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Die Ersatzkönigin
Die Ersatzkönigin
Author: Finn

Kapitel 1

Author: Finn
Kael zog das Gewand ab, auf dem ihr Lippenstiftabdruck prangte.

Ich sagte kein Wort, nahm nur die Wolldecke, die mir seit sechs Jahren vertraut war, und wandte mich zur Nebenkammer.

Kael versperrte mir den Weg. „Wohin gehst du?“

Ich hielt inne. Ich nahm an, dass ihm die Decke nach sechs gemeinsamen Jahren einfach ans Herz gewachsen war, und legte sie behutsam auf den Rand der Matratze zurück.

„Keine Sorge, mein König. Ich erinnere mich an unsere Abmachung. Mir war es nie vergönnt, davon zu träumen, meine Schwester zu ersetzen.“

Ich bemühte mich, ruhig zu klingen; die Stimme blieb trotzdem rau.

„Da sie zurückgekehrt ist, sollte der Titel der Luna-Königin an sie übergehen.“

Das hatten wir vor sechs Jahren so vereinbart.

Es auszusprechen stach trotzdem wie eine Nadel ins Herz.

Vor sechs Jahren war Kael nach dem Sieg über die feindlichen Rudel als Sieger zurückgekehrt. Als Erstes hatte er beim Ältestenrat beantragt, eine Bindungszeremonie mit meiner Schwester Elara zu arrangieren.

Am Tag der Zeremonie aber floh sie – an der Seite eines Rudellosen.

Vater geriet in Panik. Noch in derselben Nacht schickte er mich als Elaras Ersatz an den Altar.

In der Hochzeitsnacht war Kael vollkommen am Boden zerstört. Um die Würde des Rudels zu wahren, trank er sich in Bewusstlosigkeit und vollzog die Gefährtenbindung mit mir.

Sechs Jahre lang gab ich alles.

Der Titel der Luna-Königin mochte nach außen hin glanzvoll erscheinen, aber in Wahrheit ging ich jeden Tag über Scherben.

Während Elara sorglos durch die Welt zog, navigierte ich die Rudelpolitik, verwaltete die großen Familien und fing im Verborgenen Pfeile auf, die für ihn bestimmt waren.

Einmal verschleppten mich seine Feinde, um seinen Aufenthaltsort aus mir herauszupressen. Sie folterten mich mit silbernen Ketten. Kein einziges Wort entrang sich meinen Lippen.

Vor drei Jahren griff uns mitten in der Nacht ein feindliches Rudel an.

In jener Nacht wusste ich nicht, dass ich acht Wochen schwanger war.

Ich kämpfte an der Seite der Wachen, bis Kaels Verstärkung eintraf. Als jedoch der Schmerz durch meinen Unterleib riss und ich mich, blutend, auf dem Boden der Nebenkammer zusammenkrümmte, waren sämtliche Heiler bereits fortgerufen worden.

In die Hauptkammer.

Um einen Topf silberrandiger Lilien zu retten.

Es war das Einzige, was Elara hinterlassen hatte. Die Pflanze starb dahin, und Kael hatte befohlen, sie um jeden Preis zu retten.

Bei mir blieb einzig eine Zofe, die von Geburtshilfe nichts verstand.

Als schließlich ein Heiler durch die Tür gezerrt wurde, ließ sich die Blutung nicht mehr stillen.

Das Kind, das noch nicht einmal Gestalt angenommen hatte, war verloren.

Ich lag in einer Blutlache, das Herz zu Asche geworden.

Als er meinen Schmerz sah, suchte er jeden heiligen Altar im Revier auf, errichtete für unser Kind einen Schrein und entzündete ewige Flammen.

Vor der Mondgöttin flocht er Strähnen unserer Haare in den Docht einer Ritualkerze und schwor, das Schicksal fortzuführen, das wir nie zu Ende gelebt hatten.

Von da an festigte er seine Herrschaft über das Rudel mit unerbittlicher Konsequenz und stieg unaufhaltsam immer weiter auf.

Erst vor Kurzem hatte er den Ältestenrat persönlich darum ersucht, mir die höchste Auszeichnung des Rates zu verleihen.

Bevor die Tinte auf dem Erlass aber getrocknet war, kehrte Elara zurück.

Wenn ich an das Kind dachte, das gegangen war, ohne je die Augen zu öffnen, schnürte sich meine Brust so schmerzhaft zusammen, dass mir der Atem stockte.

Kael bemerkte meinen Gesichtsausdruck und gab Mutter sofort ein Zeichen, Elara fortzuführen. Dann ergriff er meine Hand.

„Ayla, Elara war so lange fort. Sie kennt die ganze Geschichte nicht.“

„Sie ist von einfachem Gemüt und spricht ohne Umschweife. Nimm es nicht zu Herzen...“

Sanft zog ich meine Hand zurück und senkte die Lider.

„Mein König, du verhältst dich heute merkwürdig. Normalerweise mischst du dich nicht in Streitigkeiten unter den Frauen des Rudels.“

„Und nun, da Elara erscheint, veränderst du dich. Eine bemerkenswerte Ergebenheit.“

Kaels Blick verdunkelte sich, Schmerz trat in seine Augen.

„Ist das wirklich deine Meinung von mir?“

„Ayla ... du gibst mir noch immer die Schuld an dem, was damals geschah, nicht wahr?“

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