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drei

Author: Bethel
last update publish date: 2026-09-01 19:41:18

Die kühle Morgenluft streichelte mein Gesicht, eine willkommene Frische im Kontrast zur aufgehenden Sonne. Ich stand auf dem Balkon des Palastes und ließ meinen Blick über den Trainingsplatz schweifen. Staubwolken stiegen von den heftigen Sparringskämpfen auf, das Klirren der Waffen hallte rhythmisch wider. Die Krieger von Goldstone, ihre Körper durchtrainiert und kraftvoll, bewegten sich mit einer geübten Anmut, die mich stets mit Stolz erfüllte. In wenigen Tagen würde ich sie anführen, nicht nur als ihr Alpha, sondern als ihr König. Der Gedanke lastete schwer auf meiner Brust, eine schwere, berauschende Schwere.

Die Wölfe verehrten mich. Mein Vater, Alpha Sebastian, vertraute mir bedingungslos. Die Ältesten flüsterten oft, ich sei der stärkste Erbe, den Goldstone seit Jahrzehnten gesehen hatte. Alles, was noch fehlte, war die Paarungszeremonie, eigentlich nur eine Formalität.

„In Gedanken versunken, Eure Hoheit?“, fragte eine neckische Stimme neben mir.

Ich drehte mich um und sah Prinzessin Madison. Ihr dunkles Haar glänzte im Licht, ein wissendes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich lasse alles auf mich wirken, Madison.“

„Alles?“, neckte sie mich und stupste mich leicht an. „Oder ist es der Gedanke, endlich sesshaft zu werden, der dich so nachdenklich macht?“

Ich schnaubte verächtlich, und ein ehrliches Lachen entfuhr mir. „Sesshaft werden? Madison, ich habe es mit Schurken aufgenommen, die doppelt so groß waren wie ich, habe gegen rivalisierende Rudel gekämpft und Verträge mit Königen ausgehandelt. Vor einem Altar zu stehen, wird mich nicht aus der Ruhe bringen.“

Sie lachte, ein helles, klares Lachen. „Oh, ich zweifle nicht an deinem Mut, Nathan. Es ist nur … du wirkst nicht gerade begeistert.“ Ihre Augen verengten sich leicht. „Wie ist sie denn so? Deine Schicksalsgefährtin?“

Meine perfekte Fassung bröckelte für einen Augenblick. „Elara Morgan“, murmelte ich, der Name fühlte sich fremd auf meiner Zunge an. „Ich weiß eigentlich nicht viel. Nur, dass die Mondgöttin sie zu meiner auserwählt hat.“ Ich zuckte mit den Achseln. Die Erinnerung an ihr Gesicht, verschwommen und undeutlich, blitzte vor meinem inneren Auge auf. „Wir haben kaum miteinander gesprochen, und die Verbindung ist … schwach. Fast nicht existent.“

Madison winkte ab. „Das alles spielt keine Rolle, Nate. Du bist auserwählt. Die Mondgöttin macht keine Fehler.“ Sie hielt inne, ihr Gesichtsausdruck wurde ernster. „Trotzdem wäre es vielleicht schön, sie vor der Zeremonie etwas kennenzulernen, findest du nicht?“

Bevor ich antworten konnte, trat ein Wächter mit einer tiefen Verbeugung auf mich zu. „Alpha Sebastian wünscht Eure Anwesenheit in seinem Arbeitszimmer, Eure Hoheit.“

Ich nickte und entschuldigte mich bei Madison. „Wir sprechen später.“

„Keine Sorge“, rief sie mir nach, „ich bin sicher, sie ist bezaubernd!“

Meine Stiefel hallten leise auf dem polierten Marmorboden wider, als ich mich auf den Weg zum Arbeitszimmer meines Vaters machte. Er stand am Fenster, mir den Rücken zugewandt, seine breiten Schultern füllten den Rahmen. Er drehte sich um, als ich eintrat. Seine Augen, so wie meine, waren ruhig und prüfend.

„Nathan“, begann er mit tiefer, grollender Stimme, „Alpha-König zu werden, ist eine schwere Bürde. Es geht nicht nur darum, Schlachten zu führen, sondern darum, unser Volk, unsere Kultur, unsere Zukunft zu führen.“ Er deutete auf einen Stuhl, doch ich blieb stehen. „Die Wölfe werden die Frau neben dir genauso beurteilen wie dich. Ihre Stärke, ihr Charakter, ihr Auftreten – all das wird sich auf deine Herrschaft auswirken.“

Ich hörte aufmerksam zu, obwohl ich diese Worte schon unzählige Male gehört hatte. „Ich verstehe, Vater.“

Er nickte langsam. „Und sobald die Paarungszeremonie beginnt, gibt es kein Zurück mehr. Es ist ein Schwur, der von der Mondgöttin selbst bezeugt wird und euch beide für die Ewigkeit verbindet.“

„Ich verstehe meine Verantwortung“, wiederholte ich mit fester, überzeugter Stimme. Ich hatte mein ganzes Leben darauf hingearbeitet.

Er hielt meinem Blick stand, sein Gesichtsausdruck war undurchschaubar. „Gut.“

Er trat einen Schritt näher, seine Stimme wurde leiser.

„Nun, eine einfache Frage, mein Sohn.“ Er hielt inne und ließ die Stille sich ausdehnen.

„Hast du deine Gefährtin schon getroffen?“

Die Direktheit der Frage, nach all der Rhetorik, überraschte mich. Mein Kiefer spannte sich an. „Nein, Vater. Nicht richtig. Nicht über das absolut Notwendige hinaus.“

Seine Stirn runzelte sich, ein leichtes Stirnrunzeln legte sich auf sein Gesicht. „Du hast sie noch nicht getroffen?“ Er klang aufrichtig überrascht. „Nathan, du sollst unser König sein. Sie soll unsere Luna sein. Ein Anführer sollte die Frau kennen, die seine Luna werden soll. Du musst sie vor der Zeremonie treffen. Verbringe Zeit mit ihr.“

Eine vertraute Irritation stieg in mir auf, doch ich behielt meine Stimme bei. „Natürlich, Vater. Das werde ich.“

Er nickte, sein Stirnrunzeln glättete sich. „Gut. Nun, es gibt einige Handelsabkommen, die wir bezüglich der nördlichen Gebiete besprechen müssen …“

Später am Nachmittag stand die Sonne hoch und warf lange Schatten, als ich in das Dorf des Rudels ritt. Nur wenige königliche Wachen begleiteten mich, ihre zeremoniellen Rüstungen glänzten. Als wir durch die belebten Straßen ritten, hielten die Wölfe inne. Händler unterbrachen ihr Feilschen, Schmiede senkten ihre Hämmer, und Kinder hörten mit ihren Spielen auf. Respektvoll neigten sich die Köpfe, und mir begegneten aufrichtige, bewundernde Lächeln. Kinder jubelten meinen Namen, ihre kleinen Stimmen trugen der Wind herüber.

Ich spürte, wie sich eine vertraute Wärme in mir ausbreitete. Dies war mein Rudel. Mein Volk. Ich hatte für sie gekämpft, für sie geblutet, und der Respekt, der mir entgegengebracht wurde, war hart erarbeitet. Es war ein gutes, tiefes und ehrliches Gefühl.

„Eure Hoheit“, sagte einer meiner Wachen leise, seine Stimme kaum hörbar über dem Lärm des Dorfes. Er deutete mit dem Kinn unauffällig auf eine Häusergruppe nahe dem Dorfplatz.

„Deine Gefährtin wohnt in der Nähe, dort in dieser Richtung.“

Ich folgte seinem Blick. Die Häuser wirkten gewöhnlich, rustikal, aber gut gepflegt. Kurzzeitig kam mir der Gedanke, hinüberzureiten und Elara zu treffen. Die Worte meines Vaters hallten in mir wider:

Ein Anführer sollte die Frau kennen, die seine Luna werden soll.

Dann, genauso schnell, verflog der Gedanke wieder. Warum die Eile? Wir würden unser ganzes Leben noch zusammen haben. Die Zeremonie war nur noch wenige Tage entfernt. Bis dahin würde genug Zeit sein, alles über sie zu erfahren. Jetzt alles zu überstürzen, erschien mir … unnötig. Ich hatte Wichtigeres zu tun, zum Beispiel die neuen Rekruten auf dem Übungsgelände zu inspizieren.

„Nicht nötig, Hauptmann“, sagte ich abweisend.

„Wir reiten zum Übungsgelände. Ich möchte den Fortschritt der neuen Rekruten sehen.“

Der Hauptmann nickte und lenkte sein Pferd leicht. Wir setzten unsere Reise fort, die Geräusche des Dorfes verstummten hinter mir, als wir uns dem vertrauten Terrain näherten.

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