FAZER LOGINMeine Schwester verschwand an ihrem Hochzeitstag. Also beschloss mein Vater natürlich, dass ich ihren milliardenschweren Verlobten heiraten sollte. Adrian Vale sollte eigentlich mein Schwager werden, nicht mein Ehemann. Doch als ich im Brautkleid meiner Schwester zum Altar schritt, sah er mich an, als hätte er die ganze Zeit nur auf mich gewartet. Und das Schlimmste daran? Vor drei Jahren verbrachte ich eine unvergessliche Nacht mit einem geheimnisvollen Mann, dessen wahre Identität ich nie herausgefunden habe. Jetzt bin ich mit Adrian Vale verheiratet, und langsam wird mir klar, dass er dieser Mann war. Er wusste, wer ich war. Trotzdem hat er sich für mich entschieden. Und offenbar war meine Schwester nie die Frau, die er wirklich heiraten wollte. Doch wenn Adrian glaubt, dass ich ihm einfach in die Arme falle, nur weil er reich, umwerfend gut aussehend und gefährlich entschlossen ist, aus unserer Ehe eine echte Liebesbeziehung zu machen, dann irrt er sich gewaltig. Denn ich weigere mich, für irgendjemanden nur die Ersatzbraut zu sein. Schon gar nicht, wenn mein eigener Ehemann die ganze Zeit heimlich auf mich gewartet hat.
Ver mais„Elena, hör auf, an dem Kleid herumzuzupfen“, sagt meine Mutter scharf, während sie mit einer Handvoll teurer Perlennadeln an mir vorbeigeht. Sie sieht mich nicht einmal an. Ihr Blick ist fest auf die Tür gerichtet, als würde sie jeden Moment erwarten, dass Celeste zurückkehrt. „Wenn du das Kleid vor den Fotos zerknitterst, bekommt dein Vater einen Wutanfall. Heute muss alles perfekt sein.“
Ich lasse die Hände sinken und beiße mir auf die Unterlippe. Perfekt. Das ist das einzige Wort, das in der Familie Marlowe wirklich zählt. Celeste ist die Perfekte. Sie ist meine wunderschöne, selbstbewusste ältere Schwester, die immer genau weiß, was sie sagen muss. Sie hat die Eleganz unserer Mutter und den Ehrgeiz unseres Vaters geerbt. Ich dagegen bin einfach nur Elena, die stille jüngere Schwester, die sich vom Familienunternehmen ferngehalten hat, um sich hinter Skizzenblöcken und Einrichtungsplänen zu verstecken. Mein ganzes Leben habe ich in ihrem Schatten verbracht. Ich habe gelernt, weniger zu erwarten und noch weniger zu verlangen, weil ich wusste, dass Celeste immer die Wichtigere sein würde, sobald unsere Familie zwischen uns beiden wählen müsste.
Doch heute ist Celeste nicht hier.
Ein leises Klopfen ertönt an der schweren Eichentür, und mein Vater betritt den Raum. Sein Gesicht ist kreidebleich, und seine Hände zittern so stark, dass er sie hinter seinem Rücken versteckt.
„Ist sie fertig?“, fragt meine Mutter und dreht sich mit einem strahlenden, aufgesetzten Lächeln um. „Die Gäste sitzen bereits auf ihren Plätzen. Die Kameras laufen.“
„Nein“, antwortet mein Vater mit angespannter, zitternder Stimme. „Sie ist nicht fertig. Sie ist weg.“
Meine Mutter erstarrt. Die Perlennadeln gleiten aus ihren Fingern und fallen mit einem hellen Klappern auf den Marmorboden.
„Was soll das heißen, sie ist weg? Die Zeremonie beginnt in zehn Minuten! Wo ist Celeste?“
Mein Vater sieht meine Mutter nicht an. Stattdessen richtet er seinen Blick direkt auf mich. In seinen weit aufgerissenen Augen liegt eine verzweifelte, beinahe beängstigende Bitte. Er hebt ein kleines, zusammengefaltetes Blatt rosafarbenes Hotelbriefpapier hoch.
„Sie hat einen Brief hinterlassen. Sie schreibt, dass sie ihn nicht heiraten kann. Sie hat eine kleine Tasche gepackt und ist noch vor Sonnenaufgang weggefahren. Sie hat uns gebeten, nicht nach ihr zu suchen.“
Mir stockt der Atem.
Celeste ist davongelaufen.
Meine Schwester, die strahlende Vorzeigetochter unserer Familie, die den mächtigsten Milliardär des Landes heiraten sollte, hat einfach ihre Sachen gepackt und ist verschwunden.
„Wir sind ruiniert“, flüstert meine Mutter und schlägt die Hände vors Gesicht. „Das Unternehmen ... die Fusion mit Vale Industries ... Wenn Adrian Vale erfährt, dass er vor den Augen der gesamten Finanzwelt gedemütigt wurde, wird er uns vernichten. Die Firma deines Vaters wird bis morgen früh bankrott sein.“
Ich stehe wie erstarrt in dem viel zu großen Brautkleid und sehe zu, wie meine Eltern die Fassung verlieren.
Ich weiß, wer Adrian Vale ist.
Ich habe ihn vor einigen Wochen bei einem Familienessen kennengelernt, und allein der Klang seiner Stimme ließ mein Herz vor einer seltsamen, unerklärlichen Vertrautheit schneller schlagen. Er ist zweiunddreißig Jahre alt, gnadenlos kalt, unvorstellbar reich und erschreckend intelligent. Er ist ein Mann, der niemals verliert. Und wenn er erfährt, dass meine Schwester ihn vor dem Altar hat stehen lassen, wird er dafür sorgen, dass meine Familie alles verliert.
Mein Vater kommt langsam auf mich zu. Seine Schritte wirken schwer und müde. Direkt vor mir bleibt er stehen und ergreift meine kalten Hände.
„Elena“, haucht er mit einer Stimme, die vor Verzweiflung bricht. „Du musst uns helfen.“
Ich ziehe meine Hände zurück und schüttle den Kopf.
„Nein. Vater, nein. Wovon redest du überhaupt? Das kannst du nicht ernst meinen.“
„Es ist die einzige Möglichkeit“, fleht er mich an, während sich Tränen in seinen Augen sammeln. „Wenn wir die Hochzeit jetzt absagen, wird die Bank unsere Vermögenswerte pfänden. Hunderte unschuldige Mitarbeiter, die seit zwanzig Jahren für dieses Unternehmen arbeiten, werden ihre Arbeitsplätze, ihre Häuser und alles verlieren, wofür sie gearbeitet haben. Nur wenn die Hochzeit stattfindet, können wir diese Vereinbarung noch retten. Du musst ihren Platz einnehmen.“
„Ihn heiraten?“, rufe ich entsetzt. Meine Stimme hallt von den Wänden wider. „Adrian Vale heiraten? Vater, er sollte mein Schwager werden! Er will mich nicht, er will Celeste! Das ist doch Wahnsinn!“
„Bitte, Elena“, flüstert mein Vater, und nun versagt ihm die Stimme völlig. „Du bist meine einzige Hoffnung.“
Ich sehe von meiner weinenden Mutter zu meinem verzweifelten Vater und weiß, dass ich keine Wahl habe.
Ich kann nicht zulassen, dass Hunderte unschuldige Menschen leiden, nur weil meine Schwester in letzter Minute kalte Füße bekommen hat.
Meine Hände zittern, als ich den Schleier über mein Gesicht ziehe und meine verängstigten Augen hinter dem durchsichtigen weißen Stoff verberge.
Wenige Minuten später öffnen sich die schweren Kirchentüren.
Die Orgelmusik schwillt an und erfüllt die gewaltige Kathedrale mit einem lauten, triumphierenden Klang. Ich mache einen Schritt nach vorn und gehe langsam den langen, weißen Mittelgang entlang. Hunderte wohlhabende Gäste sitzen in den hölzernen Kirchenbänken und tuscheln hinter vorgehaltenen Händen, doch ich sehe sie nicht an.
Mein Blick ist fest auf das Ende des Ganges gerichtet, wo ein großer Mann in einem dunklen, perfekt geschneiderten Anzug auf mich wartet.
Adrian Vale.
Je näher ich ihm komme, desto heftiger schlägt mein Herz gegen meine Rippen.
Ich rechne damit, Wut in seinem Gesicht zu sehen. Ich erwarte, dass er mich verwirrt oder zornig ansieht, sobald er erkennt, dass nicht die strahlende ältere Schwester auf ihn zukommt, sondern die stille, unscheinbare jüngere.
Doch als ich meinen Blick hebe und ihm in die Augen sehe, bleibt mir schlagartig die Luft weg.
Er ist nicht überrascht.
Seine dunklen, durchdringenden Augen begegnen meinen durch den weißen Schleier hindurch, und in ihnen liegt nicht die geringste Spur von Schock. Stattdessen brennt ein seltsames, intensives Feuer in seinem Blick, wie bei einem Raubtier, das die Beute, nach der es so lange gejagt hat, endlich in die Enge getrieben hat.
Er beobachtet, wie ich die Stufen zum Altar hinaufsteige, mit einer ruhigen, selbstsicheren Gewissheit, die mir einen Schauer über den Rücken jagt.
Es fühlt sich an, als hätte er die ganze Zeit gewusst, dass ich kommen würde.
Meine Hände zittern, als er nach meinen Fingern greift.
Seine Berührung ist warm, fest und auf eine unmögliche Weise vertraut. Sofort weckt sie die Erinnerung an eine längst verdrängte, wunderschöne Nacht vor drei Jahren. Eine dunkle Nacht mit einem Fremden, dessen Gesicht ich nie wirklich gesehen habe, dessen Stimme ich jedoch niemals vergessen konnte.
Ich blicke zu ihm auf, während sich meine Brust vor Aufregung heftig hebt und senkt, und frage mich, in was für eine Falle ich gerade geraten bin.
Als ich schließlich vor ihm stehe, sagt Adrian mit leiser Stimme:
„Du hast keine Ahnung, wie lange ich schon auf dich gewartet habe.“
Ich erwachte mit dem eisigen Gewicht der anonymen Drohung auf meiner Brust.Elena schlief noch immer tief und fest neben mir auf dem Sofa im Arbeitszimmer. Ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig, friedlich, als hätte sie keine Ahnung von dem Sturm, der sich jenseits unserer gläsernen Wände zusammenbraute.Ich blickte auf das Foto, das auf meinem Handybildschirm leuchtete.Elena.Im strömenden Regen.Neben Damian Cross.Etwas Wildes und Dunkles regte sich in mir. Der beinahe gewaltsame Drang, die ganze Welt auseinanderzunehmen, wenn es nötig war, um sie zu beschützen.Um sieben Uhr morgens war aus der Drohung bereits eine öffentliche Hinrichtung geworden.Ich stand in der Küche und schenkte mir gerade Kaffee ein, als mein Tablet ununterbrochen zu vibrieren begann.Eine Medienmeldung nach der anderen.Das Foto von Elenas Treffen mit Damian war an die Presse gelangt und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nicht nur in den Medien, sondern auch unter den Vorstandsmitgliedern von Vale Industri
Ich stand im Türrahmen des Wohnzimmers meines Penthouses und beobachtete, wie das sanfte Licht des Laptopbildschirms Elenas Gesicht in der Dunkelheit erhellte.Sie presste das Telefon fest an ihr Ohr. Tränen liefen lautlos über ihre Wangen, während sie der zitternden Stimme ihrer Schwester lauschte.Als ich hörte, wie Celeste sagte, Richard habe genau gewusst, was Elena passieren würde, kochte Wut in mir hoch.Doch etwas anderes ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.Ein Name, den mein Sicherheitsteam gerade in meinem privaten Netzwerk markiert hatte.Damian Cross.Damian war vor Jahren einer meiner engsten Freunde gewesen, bevor das Geschäft einen Keil zwischen uns getrieben hatte. Und jetzt mischte er sich direkt in das Chaos der Familie Marlowe ein.Er benutzte Elena, um Druck auf Vale Industries auszuüben.In dem Moment, als Elena das Gespräch beendete, wischte sie sich hastig über das Gesicht und sah zu mir auf.Erschrocken.Sofort versuchte sie, das sichere Wegwerfhandy hinte
Der Regen peitschte mir wie winzige Eisnadeln ins Gesicht, doch ich wich keinen Schritt zurück.Mitten auf der stockfinsteren Zufahrt blieb ich stehen und starrte den fremden Mann an, der sich Damian Cross genannt hatte. In den Taschen meines Mantels hatte ich die Hände zu Fäusten geballt. Meine Fingerknöchel waren vor Anspannung weiß.„Was wissen Sie über meine Schwester?“, verlangte ich zu wissen. Meine Stimme durchschnitt scharf das Tosen des Regens. „Wo ist Celeste?“Damian wischte sich das Wasser von der Stirn und machte einen langsamen, bedachten Schritt auf mich zu. Seine Hände hielt er weiterhin so, dass ich sie sehen konnte.„Ihre Schwester hat die Wahrheit über die Fusionsvereinbarung herausgefunden, Elena. Sie hat begriffen, dass es bei dem Geschäft Ihres Vaters nicht nur darum ging, Marlowe Enterprises zu retten. Der Vertrag war so angelegt, dass Ihrer Familie nach und nach sämtliche Vermögenswerte entzogen werden sollten – sogar Dinge, von denen Richard weder Ihnen noch C
Ich konnte keine Sekunde länger mit Adrian in diesem Archivraum bleiben.Der Anblick der Unterschrift seines verstorbenen Vaters am Ende des Dokuments hatte mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Doch was mir wirklich das Herz brach, war die Kälte in den Augen meines eigenen Vaters.Ich stürmte aus dem Raum, ignorierte Adrians Stimme, die hinter mir meinen Namen rief, und ging mit schnellen Schritten direkt zurück zum Hauptbüro meines Vaters.Ich musste den vollständigen Originalvertrag in die Hände bekommen, bevor Adrians Anwälte jede Spur dessen verschwinden ließen, was meine Familie getan hatte.Mein Vater stand hinter seinem Schreibtisch und schenkte sich ein Glas Wasser ein. Seine Hände zitterten so heftig, dass das Glas beinahe gegen die Karaffe schlug.Als ich durch die schweren Doppeltüren stürmte, verhärtete sich sein Gesicht augenblicklich.„Elena, was tust du hier?“Er knallte das Glas so heftig auf den Holzschreibtisch, dass Wasser über den Rand schwappte.„Du solltest











