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KAPITEL 5: DIE WAHRHEIT KOMMT AUS

last update Veröffentlichungsdatum: 03.11.2026 12:18:26

Perspektive: Elian

»Eine Goldgräberin? Bist du nicht ein bisschen hart?« Mama sieht mich mit gerunzelter Stirn an, die Hand in die Hüfte gestemmt.

»Ich bin nicht hart. Ich sage nur, wie es ist. Warum zum Teufel willst du ihr zwanzigtausend Dollar im Monat zahlen?« frage ich, und in mir steigt die Wut hoch.

»Ich brauche sie, Elian. Sie ist äußerst intelligent. Sie hat Zwillinge als Geschwister, also weiß sie, wie man mit Drillingen umgeht. Sie hat ein gutes Herz und ist sehr freundlich. Kai bürgt für sie. Was genau ist das Problem? Was hast du gegen sie? Ist sie wegen dir gegangen?« Sie blickt mich streng an, ihre Stimme klingt bestimmt.

Ich balle die Fäuste und blicke weg.

Léora Hale arbeitet hier nicht. Sie kann nicht hier sein. Ihr Anblick macht mich unruhig. Ich halte Schule und Zuhause streng voneinander getrennt. Ihre Anwesenheit würde alles durcheinanderbringen, was ich mir mühsam aufgebaut habe.

»Na dann, sag es mir«, fordert Mama mich heraus und hebt die Hände.

Ich runzle die Stirn, als sie vor Schmerz das Gesicht verzieht.

»Setz dich, dann nenne ich dir alle Gründe«, sage ich mit zusammengebissenen Zähnen.

Sie seufzt, aber setzt sich. Ein Schmerzenszug geht über ihr Gesicht. Sie hätte nicht so lange stehen sollen. Ein schlechtes Gewissen durchzieht mich, aber ich dränge es beiseite.

»Wir gehen in dieselbe Schule, und sie ist seltsam. Die seltsamste von allen. Jeder weiß das. An ihr ist etwas Merkwürdiges, und sie ist unerträglich. Sie trägt merkwürdige Kleidung, redet vor sich hin und sitzt den ganzen Tag in der Bibliothek. Niemand mag sie. Wir dulden sie nur, mehr nicht. Sie kann nicht hier sein. Sie kann nicht auf die Kinder aufpassen, wenn sie offensichtlich psychisch nicht belastbar ist.« Ich erzähle es ihr und ignoriere das ungute Gefühl in mir.

Ich bin bereit, alles zu tun, damit sie hier wegbleibt.

Mama schüttelt den Kopf. »Wirklich? Das sind deine Argumente? Ich habe mich über sie informiert. Sie ist klüger als du. Sie ist Klassenbeste. Wenn es um Englisch geht, ist sie ein wahres Genie. Es ist mir egal, was sie trägt oder was deine Freunde über sie sagen. Ich will genau sie. Sie wird auf meine Kinder aufpassen. Und du? Du hilfst mir nicht, aber du jagst mir die einzige Hilfe weg, die ich gefunden habe.«

Ihre Worte treffen mich mitten ins Herz. Ich weiche ihrem Blick aus und straffe die Schultern.

»Ich habe viel zu tun, Mama. Zwischen Schule und Fußball bleibt mir kaum Zeit für etwas anderes«, murmle ich, und meine Brust wird eng vor Schuld.

»Ich weiß.« Sie streicht mir sanft über die Wange. »Ich weiß, dass du viel zu tun hast. Du bist unser Star. Léora wäre eine große Hilfe für uns. Du kannst deinen Sport machen, ohne dir Sorgen um mich zu machen, und ich bin nicht den ganzen Tag auf den Beinen. Du weißt, dass ich sie brauche. Ich brauche Hilfe.«

Ich möchte zustimmen, aber es geht nicht.

»Ich finde jemand anderen für dich. Jemand Besseres. Wir können eine Fachkraft einstellen. Es wird nicht lange dauern, jemanden Qualifizierten zu finden. Sie ist eine Fremde und stammt nicht aus unseren Verhältnissen – das wird sich auf ihre Arbeit auswirken. In der Schule ist sie unfreundlich, überheblich und spielt immer das Opfer. Sie gibt anderen die Schuld an ihren finanziellen Problemen und tut so, als müssten wir uns entschuldigen, weil wir mehr haben als sie. Sie stellt ihre Bildung zur Schau, als wäre sie etwas Besonderes, obwohl sie es nicht ist. Ich vertraue ihr nicht. Ich vertraue ihr nicht bei meinen Geschwistern. Sie ist ein einziges Warnsignal. Außerdem hat sie keinen Vater. Das sind alles keine guten Voraussetzungen. Wir brauchen jemanden, der stabiler ist.« Ich sage es ruhig, aber mit Ekel in der Stimme.

Mama zieht sich zurück, und ein ernster Blick trifft mich.

Sie will gerade etwas sagen, als sie hinter mich blickt und erstarrt.

Ich drehe mich um. Wir sind nicht allein. Léora und Kai stehen in der Tür. Kai sieht wütend aus – aber ist das neu? Léora sieht verzweifelt, aber auch zornig aus.

Mama atmet erschrocken auf und geht zu ihr. »Es tut mir so leid, Léora. Das hättest du nicht hören sollen.«

»Wir sind zurückgekommen, weil Kai sein Handy vergessen hat. Und weil er mich überzeugt hat, die Stelle anzunehmen. Aber wollen Sie wissen, warum ich gezögert habe, Frau Sinclair?« Sie verschränkt die Arme. Ihre Wangen sind vor Aufregung gerötet.

»Ihr Sohn ist ein Tyrann. Der schlimmste, den es gibt.« Sie sagt es laut und deutlich.

Ich schnaube verächtlich. »Geh jetzt, bevor ich dich hinauswerfe.«

»Elian!«, fährt Mama mich an.

»Setz dich, Mama. Du solltest nicht zu lange stehen«, sage ich und massiere meine Schläfen. Der Kopfschmerz wird schlimmer.

Mama ignoriert mich, und Léora spricht weiter.

»Er ist wirklich ein Tyrann. Er läuft mit seinen Freunden und seiner Freundin herum und demütigt jeden, der ihnen unterlegen scheint. Er stößt, drängt und schaut weg. Seine Freundin ist verrückt, und ich weiß, dass ich es nicht sagen sollte, weil es nur schlimmer wird – aber was soll's? Bevor ich hierherkam, hat sie seine Teamkollegen bezahlt, um mich im Schwimmbecken zu quälen. Sie haben mich unter Wasser gedrückt und fast ertränkt. Ich hatte solche Angst und war völlig hilflos. Als ich endlich herauskam, sah ich sie. Er hat mich vielleicht nicht selbst unter Wasser gehalten – aber er hat es zugelassen.« Ihre Nasenflügel beben vor Wut.

»Nein…« Mama schaut entsetzt.

Sie blickt mich an und flüstert: »Sag mir, dass sie lügt, Elian.«

Ich schweige. Denn sie lügt nicht.

Léora schüttelt den Kopf über mich, als wäre sie enttäuscht. Was bildet sie sich eigentlich ein, von mir enttäuscht zu sein? Sie ist nichts für mich. Sie ist unbedeutend.

»Du hast drei jüngere Geschwister – und ist das das Beispiel, das du ihnen gibst? Du bist nichts weiter als ein Tyrann ohne Verstand, Elian. Tu, was du nicht lassen kannst. Erzähl es deiner furchtbaren Freundin. Was sie auch tut, es wird mich nicht überraschen. Ich werde mein ganzes Leben lang gemobbt – da bin ich wohl abgehärtet, alles dank dir.« Sie schreit nicht. Ihre Stimme bleibt ruhig, und gerade das trifft mich am meisten.

»Ich wollte die Stelle annehmen und deiner Mutter helfen. Aber nicht mehr. Du verdienst meine Hilfe nicht. Du verdienst nichts Gutes. Ich wohne nicht in einem großen Haus – aber ich komme zurecht. Ich gebe mein Bestes. Ich sorge für meine Familie und arbeite hart. Du spielst Fußball und schreibst schlechte Noten. Du hast kein Recht, so mit mir zu reden.« Sie dreht sich um und stürmt aus dem Haus.

Kai blickt mich noch einmal zornig an und folgt ihr dann sofort.

»Was ist nur aus dir geworden?«, flüstert Mama, und ich schäme mich so sehr, dass es wehtut.

 

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