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Kapitel 7 – Das Echo auf der Straße

作者: Eternel
last update 公開日: 2026-03-04 22:19:11

Clara

Ich verlasse das Gebäude schweigend, meine Finger noch immer verkrampft um meine Tasche.

Das Geräusch der Tür, die hinter mir ins Schloss fällt, hallt in meinen Ohren etwas zu laut wider.

Draußen wirkt alles übertrieben: das grelle Morgenlicht, die Stimmen, die auf dem Schulhof aufbrausen, das Quietschen eines Fahrrads am Bordstein.

Die Welt, sie macht einfach weiter.

Ich hingegen versuche nur, nicht zu schwanken.

Das Vorstellungsgespräch ist gerade zu Ende.

Ich kann mich nicht wirklich erinnern, was ich gesagt habe. Ich war da, aber nicht vollständig. Die Worte kamen heraus, höflich, korrekt. Die richtigen Gesten auch. Das professionelle Lächeln. Die kontrollierte Begeisterung.

Aber innerlich habe ich gezittert.

Nicht wegen des Gesprächs. Nicht wirklich.

Sondern weil mein ganzer Körper mir eine andere Wahrheit entgegenschreit. Eine Wahrheit, die ich verschweige.

Etwas, das drängt. Das alles verändert.

Und das ich niemandem gesagt habe.

Ich gehe die Stufen des Eingangs hinunter, als ich sie sehe.

Élodie.

An die Mauer gelehnt, Handy in der Hand, Sonnenbrille auf den Kopf geschoben. Sie hebt den Blick und ihr Gesicht hellt sich bei meinem Anblick auf, doch schnell verblasst ihr Lächeln wieder.

— Na, sag mal… Du siehst nicht aus wie die Königin der großen Tage. War es denn so schrecklich, dein Gespräch?

Ich versuche ein Lachen. Es kommt etwas zu trocken heraus.

— Nein, schon gut. Nur ein bisschen Druck, du weißt ja, wie ich bin. Ich habe nicht viel geschlafen.

Sie kommt näher. Mustert mich genauer. Ich wende den Blick ab. Zu große Angst, dass sie sieht, was ich nicht länger verbergen kann.

— Du zitterst ein bisschen, oder? Und deine Wangen sind ganz blass… Ist es der Stress?

Ich nicke kurz.

— Ja. Der Stress, bestimmt.

Sie legt mir leicht die Hand auf den Arm, wie eine Schwester, die etwas spürt, aber noch nicht auf die Tür drängt.

— Willst du was trinken gehen? Abschalten? Ich habe eine Stunde Zeit. Und du bist mir noch was schuldig, erinnerst du dich?

Ich lächle, diesmal ein wenig aufrichtiger.

Ihr Insistieren ist sanft. Wohlwollend. Aber sie weiß es nicht. Sie darf es nicht wissen. Noch nicht.

Also klammere ich mich an den Augenblick.

— In Ordnung. Aber einen Tee. Sonst nichts. Mein Magen ist sowieso schon am Knoten machen.

Sie lacht leise und befreit mich von dem zu intensiven Blick, den sie gerade noch auf mich gerichtet hatte.

— Du, immer so dramatisch. Komm schon. Du erzählst mir alles, oder zumindest, worauf du Lust hast.

Ich nicke.

Worauf ich Lust habe…

Es wäre, diese überwältigende Last loszuwerden, die mich erdrückt.

Aber ich kann nicht.

Also folge ich ihr.

Und jeder Schritt mit ihr hält mich noch ein wenig aufrecht.

Ich spiele das Spiel. Ich lüge halbherzig. Ich atme, so gut ich kann.

Und mein Geheimnis, es wächst weiter, dicht unter meiner Haut.

Als das Glöckchen über der Tür erklingt, umhüllt mich ein lauer, beruhigender Hauch: eine Mischung aus frisch gemahlenem Kaffee, gewienertem Holz und noch warmem Gebäck.

Diesen Ort, Élodie und ich haben ihn im Laufe der Jahre zu unserer Zuflucht erkoren – diskret, fast vertraut, wo Schweigen manchmal mehr wert ist als Vertraulichkeiten.

Wir gehen, ohne uns abzusprechen, zu unserem üblichen Tisch ganz hinten im Raum, den das Tageslicht etwas verschont, wo die Blicke der anderen nie zu sehr lasten.

Élodie setzt sich mir gegenüber, zieht lässig ihre Jacke aus und mustert mich dann mit stiller Aufmerksamkeit. Sie spricht nicht sofort. Sie gönnt mir den Luxus der Zeit.

— Du hast heute Morgen nichts gegessen, oder? sagt sie schließlich und deutet auf das Zuckerpäckchen, das ich mechanisch zerknülle.

Ich schüttle den Kopf.

— Ich hatte weder den Mut noch den Appetit.

Sie runzelt kaum merklich die Stirn, macht aber keinen Vorwurf. Sie begnügt sich damit, mich zu beobachten, als suche sie hinter meinen verhaltenen Gesten die Umrisse einer tieferen Unordnung.

— Und dieses Gespräch, also? Willst du mir ein Wort darüber sagen?

Ich zucke mit den Schultern, als wolle ich es verharmlosen.

— Ziemlich klassisch: Fragen zu meinen Fähigkeiten, meinen Beweggründen, was ich mir von der Stelle erhoffe. Ich habe geantwortet, mechanisch.

— Glaubst du, es ist gut gelaufen?

— Wahrscheinlich. Aber ich war nicht wirklich da. Ich glaube, ich habe eine Version von mir selbst aufgesagt. Nicht mehr.

Sie runzelt stärker die Stirn, ihr Blick verengt sich.

— Du wirktest abwesend, selbst als du aus dem Gebäude kamst. Du tust so, Clara, aber ich kenne dich zu gut. Da ist etwas. Das ist nicht einfach nur die Aufregung.

Ich wende den Blick ab.

Eine dumpfe Spannung steigt von meinem Bauch in meine Kehle, wie ein Sturmhauch. Es ist eine stille Überfülle, eine Dringlichkeit, die ihre Worte nicht findet.

Aber ich bin nicht bereit. Noch nicht.

— Es gibt Tage, sage ich einfach, an denen alles ein bisschen schwerer zu wiegen scheint.

Sie neigt leicht den Kopf.

— Und dieses "Alles", hat es einen Namen?

Ein Lächeln zeichnet sich auf meinen Lippen ab, aber es verweilt nicht.

— Bist du jetzt Psychologin?

— Nein. Nur eine besorgte Freundin. Eine Freundin, die in deinem Schweigen liest wie in einem zu oft gelesenen Buch.

Sie hält inne, dann fährt sie mit sanfterer Stimme fort:

— Ist es etwas Schlimmes?

Schlimm.

Das Wort hallt wie ein inneres Echo wider.

Nicht in dem Sinne, wie sie es meint. Es ist kein sichtbares Drama. Aber ja, es ist schlimm. Unausweichlich. Tiefgreifend.

Ich ergreife meine Tasse, benetze meine Lippen damit. Der Tee ist lauwarm. Zu lange gezogen. Die Bitterkeit schnürt mir die Kehle zu.

— Es ist… kompliziert.

— Willst du darüber reden?

Ich schüttle den Kopf. Dann neige ich ihn.

Ja, nein, ich weiß es nicht mehr.

Was ich fühle, übersteigt meine eigenen Antworten.

— Ich habe Angst, was du denken könntest, sage ich flüsternd.

Sie stellt ihre Tasse ab, verschränkt die Arme und sieht mich mit einer entwaffnenden Klarheit an.

— Clara, du könntest mir irgendeine Verrücktheit gestehen. Ich wäre vielleicht überrascht, vielleicht sogar erschüttert, aber ich würde bleiben immer.

Ich hebe langsam den Blick.

Ich spüre, dass der Moment gekommen ist. Nicht, weil ich ihn gewählt habe, sondern weil er nicht länger aufgeschoben werden kann.

— Ich bin schwanger, Élo.

Die Worte fallen, ohne Schnörkel, ohne Inszenierung.

Und im darauffolgenden Augenblick verdichtet sich die Stille. Sie verurteilt nicht. Sie umhüllt.

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