LOGIN„Da muss ein Irrtum vorliegen“, sagte Isabella mit fast kindlicher Gewissheit in der Stimme. Sie trat vor, ihr kostbares Kleid raschelte, und ein selbstsicheres Lächeln umspielte ihre Lippen.
„Der Prinz würde niemals … sie wählen. Nicht, solange ich hier bin.“ Sie streckte dem Captain anmutig die Hand entgegen.
„Ich bin Isabella Morgan. Vielleicht haben Sie uns verwechselt?“
Meine Mutter, die sich von ihrem ersten Schock erholt hatte, meldete sich schnell zu Wort, ihre Stimme zu hell, zu nervös.
„Ja, Captain, das muss es sein. Entschuldigen Sie bitte. So etwas passiert leicht, wenn man Namen verwechselt. Jeder im Rudel weiß, dass Isabella zu Großem bestimmt ist. Sie wäre viel besser geeignet, Luna zu werden, verstehen Sie?“ Sie strahlte Isabella an und warf mir dann einen besorgten Blick zu.
„Es ist nur … Elara ist einfach nicht der Typ dafür.“
Der Gesichtsausdruck des Captains blieb undurchschaubar. Er griff in seine Tunika und zog eine Schriftrolle hervor, auf der das königliche Wappen in Gold prangte. Mit einer bedächtigen Bewegung entrollte er es. Das Pergament knisterte in der plötzlichen Stille. Er räusperte sich, seine Stimme tief und resonant, als er las:
„Auf Befehl von Alpha Sebastian Pierce soll sich Elara Morgan, die vorherbestimmte Gefährtin von Prinz Nathan Pierce, bei Sonnenaufgang im Palast einfinden, um die Vorbereitungen für die königliche Paarungszeremonie zu treffen.“
Er senkte die Schriftrolle und sah mir in die Augen. „Es gibt keinen Irrtum. Der zukünftige Alpha hat ausdrücklich nach Miss Elara Morgan verlangt.“
Eine neue Welle der Stille legte sich über uns, schwerer als zuvor. Isabellas Lächeln, das eben noch so strahlend gewesen war, verschwand spurlos. Ihr Kiefer verkrampfte sich, und ihre Augen, die sonst vor Schalk funkelten, wurden kalt.
Meine Mutter stammelte: „Aber … sollten Sie das nicht noch einmal überprüfen, Captain? Sind Sie sich sicher? Das ist … höchst ungewöhnlich.“
Mein Vater, der bis dahin wie versteinert dagestanden hatte, sprach schließlich mit ungewöhnlich leiser Stimme: „Hat der Prinz selbst … ihre Identität bestätigt?“
Der Captain nickte mit festem Blick. „Prinz Nathan hat sie selbst identifiziert. Sobald die Mondgöttin seine Gefährtin enthüllte, gab er sie dem Alpha. Elara Morgan.“
Die Worte hingen unüberhörbar in der Luft. Die Wahrheit legte sich wie ein heraufziehender Sturm über unser Wohnzimmer.
Isabella brach zusammen.
„Nein!“, schrie sie, ihre Stimme rau und verzweifelt.
„Du hast mir meine Zukunft gestohlen! Du hast dich verschworen, nicht wahr? Hinter unserem Rücken!“ Ihre Augen, vor Wut glühend, schossen zu mir.
„Du hast ihn ausgetrickst! Wie hätte er dich sonst wählen sollen? Kein mächtiger Alpha würde freiwillig ein fettes Schwein zur Gefährtin nehmen!“
Ihre Hand schnellte vor und riss die kunstvolle Porzellanvase vom Kaminsims. Bevor ich auch nur mit der Wimper zucken konnte, schleuderte sie sie quer durch den Raum. Sie zerschellte an der Wand, Scherben und Wasser prasselten herab und durchnässten die gerahmten Familienporträts.
„Ich … ich weiß es nicht“, flüsterte ich, meine Stimme kaum hörbar vor Herzrasen.
„Ich habe nichts getan. Ich schwöre es.“ Ich hob verzweifelt die Hände, eine Geste der Kapitulation.
„Lüg mich nicht an!“, schrie Isabella, ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
„Du bist eine Schande! Das ist doch lächerlich! Du hast alles für unsere Familie ruiniert!“ Sie machte einen Schritt auf mich zu, die Fäuste geballt.
Meine Mutter, anstatt Isabella zu beruhigen, wandte sich mir zu, ihr Gesicht vor Wut kreidebleich.
„Elara, sag mir die Wahrheit. Hast du Prinz Nathan heimlich getroffen? Bist du zu ihm gegangen, ohne uns zu fragen?“ Ihre Stimme war von einem Vorwurf durchzogen, der mich mehr verletzte als Isabellas Geschrei.
Ich schüttelte den Kopf, meine Kehle war wie zugeschnürt. „Nein, Mutter. Ich habe nie mit ihm unter vier Augen gesprochen. Nicht ein einziges Mal.“
Der Kapitän wählte diesen Moment zum Eingreifen. Seine Stimme durchdrang Isabellas panisches Atmen und die Anschuldigungen meiner Mutter.
„Genug!“, befahl er mit scharfem Ton.
„Darf ich Sie daran erinnern, dass die Beleidigung der zukünftigen Luna als Respektlosigkeit gegenüber der königlichen Familie gilt? Sollte dies so weitergehen, sehe ich mich gezwungen, den Vorfall Alpha Sebastian zu melden.“
Die Warnung lag schwer in der Luft. Die Autorität in seiner Stimme war unüberhörbar und veränderte die Atmosphäre augenblicklich. Meine Eltern verstummten, ihre Gesichter von ängstlicher Vorsicht gezeichnet. Selbst Isabella, deren Wangen noch immer vor Wut gerötet waren, unterdrückte ihre nächste Erwiderung. Doch ihre Augen, kalt und voller Hass, blieben auf mich gerichtet.
Der Kapitän wandte sich wieder mir zu und ignorierte die anhaltende Spannung. Er holte einen versiegelten Umschlag hervor, in den das schwere königliche Wappen in Wachs eingeprägt war.
„Dies ist Ihre offizielle Einladung, Miss Morgan.“ Er reichte sie mir. Meine Finger zitterten, als ich es entgegennahm. Das Papier fühlte sich unglaublich glatt an.
„Königliche Diener werden vor Sonnenaufgang eintreffen, um Euch zum Palast zu geleiten. Von diesem Moment an bis zur Zeremonie steht Ihr unter königlichem Schutz. Jeglicher Schaden, der Euch widerfährt, wird als Angriff auf den zukünftigen Alpha selbst betrachtet.“ Er warf meiner Familie einen letzten, durchdringenden Blick zu, eine stumme Warnung.
Dann nickte er kurz, drehte sich um und schritt hinaus, seine Wachen in Formation hinter ihm, die zerbrochene Vase und die noch zerbrochenere Stille zurücklassend.
Sobald die Haustür ins Schloss gefallen war, brach im Haus erneut Aufruhr aus.
„Was ist gerade passiert?“, fragte meine Mutter mit hoher, fast panischer Stimme und begann auf und ab zu gehen.
„Wie konnte das passieren? Das war nicht … das hättest nicht passieren sollen! Was ist schiefgelaufen?“ Sie rang die Hände, ihre Augen weiteten sich vor Verwirrung und etwas, das einem Verrat gleichkam.
Mein Vater, der sich selten gegen meine Mutter auflehnte, sagte leise: „Vielleicht … vielleicht hat die Mondgöttin wirklich ihre Gründe, Elara zu wählen.“
Meine Mutter wirbelte herum. „Gründe? Welche Gründe, Robert? Um uns zu demütigen? Um uns lächerlich zu machen? Hat sie sie gesehen? Sie ist zu … zu allem!“
Mein Vater zuckte sichtlich zusammen und verstummte dann wieder, zurück in sein gewohntes Schweigen.
Seine Worte, die versöhnlich gemeint waren, schienen Isabellas Wut nur noch anzufachen. Sie starrte mich an, ihre Augen blitzten mit einem kalten, räuberischen Glanz.
Elaras SichtDas Morgenlicht schnitt wie eine harte, unerbittliche Klinge durch die schweren Samtvorhänge von Elias' Gemächern. Ich bewegte mich unruhig; mein Körper schmerzte dumpf und angenehm, ein Gefühl, das mich an jedes Versprechen erinnerte, das er mir Stunden zuvor ins Ohr geflüstert hatte. Neben mir war Elias bereits wach, auf einen Ellbogen gestützt, und seine Augen folgten mit einem Blick von erschreckender Intensität meiner Schulterlinie.„Du denkst schon wieder nach“, murmelte er mit schläfriger, rauer Stimme. „Ich höre, wie dein Herz schneller schlägt. Hör auf.“Ich drehte mich auf den Rücken und starrte auf die kunstvollen Schnitzereien an der Decke. „Ich kann nicht aufhören, Elias. Goldstone blutet. Wenn wir nichts unternehmen, wird das Rudel zusammenbrechen. Die Versorgungslinien brechen zusammen, die unteren Ränge rebellieren, und der Rat kreist wie ein Geier. Wir müssen sie retten.“Elias' Gesichtsausdruck verhärtete sich augenblicklich. Er richtete sich auf, die La
Elias' SichtIch schritt den Raum auf und ab, meine Stiefel polterten rhythmisch auf dem Steinboden. Das Feuer im Kamin war zu glühenden Kohlen heruntergebrannt und warf lange, verzerrte Schatten auf die Wandteppiche. Zum hundertsten Mal blickte ich zu den schweren Eichentüren unserer Gemächer.Leer.Elara war nicht da. Ich wandte meinen Blick der Ecke zu, wo Frey sonst still und wachsam stand, doch der Schatten war leer. Beide waren fort.„Bleib ruhig“, flüsterte ich in den leeren Raum, meine Hände ballten sich zu Fäusten. „Sie … sie brauchte nur frische Luft. Sie würde nach allem nicht einfach gehen.“Mein Wolf lief unruhig in meiner Brust auf und ab, ein knurrendes Gewicht. Ihr Duft – Sandelholz und Winterluft – war schwach und verflog aus den Leinenstoffen. Ich sah im Kleiderschrank nach; ihr Umhang fehlte. Ich sah im Waffenschrank nach; Ihre beiden Dolche waren verschwunden.„Verdammt, Elara“, zischte ich und lehnte meine Stirn gegen den kühlen Stein des Fensterrahmens.Ich warte
Nathans SichtDas schwere Kristallglas fühlte sich in meiner Hand wie Blei an. Ich starrte in die bernsteinfarbenen Tiefen des Ales. Der Geruch von fermentiertem Getreide konnte das Getöse der Stimmen, das durch die Straßen von Goldstone hallte, nicht dämpfen. Die Gerüchte lasteten schwer auf meiner Brust, bis ich kaum noch atmen konnte.*Das Kind ist nicht deins.**Isabella ist eine Betrügerin.*Ich nahm einen langen, brennenden Schluck. Ich versuchte mir einzureden, es sei alles nur Propaganda des Beta-Zweigs, ein verzweifelter Versuch, während des Aufstands an die Macht zu gelangen. Doch das Geflüster hatte einen scharfen Kern Wahrheit, der meine Verleugnung durchbrach. Es fühlte sich zu real an. Wie sie den Rudelarzt gemieden hatte, wie sich ihr Geruch nicht verändert hatte, wie es bei einer trächtigen Wölfin sein sollte. Ich schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und wartete darauf, dass der Alkohol den Verrat betäubte.Eine flüchtige Bewegung huschte durch meinen Augenw
Elaras SichtDer Waldboden verschwamm vor meinen Augen zu einem Meer aus feuchten Blättern und verworrenen Wurzeln, während ich Mühe hatte, mit Elias Schritt zu halten. Meine Lungen brannten, doch der körperliche Schmerz lenkte mich willkommen von dem nagenden Gefühl in meiner Brust ab. Alle paar Schritte schweiften meine Gedanken zurück zu den grauen Steinmauern der Packhütte, dem Geruch des Kamins und dem Leben, das ich seit meiner Kindheit kannte.„Hör auf damit, Elara“, sagte Elias, seine Stimme durchdrang das schwere Stampfen unserer Stiefel. Er drehte sich nicht um, sein Blick war ganz auf den Pfad vor uns gerichtet. „Schau nicht zurück. Du tust es schon wieder.“„Ich kann nichts dafür“, flüsterte ich und stolperte über eine hervorstehende Wurzel. Ich fing mich an einem Baumstamm ab, meine Finger krallten sich in die raue Rinde. „Es ist mein Zuhause, Elias. Alles, was ich kenne, ist dort.“Er blieb stehen und drehte sich zu mir um. Seine Augen waren hart, ohne das Mitgefühl, nac
Nathans Sicht„Wer? Nennt die Verräter!“ Ich packte die Wache an ihrer versengten Brustplatte und hob sie fast von den Füßen. „Wenn es nicht Elias ist, wer führt das dann an?“„Ich weiß es nicht, Alpha!“, keuchte er und warf Isabella einen stechenden Blick zu. „Das Südtor … es hat sich von innen geöffnet. Wir wurden niedergemäht, bevor wir uns bewegen konnten!“„Los!“, rief ich und stieß ihn zurück. „Schickt drei volle Trupps zum Südtor und zur Waffenkammer. Ich will jeden Sektor im Blick haben. Findet genau heraus, wo der Durchbruch begann, und kehrt erst zurück, wenn ihr einen Namen habt. Los!“Die Wache rannte davon, ihre Stiefel rutschten auf dem polierten Stein. Ich drehte mich zum Raum um, mein Atem ging stoßweise. Der Geruch von Rauch drang bereits dicht und stechend aus den Lüftungsschächten.Isabella stand am Fenster, die Hände gegen die Scheibe gepresst. „Nathan, was ist hier los? Wer würde so etwas jetzt tun?“„Glaubst du, ich weiß Bescheid?“, fuhr ich ihn an und schritt au
Nathans SichtIch starrte Elara an, meine Brust schnürte sich zusammen, bis ich das Gefühl hatte, meine Rippen würden brechen. Die Worte „Ich will Elias heiraten“ hallten durch den Saal und verhöhnten meinen Status, meine Macht und die Verbindung, die wir meiner Meinung nach noch immer teilten. Meine Hand schwebte zitternd in der Luft. Ich wollte ihr befehlen zu bleiben. Ich wollte sie im höchsten Turm einsperren, bis sie sich wieder daran erinnerte, wer ich für sie war.„Elara, warte“, brachte ich hervor, meine Stimme klang selbst in meinen Ohren dünn. „Du kannst nicht einfach … Ich habe dir nicht erlaubt, diesen Hof zu verlassen.“„Ich brauche deine Erlaubnis nicht“, fuhr sie mich an.Ich blickte zum Hohen Ältesten, dann zurück zu der Frau, die meine Welt gewesen war. Ich war bereit, es ihr zu verbieten, meine ganze Alpha-Autorität einzusetzen, um sie hier zu halten, doch eine abrupte Bewegung zu meiner Rechten lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich.Isabella beugte sich in ihrem Stuh







