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Der Bluteid

Author: Sweetheart
last update publish date: 2026-11-04 02:56:09

KAPITEL FÜNF

Der Bluteid

Der Kriegsraum unter der Schattenzitadelle wurde von Eisenfeuern beleuchtet, die mit roten und bernsteinfarbenen Flammen brannten. In der Mitte stand ein großer Schiefertisch, der mit Karten der nördlichen und südlichen Gebiete eingraviert war.

Cassian stand über der Karte, beide Hände ruhten auf der Tischkante. Neben ihm studierte Lyra das mit Silber versiegelte Pergament, das Torin vor sie gelegt hatte. Die Robbe trug den Kamm von Sunridge, eine goldene Sonne hinter einem knurrenden Wolf, der jetzt mit getrocknetem Blut befleckt ist.

"Eine Bluteidsammlung", spuckte Torin und verschränkte seine vernarbten Arme. "Kaelen ist verrückt. Die südlichen Schurken anzurufen bedeutet, Schwertkämpfer, Mörder und verbannte Alphas in zivilisiertes Gebiet einzuladen. Er öffnet die Schleusen, nur um eine Frau zurückzuziehen."

"Er tut es nicht nur, um sie zurückzubekommen", antwortete Cassian mit ruhiger, aber kalter Stimme. "Er tut es, weil sein Rudel zusah, wie er von einer Frau in die Knie gezwungen wurde, die er fünf Jahre lang als nutzlos bezeichnete. Wenn er Lyras Kopf nicht zurück nach Sunridge bringt, werden seine eigenen Ältesten ihn vor dem nächsten Vollmond herausfordern."

Lyras Finger strichen über die Kante des Schiefertisches. Sie erkannte, dass sie sich nicht mehr von den Männern um sie herum zurückzog. Das Tonic, das Vanya ihr gegeben hatte, hielt ihre Kehle immer noch warm, und ihre Stimme fühlte sich stärker an als je zuvor.

"Wie viele Schurken kann er kaufen?" Fragte Lyra mit klarer und ruhiger Stimme.

Torin drehte sich zu ihr um, ein Flimmern der Sorge in seinen Augen.

"Die Southern Wastes beherbergen drei Hauptkriegsherren: die Asch-Wölfe, die Roten Reißzähne und die Knochenjäger. Kombiniert? Fast dreitausend Vorhutkämpfer. Sie kämpfen nicht mit Ehre, Luna. Sie verwenden Gift, dunkle Magie und Belagerungswaffen, die Stein durchreißen sollen."

"Sie werden es nicht zur Zitadelle schaffen", sagte Cassian deutlich.

Er richtete sich auf und wandte sich an die Kommandanten, die sich im Raum versammelt hatten.

"Die Schurken müssen den Viper's Pass überqueren, um in das Obsidian Valley einzudringen. Es ist eine schmale Passage zwischen zwei steilen Bergklippen. Sie erwarten, dass wir hinter unseren Mauern bleiben und auf eine Belagerung warten."

"Und was werden wir stattdessen tun, High Alpha?" Fragte Silas, der leitende Kommandant der Schattenvorhut.

Ein dunkles Lächeln huschte über Cassians Gesicht.

"Wir treffen sie im Pass. Wir vernichten ihre Frontlinie, bevor sie überhaupt einen Fuß ins Tal setzen."

Silas senkte den Kopf. "Betrachten Sie es als erledigt. Ich werde die Avantgarde zusammenbauen."

"Warte", sagte Lyra und unterbrach ihn.

Jeder Kopf drehte sich zu ihr. Vor fünf Tagen hätte sie ein gebrochenes Handgelenk eingebracht, wenn sie einen Alpha-Rat unterbrochen hätte. Jetzt legte Cassian einfach seinen Kopf schief und schenkte ihr seine volle Aufmerksamkeit.

"Sie kommen, weil Kaelen ihnen ein schwaches Ziel versprochen hat", sagte Lyra und trat näher an die Karte. Ihre haselnussbraunen Augen leuchteten schwach violett unter dem Fackellicht. "Sie denken, ich bin ein Preis, den es zu jagen. Eine entlaufene Braut, die sich hinter den Schilden des Schattenschleiers versteckt."

Sie sah zu Cassian auf und traf ohne zu zögern seinen stürmgrauen Augen.

"Lass mich mit dir zum Pass gehen."

Torin versteifte sich.

"Luna, bei allem Respekt, das Schlachtfeld ist kein Ort für..."

"Sie bittet dich nicht um Erlaubnis, Torin", unterbrach Cassian leise und behielt Lyra im Auge.

Er machte zwei Schritte auf sie zu. Obwohl er über sie ragte, sah er sie mit dem gleichen Respekt an, dass er jemandem, der wusste, wie man sie benutzt, eine mächtige Waffe in die Hände geben würde.

"Sag mir warum, kleiner Vogel."

"Wenn du sie allein kämpfst, wird Kaelen behaupten, dass du mich eingesperrt hältst", antwortete Lyra, ihre Stimme wurde stärker. "Wenn ich neben dir auf diesem Grat stehe, wenn sie die Stimme der Sirene hören, bevor sie jemals eine Klinge schwingen, werden sie wissen, dass ich nicht gestohlen wurde. Sie werden wissen, dass Sunridge keine Luna verloren hat. Sie haben ein Monster erschaffen."

Stille erfüllte den Kriegsraum.

Die Kommandanten starrten die silberhaarige Frau an, die vor ihrem High Alpha stand. Sie war nicht mehr das gequetschte, verängstigte Mädchen, das erst vor ein paar Tagen in der Zitadelle angekommen war.

Cassian streckte die Hand aus und umklammerte die Seite ihres Halses und legte seinen Daumen auf ihren Puls. Ein leises Lachen entging ihm.

"Samme die Vorhut", befahl Cassian, seine Stimme trug sich durch den Raum. "Wir marschieren um Mitternacht. Und stellen Sie sicher, dass die Rüstung der Luna in der Abenddämmerung angebracht ist."

Lyra konnte ihre Aufregung kaum zurückhalten. Sie hatte sich noch nie so kraftvoll oder so selbstbewusst in ihrer eigenen Stimme gefühlt. Sie war sich nicht sicher, was sie auf dem Schlachtfeld erwartete, aber eines wusste sie.

Sie würde sich nicht wieder verstecken.

Die Nacht war bitterkalt, als die Shadow Vanguard den Grat mit Blick auf den Viper's Pass erreichte.

Lyra stand neben Cassian am Rande der Klippe, gekleidet in dunkle Stahlrüstung, die mit silbernen Runen verziert war, die zu ihrem Haar passten. Ein dicker, mit schwarzem Fell gefaderter Umhang bedeckte ihre Schultern und hielt sie gegen den Bergwind warm.

Unter ihnen füllten Tausende von Schurken den engen Canyon, ihre Fackeln beleuchteten den Pass. Rohe Eisenbanner schwankten über der marschierenden Armee, während ihr Lachen und ihre Spott zwischen den Klippen widerhallten.

An der Spitze der Armee ritt Alpha Kaelen auf einem massiven schwarzen Kriegspferd. Vespera ritt neben ihm, in Samt gekleidet und von Wachen umgeben.

"Sieh sie dir an", flüsterte Cassian in der Nähe von Lyras Ohr, seine Hand ruhte auf dem Griff seines Breitschwerts. "Schnecken, die durch einen Riss im Felsen gleiten."

Lyra schaute auf Kaelen herab. Selbst vom Grat aus konnte sie seine arrogante Haltung erkennen. Er glaubte, dass seine Zahlen Cassian zwingen würden, sie kampflos zu übergeben.

Kaelen hob ein silbernes Horn an seine Lippen und blies eine harte Note, die durch den Pass hallte und seiner Armee signalisierte, aufzuhören. Er drängte sein Pferd nach vorne und blickte auf den Grat, wo Cassian unter dem mondbeschienenen Himmel stand.

"Cassian!" Kaelens Stimme dröhnte durch den Canyon, gestärkt durch seine Alpha-Aura. "Dies ist Ihre letzte Chance, eine totale Vernichtung zu vermeiden! Übergeben Sie die stumme Schlampe, zahlen Sie Entschädigungen für den Schaden an meiner Zitadelle, und wir werden zurückkehren! Weigern Sie sich, und wir werden diese Berge mit dem Blut Ihres Rudels bemalen!"

Die Schurken brüllten zustimmend und schlugen ihre Äxte gegen ihre Schilde. Das Geräusch hallte durch den Canyon, während sie auf Cassians Antwort warteten.

Cassian schwieg. Er hob sein Schwert nicht und antwortete nicht mit einem Knurren.

Stattdessen trat er zurück und bot Lyra seine Hand an, die sie zum Rand des Kamms und ins Mondlicht führte.

Das Geschrei unten hörte allmählich auf. Die Fackeln beleuchteten Lyras silberweißes Haar und die dunkle Stahlrüstung, die ihren Körper bedeckte.

Kaelen starrte sie an, seine Augen weiteten sich.

"Lyra...?"

Vespera drängte ihr Pferd nach vorne, ihre Stimme scharf vor Wut.

"Was trägt sie?! Kaelen, sag deinen Männern, sie sollen sie erschießen! Töte sie!"

Lyra schaute auf den Mann herab, der sie fünf lange Jahre lang geschlagen, ausgehungert und gedemütigt hatte. Dann sah sie die Frau an, die mit einem Lächeln zugesehen hatte, wie Kaelen sie von allem befreite.

Sie hatte keine Angst mehr vor ihnen.

Die Kraft in ihr rührte sich, und sie spürte, wie sie sich in ihrer Brust aufbaute. Diesmal würde sie sich davon nicht kontrollieren lassen. Sie würde entscheiden, wie sie es benutzt.

Lyra holte tief Luft und füllte ihre Lungen mit der kalten Bergluft. Die vertraute Wärme in ihrer Brust wurde stärker, bis ein helles violettes Licht durch den Kragen ihrer Rüstung schien.

Dieses Mal hat sie nicht gesummt.

Sie öffnete ihren Mund und ließ eine einzige, kraftvolle Note los, die sich durch den Canyon trug.

AAAAAHHHHH—

Das Geräusch traf die Steinklippen von Viper's Pass.

BUMM!

Risse verteilen sich über die Bergflächen auf beiden Seiten des Canyons. Der Boden bebte, als sich massive Felsbrocken von den Gipfeln lösten und in den Pass einstürzten.

Die Schurkenarmee fiel ins Chaos. Pferde zogen auf und warfen ihre Reiter. Die Soldaten schrien, als der Boden unter ihren Füßen zitterte, während mehrere Alphas auf die Knie fielen und ihre blutenden Ohren umklammerten, als das Lied der Sirene durch ihre Körper vibrierte.

Kaelens Pferd stieß heftig und warf ihn auf den felsigen Boden. Er kletterte, um nach oben zu schauen, nur um zu sehen, wie die Klippe über seiner Frontlinie auseinanderbrach.

Der Berg stürzte auf seiner Armee ein.

Über ihnen stand Lyra auf dem Grat, ihr silbernes Haar peitschte im Wind, während ihre Stimme die Berge um sie herum erschütterte.

Neben ihr zog Cassian sein massives schwarzes Stahlschwert und richtete es auf den zerstörten Canyon.

"Schatten-Avantgarde!" Cassian brüllte über dem Geräusch von fallenden Steinen. "Komm runter!"

KAPITEL SECHS

Die Lawine

Das Geräusch der einstürmenden Schluchtmauer übertönte die Schreie der Schurkenarmee.

Riesige Felsbrocken stürzten in den Viper's Pass und zerquetschten Schilde, Kriegswagen und Versorgungsleitungen darunter. Staub erfüllte die Luft, bedeckte die Frontlinien und machte es schwierig, etwas über ein paar Meter hinaus zu sehen.

Lyra brachte ihre Stimme langsam zum Stillste.

Ihre Lungen brannten und ihre Kehle pochte vor Anstrengung, aber ihre Hände blieben ruhig. Unten war die Schurkenarmee im Chaos. Die Hälfte des Passes lag unter den umgestürzten Felsen vergraben, und die Überlebenden rannten in Panik herum und trampelten ihre eigenen Banner mit Füßen, während sie versuchten, in Richtung der südlichen Ödlande zu fliehen.

Hinter ihr stürmten die vierhundert Elitekrieger der Schattenvorhut den Berg hinunter. Sie folgten engen Pfaden entlang der Klippen, ihre Schwerter gezogen, während sie die verstreuten Schurken verfolgten.

"Torin!" Cassians Stimme ertönte über dem Chaos. "Sichern Sie den Umfang! Lassen Sie keinen der südlichen Kriegsherren am Leben, um sich neu zu gruppieren!"

"Verstanden, High Alpha!" Schrie Torin, bevor er einen Trupp von Kriegern in den Staub unten führte.

Cassian wandte sich an Lyra. Er achtete nicht auf die Kämpfe unter ihnen. Seine sturmgrauen Augen waren auf sie gerichtet, als er näher kam und ihren Helm löste. Als er es weghob, fiel ihr silbernes Haar im kalten Nachtwind über den Rücken.

Er berührte sanft ihre Wangen und suchte in ihrem Gesicht nach Anzeichen von Schmerz.

"Bist du intakt, kleiner Vogel?" Murmelte er.

Lyra warf einen Blick auf ihre behandschuhten Hände, bevor sie seinem Blick begegnete.

"Ich bin nicht kaputt gegangen."

Ein dunkles Lächeln huschte über Cassians Gesicht.

"Nein. Du hast stattdessen eine Armee gebrochen."

Er nahm ihre Hand und führte sie den felsigen Weg hinunter in Richtung des Canyonbodens. Die Luft roch nach Blut, Schotter und Rauch. Einige Schurken waren unter den umgestürzten Felsen gefangen und schrien um Hilfe, während sich die Schatten-Avantgarde durch das Wrack bewegte, Waffen von den Überlebenden nahm und verhinderte, dass jemand entkommen kann.

In der Nähe der Mitte des Passes stöhnte ein Mann, als er sich unter dem kaputten Rad eines Kriegswagens hervorzog.

Es war Kaelen.

Seine polierte silberne Rüstung war verbogen und mit Schlamm bedeckt. Blut lief von einem Schnitt auf seinem Kopf, und sein rechter Arm hing nutzlos an seiner Seite. In kurzer Entfernung hockte sich Vespera hinter einem Felsbrocken, ihr Saphirkleid war zerrissen und schmutzig. Sie schluchzte, als zwei Schattenkrieger sie mit dem Schwert festhielten.

Kaelen kämpfte sich auf die Knie und hustete Staub auf. Seine blutunterlaufenen Augen fanden Cassian, bevor er sich zu Lyra bewegte, die neben dem Souveränen in der dunklen Stahlrüstung von Shadow Veil stand, völlig unverletzt.

"Lyra...", raubte er, seine Stimme zitterte vor Wut und Unglauben. "Du... du verräterische kleine Hexe... du hast deinen eigenen Menschen den Berg hinuntergebracht..."

Lyra blieb ein paar Schritte von ihm entfernt stehen. Cassian bewegte sich nicht vor ihr. Stattdessen trat er zur Seite, verschränkte die Arme und erlaubte ihr, Kaelen selbst gegenüberzustehen.

"Meine Leute?" Fragte Lyra mit ruhiger und scharfer Stimme. "Leute, die gesehen haben, wie du mich fünf Jahre lang geschlagen hast und nichts gesagt haben? Leute, die gelacht haben, als du mich in der Zitadelle ausgehungert hast?"

Sie ging zwei Schritte auf ihn zu, ihre Stiefel knirschten gegen den Kies.

"Sunridge war nie mein Volk, Kaelen. Es war mein Käfig."

Kaelen versuchte aufzustehen, sein Wolf bewegte sich, während er sich abmühte, seine Alpha-Aura gegen sie zu drücken.

"Du gehörst mir! Die Partner-Bindung -"

"Die Bindung starb an dem Tag, an dem du das Leben meines Bruders bedroht hast, um meine Hand zu zwingen", unterbrach Lyra kalt.

Kaelen wandte sich an Cassian, Verzweiflung verdrehte sein Gesicht in etwas Hässliches.

"Sie ist eine Sirene, Cassian! Sie ist ein Monster! In dem Moment, in dem sie dich satt hat, wird sie diese verrückte Stimme benutzen, um dein eigenes Rudel gegen dich zu wenden! Töte sie jetzt, solange du sie noch an der Leine hältst!"

Cassian griff nicht einmal nach seinem Schwert. Er schaute auf den gebrochenen Alpha herab, ohne eine Spur von Sorge.

"Ich halte sie nicht an der Leine, Kaelen", antwortete er sanft. "Ich habe das Tor offen gehalten, damit sie dir die Kehle ausbeißen konnte."

Lyra griff nach dem Dolch an ihrer Taille. Cassian hatte es ihr gegeben, bevor sie die Zitadelle verließen. Seine schlanke, silberne Klinge fing das Mondlicht ein, als sie es aus seiner Scheide zog.

Kaelens Atem stockte. Er kletterte rückwärts, bis sein Rücken das gebrochene Wagenrad traf. Zum ersten Mal war die Angst in seinen Augen unverkennbar.

"Lyra... warte... denk an Sunridge... denk an deine Familie..."

"Ich denke an sie", flüsterte Lyra.

Dann trat sie mit dem silbernen Dolch in der Hand vor.

Kaelen drückte sich fester gegen das kaputte Wagenrad, seine Augen wanderten zwischen Lyras Gesicht und dem Dolch in ihrer Hand.

"Lyra, bitte. Wir waren Freunde. Du kannst nicht ernsthaft daran denken, mich zu töten.“

Sie legte ihren Kopf schief. "Du schienst mit der Idee vollkommen zufrieden zu sein, als du dachtest, ich wäre derjenige, der sterben würde."

Sein Mund öffnete sich, aber nichts kam heraus.

Lyra warf einen Blick auf seinen gebrochenen Arm und dann zurück auf sein Gesicht. Fünf Jahre lang hatte sie sich vorgestellt, wie es sich anfühlen würde, Kaelen Angst vor ihr zu sehen.

Sie hatte gedacht, dass sie etwas Mächtiges fühlen würde, etwas, das jede Nacht, die sie allein in seiner Zitadelle geweint hatte, wieder wetmachen würde.

Stattdessen fühlte sie sich seltsam ruhig.

"Weißt du, was dein größter Fehler war?" Sie fragte.

Kaelen schluckte.

"Du lässt mich glauben, dass ich deine Erlaubnis brauche, um jemand zu sein."

Lyra senkte den Dolch und fuhr ihn dann neben Kaelens Knie in den Boden.

"Du bist es nicht wert, meine Hände zu beflecken."

Cassians Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, aber er hielt klugerweise den Mund.

"Etwas Amüsantes, High Alpha?" Fragte Lyra.

"Gegar nicht. Ich entdecke einfach, dass mein kleiner Vogel schärfere Krallen hat, als ich erwartet hatte."

"Nenn mich noch einmal so, und du könntest ein paar Finger verlieren."

Sein Lächeln wurde breiter. "Vermerkt."

Cassian befahl seinen Kriegern, Kaelen und Vespera in Gewahrsam zu nehmen. Als sie weg waren, spürte Lyra endlich die Belastung, ihre Stimme zu benutzen. Ihre Knie wurden schwach, und Cassian packte sie um die Taille, bevor sie stolpern konnte.

"Beruhige dich", murmelte er und drückte sie an sich.

"Mir geht es gut."

"Natürlich. Du hast nur einen Berg heruntergebracht."

"Ich war rücksichtsvoll. Ich hätte die ganze Sache runterbringen können."

Cassian lachte, und Lyra starrte ihn an. Sie hatte diesen Klang von ihm nicht erwartet, und sie hatte sicherlich nicht erwartet, wie gerne sie es hören würde.

Sein Blick richtete sich auf ihr Gesicht. "Was ist das?"

"Nichts."

"Dann hör auf, mich so anzusehen, kleiner Vogel. Ich werde anfangen zu denken, dass du mich hübsch findest."

Lyras Wangen erwärmten sich. "Ich würde eher einem Stein ein Kompliment machen."

"Wie bedauerlich. Ich begann zu glauben, dass ich eine Chance hatte."

Sie verdrehte die Augen, aber ihr Lächeln verriet sie.

Cassian bot ihr seinen Arm an, sein Gesichtsausdruck wurde sanfter. "Komm schon. Lass mich dich an einen warmen Ort bringen, bevor du dich entscheidest, einen weiteren Berg hinunterzubringen."

Lyra schob ihre Hand um seinen Arm und tat so, als würde sie nicht bemerken, wie natürlich er sein Tempo an ihr angepasst hatte.

"Du bist immer noch irritierend", murmelte sie.

"Und doch hältst du dich ziemlich fest."

Sie lockerte sofort ihren Griff.

Cassian kicherte, und Lyra entschied, dass sie, sobald sie sich erholt hatte, vielleicht doch einen kleinen Berg hinunterbringen musste.

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