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kapitel 4

last update Tanggal publikasi: 2026-08-14 17:14:31

Julien sah mich an, als wäre ich die letzte Person, die er hier erwartet hätte. Seine Stirn war gerunzelt, und die Verwirrung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.

— Marie Rose... Was machst du hier?

Ich holte tief Luft, um ruhig zu bleiben.

Dies war weder der richtige Moment noch der richtige Ort, um die Kontrolle zu verlieren.

— Ich bin zu einem Vorstellungsgespräch hier.

Ein trockenes, spöttisches Lachen entfuhr ihm.

— Ein Vorstellungsgespräch? Bei der Terry Group?

Ich sah ihm direkt in die Augen.

— Ja.

Er schüttelte den Kopf, während sich ein höhnisches Lächeln auf seine Lippen legte.

— Sag mir nicht, dass du mir jetzt auch noch nachläufst.

Seine Worte trafen mich mitten ins Herz, doch ich weigerte mich, ihm zu zeigen, dass er mich immer noch verletzen konnte.

Ich richtete die Schultern auf.

— Du bildest dir etwas ein. Ich wusste nicht einmal, dass du hier arbeitest.

Bevor Julien antworten konnte, legte Clark ruhig seinen Kugelschreiber auf den Schreibtisch.

Das leise Klacken des Metalls auf dem Holz genügte, um unsere Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken.

— Julien.

Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.

Julien drehte sich sofort zu ihm um.

— Ja, Onkel?

Clark betrachtete ihn einige Sekunden, bevor er sprach.

— Du unterbrichst gerade ein Vorstellungsgespräch.

Julien senkte leicht den Blick.

— Ich... das wusste ich nicht.

— Jetzt weißt du es. Du kannst später wiederkommen.

Sein Ton war höflich, ließ jedoch keinen Raum für Diskussionen.

Julien blieb einen Moment regungslos stehen.

Sein Blick wanderte zwischen mir und seinem Onkel hin und her, als versuchte er zu begreifen, was hier geschah.

Ich konnte mir all die Fragen vorstellen, die ihm durch den Kopf gingen.

Schließlich biss er die Zähne zusammen.

— In Ordnung.

Er machte einige Schritte zur Tür, blieb jedoch direkt vor mir stehen.

— Marie Rose, wir müssen reden.

Ich verschränkte die Arme.

— Ich habe dir nichts mehr zu sagen.

Sein Gesicht verhärtete sich.

Für einen Moment dachte ich, er würde weiter darauf bestehen.

Doch stattdessen warf er mir nur einen letzten Blick zu und verließ das Büro. Die Tür schloss sich leise hinter ihm.

Wieder kehrte Stille ein.

Ich senkte etwas verlegen den Blick.

— Es tut mir leid... Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passiert.

Clark antwortete nicht sofort.

Er blieb sitzen, die Finger auf dem Schreibtisch ineinander verschränkt.

Dann fragte er ruhig:

— Kennen Sie meinen Neffen?

Ich hob langsam den Kopf.

Es hatte keinen Sinn mehr, die Wahrheit zu verbergen.

— Ja.

— Schon lange?

Ich befeuchtete unauffällig meine Lippen.

— Wir waren drei Jahre lang ein Paar.

Sein Gesichtsausdruck änderte sich nicht.

Keine Überraschung.

Kein Urteil.

Er nickte lediglich.

— Verstehe.

Er stellte keine weiteren Fragen.

Seine Reaktion überraschte mich.

Die meisten Menschen hätten mich mit unzähligen Fragen überhäuft.

Er nicht.

Stattdessen nahm er meine Bewerbungsunterlagen wieder zur Hand.

— Ihre Referenzen sind ausgezeichnet.

Ich blinzelte.

Fast hatte ich erwartet, dass das Vorstellungsgespräch nach dem, was gerade passiert war, beendet wäre.

Doch er machte einfach weiter, als wäre nichts geschehen.

— Sie haben zwei Jahre als Verwaltungsassistentin gearbeitet.

— Ja, Sir.

— Was reizt Sie an dieser Stelle?

Ich dachte einige Sekunden nach, bevor ich antwortete.

— Ich arbeite gern organisiert. Ich bin diszipliniert und lerne schnell. Selbst unter Druck gebe ich immer mein Bestes.

Er musterte mich einen Augenblick.

— Hier gehört Druck zum Alltag.

Ein leichtes Lächeln erschien auf meinem Gesicht.

— Das macht mir keine Angst.

Für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich das Gefühl, seine Gesichtszüge würden weicher werden.

Es war kaum wahrnehmbar.

Nur ein leichtes Zucken an seinem Mundwinkel.

Doch es genügte, damit sein Ausdruck weniger kühl wirkte.

Er schloss die Akte langsam.

— Sehr gut.

Mein Herz begann schneller zu schlagen.

Clark erhob sich.

In diesem Moment verstand ich, warum alle ihn so sehr respektierten.

Allein seine Anwesenheit strahlte Autorität aus.

Ohne die Stimme zu erheben, brachte er jeden zum Schweigen.

Er ging um den Schreibtisch herum und blieb vor dem großen Panoramafenster stehen, das den Blick über die Stadt freigab.

Mit den Händen in den Hosentaschen betrachtete er einige Sekunden lang die Skyline, bevor er sich zu mir umdrehte.

— Fräulein Rose.

Ich stand ebenfalls auf.

— Ja, Sir?

Er sah mir direkt in die Augen.

— Die Stelle gehört Ihnen.

Ich erstarrte.

Ich war überzeugt, mich verhört zu haben.

— Wie bitte?

— Sie sind eingestellt.

Ich sah ihn an und konnte meine Überraschung nicht verbergen.

— Meinen... meinen Sie das ernst?

Sein Gesicht blieb ausdruckslos.

— Ich mache keine Scherze, wenn es um mein Unternehmen geht.

Eine gewaltige Erleichterung durchströmte mich.

Ich hatte gleichzeitig das Bedürfnis zu lächeln, zu weinen und laut zu lachen.

— Danke... Vielen, vielen Dank, Herr Terry.

Er neigte leicht den Kopf.

— Olivia wird Ihnen Ihre Aufgaben erklären. Sie beginnen am Montag um acht Uhr morgens.

— Ich werde vor der Zeit hier sein.

— Daran zweifle ich nicht.

Ich nahm meine Handtasche.

Als ich die Tür erreicht hatte, drehte ich mich noch einmal zu ihm um.

— Danke, dass Sie mir diese Chance geben.

Clark hob den Blick.

— Es geht nicht darum, Ihnen eine Chance zu geben.

Ich sah ihn fragend an.

Mit seiner gewohnten Ruhe fuhr er fort:

— Sie haben diese Stelle wegen Ihrer Fähigkeiten bekommen. Aus keinem anderen Grund.

Seine Worte berührten mich weit mehr, als ich zugeben wollte.

Ich schenkte ihm ein aufrichtiges Lächeln.

— Ich werde Sie nicht enttäuschen.

Dann verließ ich sein Büro.

Kaum hatte sich die Tür hinter mir geschlossen, kam Olivia neugierig auf mich zu.

— Und... wie ist es gelaufen?

Ich lachte leise, immer noch völlig überwältigt.

— Ich glaube... ich wurde gerade eingestellt.

Olivias Gesicht strahlte.

— Herzlichen Glückwunsch! Willkommen bei der Terry Group.

Sie schüttelte mir begeistert die Hand.

Ich bedankte mich lächelnd.

Als wir den Flur entlanggingen, hatte ich plötzlich das Gefühl, beobachtet zu werden.

Langsam drehte ich den Kopf.

Einige Meter entfernt lehnte Julien mit verschränkten Armen an der Wand.

Er hatte sich nicht bewegt.

Er starrte mich unverwandt an.

Seine dunklen Augen wichen keine Sekunde von mir.

Es sah nicht so aus, als hätte er vor zu gehen.

Und irgendetwas sagte mir, dass ich das Gespräch, das er so hartnäckig von mir verlangte, nicht mehr lange würde vermeiden können.

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