Share

Kapitel 2

Penulis: Crispy Coco
Vincent entspannte sich sichtbar.

Er setzte sich wieder in seinen Sessel und legte sich erneut diese herablassende Haltung zu.

Als wäre nicht er es gewesen, der eben noch in Panik geraten war. Als hätte ich mir das alles nur eingebildet.

„Isabella, du enttäuschst mich.“

Ich blinzelte.

Was?

„Tradition ist Tradition“, sagte er. Sein Ton wurde ernst. „Die Bedingungen des Ehevertrags müssen erfüllt werden. Das ist eine Regel, die seit Generationen weitergegeben wird. Du bist zu emotional, Isabella. Dir fehlt die Ruhe und Selbstbeherrschung einer Donna.“

Ich hätte beinahe laut gelacht.

Emotional?

Ich hatte zehn Jahre lang für ihn geschuftet.

Zehn Jahre lang hatte ich meine Pinsel weggelegt, meine Kunst aufgegeben und sogar die Chance ausgeschlagen, am Louvre zu studieren.

Ich hatte die Künstlerin in mir begraben und mich in einen Hai im Sitzungssaal verwandelt.

Nur weil er gesagt hatte, seine Frau brauche einen scharfen Verstand und kein törichtes Herz.

Und jetzt nannte er mich emotional?

„Vincent, ich dachte nur...“

„Du dachtest was?“, schnitt er mir das Wort ab. Und er stand auf. Dann wurde sein Ton etwas weicher. „Also gut, Isabella, ich weiß, dass du mich unbedingt heiraten willst. Ich weiß auch, dass unsere Mütter das vor Jahren so vereinbart haben. Aber Regeln sind nun mal Regeln...“

„Die Gedenkfeier für meine Mutter ist mir wichtig“, sagte ich und kämpfte darum, meine Stimme ruhig zu halten. „Wenn ich an diesem Tag deine Frau sein könnte, würde mir das alles bedeuten.“

„Genug.“ Vincent ging zum Fenster und drehte mir den Rücken zu. „Die Toten sind tot. Die Lebenden haben Geschäfte zu erledigen. Du solltest dir lieber Gedanken machen, wie du die Sache zu Ende bringst.“

Ich starrte auf seinen Rücken und spürte, wie etwas in meiner Brust zu brennen begann.

„Die Sache?“

„Natürlich die Sache.“ Er drehte sich um und sah mich an, als wäre das doch völlig offensichtlich. „Glaubst du, eine Ehe ist ein Spiel? Die Stellung der Donna verlangt echte Stärke und echte Intelligenz. Und im Moment reichst du dafür nicht aus.“

Ich reichte nicht aus.

Sofort musste ich an Marcos Worte denken. Sie hatten Ava vorbereitet, damit sie „mit mir konkurrieren“ konnte.

Also ging es bei dieser Verlobung in Vincents Augen nie um Liebe.

Es war ein Auswahlverfahren.

Und ich war nicht einmal die einzige Kandidatin.

„Vincent, du...“

„Oh, Vincent!“

Eine süßliche Stimme schnitt mir das Wort ab.

Die Tür zum Arbeitszimmer ging auf, und ein junges Mädchen in einem schwarzen Seidennachthemd lief herein.

Ihr langes Haar fiel offen über ihre Schultern. Ihr Gesicht wirkte schläfrig und weich. An den Füßen hatte sie nur Hausschuhe.

Ava.

Sie sprang Vincent in die Arme und legte ihm die Arme um den Hals.

„Ich habe dich überall gesucht“, säuselte sie und schmiegte sich an seine Brust. „Ich bin aufgewacht, und du warst weg. Warum warst du nicht im Bett?“

Vincents Gesicht wurde augenblicklich weich. Ganz selbstverständlich legte er ihr die Hand um die Taille.

„Ich musste noch etwas erledigen“, murmelte er. Seine Stimme war voller Zärtlichkeit, eine Zärtlichkeit, die ich bei ihm noch nie gehört hatte. „Warum hast du nicht weitergeschlafen?“

„Ich kann nicht schlafen, wenn du nicht da bist“, sagte Ava und hob den Kopf, um ihm ans Kinn zu küssen.

Ich stand einfach nur da.

Das fünfte Rad am Wagen.

Eine Fremde.

Das also war Vincent Corleone.

Derselbe Mann, der mir eben noch etwas von „Familientradition“ gepredigt hatte.

Er hielt die Tochter der Frau im Arm, die meine Mutter in den Tod getrieben hatte, und benahm sich direkt vor meinen Augen so.

Und ich sollte das einfach hinnehmen?

„Vincent.“ Meine Stimme klang kälter, als ich erwartet hatte. „Wir reden noch.“

Ava schien mich jetzt erst überhaupt zu bemerken. Sie drehte den Kopf zu mir und lächelte perfekt.

„Oh, Isabella“, sagte sie mit krankhaft süßer Stimme. „Entschuldige, ich wusste nicht, dass du hier bist.“

Plötzlich erinnerte ich mich an den Revierstreit vor drei Monaten.

Die Russen wollten uns die Docks in Brooklyn abnehmen. Die Gespräche waren gescheitert. Dann wurden Waffen gezogen.

Ava war damals dabei gewesen.

Danach war sie Vincent in die Arme gelaufen, das Gesicht voller Blut, und hatte schluchzend behauptet, meine Männer hätten sie nicht geschützt und sie sei von herumfliegendem Glas verletzt worden.

Vincent war fast ausgerastet. Er hatte meinen Sicherheitschef beinahe einen Kopf kürzer machen lassen und mich gezwungen, mich bei Ava zu entschuldigen.

Auf Knien.

Aber wenn ich sie jetzt so ansah, war ihre Haut makellos.

Perfekt.

Nicht eine einzige Spur.

Wo war die Narbe?

Wenn es wirklich Glassplitter gewesen waren, wie konnten die Wunden dann so restlos verheilt sein? Ohne auch nur den kleinsten Fleck?

Es sei denn, sie hatte sich die Verletzungen selbst zugefügt.

Eine perfekte kleine Inszenierung für ihren perfekten Helden.

„Ava, dein Gesicht ist ja wunderbar verheilt“, sagte ich und sah sie fest an. „Man merkt gar nicht mehr, dass du überhaupt jemals verletzt warst.“

Für einen kurzen Moment erstarrte ihr Lächeln. Dann setzte sie sofort wieder diese unschuldige Miene auf.

„Ja, Vincent hat den besten Arzt für mich gefunden“, sagte sie und klammerte sich noch fester an seinen Arm. „Er kümmert sich so gut um mich.“

Vincent warf mir einen selbstgefälligen Blick zu, als würde er mir gerade einen Preis vorführen.

Ich hielt es nicht mehr aus.

Ich bückte mich, hob die zerrissenen Hälften des Prüfberichts auf und wollte ihnen endlich die Wahrheit zeigen.

Vincent sollte sehen, dass sein kleiner „Unfall“ gescheitert war.

Er sollte erfahren, dass ich gewonnen hatte und er mich heiraten musste.

„Vincent, eigentlich wollte ich gerade...“

„Nicht!“

Plötzlich stürzte Ava vor, packte meine Hand und sah mich mit Tränen in den Augen an.

„Isabella, bitte. Streite dich nicht mehr mit Vincent.“

„Was?“

Ihre Augen waren voller Tränen. Sie wirkte mitleiderregend und schwach.

„Vincent wurde angeschossen“, flüsterte sie. Ihre Stimme brach. „Er hat eine Kugel für mich abgefangen. Der Arzt hat gesagt, jeder größere Stress könnte die Wunde wieder aufreißen. Er könnte verbluten.“

Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 9

    Der Hubschrauber flog über ein türkisfarbenes Meer.Unter uns lag eine private Insel, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.„Wo sind wir?“, fragte ich Julian.Er saß neben mir. Seine große Hand hielt meine. Seine Stimme war sanft.„Zu Hause.“Ich sah sein Profil an. Tausend Fragen wirbelten mir durch den Kopf.„Julian, warum jetzt?“ Ich drehte mich zu ihm um. „Warum bist du erst jetzt aufgetaucht?“Er schwieg lange. Dann sprach er endlich.„Isabella, ich muss dir eine Geschichte erzählen.“ In seinen Augen lag tiefer Schmerz. „Eine Geschichte vom Warten.“Der Hubschrauber setzte auf einer weitläufigen Rasenfläche auf. Rosenblätter trieben noch immer durch die Luft.„Erinnerst du dich an die Nacht, in der du entführt wurdest?“, fragte er, während wir gingen. „An das verlassene Lagerhaus, in dem man dich festhielt.“Sofort schoss mir diese schreckliche Nacht wieder durch den Kopf.Meine Mutter war gerade gestorben. Mein Vater war mit seiner Geliebten beschäftigt und schenkte mir keinerlei

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   ''Kapitel 8

    Julian gab ein Zeichen.Sofort wurde ein riesiger Projektor herangeschoben und auf die Außenwand der Kirche gerichtet.Auf dem weißen Stein flackerte ein Bild auf.Es war das Überwachungsvideo vom Pool. Dreizehn Sommer zuvor.Auf der Leinwand rang der fünfzehnjährige Vincent im tiefen Becken ums Überleben.Die zwölfjährige Ava stand am Beckenrand. Sie trug ein rotes Kleid und hielt einen Rettungsring in der Hand.Doch sie warf ihn nicht.Im Gegenteil.Als Vincent verzweifelt die Hand nach ihr ausstreckte, wich sie panisch zurück. Aus Angst, selbst Ärger zu bekommen, trat sie den Rettungsring sogar noch weiter vom Rand weg.Vincent sank immer tiefer. Seine Bewegungen wurden schwächer.Dann tauchte plötzlich von rechts eine kleine Gestalt im Bild auf.Ich.Zwölf Jahre alt.Ohne eine Sekunde zu zögern sprang ich ins Wasser und stemmte Vincent mit aller Kraft nach oben, obwohl er viel schwerer war als ich.Aber ich war zu klein. Zu schwach.Gerade als ich ihn zum Beckenrand schob, verließe

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 7

    Die Welt verstummte. Nur das Echo des Schusses hing noch in der Luft.Vincent presste seine taube Hand an sich und starrte ungläubig auf die Trümmer seiner Pistole am Boden.„WER WAR DAS?!“, brüllte er und sah sich wie wahnsinnig um. „Wer hat geschossen?!“Die einzige Antwort war das Geräusch marschierender Schritte.Hunderte Männer in schwarzen Anzügen strömten aus den gepanzerten Wagen.Sie waren bis an die Zähne bewaffnet. In ihren Händen lagen Waffen in Militärqualität. Ihre Gesichter waren hinter Masken verborgen. Nur ihre kalten, harten Augen waren zu sehen.Mitten in dieser furchteinflößenden Streitmacht glitt ein Rolls Royce Phantom langsam zum Stehen.Die Tür öffnete sich.Ein Mann stieg aus.Er war groß und schlank und trug einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug. Jede seiner Bewegungen wirkte tödlich präzise. Von ihm ging eine absolute Autorität aus. Die obere Hälfte seines Gesichts war hinter einer Sonnenbrille verborgen. Doch allein seine schmalen Lippen und seine markante

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 6

    Die schweren Kirchentüren bewegten sich nicht.Da durchschnitt plötzlich eine Stimme hinter mir die Stille.„Isabella.“Ich drehte mich um.Die Morgensonne fing die Diamanten auf meinem Kleid ein und ließ sie wie tausend kleine Sonnen aufblitzen.In dem Moment, als Vincent mich sah, erstarrte er. Sein Kiefer spannte sich. Für einen Augenblick brachte er kein Wort heraus.Sein Blick glitt über mich. Über die Linien meines Kleides. Über die blendenden Diamanten.„Mein Gott“, hauchte er. „Isabella ... Du siehst...“„Wir haben dich überall gesucht, Isabella.“ Avas Stimme schnitt durch die Luft, süß wie vergifteter Honig. „Wir haben dir ein Ultimatum geschickt. Du antwortest nicht und tauchst dann hier in einem Hochzeitskleid auf? Willst du Vincent damit zur Hochzeit zwingen?“Ich sah sie an. Mein Gesicht blieb eiskalt.„Du denkst zu viel, Ava. Ich werde heiraten. Nur eben nicht ihn.“Vincent fing sich endlich wieder. Er atmete tief ein, und sofort kehrte dieser arrogante Ausdruck in sein G

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 5

    Ich ging in mein Apartment zurück. Als Erstes trat ich an den Schminktisch.Dort lag ein blauer Diamantring mit zwölf Karat.Vincents Verlobungsring. Der Ring, den er mir vor zehn Jahren gegeben hatte.Ich nahm ihn in die Hand und warf ihn ohne das geringste Zögern ins Feuer.Die Flammen fraßen sich am Platin fest. Doch der Diamant blieb unversehrt. Er lag mitten in der Glut und funkelte weiter.Ein vollkommenes Sinnbild für meine Liebe.Kalt. Hart. Tot.„Fräulein Rossi, Sie sind zurück.“Mein Butler Andre kam herein. Ein Blick auf mein Gesicht reichte ihm.Er verstand sofort.„Rufe alle Ältesten der Familie zusammen“, sagte ich und drehte mich zu ihm um. „Heute Abend. Acht Uhr. Dringende Sitzung.“„Ja, Fräulein Rossi. Und noch etwas ...“ Er zögerte einen Moment. „Aus Chicago kam wieder ein Anruf. Wegen des Heiratsantrags. Dieses Jahr bereits zum dritten Mal.“Diese rätselhafte Familie aus Chicago.Seit zwei Jahren baten sie um ein Bündnis. Und ich hatte sie jedes Mal abgewiesen, blind

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 4

    Der Ekel in seinen Augen tat mehr weh als jede Waffe.In genau diesem Moment hob Ava, die „zitternd“ in Vincents Armen hing, den Kopf und sah mich mit tränenfeuchten Augen an.„Isabella, bitte, hör auf...“, sagte sie schwach. Ihre Stimme bebte schon beim Sprechen. „Ich weiß, dass du mich hasst. Aber du kannst die Wahrheit nicht leugnen ... Ich habe Vincent das Leben gerettet. Mein ganzes Leben lang habe ich dir alles überlassen. Die Kleider, die Auszeichnungen, den Schmuck. Aber ihn nicht. Vincent gebe ich nicht auf.“Während sie sprach, löste sie sich von Vincent und kam auf mich zu. Sie streckte die Hand nach mir aus, als wolle sie mich anflehen.„Wenn du glaubst, dass das alles meine Schuld ist, dann schlag mich doch! Nur zu!“In dem Moment, als sie nah genug war, veränderte sich etwas in ihren Augen.Sie wurden kalt.Bösartig.Dort, wo Vincent es nicht sehen konnte, grub sie ihre Finger hart in meinen Arm.Ein stechender Schmerz fuhr durch mich.Ich wollte mich losreißen. Doch plöt

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 3

    Eine Kugel abgefangen?Mein Herz setzte aus.„Wann?“ Ich stürzte auf Vincent zu. „Du bist verletzt?“Meine Hände griffen sofort nach seinem Hemd. Ich wollte nach der Wunde sehen.Vincent zuckte zurück und versuchte, mich wegzuschieben. Doch die Bewegung war steif. Er hatte die Verletzung ganz eindeu

  • Die Geliebte meines Dons erbte alles   Kapitel 1

    Zehn Jahre lang hatte ich dafür gekämpft, Vincent Corleone zu heiraten. Und alles war eine Lüge gewesen.Ich stand mit dem Prüfbericht in der Hand vor Vincents Arbeitszimmer, als ich die Worte hörte, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen.„Boss, die Galerie von Isabella Rossi steht kurz dav

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status