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03

last update publish date: 2026-08-07 03:55:41

Kapitel 03

„Was ist das für ein Gesicht, Dylan? Du siehst elend aus.“

Dylan runzelte noch mehr die Stirn, als er den Kommentar seines Cousins hörte. Iverson ließ sich auf den Sitz neben ihm fallen und reichte ihm ein Glas Wein. Dylan schüttelte leicht den Kopf, als wäre er nicht ganz da, bevor er es nahm.

„Was willst du?“, fragte er und nahm einen langsamen Schluck.

Iverson stieß ein leises Lachen aus. „Brauche ich erst einen Grund, um mich zu dir zu setzen? Wow. Du weißt wirklich, wie man jemandem das Gefühl gibt, willkommen zu sein“, sagte er und schüttelte den Kopf.

Dylan spottete. „Warum bist du dann hier?“

„Danielle und Maurice haben mir gesagt, ich soll nach dir sehen. Sie meinten, du sähest aus, als bräuchtest du jemanden zum Reden.“

Dylan schüttelte erneut den Kopf. Diese beiden. „Sieht es wirklich so aus, als bräuchte ich jemanden zum Reden?“, fragte er und stieß ein bitteres Lachen aus.

„Du sitzt schon die ganze Nacht alleine da. Du siehst seit Stunden gestresst aus“, sagte Iverson mit einem Gähnen. „Was ist es? Die Arbeit? Dieser Fall? Der mit Senator Clemente?“ Er winkte ab. „Ich weiß bescheid. Sogar mein Dad ist deswegen gestresst. Er schläft kaum noch. Mom hat ihn gestern Abend angeschrien. Ehrlich? Er hat eine Standpauke von Mom wirklich verdient.“

„Es ist nicht die Arbeit“, sagte Dylan leise. „Darum geht es nicht.“

Und das ging es auch nicht. Die Arbeit war das Einzige, was in seinem Leben richtig lief. Er machte seine Sache gut. Er war nur einen Schritt von einer Beförderung entfernt. Alles hätte sich beständig anfühlen sollen.

„Oh.“ Iverson drehte sich um, um ihn richtig anzusehen. „Dann bedeutet das, dass es eine Frau ist.“

Er fragte nicht einmal. Er klang sich völlig sicher.

Dylan seufzte tief, während die Last in seiner Brust schwerer drückte. Sie waren so kurz davor, Senator Clemente endlich hinter Gitter zu bringen. Und er hatte Brielle versprochen, dass sie heiraten würden, sobald es vorbei war.

„Was ist mit Brielle?“, fragte Iverson. „Habt ihr beiden wieder gestritten?“

Dylan schüttelte langsam den Kopf. „Überraschenderweise nein. Sie war … in den letzten Tagen ganz in Ordnung. Sie war wegen meines Jobs nicht wütend auf mich.“

„Oh.“ Iverson hob eine Augenbraue. „Was ist dann das Problem? Du solltest glücklich sein. Deine Freundin hat zur Abwechslung mal keine Wutanfälle.“

Dylan blieb stumm.

Das war ein Teil davon, nicht wahr? Er sollte erleichtert sein. Sogar dankbar. Doch stattdessen fühlte sich etwas falsch an. Als würde etwas nicht stimmen und er konnte es einfach nicht beim Namen nennen.

„Ich habe ihr versprochen, dass wir heiraten, wenn der Fall abgeschlossen ist“, sagte er schließlich.

Iverson blinzelte. „Was? Aber hast du nicht gesagt, dass du dieses Jahr nicht vorhast zu heiraten?“

Dylan atmete tief ein. „Hatte ich auch nicht. Aber sie will es. Und wir sind schon lange zusammen. Vielleicht hat meine Mom recht … vielleicht ist es an der Zeit.“

Die Wahrheit war, dass er nicht bereit war. Nicht einmal ansatzweise. Es gab noch so viele Dinge, die er tun wollte, Dinge, die er werden wollte. Manchmal hatte er das Gefühl, dass er und Brielle sich nicht einmal richtig kannten. Aber er wollte sie nicht verlieren. Sie war schon so oft wütend geworden, weil er die Hochzeit immer wieder verschob. Wenn er sich erneut weigerte, könnte sie dieses Mal wirklich gehen.

„Warum klingt das so, als würdest du dich selbst dazu zwingen?“, fragte Iverson.

Dylan seufzte und nahm noch einen Schluck. „Es ist kein Zwingen. Ich bin nur … nicht bereit.“

„Aber hast du uns nicht früher erzählt, dass Brielle nicht will, dass du Polizist bist?“, hakte Iverson nach. „Was ist damit?“

Dylan nickte, sein Kiefer spannte sich an, als er wieder trank. „Das ist Teil des Problems. Sie will, dass ich kündige und Inara von Maurice übernehme. Du weißt, dass sie mit unseren Cousins nicht gut auskommt, richtig? Und im Ernst .. Was denkt sie über meinen Beruf? Mir geht es gut, wo ich bin. Ich will das Geschäft nicht übernehmen, nur weil ich weniger verdiene. Und ich bin nicht einmal an diesem Leben interessiert … aber sie besteht weiterhin darauf, dass ich meinen Job einfach aufgeben sollte.“

Iverson schwieg.

Dylan leerte den Rest seines Glases.

„Wenn du wirklich vorhast, sie zu heiraten, und das die Art ist, wie sie deine Karriere sieht“, sagte Iverson langsam, „dann musst du sorgfältig darüber nachdenken.“ Er sah Dylan direkt an. „Du solltest mit jemandem zusammen sein, der dir hilft, deine Träume zu erreichen. Du musst nicht bei jemandem bleiben, der sie nicht respektiert. Bei der Liebe geht es nicht nur darum, die ganze Zeit glücklich zu sein. Schau dir unsere Eltern an. Schau dir die Art von Liebe an, die sie haben.“ Er hielt inne. „Glaubst du ehrlich, dass das das ist, was du und Brielle habt?“

Dylan rieb sich die Schläfen, während Frustration in seinem Kopf pochte. Natürlich wollte er jemanden, der ihn verstand. Tief im Inneren wusste er, dass Brielle das nicht tat.

Aber er liebte sie. Mehr als jeden anderen.

War er wirklich bereit, sie wegen seiner Ambitionen zu verlieren?

Er stieß einen langen Atemzug aus und stand auf. „Ich habe noch Zeit zum Nachdenken“, sagte er. „Ich werde mich darum kümmern, wenn der Fall vorbei ist.“

„Du musst weise wählen“, rief Iverson ihm hinterher. „Brielle ist nicht die einzige Person, die dich lieben könnte. Was ist, wenn es jemand anderen gibt? Jemand, der versteht, warum dir dein Job wichtig ist?“

Dylan antwortete nicht. Er atmete nur scharf aus und ging weg, wobei er die Cousins ignorierte, die ihn auf dem Weg zu seinem Zimmer begrüßten. Er war zu erschöpft, um so zu tun, als wäre er in Ordnung.

Bevor er schlafen ging, sah er auf sein Telefon. Keine Nachricht von Brielle. Genau wie zuvor.

Er schüttelte den Kopf. Vielleicht war sie beschäftigt.

Am nächsten Morgen wachte er durch das ununterbrochene Summen seines Telefons auf. Verwirrt über die Flut von Nachrichten und verpassten Anrufen begann er, sie nacheinander zu lesen.

Und in einem einzigen Augenblick blieb seine Welt stehen.

Es fühlte sich an, als wäre eisweites Wasser über ihn gegossen worden. Seine Lippen zitterten, als er die Nachrichten durchlas. Einige waren wütend auf Brielle, einige versuchten ihn zu trösten. Es gab zu viele zu verarbeiten, zu viele Worte, die alle auf einmal aufeinanderprallten. Sein Verstand weigerte sich mitzukommen.

Sie erzählten ihm alle dasselbe.

Eine Nachricht, die alles erschütterte, was er zu wissen glaubte.

Seine Freundin Brielle Clarkson stand kurz davor, einen anderen zu heiraten.

Und es war nicht er.

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