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Die kaputte Glocke

Autor: Sweetheart
last update Fecha de publicación: 2026-11-04 02:51:54

KAPITEL ZWEI

Die kaputte Glocke

Stille erfüllte den Raum.

Alpha Kaelen richtete seine Manschetten auf, obwohl das leichte Zittern in seiner Hand seine Nervosität verriet. High Alpha Cassian war kein Mann, dem jemand zu überqueren wagte. Er hatte ganze Gebiete in die Knie gezwungen, und Kaelen wusste, dass er in seiner Nähe vorsichtig sein musste. Dennoch zwang er sich ein arrogantes Lächeln ins Gesicht und versuchte, die Kontrolle über die Situation wiederzuerlangen.

"High Alpha Cassian", sagte Kaelen, seine Stimme etwas lauter als sonst. "Sie ehren uns mit Ihrer frühen Ankunft. Aber wie Sie sehen, ist dies eine private Angelegenheit zwischen mir, meiner Luna und meinem zukünftigen Partner. Ich muss Sie respektvoll bitten, in der Haupthalle zu warten."

Cassian bewegte sich nicht. Seine Aufmerksamkeit blieb auf Lyra, und Kaelens Worte schienen sich kaum zu registrieren. Seine grauen Augen nahmen das Blut auf ihrer Unterlippe auf, die blauen Flecken, die sich über ihr Schlüsselbein unter ihrem zerrissenen Kleid ausbreiteten, und den silbernen Stift, den sie immer noch in ihren zitternden Fingern hielt.

"Luna?" Murmelte Cassian, seine Stimme kalt vor Verachtung. "Nennst du das eine Frau, die du auf den Knien hältst und sie zwingst, ihr Leben unter Drohung zu unterschreiben?"

Vespera erhob sich vom Sofa und glättete ihr Saphirkleid. Sie arrangierte ihre bemalten Lippen zu einem süßen Lächeln, in der Hoffnung, unschuldig zu erscheinen.

"Eure Gnade, Sie haben mich missverstanden. Lyra ist... krank. Ihr fehlt die mentale Stärke, um die Pflichten eines Alpha-Paten zu bewältigen. Kaelen befreit sie einfach von einer Last, für die sie nie gebaut wurde. Zum wohl des Sunridge Packs."

Cassian schaute schließlich von Lyra weg. Sein Blick richtete sich auf Vespera, und ihre Worte starben in ihrer Kehle. Ihr Lächeln stockte unter dem Gewicht seines Blicks.

"Du wirst mich nicht ansprechen, Konkubine", sagte Cassian kalt.

Vespera schnappte nach Luft, ihr Gesicht wurde rot vor Demütigung. Kaelen ballte den Kiefer zusammen, sein Stolz als Alpha ließ ihn auslagen. Aber er wusste es besser, als Cassian herauszufordern.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, überquerte Cassian den Raum in drei langen Schritten.

Jeder Instinkt in Lyra drängte sie, sich zurückzuziehen und sich auf einen weiteren Schlag vorzubereiten. Sie hatte sich so daran gewöhnt, verletzt zu werden, dass sie nichts anderes mehr erwartete.

Aber als Cassian vor ihr kniete, passierte etwas Unerwartetes.

Der Druck seiner Macht änderte sich. Anstatt sie unter seinem Gewicht zu zerquetschen, schien es sie zu schützen, Kaelens bedrückende Aura zu blockieren und ihr Raum zum Atmen zu geben.

Cassian streckte die Hand aus und berührte sanft ihren Kiefer. Seine Finger waren warm gegen ihre gequetschte Haut, und die unerwartete Sanftmut ließ sie verwirrt zurück.

"Schau mich an", befahl er.

Lyra gehorchte. Sie hob ihren Kopf und traf seine sturmgrauen Augen mit ihren haselnussbraunen Augen. Sie sah kein Mitleid oder Verachtung in seinem Gesichtsausdruck. Stattdessen hatte die Art und Weise, wie er sie studierte, etwas Intensives, etwas, das ihr Herz höher schlagen ließ. Sie konnte es nicht verstehen, und sie hatte nicht die Kraft, darüber nachzudenken.

"Kannst du sprechen, kleiner Vogel?" Fragte Cassian leise. "Oder hat er dir das auch gestohlen?"

Lyras Kehle zog sich zusammen.

Die Hitze, die sie fünf Jahre lang unterdrückt hatte, begann in ihr zu steigen. Sie wollte schreien. Sie wollte ihm erzählen, wie Kaelen sich im vergangenen Winter die Rippen gebrochen hatte, wie Vespera ihren Tee vergiftet hatte, um sie zu schwächen, und wie jede Nacht in der Zitadelle ein weiterer Albtraum gewesen war, dem sie nicht entkommen konnte.

Sie wollte jemanden, der es stoppen lässt.

Das erschreckte sie mehr als alles, was Kaelen oder Vespera ihr antun konnte. Sie hatte so lange überlebt, indem sie von niemandem abhängig war, und sie wusste nicht, was passieren würde, wenn sie sich jetzt erlauben würde, jemandem zu vertrauen.

Sing niemals, Lyra. Sprich niemals in Wut.

Die Warnung ihrer Mutter hallte in ihrem Kopf wider.

Anstatt zu sprechen, öffnete Lyra langsam ihre Finger und ließ den silbernen Stift fallen.

Es traf den Marmorboden mit einem scharfen Klappern.

Cassian warf einen Blick auf den Stift, bevor ein schwaches, gefährliches Grinsen auf seinen Lippen erschien. Er stand auf und wandte sich wieder Kaelen zu.

"Sie hat nicht unterschrieben", bemerkte er trocken.

"Sie wird unterschreiben!" Kaelen schnappte und gab seine Versuche auf, gelassen zu wirken. Seine Frustration hat ihn endlich übermerst. Er packte Lyra am Arm und zog sie auf die Füße.

Der Schmerz schoss durch ihre Schulter, und sie kämpfte darum, ein Keuchen zu unterdrücken.

"Sie ist mein Rudelmitglied, gebunden an meine Blutlinie! Sie haben hier keine Autorität, Souverän!"

"Kaelen, hör auf -" begann Vespera, aber sie war zu spät.

In dem Moment, in dem Kaelens Finger sich in die frischen blauen Flecken auf Lyras Arm graben, zerbrach etwas in ihr.

Fünf Jahre Stille. Fünf Jahre Unterwerfung. Fünf Jahre lang schluckte sie ihren Schmerz und tat so, als könnte sie alles ertragen.

Es kam alles auf einmal zurück, und die Wut, die sie so lange begraben hatte, überwältigte sie schließlich.

Sie hatte nicht die Absicht, es zu veröffentlichen. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie es aufhalten konnte.

Lyra öffnete ihre Lippen und schnappte nach Luft, aber das Geräusch, das aus ihrer Kehle kam, war kein Hilferuf.

Es war eine durchdringende Note, die die gesamte Zitadelle erschütterte.

CRACK.

Die verbleibenden Buntglasfenster zerbrachen sofort und schickten Scherben, die in die Kammer regneten. Über ihnen schwang der Kristallleuchter heftig. Seine Eisenkette riss, und die schwere Vorrichtung stürzte in die Mitte des Raumes.

Kaelen schrie und ließ Lyra los, wobei er beide Hände über seine blutenden Ohren drückte, bevor er auf die Knie fiel. Vespera fiel zu Boden und schrie, als das Geräusch ihre Sinne überwältigte und ihren Wolf zurückließ, um zu antworten.

Sogar die Wachen vor den zerbrochenen Türen brachen zusammen und umklammerten ihre Köpfe, als sich die Schockwelle durch die Zitadelle ausbreitete. Im Hof hörte die Festivalmusik abrupt auf, und die Feierlichkeiten verstummten.

Lyra stand inmitten der Zerstörung und schnappte nach Luft. Ihre Brust hob und senkte sich, als das Geräusch verblasste und eine klingelnde Stille hinterließ. Blut tropfte aus ihrer Nase, aber zum ersten Mal seit fünf Jahren war die Enge in ihrer Brust verschwunden.

Dann sah sie sich um und erkannte, was sie getan hatte.

Kaelen war auf allen Vieren und zitterte, als er sie anstarrte. Die Angst in seinen Augen war unverkennbar. Er betrachtete sie nicht mehr als eine schwache Partnerin. Er schaute auf etwas, von dem er sich nie hätte vorstellen können, dass sie es sein könnte.

"Eine Sirene..." Kaelen raschelte, Blut lief aus seinen Lippen. Seine Stimme zitterte, als er sich abmühte zu sprechen. "Du bist... ein Sirenen-Wolf..."

Lyra stolperte rückwärts, ihr Herz klopfte.

Sie würden sie jetzt töten.

Die alten Gesetze waren klar. Sirenen-Wölfe solten auf Sichtweite hingerichtet werden, um sie daran zu hindern, Alpha-Blutlinien zu zerstören. Es war egal, dass sie nie jemanden verletzen wollte. Es spielte keine Rolle, dass sie fünf Jahre damit verbracht hatte, zu verbergen, was sie war.

Jetzt wussten sie es.

Sie wandte sich der zerstörten Tür zu, verzweifelt zu entkommen, bevor jemand sie aufhalten konnte. Aber bevor sie einen weiteren Schritt machen konnte, legte sich ein schwerer schwarzer Mantel über ihre gequetschten Schultern.

Starke Arme zogen sie gegen eine breite Brust.

Lyra sah zu Cassian auf und erwartete, dieselbe Angst und den gleichen Ekel zu finden, den sie in Kaelens Augen gesehen hatte.

Stattdessen sah der Hohe Alpha sie mit einem Ausdruck an, der sie völlig überraschte. In seinen Augen war etwas heftiges zu sehen, fast wie Stolz.

Er hob seine Hand und wischte sanft mit seinem Daumen das Blut von ihrer Lippe.

"Faszinierend", flüsterte Cassian, seine Stimme war trotz der Zerstörung um sie herum ruhig. Er schien völlig unberührt von dem Geräusch zu sein, das eine ganze Zitadelle in die Knie gezwungen hatte. "Eine Stimme, die Alphas brechen kann."

Bevor Lyra reagieren konnte, hob er sie in seine Arme, als ob sie nichts wog.

"Cassian... leg sie hin..." Kaelen stöhnte vom Boden. Er griff schwach nach seiner Waffe, konnte aber nicht stehen. "Sie ist... ein Monster... sie gehört zu Sunridge..."

Cassian blieb an der Tür stehen und blickte zurück auf den kaputten Alpha.

"Sie gehört niemandem, der mit ihrem Lied nicht umgehen kann", sagte er und seine Stimme trug sich durch die stille Halle. "Ab diesem Moment wird Sunridge Pack seiner Luna beraubt. Versuchen Sie, sie zurückzunehmen, Kaelen, und ich werde nicht nur Ihre Fenster einschlagen. Ich werde deine Zitadelle zu Asche verbrennen und dich dazu bringen, zuzusehen."

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