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KAPITEL 2: SCHIKANE IM FLUR

作者: Aka
last update 公開日: 2026-11-03 11:28:43

Perspektive: Léora Hale

Der kalte Linoleumboden schneidet in meine Handfläche, als ich mich hochdrücke und meine Bücher aufhebe.

Mein Magen knurrt, und mir fällt ein, dass ich das Frühstück vergessen habe. Ein dumpfer Schmerz pocht in meinem Kopf, und ich atme tief durch. So sollte der Tag nicht anfangen – aber warum bin ich überrascht? Sollte ich es nicht längst gewohnt sein? Mein ganz persönliches Stück Hölle.

»Was willst du, Vesper?«, flüstere ich und stehe unsicher auf.

»Ich habe dich gestern gesehen – du sahst wieder erbärmlich aus, wie immer, und du hast es tatsächlich gewagt, mich zu ignorieren?«, fordert sie und blickt mich mit dunklen Augen an.

»Es ist zu früh dafür. Ich habe Unterricht. Das weißt du, wir gehen schließlich beide in die elfte Klasse.« Ich seufze und öffne meinen Spind mit zitternden Händen. Ich versuche, meine Angst nicht zu zeigen, aber mein Herz klopft wie wild.

»Beide? Hast du uns etwa in eine Kategorie gesteckt? Du hässliches Stück!«, faucht sie und zieht an meinen Haaren.

Ich zucke vor Schmerz zusammen. »Ich will das nicht. Es ist einfach zu früh. Ich muss zum Unterricht.«

»Dann bettle mich an.« Sie grinst und wedelt mit ihren gepflegten Fingern in der Luft.

»Was?«

»Bettle mich an, dumme Kuh. Hat dein Fett dich auch noch taub gemacht?«, spottet sie, und ihre Anhänger lachen, als hätte sie einen äußerst witzigen Witz erzählt.

Dieselbe alte Beleidigung. Mein Gewicht. Als ob ich das nicht schon hundertmal gehört hätte. Ich versuche, nicht über ihren erbärmlichen Versuch, mich niederzumachen, die Augen zu rollen – das würde sie nur noch wütender machen.

Ich atme aus und versuche, mit ihr zu reden. »Es ist acht Uhr morgens. Wirst du denn nie müde?«

Ihr Lächeln erstarrt. »Wie bitte?«

»Ich frage nur ehrlich.«

Ihre Augen funkeln vor Wut, und ich weiß, dass ich das Falsche gesagt habe. Sie tritt entschlossen auf mich zu und reißt meinen Spind auf. Ich sehe zu, wie sie meine Hefte herauszieht und auf den Boden wirft.

Meine Augen weiten sich. »Was tust du da?«, rufe ich und versuche, sie aufzuhalten – aber ihre Freundin, oder besser gesagt, ihre rechte Hand, faucht mich an: »Bleib weg, sonst verlierst du einen Zahn.«

Ich trete einen Schritt zurück und sehe zu, wie Vesper meine Bücher herumwirft, die Einbände zerreißt und darauf herumtrampelt. Ihre Anhänger machen es ihr gleich und zerstören meine Sachen. Mein Chemiebuch landet aufgeschlagen auf dem Boden, und ich sehe, wie wochenlange, sorgfältig erstellte Notizen unter ihren Füßen zunichte gemacht werden.

Mein Gesicht glüht, und Tränen der Wut steigen mir in die Augen. Ich kann nichts tun, während sie alles zerstört, was ich besitze. Es ist schon schlimm genug, dass sie mir meinen Job genommen hat – und jetzt das? Ich weiß nicht, was ich getan habe, um das zu verdienen.

»Du solltest deine Stelle kennen, Kuh.« Sie drückt mich gegen den Spind. »Zu meinen Füßen. Wenn ich rufe, kommst du. Du bist nichts.« Sie dreht sich zu mir und lächelt, als würden ihre Worte wie Kugeln treffen.

Eine kleine Menschenmenge hat sich versammelt und sieht zu – niemand tut etwas. Sie tun nie etwas. Wut kocht in mir hoch. Sie sind genauso mitschuldig.

»Sieh mich an«, faucht sie, packt meinen Kragen und zwingt mich, sie anzusehen.

Ich zucke zusammen, als ihre Nägel in meine Haut graben.

»Siehst du, was ich trage?« Sie dreht sich im Kreis, und ich versuche, nicht die Augen zu verdrehen.

»Ich bin besser als du. Was ich hier trage, kostet zehnmal so viel wie alles, was du und deine armselige Familie je besitzen werdet.« Ihre Worte sind giftig.

Ich zucke bei diesen Worten zurück und schüttele den Kopf, Tränen in den Augen. »Rede nicht über meine Familie. Beleidige mich, schikanier mich – aber nicht meine Familie.«

Überraschung blitzt in ihren Augen auf. Sie hat nicht erwartet, dass ich mich wehre.

»Elian«, schneidet Vesper scharf durch, und ich blicke zu ihm.

Etwas blitzt in seinen Augen auf – für einen Moment sieht es fast wie Schuldgefühl aus. Dann sagt er: »Gehen wir. Wir haben Besseres zu tun.«

Ich warte nicht auf seine Antwort. Ich beuge mich vor und hebe vorsichtig meine Bücher auf. Sein Parfum steigt mir in die Nase, aber ich ignoriere es. Ich krauche auf dem Boden herum und sammle meine Sachen ein – meine ganze Arbeit. Ich sehe nicht, dass sie kommt.

Ich schreie vor Schmerz auf, als sie mit ihrem Absatz auf meine Finger tritt. Heißer Schmerz durchzuckt mich, und ich halte meine Hand an die Brust, während mir Tränen über die Wangen laufen.

Ihre Anhänger und seine Freunde laufen über meine Bücher und beschädigen sie noch mehr.

Bald ist der Flur leer, und ich bin allein, um das Chaos aufzuräumen. Ich zucke vor Schmerz zusammen, meine Finger brennen und schmerzen. Ich kann die Tränen nicht länger zurückhalten. Ich lehne mich an den Spind und weine leise, dann wische ich die Tränen weg und gehe zum Unterricht – einem Unterricht, den ich mir mit Vesper und ihren Freunden teilen muss.

Frau Olive lächelt mir zu, als ich hereinkomme, dann runzelt sie die Stirn, als sie mein zerrissenes Buch und meine blutenden Finger sieht.

»Léora«, flüstert sie, und Wut steht in ihren Augen.

»Guten Morgen, Frau Olive.« Ich gehe zu meinem Platz ganz vorne im Raum.

Sie braucht einen Moment, um den Unterricht zu beginnen. Sie ist wütend – aber ich will keinen Ärger. Wenn sie Vesper bestraft, wird sie es mir nur noch schwerer machen. Vespers Eltern haben letzten Monat die neue Sportanlage gespendet, und der Vater ihres Freundes hat neue Ausrüstung für die Fußballmannschaft gekauft. Sie gehören zur Elite dieser Schule. Bald wird sie das Interesse an mir verlieren und sich jemand anderem zuwenden.

»Wir beschäftigen uns mit Der große Gatsby. Ich hoffe, wir sind alle bereit für unsere Präsentation«, beginnt sie und lächelt mich an. »Möchtest du anfangen, während Kai den Abschluss macht?«

Kai Collins ist mein Freund und der zweitbeste Schüler der Schule. Ich bin die Beste.

Er grinst. »Wie wäre es, wenn ich anfange und Léora den Abschluss macht?«

»Léora?«, fragt Frau Olive lächelnd, und ich nicke.

Ich bin noch ganz durcheinander von allem, was heute Morgen passiert ist. Ich hoffe, ich muss wegen meiner Finger nicht zur Schulkrankenschwester.

Der Unterricht vergeht schnell. Frau Olive stellt Fragen, und meine Hand hebt sich automatisch – genau wie Kais. Sonst rührt sich niemand, und Vespers Gruppe schon gar nicht. Sie ist zu beschäftigt, heimlich auf ihrem Handy zu scrollen.

Zum Glück sind sie nicht in der nächsten Stunde, und auch nicht in der danach. Ich konzentriere mich auf Mathematik und Chemie. Leider treffen wir uns wieder in Geschichte. Ich versuche, sie zu ignorieren – ihre Stöße gegen meinen Stuhl, ihre bösen Worte und ihre Bemerkungen über mein Aussehen.

»Ich habe gehört, was passiert ist. Ich hätte dabei sein sollen.« Kai blickt mich besorgt an, als wir den Raum verlassen.

Ich zucke mit den Schultern und berühre vorsichtig meine verletzten Finger. »Ich will nicht darüber reden. Ich habe meinen Job verloren und brauche so schnell wie möglich eine neue Arbeit.«

Er zögert einen Moment. »Da wäre etwas …«

»Wie viel zahlt es?«, frage ich hoffnungsvoll.

Er lächelt schwach. »Du hast noch nicht einmal gefragt, was es ist.«

»Kai, solange es legal ist und mich bezahlt, bin ich dabei.«

 

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