor Schreck erstarre ich, als sie meine Beine packen und mich unter Wasser ziehen.

Ich versuche zu schreien, aber sie sind stärker als ich.

Meine Lunge brennt, und ich höre auf, mich zu wehren. Erst als mein Körper schlaff wird, lassen sie von mir ab.

Ich warte, bis sie das Wasser verlassen haben. Dann klettere ich heraus.

Ich huste heftig, meine Augen sind gerötet und meine Brust schmerzt.

Sie hätten mich fast ertränkt.

»Na, dem kleinen Vogel wurden die Flügel gestutzt«, sagt Vesper, als sie hereinkommt und sich an Elian lehnt.

Mein ganzer Körper zittert vor Entsetzen. »Ihr … ihr … ihr habt versucht, mich zu ertränken.«

»Wirklich? Warum sollte ich jemals deinen hässlichen Körper berühren?« Sie gibt sich ahnungslos, aber in ihren Augen steht Triumph.

Ich blicke zu Elian und warte darauf, dass er etwas sagt. Diesmal ist sie zu weit gegangen – aber er schweigt. Er blickt mich nicht einmal an, als wäre ich Luft, als wäre ich völlig bedeutungslos.

Die Wut in mir kocht langsam hoch, dick und bitter.

Ich gehe weg, aber Vesper hält mich zurück. »Wenn du mich noch einmal im Unterricht blamierst, wirst du es bereuen. Und jetzt verschwinde, du kleines Schwein.«

Mein Herz pocht wild und heftig. Ich drücke meine Finger fest in die Handfläche. Ich atme tief durch und versuche, mich zu beruhigen – ich muss mich auf das Vorstellungsgespräch konzentrieren.

Nach der Schule fährt Kai mich nach Hause. Ich ziehe eine ausgewaschene blaue Jeans und einen roten Rollkragenpullover an. Meine Haare bleiben zu einem Dutt gebunden, und ich trage eines der Schuhpaare meiner Mutter. Ich hinterlasse einen Zettel und steige wieder ins Auto. Ich bin aufgeregt und zugleich nervös. Ich brauche diesen Job. Ich würde alles dafür tun.

Zu meiner Überraschung fährt Kai in ein vornehmes Viertel.

Ich werde nervös, als er vor einem großen, umzäunten Anwesen hält. Da ist ein Swimmingpool, ein Hubschrauberlandeplatz, hohe Bäume und überall stehen teure Autos.

»Komm schon.« Er hilft mir beim Aussteigen und geht voran ins Haus, ohne anzuklopfen.

»Kai!« Eine Frau kommt uns entgegen und lächelt. Sie hinkt ein wenig.

»Hallo, Tante Rose. Du siehst wunderbar aus wie immer.« Kai umarmt sie und küsst sie auf die Wange.

»Schmeichle mir nicht«, kichert sie und blickt mich an.

»Du musst Léora sein.«

»Hallo, ja, genau«, stottere ich.

Sie nimmt meine Hand und führt mich in eine große Küche. »Setz dich doch.« Sie deutet auf einen Stuhl und setzt mir gegenüber.

»Kai hat mir von dir erzählt. Ich habe mich auch schon über dich informiert. Du bist sehr klug, außergewöhnlich klug. Du bist perfekt für diese Stelle. Ich habe Drillinge, sechs Jahre alt. Drei lebhafte Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen. Ich habe nicht mehr die Kraft, die ich früher hatte. Vor einem Jahr hatte ich einen … einen leichten Schlaganfall, und seitdem bin ich nicht mehr so belastbar. Ich kann nicht lange stehen. Meine Möglichkeiten sind begrenzt.« Sie spricht bedächtig und seufzt.

»Aber lass mich dich nicht langweilen. Ich wohne hier mit meinem Mann und meinen Kindern. Die Drillinge halten mich auf Trab, aber ihr älterer Bruder ist schon selbstständig. Kai hat mir erzählt, dass du Zwillinge hast – du weißt also, worauf du dich einlässt. Trotzdem werden sie dich fordern. Ich bin bereit, dich fair zu bezahlen. Ich zahle dir dreißig Dollar pro Stunde – aber vielleicht brauche ich dich auch hier bei uns wohnen zu lassen, als Haushaltshilfe und Nanny.«

Ich bin sprachlos. Eine Anstellung mit Unterkunft? Das habe ich nicht erwartet.

»Was sagst du, Léora?«

»Ich habe kleine Geschwister, und meine Mutter muss arbeiten. Ich würde sehr gerne bei euch als Nanny arbeiten – aber ich weiß nicht genau, wie das mit dem Wohnen funktionieren soll«, gebe ich zu und erröte.

Sie nickt, überlegt einen Moment und sagt: »Wie wäre es mit einem Vorschuss? Kai hat mir erzählt, dass deine Mutter als Reinigungskraft arbeitet. Ich würde dir so viel zahlen, dass du alle Ausgaben decken kannst. Ich werde sehr großzügig sein, aber ich brauche dich wirklich, Léora. Der Arzt hat mir Bettruhe verordnet. Du musst nicht kochen oder putzen – dafür haben wir Personal. Du musst nur auf meine Kinder aufpassen. Ich schreibe dir jetzt einen Scheck über zweitausend Dollar, und dann bekommst du jede Woche eintausend Dollar als Gehalt. Es gibt ein schönes Zimmer für dich, direkt neben den Drillingen, mit allem, was du brauchst. Was sagst du?«

Mein Mund steht offen vor Überraschung.

Bevor ich antworten kann, öffnet sich die Tür und jemand kommt herein.

Zweitausend Dollar Vorschuss? Eintausend Dollar pro Woche? Mein Gott.

Plötzlich stocke ich, als ich einen vertrauten Duft wahrnehme.

»Schatz, du bist zurück. Komm, ich möchte dir unsere neue Nanny vorstellen«, lächelt Rose und blickt an mir vorbei.

»Ja, Mama«, brummt er, und mein Herz schlägt wild.

Ich drehe mich um und sehe ihn. Elian. Der Star-Quarterback der Schule. Der, der mich schikaniert. Mein Feind. Der Junge, der mir an der Schule das Leben zur Hölle macht.

 

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