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Kapitel 4 – Die falsche Braut

Author: Victor ellis
last update publish date: 2026-10-27 16:45:35

„Lady Malia, beruhigen Sie sich.“

Ich sah den Krieger an. „Meine Augen haben gerade angefangen zu leuchten.“

Er warf dem anderen Krieger einen Blick zu, dann zurück zu mir. Keiner von ihnen sah ängstlich aus.

„Sie haben zum ersten Mal ein Alpha-Heulen gehört“, sagte er. „Ihre Wölfin hat reagiert. Das passiert.“

„Tut es das?“

„Bei gewöhnlichen Alphas vielleicht.“

Ich runzelte die Stirn. „Was meinen Sie?“

Er senkte die Stimme. „Blackridge ist anders.“

„Wie?“

„Die Alpha-Familie hat Generationen lang mächtige Alphas hervorgebracht. Ihre Blutlinie wird von anderen Rudeln gefürchtet. Sogar ihre jüngeren Wölfe sind stärker als die meisten ausgebildeten Krieger.“

Ich sah zum dunklen Wald. „Das war einer von ihnen?“

„Das war der Erste Sohn.“

Mein Magen zog sich zusammen. Das Heulen hallte noch in meiner Brust wider.

Ich nahm einen langsamen Atemzug. Meine Wölfin beruhigte sich endlich, und das Leuchten in meinen Augen verblasste. Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken.

„Wir sollten weitergehen“, sagte der Krieger.

Ich nickte. Das Anwesen von Blackridge erschien hinter den Bäumen.

Ich hatte ein großes Haus erwartet. Ich hatte keine Festung erwartet.

Hohe Steinmauern umgaben das Anwesen, mit Wachen an jedem Eingang. Das Haupthaus erhob sich dahinter, riesig und dunkel, mit breiten Stufen, die zu massiven Holztüren führten.

Ich schluckte.

Hier musste ich ihnen sagen, dass ich nicht Aria war.

Wir betraten das Anwesen. Mehrere Wachen beobachteten mich, als wir den Hof überquerten. Die Türen öffneten sich, bevor wir sie erreichten.

Ein großer Mann und eine Frau standen drinnen. Der Mann war breitschultrig und ruhig. Die Frau neben ihm trug sich mit stiller Autorität.

Der Alpha und die Luna von Blackridge.

Ihre Ausdrücke erweichten sich, als sie mich sahen.

„Sie müssen Aria sein“, sagte die Luna warm.

Ich blieb stehen. Der Alpha lächelte. „Willkommen in Blackridge.“

„Danke.“

Die Luna trat vor und berührte meinen Arm. „Sie müssen müde von der Reise sein. Kommen Sie herein. Wir haben Essen für Sie vorbereitet.“

„Ich—“

„Ihr Zimmer ist auch bereit.“

Ich spürte, wie sich mein Magen verdrehte. Sie waren freundlich, weil sie dachten, ich sei jemand anderes.

Wir betraten einen großen Speisesaal. Ein Tisch war mit Essen bedeckt, Obst, Brot, gebratenem Fleisch und mehreren Getränken.

„Bitte, setzen Sie sich“, sagte die Luna.

Ich blieb stehen. „Eigentlich gibt es etwas, das Sie wissen müssen.“

Die Luna pausierte. Der Alpha sah mich an.

Ich atmete ein. „Ich bin nicht Aria.“

Schweigen.

Die Wärme verschwand aus ihren Gesichtern.

Die Luna senkte langsam den Teller, den sie hielt. „Was haben Sie gesagt?“

„Ich bin Malia. Aria ist meine jüngere Schwester.“

Die Augen des Alphas verhärteten sich. „Wo ist sie?“

„Zu Hause, nehme ich an.“

„Sie nehmen an?“

„Mir wurde nicht genau gesagt, was meine Eltern geplant haben.“

Das Gesicht der Luna wurde rot. „Sie haben Sie hierher geschickt?“

Ich nickte. Die Stimme des Alphas wurde gefährlich leise. „Ihre Familie wusste, wen wir erwarteten.“

„Ich weiß.“

„Und sie haben Sie geschickt?“

„Ich wusste bis gestern Abend nichts von der Vereinbarung.“

Bevor einer von ihnen antworten konnte, öffneten sich die Türen hinter mir.

Zwei Männer traten ein.

Der erste war groß, breit und trug die gleiche einschüchternde Präsenz, die ich vom Heulen gespürt hatte. Sein dunkles Haar war leicht zerzaust, und sein Gesicht war schwer zu lesen.

Neben ihm ging ein jüngerer Mann, der genug wie er aussah, um sein Bruder zu sein.

„Deucalion“, rief seine Mutter.

Er sah seine Eltern an.

„Was geht vor?“

Seine Mutter drehte sich zu ihm.

„Deine Gefährtin ist nicht hier.“

Seine Augen bewegten sich zu mir. „Wer bist du?“

Ich zwang mich, gerade zu stehen. „Malia. Arias ältere Schwester.“

Sein Ausdruck änderte sich. „Wo ist Aria?“

„Sie sollte noch zu Hause sein.“

Sein Kiefer spannte sich an. „Was meinst du mit sollte?“

„Ich weiß nicht, was sie ihr gesagt haben.“ Seine Augen blieben noch einen Moment auf mir.

Dann sah er seine Mutter an. Sie schüttelte den Kopf. „Sie spielen mit uns.“

Der Raum wurde angespannt. Der Alpha rief sofort nach einem Boten. „Geh zu ihrem Territorium. Bring Malias Eltern hierher. Jetzt.“

Der Bote verbeugte sich und ging. Ich stand da, während alle warteten.

Deucalion sagte nichts. Er beobachtete mich einfach. Da war etwas Seltsames an seinem Starren. Es war nicht nur Wut. Es war Enttäuschung.

Irgendwie fühlte ich mich deswegen schlechter.

Meine Eltern kamen weniger als eine Stunde später an. Ich sah sie an, als sie eintraten.

Sie waren ruhig. Zu ruhig.

Meine Mutter lächelte höflich. „Grüße Alpha.“

Der Blackridge-Alpha erwiderte den Gruß nicht. „Sie haben etwas zu erklären.“

Vater blieb gefasst. „Natürlich.“

„Sie haben uns Aria versprochen.“

Mutter trat vor. „Wir haben die Vereinbarung nicht gebrochen.“

Die Augen der Luna verengten sich. „Dann erklären Sie, warum Ihre älteste Tochter hier ist statt der Tochter, auf die wir uns geeinigt hatten.“

Vater warf mir einen Blick zu. Ich hasste die Ruhe in seinen Augen.

„Aria ist achtzehn.“

Deucalion hob den Kopf.

Vater fuhr fort. „Sie sind viel älter als sie. Wir können unserer Tochter eine solche Ehe nicht erlauben.“

Deucalion stand sofort auf. „Was?“

Seine Stimme füllte den Raum. Er sah meinen Vater an. „Sie haben dem zugestimmt.“

„Haben wir.“

„Und jetzt nehmen Sie sie weg?“

Vater antwortete nicht.

Die Luna trat vor. „Unsere Söhne wissen von dieser Vereinbarung. Noch wichtiger, Ihre Tochter und unser Erster Sohn haben Gefühle füreinander.“

Meine Augen bewegten sich zu Deucalion.

Er sah wütend aus. Nicht auf mich, sondern auf meine Eltern.

„Sie lieben sich“, sagte der Alpha. „Wir werden keinen anderen Gefährten akzeptieren, nur weil Sie Ihre Meinung geändert haben.“

Meine Mutter verschränkte die Arme. „Wir schützen unsere Tochter.“

Ich lachte fast. Schützen? Nachdem sie gedroht hatten, mich auszustoßen, wenn ich mich weigerte?

Ich sah Deucalion wieder an. Er starrte immer noch meinen Vater an. Niemand redete mehr über mich.

Ich fühlte mich wieder unsichtbar. Ich stand langsam auf. „Ich denke, ich sollte gehen.“ Alle drehten sich zu mir. „Das hat nichts mit mir zu tun.“ Ich ging zur Tür.

Ich war fast dort, als die Stimme meines Vaters mich stoppte.

„Alpha, wollen Sie diese Vereinbarung nicht?“

Ich erstarrte.

Meine Hand blieb an der Tür.

Langsam drehte ich mich um.

Vater sah den Blackridge-Alpha an. Dann sagte er die Worte, die mein Blut gefrieren ließen.

„Entweder heiratet Deucalion Malia, oder es gibt keinen Deal.“

Schweigen. Ich erstarrte. Ich starrte ihn an. Der Blackridge-Alpha erhob sich von seinem Stuhl.

„Sie meinen nicht, was Sie gerade gesagt haben?“

Vater stand. „Ich meine es.“

Mein Herz sank.

Alles ergab plötzlich Sinn. Seine seltsame Ruhe an diesem Morgen. Die Krieger, die draußen warteten. Seine Weigerung zu erklären. Sie hatten gewusst, dass Blackridge Aria erwartete. Sie hatten gewusst, dass sie bereits vom Ersten Sohn geliebt wurde.

Und sie hatten mich trotzdem hierher gebracht. Nicht um der Vereinbarung zu entkommen. Nicht um den Fehler zu erklären, sondern um sie zu ersetzen.

Ich starrte meinen Vater an. „Sie haben das geplant?“

Er antwortete nicht.

Ich sah meine Mutter an. Sie blieb still.

Meine Hände begannen zu zittern. Ich hatte die Reise damit verbracht, zu glauben, ich ginge der Freiheit entgegen.

Stattdessen war ich in den Käfig gelaufen, den sie für mich gebaut hatten. Und jetzt schloss sich die Tür. Hinter mir stand die Blackridge-Familie.

Vor mir standen meine Eltern. Zwischen ihnen war jetzt meine Zukunft.

Eine Zukunft, die ich nie gewählt hatte, bereits verkauft.

Meine Augen bewegten sich zu Deucalion.

Zum ersten Mal sah er mich direkt an.

Keiner von uns sprach.

Aber die Wut in seinen Augen sagte mir eines.

Er wollte das auch nicht.

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