LOGINSie war einst eine Luna, vom falschen Alpha geliebt und durch seinen Verrat gebrochen. Jetzt hat Lyra die Macht entdeckt, die er jahrelang zum Schweigen bringen wollte. Mit einer Stimme, die Königreiche in die Knie zwingen kann, ist sie nicht länger die hilflose Gefährtin, die Kaelen beiseite geworfen hat. Sie ist der Sirenenwolf und bereit, ihre Feinde dafür bezahlen zu lassen. Aber Rache hat ihren Preis, und der gefährliche Hochalpha, der sie gerettet hat, könnte der einzige Mann sein, der ihrer Macht gleichkommen kann. Er gab ihr eine Stimme. Sie könnte es einfach benutzen, um seine Welt zu zerstören. Rache des Sirenenwolfs
View MoreKapitel Eins
Das Glas Luna
Lyra konnte Blut in ihrem Mund schmecken. Sie behielt es dort und weigerte sich zu schlucken. Schlucken würde bedeuten, zu zucken, und zucken würde Kaelen nur dazu bringen, seinen Griff um ihre Kehle zu straffen.
"Schau mir in die Augen, während ich dir deinen Titel entziehe, Lyra", spuckte Kaelen. Seine Stimme war kalt und voller Ekel.
Sie standen in der Haltekammer von Sunridge Citadel. Draußen trieb Gelächter und Jubel von der Sonnenwendefeier durch die Buntglasfenster. Der Lärm aus dem darunter liegenden Innenhof erfüllte die Zitadelle, als sich Tausende von Rudelmitgliedern zum zeremoniellen Toast versammelten.
Sie glaubten, dass sie dort waren, um fünf Jahre Lyras Dienst als Luna zu feiern. Keiner von ihnen wusste, dass ihre Luna in der Kammer auf ihren Knien lag und unter dem Griff ihres Partners ums zu atmen kämpfte.
"Du bist stumm. Ein nutzloser Schatten", zischte Kaelen und drückte seine Finger um ihre Kehle. "Fünf Jahre lang habe ich das Rudel glauben lassen, dass du fit bist, um neben mir zu sitzen. Ich habe dich mit Schmeck angezogen und dich mit Fett gefüttert. Fünf Jahre lang haben Sie Ihre Fehler versteckt. Bis zum Ende. Jetzt trägt Vespera meinen Erben. Ein Junge."
Lyra hob ihren Blick vom Boden und schaute an Kaelens breiter Schulter vorbei in Richtung des Samtsofas.
Vespera saß da und wirbelte ruhig ein Glas Rotwein zwischen ihren Fingern. Erst jetzt bemerkte Lyra die Details, die sie in ihrer Not übersehen hatte. Vespera trug ein königliches Saphirkleid, genau den Farbton, der für Luna des Rudels reserviert war. Als sich ihre Blicke trafen, grinste Vespera, bevor sie einen langsamen Schluck von ihrem Wein nahm.
"Immer noch kein Wort, ich verstehe, Kleiner." Sie lachte leise, spöttisch. "Sie spricht nicht, Kaelen, Liebling", schnurrte Vespera und gab vor, mitfühlend zu sein. "Verschwenden Sie nicht Ihren Atem damit, Antworten von einer kaputten Glocke zu verlangen. Sie einfach das Ablehnungsdekret unterschreiben lassen, damit wir auf den Balkon gehen können."
"Sie wird unterschreiben. Du WIRST unterschreiben", knurrte Kaelen und schob Lyra vor dem Marmorschreibtisch wieder auf die Knie. "Und dann wirst du auf dem Balkon hinter Vespera stehen und ihren Zug halten wie der Diener, für den du geboren wurdest."
Lyras Brust zog sich zusammen, als sie Schwierigkeiten hatte zu atmen. Fünf Jahre, in denen er seine Strafen ertragen hat. Fünf Jahre lang versteckte sie blaue Flecken unter Seidenschichten und hörte den Ältesten zu, die sie beleidigten, ohne sich jemals zu verteidigen.
Sie hatte ihre Stimme verschlossen, selbst wenn die seltsame Wärme in ihrem Hals zu befreien drohte, wenn sie zu weit gedrängt wurde. Ihre verstorbene Mutter hatte sie mit ihrem letzten Atemzug gewarnt: Sing niemals, Lyra. Sprich niemals in Wut, oder sie werden dich jagen.
Lyra hatte also geschwiegen. Sie war die ruhige, gehorsame Luna, die Kaelen wollte, diejenige, die ihn nie herausforderte oder die Ältesten des Rudels befragte.
"Unterschreibe es", schnappte Kaelen und warf einen silbernen Stift auf das Papier vor ihr. "Oder ich werde deinen Bruder heute Abend seines Ranges entzogen und an die Grenzen schicken lassen."
Lyras Hände zitterten, als sie nach dem Stift griff. Ihr Herz schmerzte, aber der Gedanke, dass ihr gebrechlicher Bruder gezwungen war, die eisigen Bedingungen der Grenzpatrouille zu ertragen, ließ ihr wenig Wahl. Sie konnte nicht zulassen, dass Kaelen Schet um ihrertwillen bestrafte.
Verstecken. Aushalten. Schützen Sie, was noch übrig ist.
Sie wiederholte die Worte schweigend, wie sie es getan hatte, solange sie sich erinnern konnte.
Mit Tränen, die ihre Sicht verwischten, drückte sie den Stift auf das Papier. Ihre Finger zitterten so sehr, dass sie es kaum halten konnte. Sie war dabei, ihren Titel, ihre Position und das einzige Leben, das sie je gekannt hatte, zu unterschreiben, wenn es bedeutete, dass Schet in Sicherheit sein würde.
Gerade als sie sich versammelte, um das Ablehnungsdekret zu unterzeichnen, platzten die schweren Mahagonitüren nach innen und splitterten, als sie gegen die Wände schlugen.
Vespera schrie und ließ ihr Weinglas fallen. Es zerbrach über den Boden, als sich Kaelen drehte, seine Hacken hoben sich. Seine Alpha-Aura breitete sich durch die Kammer aus und drückte auf alle im Inneren.
Ein Mann in einem dunklen, maßgeschneiderten Mantel trat durch die zerbrochene Tür. Er war groß und breitschulterig, und seine Anwesenheit reichte aus, um sogar Kaelens Wolf im Hinterkopf wimmern zu lassen.
Der Fremde ging am abgebrochenen Holz vorbei und ins Licht.
Hoher Alpha Cassian. Souverän des Schattenschleiers.
Er war der am meisten gefürchtete Mann auf dem Kontinent, ein Führer, der auf keinen Rat reagierte, keinen Vertrag respektierte und keine Gesetze außer seinen eigenen befolgte.
Cassian ignorierte Kaelen. Seine stürmischen grauen Augen bewegten sich durch den Raum, vorbei an Vespera, bevor sie sich auf Lyra niederließen. Sie war immer noch auf den Knien, Blut auf der Lippe und ein Stift in ihrer zitternden Hand.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Sein Kiefer zog sich zusammen, als er den Anblick vor ihm aufnahm.
"Alpha Kaelen", sagte Cassian und seine tiefe Stimme trug sich durch den Raum. "Ich wurde zu der Annahme veranlasst, dass du mich zu einer Feier eingeladen hast. Aber hier sehe ich einen Feigling und einen Eindringling, die eine Frau schlagen, die nicht zu ihm gehört."
KAPITEL FÜNFDer BluteidDer Kriegsraum unter der Schattenzitadelle wurde von Eisenfeuern beleuchtet, die mit roten und bernsteinfarbenen Flammen brannten. In der Mitte stand ein großer Schiefertisch, der mit Karten der nördlichen und südlichen Gebiete eingraviert war.Cassian stand über der Karte, beide Hände ruhten auf der Tischkante. Neben ihm studierte Lyra das mit Silber versiegelte Pergament, das Torin vor sie gelegt hatte. Die Robbe trug den Kamm von Sunridge, eine goldene Sonne hinter einem knurrenden Wolf, der jetzt mit getrocknetem Blut befleckt ist."Eine Bluteidsammlung", spuckte Torin und verschränkte seine vernarbten Arme. "Kaelen ist verrückt. Die südlichen Schurken anzurufen bedeutet, Schwertkämpfer, Mörder und verbannte Alphas in zivilisiertes Gebiet einzuladen. Er öffnet die Schleusen, nur um eine Frau zurückzuziehen.""Er tut es nicht nur, um sie zurückzubekommen", antwortete Cassian mit ruhiger, aber kalter Stimme. "Er tut es, weil sein Rudel zusah, wie er von eine
KAPITEL VIERDie erste NotizDie Quartiere des Souvereign Luna waren geräumig, mit dunklen Marmorwänden und einem großen Steinkamin, der den Raum warm hielt. Doch drei Tage lang war Lyra kaum über den Balkon hinausgetreten.Sie stand am Rande der Terrasse, in einen dicken Wollumhang gehüllt, mit Blick auf die Obsidian Mountains. Unten trainierten die Shadow Veil-Krieger zusammen, ihre Bewegungen präzise und gut koordiniert. Es gab keine Ohrfeigen oder grausamen Beleidigungen wie die, die sie in Sunridge ertragen hatte. Nur der Zusammenprall von Stahl und das Knurren der Wölfe, als sie mit ihren Mitkriegern trainierten.Ein heftiges Klopfen ertönte an der Tür, bevor sie sich öffnete.Cassian trat ein und trug ein silbernes Tablett mit heißer Brühe, frischem Brot und einem kleinen Glasfläschchen, das mit leuchtend bernsteinfarbener Flüssigkeit gefüllt war. Er trug nicht seine übliche Kampfrüstung, nur eine dunkle Tunika mit hochgekrempelten Ärmeln, die die dunklen Tätowierungen enthüllt
KAPITEL DREIZufluchtsortDie schwarzen Stahltore öffneten sich und enthüllten den Eingang zum Shadow Veil Territory. Dies war Cassians Haus, erinnerte sich Lyra.Sie stützte ihre Stirn gegen das kühle Glas von Cassians gepanzertem Transportmittel und beobachtete, wie die Kiefernwälder einer riesigen Festung im Obsidiangebirge weichen. Im Gegensatz zur Sunridge-Titadelle, in der jede Marmorsäule dazu gedacht zu sein schien, Kaelens Reichtum zu zeigen, war die Schattenzitadelle dunkel, imposant und zur Verteidigung gebaut. Alles daran verlangte Respekt, und niemand würde es wagen, den Alpha herauszufordern, der es regierte.Torin, Cassians Beta, saß auf dem Beifahrersitz. Der vernarbte, ruhige Mann blickte durch den Rückspiegel zurück zu ihnen."Die Perimeterscouts berichten von keiner Bewegung von Sunridge, High Alpha. Kaelen erholt sich immer noch von... dem Vorfall.""Er wird sich nicht bewegen, bis er das Blut aus seinen Ohren wischt", antwortete Cassian beiläufig vom Sitz neben Ly
KAPITEL ZWEIDie kaputte GlockeStille erfüllte den Raum.Alpha Kaelen richtete seine Manschetten auf, obwohl das leichte Zittern in seiner Hand seine Nervosität verriet. High Alpha Cassian war kein Mann, dem jemand zu überqueren wagte. Er hatte ganze Gebiete in die Knie gezwungen, und Kaelen wusste, dass er in seiner Nähe vorsichtig sein musste. Dennoch zwang er sich ein arrogantes Lächeln ins Gesicht und versuchte, die Kontrolle über die Situation wiederzuerlangen."High Alpha Cassian", sagte Kaelen, seine Stimme etwas lauter als sonst. "Sie ehren uns mit Ihrer frühen Ankunft. Aber wie Sie sehen, ist dies eine private Angelegenheit zwischen mir, meiner Luna und meinem zukünftigen Partner. Ich muss Sie respektvoll bitten, in der Haupthalle zu warten."Cassian bewegte sich nicht. Seine Aufmerksamkeit blieb auf Lyra, und Kaelens Worte schienen sich kaum zu registrieren. Seine grauen Augen nahmen das Blut auf ihrer Unterlippe auf, die blauen Flecken, die sich über ihr Schlüsselbein unte











