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02

last update publish date: 2026-08-07 03:55:31

Kapitel 02

„Lieutenant, die Tochter des Senators hat vorhin nach Ihnen gesucht.“

Dylan wurde durch die Stimme seines Kollegen aus seinen Gedanken gerissen. Er blickte auf, die Brauen leicht zusammengezogen. „Wo ist sie? Warum hat sie nach mir gesucht?“, fragte er.

Sergeant Estrella zuckte beiläufig mit den Schultern. „Sie ist hier Attorney Fontanilla über den Weg gelaufen, also haben sie sich draußen unterhalten. Ich weiß nicht genau, wohin sie gegangen sind, aber sie sind erst eben weg“, erklärte er und erntete ein Nicken von Dylan.

„Ich gehe ihnen nach. Ich rufe nur zuerst Attorney an“, sagte Dylan und bezog sich dabei auf seinen Onkel, Attorney Damon Fontanilla. „Rufen Sie mich an, falls etwas dazwischenkommt. Hat die Tochter von Senator Clemente ihren Vater besucht oder—"

„Nein, Lieutenant. Sie hat wirklich nur nach Ihnen gefragt. Dann ist Attorney Fontanilla angekommen, also haben sie sich stattdessen unterhalten. Ich bin nicht dazu gekommen zu fragen, warum sie da war, da sie nicht einmal nach ihrem Vater gesehen hat“, antwortete Sergeant Estrella erneut.

Dylan nickte. „Sie, Elijah und Aidan kümmert euch vorerst hier um die Dinge. Ich werde nicht lange brauchen.“

Sergeant Creed Estrella nickte zurück und salutierte scherzhaft. „Verstanden, Boss.“

Dylan konnte nicht anders, als darüber den Kopf zu schütteln. Er stellte seine Tasche ab und wollte gerade gehen, als Creed erneut sprach und ihn innehalten ließ.

„Lieutenant … waren Sie gestern mit Ma’am Brielle zusammen?“

Dylans Brauen zogen sich sofort zusammen. Er sah Creed verwirrt an. „Nein. Warum?“

„Ach—nichts. Vielleicht habe ich mich einfach geirrt“, sagte Creed schnell und schüttelte den Kopf.

Immer noch verwirrt, tat Dylan es ab. Vielleicht hatte Creed Brielle mit ihren männlichen Freunden gesehen—oder ihren Bodyguards. Mit einem leichten Schulterzucken machte er sich auf den Weg aus der Polizeistation.

Er holte sein Telefon heraus und wählte die Nummer seines Onkels. Es hatte noch nicht einmal lange geläutet, als der Anruf entgegengenommen wurde, was Dylan ein leises Ausatmen der Erleichterung entlockte.

„Dylan“, begrüßte ihn sein Onkel von der anderen Leitung.

„Tito“, antwortete Dylan. „Die Jungs sagten, die Tochter von Senator Clemente sei vorbeigekommen. Hast du mit ihr gesprochen?“

„Oh, was das angeht—ja. Wir sprechen gerade. Bist du noch auf der Station? Wir sind ganz in der Nähe, wenn du kommen willst.“

„Ja, Tito. Ich wollte euch eigentlich gerade folgen. Wo seid ihr?“

Er scannte seine Umgebung und versuchte zu erraten, wo sie sein könnten. Fast wie auf Kommando fiel sein Blick auf das Café, das nur wenige Meter von der Station entfernt lag. „Café, Tito?“, fügte er hinzu.

„Ja, das ist richtig. Beeil dich—die Tochter von Senator Clemente ist kurz davor zu gehen.“

Es gab eine kurze Pause, und Dylan dachte schon, das Telefonat sei zu Ende.

„Haben Sie viel zu tun, Miss Clemente?“, hörte er seinen Onkel jemanden am anderen Ende fragen.

„Nicht wirklich“, kam eine leise Antwort.

Dylan runzelte leicht die Stirn.

Er richtete sich auf. „Ich bin auf dem Weg, Tito.“

„In Ordnung. Wir warten hier auf dich“, sagte sein Onkel, bevor er auflegte.

Dylan holte tief Luft und steckte sein Telefon in die Tasche. Er strich seine Uniform glatt, bevor er die Straße überquerte und auf das Café zuging, in dem sein Onkel und die Tochter von Senator Clemente warteten. Vielleicht—nur vielleicht—könnte sie bei dem Fall helfen. Die Chancen, dass sie sich freiwillig als Zeugin zur Verfügung stellte, waren gering, aber trotzdem … es gab immer eine Möglichkeit.

Er erreichte das Café schnell und entdeckte Attorney Fontanilla, der weiter hinten saß. Ihm gegenüber saß eine Frau, die Dylan den Rücken zukehrte. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, also ging er näher heran.

„Bist du schon lange hier, Tito?“, fragte er, während er auf dem Platz neben ihm Platz nahm.

Er erstarrte in dem Moment, als er das Gesicht der Frau sah.

Sie war deutlich jünger als er—wahrscheinlich etwa im gleichen Alter wie seine Freundin. Sechsundzwanzig, vielleicht siebenundzwanzig. Sie trug eine weiße Bluse, ihr langes lockiges Haar hing offen um ihre Schultern. Sie sah … unschuldig aus. So völlig anders als die Art von Frau, die seine Freundin war.

„Sie müssen die Tochter von Senator Clemente sein“, sagte Dylan. „Ich bin Lieutenant Dylan Fontanilla. Ich nehme an, Sie kennen meinen Namen bereits, da Sie vorhin nach mir gesucht haben?“

Sie antwortete nicht sofort. Ihre Augen blieben auf ihm haften, was ihn plötzlich befangen machte. Nach einem Moment nickte sie und blickte weg. „Ich—ich bin Kaia Clemente“, stellte sie sich vor, ihre Stimme unsicher.

Dylan nickte. „Man sagte mir, Sie hätten nach mir gesucht. Warum? Ich nehme an, es geht um Ihren Vater?“

Kaia nickte. „Ich wollte nur fragen, ob mein V-Vater wirklich ins Gefängnis kommt. Gibt es … keinen Weg, das zu regeln?“, fragte sie, offensichtlich nervös.

Dylan seufzte, während sich Enttäuschung breitmachte. Nach ihrem Tonfall zu urteilen, klang es, als wollte sie im Namen ihres Vaters um Gnade bitten. Er schüttelte den Kopf. „Die Staatsanwälte der Regierung haben eine Anklage wegen Plunder gegen Ihren Vater erhoben, Miss Clemente. Milliarden von Dollar an veruntreuten Geldern aus dem Kongress. Milliarden“, betonte er. „Obendrein ist er in Drogen und Prostitution verstrickt. Daraus gibt es keinen Ausweg.“

Er sah, wie sie schwer schluckte. Schließlich schien ihr klar zu werden, wie schwerwiegend die Anklagepunkte waren. Und ehrlich gesagt sah sie wie jemand aus, der von diesem gestohlenen Reichtum profitiert hatte. Allein schon von ihrer Kleidung her schrie sie nach hohem Unterhalt. Dylan wusste, dass es teuer war, wenn er es sah—seine Cousine kleidete sich auf die gleiche Weise.

Wenn ihr Vater ins Gefängnis ginge, würde das Geld verschwinden. Kein Wunder, dass sie hier war.

„W-wie lange … wie lange wird er im Gefängnis sein? Wenn er verurteilt wird, meine ich?“

Dylan musterte ihr Gesicht. Sie blickte nun nach unten, ihre Hände ruhten auf dem Tisch—Hände, die sichtbar zitterten.

„Fünfzehn Jahre“, antwortete sein Onkel für ihn. „Die Anklagepunkte wiegen schwer. Er wird nicht so leicht wieder freikommen—"

„Nur?“

Dylan versteifte sich. Er wandte sich ihr langsam zu. „Was haben Sie gesagt?“

Sie lächelte ihn an … süß, fast zu süß. „Nichts“, sagte sie, während sie aufstand. „Er sucht vielleicht nach mir, da ich ihn nicht besucht habe. Sagen Sie ihm, dass ich nicht vorhabe, ihn wiederzusehen. Sie können mit ihm machen, was Sie wollen. Es ist mir egal.“

„Wie Sie über Ihren Vater sprechen, klingt es nicht so, als ob Sie ihn mögen“, sagte Dylan stirnrunzelnd. „Wenn Sie sich dazu entschließen, auszusagen—"

„Nö.“

Sie fiel ihm sofort ins Wort. Sie hängte sich ihre Tasche über die Schulter und öffnete sie, als würde sie nach etwas suchen. „Ich gebe mich nicht gerne mit solchen Leuten ab. Ich habe schon genug Probleme. Ich brauche nicht noch mehr.“

„Aber—"

„Sie haben auf etwas gehofft, richtig?“, sagte sie leichtfertig. „Dass ich Sie darum bitte, meinen Daddy freizulassen? Meine Güte. Ich wusste nicht, dass Polizeibeamte so leichtgläubig sein können.“

„Wovon sprechen Sie?“, fragte Dylan scharf.

Sie lächelte und blickte sich im Café um. „Ich kenne einen Journalisten, der uns vorhin gesehen hat. Ein Glück, dass ich schnell gehandelt habe und dass ich gut darin bin, etwas vorzutäuschen. Andernfalls könnten die Leute denken, ich sei eine schreckliche Tochter, weil ich will, dass mein Daddy im Gefängnis verrottet. Ich bin zu schlau, um in ihre Falle zu tappen“, fuhr sie gelassen fort. „Wenn sich die Nachricht verbreitet, dass ich versucht habe, Sie zu bestechen, um ihn freizubekommen, liegt das an Ihnen. Räumen Sie das selbst auf.“

Dylans Lippen teilten sich vor Schock, doch bevor er etwas sagen konnte, nahm sie ihre teure Tasche vom Tisch.

„Rufen Sie mich an, wenn Sie meinen Daddy endlich hinter Gitter gebracht haben“, sagte sie. Dann nahm sie ohne Vorwarnung seine Hand und schob etwas hinein.

Dylan schluckte.

Sie lächelte ihn ein letztes Mal an, bevor sie sich umdrehte und davonging.

Dylan saß sprachlos da.

„Verdammt.“

„Was ist das?“

Er schreckte aus seinen Gedanken hoch, als sein Onkel sprach und auf Dylans Hand zeigte. Dylan blickte langsam nach unten.

Es war eine Visitenkarte.

Kaia Clemente.

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