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Kapitel 2

作者: Finn
Er glaubte, meine Vorwürfe galten seinem Zuspätkommen.

Das aber war es nicht, wofür ich ihm die Schuld gab.

Es war die Nacht des Überfalls. Als Kael zurückkehrte, kümmerte ich mich nicht zuerst um meine Verletzungen, sondern zwang mich in die Hauptkammer.

Ich wollte sicher sein, dass er unverletzt war.

Er schenkte mir jedoch keinen Blick, sondern trug den Topf mit den silberrandigen Lilien, das Einzige, was Elara zurückgelassen hatte, direkt in die innere Kammer, wo er sämtliche Heiler zusammenrufen ließ, um einen Weg zu finden, die abgestorbenen Wurzeln zu retten.

Während ich auf dem Sofa der Nebenkammer saß und darauf wartete, dass sich endlich jemand um die Krämpfe in meinem Unterleib kümmerte, standen die Lilien nur wenige Schritte entfernt auf dem Fensterbrett der Hauptkammer.

Später erfuhr ich, dass die Wurzeln der silberrandigen Lilie einen silberhaltigen Duft freisetzen, der Schwangeren gefährlich werden kann.

In jener Nacht hatte ich zu nah gelegen. Die Blutung war nicht mehr aufzuhalten.

In jenem Moment zerbrach etwas tief in meiner Brust, das sich nicht mehr kitten ließ.

All die Jahre der Aufopferung waren zu einem grausamen Scherz geworden.

Schön, diese Liebe, die mit der Zeit wächst – wie viel davon blieb. Von Anfang an war es nichts als eine Täuschung gewesen, die ich mir selbst bereitet hatte.

Die Luft im Zimmer wurde unerträglich schwer. Er stand auf. „Ich brauche frische Luft.“

Vor der Tür aber wartete bereits eine Zofe. „Mein König, Elara lässt ausrichten, dass sie Euch sprechen möchte.“

Ihre Stimmen waren gedämpft – der Hof aber war zu still. Jedes Wort drang zu mir.

Die Tür stand einen Spalt offen. Ich konnte sehen, wie Kael innehielt, ohne ein Wort zu sagen.

Obwohl er mit dem Rücken zu mir stand und ich sein Gesicht nicht sehen konnte, wusste ich dennoch, dass er gehen würde.

Ein Mann bleibt stets am stärksten gebunden von dem, was ihm in der Jugend versagt blieb.

Außerdem hatte er sie so tief geliebt.

Erwartungsgemäß wandte er sich zurück ins Zimmer und wollte etwas sagen.

Ich kam ihm zuvor. „Mein König, du schuldest mir keine Erklärung.“

In meinem Leben hatte ich zu viele Lügen gehört. An diesem Tag war ich zu erschöpft, um irgendeine absurde Ausrede, die er für Elara ersonnen hatte, noch anzuhören.

Die Kälte in meinen Worten stand nackt im Raum.

Kael erstarrte, die Brauen zusammengezogen. „Ayla, hasst du mich so sehr? Kaum ist deine Schwester zurück, kannst du es nicht erwarten, mich von dir zu stoßen?“

Seine Brust hob und senkte sich, ein Sturm tobte in seinen Augen. Er griff nach seinem Gewand und warf die Tür hinter sich zu.

Wie lächerlich.

Er war derjenige, der zuerst eine Grenze überschritten hatte. Und nun war ich die Herzlose.

Die Tränen rannen mir über die Wangen, bevor ich sie aufhalten konnte. Mit einer heftigen Bewegung wischte ich sie fort.

Dann glitt Mutter herein und ergriff meine Hand. „Ayla ... mir fehlen die Worte. Ich konnte deiner Schwester nicht zur Vernunft reden, deshalb bat ich den König, sie zu trösten.“

„Kannst du noch ein wenig Geduld mit ihr haben? Sie ist stur, aber gutherzig. Irgendwann wird sie es verstehen...“

Ich senkte die Augen, ein bitteres Lächeln zog an meinen Mundwinkeln.

Gutherzig?

Als sie vor sechs Jahren floh – hatte sie je bedacht, dass die Bindungszeremonie das höchste Ritual des Rudels ist? Ein einziger Fehler, und unser gesamtes Blut wäre ausgelöscht worden.

Sanft zog ich meine Hand zurück, meine Stimme wurde kalt wie Eis. „Mutter, nach all diesen Jahren verwöhnst du sie noch immer bedenkenlos.“

„Hatte ich jemals einen Platz in deinem Herzen?“

Elara und ich stammten von derselben Mutter. Weil ich jedoch von Kindheit an schwächlich war, hatte man mich aufs Land geschickt und erst in dem Jahr, in dem ich volljährig wurde, zurückgeholt.

Elara, die die Liebe unserer Eltern ganz für sich beansprucht hatte, verachtete mich. Sie verleumdete mich, quälte mich, ohne je damit aufzuhören.

Ich weinte und wehrte mich. Jedes Mal aber bestraften mich Vater und Mutter, ohne nach Recht und Unrecht zu fragen. Gleichgültig, wie plump ihre Ausreden waren – sie glaubten ihr bedingungslos.

Sie sperrten mich sogar tagelang in den kalten Keller.

Erst als Elara geflohen war, erinnerten sie sich an mich – kaum noch atmend, in jenem Keller.

In Wahrheit hatten wir gerade einmal ein halbes Jahr zusammengelebt.

„Ayla, habe ich in deinem Herzen wirklich keinen Platz?“

Schmerz trat in Mutters Augen.

Ich war fassungslos.

Diese Kälte, die wir beide ohne Worte verstanden – für sie war sie etwas, das noch der Frage bedurfte?

Hatten sechs Jahre ohne Elara alle vergessen lassen, dass ich stets nur ein Ersatz gewesen war? Eine Lückenbüßerin, herbeigeholt, um eine Lücke zu füllen?

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