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Die Rache Der Sirenenwölfin
Die Rache Der Sirenenwölfin
Author: Sweetheart

Das Glas Luna

Author: Sweetheart
last update publish date: 2026-11-04 02:50:45

Kapitel Eins

Das Glas Luna

Lyra konnte Blut in ihrem Mund schmecken. Sie behielt es dort und weigerte sich zu schlucken. Schlucken würde bedeuten, zu zucken, und zucken würde Kaelen nur dazu bringen, seinen Griff um ihre Kehle zu straffen.

"Schau mir in die Augen, während ich dir deinen Titel entziehe, Lyra", spuckte Kaelen. Seine Stimme war kalt und voller Ekel.

Sie standen in der Haltekammer von Sunridge Citadel. Draußen trieb Gelächter und Jubel von der Sonnenwendefeier durch die Buntglasfenster. Der Lärm aus dem darunter liegenden Innenhof erfüllte die Zitadelle, als sich Tausende von Rudelmitgliedern zum zeremoniellen Toast versammelten.

Sie glaubten, dass sie dort waren, um fünf Jahre Lyras Dienst als Luna zu feiern. Keiner von ihnen wusste, dass ihre Luna in der Kammer auf ihren Knien lag und unter dem Griff ihres Partners ums zu atmen kämpfte.

"Du bist stumm. Ein nutzloser Schatten", zischte Kaelen und drückte seine Finger um ihre Kehle. "Fünf Jahre lang habe ich das Rudel glauben lassen, dass du fit bist, um neben mir zu sitzen. Ich habe dich mit Schmeck angezogen und dich mit Fett gefüttert. Fünf Jahre lang haben Sie Ihre Fehler versteckt. Bis zum Ende. Jetzt trägt Vespera meinen Erben. Ein Junge."

Lyra hob ihren Blick vom Boden und schaute an Kaelens breiter Schulter vorbei in Richtung des Samtsofas.

Vespera saß da und wirbelte ruhig ein Glas Rotwein zwischen ihren Fingern. Erst jetzt bemerkte Lyra die Details, die sie in ihrer Not übersehen hatte. Vespera trug ein königliches Saphirkleid, genau den Farbton, der für Luna des Rudels reserviert war. Als sich ihre Blicke trafen, grinste Vespera, bevor sie einen langsamen Schluck von ihrem Wein nahm.

"Immer noch kein Wort, ich verstehe, Kleiner." Sie lachte leise, spöttisch. "Sie spricht nicht, Kaelen, Liebling", schnurrte Vespera und gab vor, mitfühlend zu sein. "Verschwenden Sie nicht Ihren Atem damit, Antworten von einer kaputten Glocke zu verlangen. Sie einfach das Ablehnungsdekret unterschreiben lassen, damit wir auf den Balkon gehen können."

"Sie wird unterschreiben. Du WIRST unterschreiben", knurrte Kaelen und schob Lyra vor dem Marmorschreibtisch wieder auf die Knie. "Und dann wirst du auf dem Balkon hinter Vespera stehen und ihren Zug halten wie der Diener, für den du geboren wurdest."

Lyras Brust zog sich zusammen, als sie Schwierigkeiten hatte zu atmen. Fünf Jahre, in denen er seine Strafen ertragen hat. Fünf Jahre lang versteckte sie blaue Flecken unter Seidenschichten und hörte den Ältesten zu, die sie beleidigten, ohne sich jemals zu verteidigen.

Sie hatte ihre Stimme verschlossen, selbst wenn die seltsame Wärme in ihrem Hals zu befreien drohte, wenn sie zu weit gedrängt wurde. Ihre verstorbene Mutter hatte sie mit ihrem letzten Atemzug gewarnt: Sing niemals, Lyra. Sprich niemals in Wut, oder sie werden dich jagen.

Lyra hatte also geschwiegen. Sie war die ruhige, gehorsame Luna, die Kaelen wollte, diejenige, die ihn nie herausforderte oder die Ältesten des Rudels befragte.

"Unterschreibe es", schnappte Kaelen und warf einen silbernen Stift auf das Papier vor ihr. "Oder ich werde deinen Bruder heute Abend seines Ranges entzogen und an die Grenzen schicken lassen."

Lyras Hände zitterten, als sie nach dem Stift griff. Ihr Herz schmerzte, aber der Gedanke, dass ihr gebrechlicher Bruder gezwungen war, die eisigen Bedingungen der Grenzpatrouille zu ertragen, ließ ihr wenig Wahl. Sie konnte nicht zulassen, dass Kaelen Schet um ihrertwillen bestrafte.

Verstecken. Aushalten. Schützen Sie, was noch übrig ist.

Sie wiederholte die Worte schweigend, wie sie es getan hatte, solange sie sich erinnern konnte.

Mit Tränen, die ihre Sicht verwischten, drückte sie den Stift auf das Papier. Ihre Finger zitterten so sehr, dass sie es kaum halten konnte. Sie war dabei, ihren Titel, ihre Position und das einzige Leben, das sie je gekannt hatte, zu unterschreiben, wenn es bedeutete, dass Schet in Sicherheit sein würde.

Gerade als sie sich versammelte, um das Ablehnungsdekret zu unterzeichnen, platzten die schweren Mahagonitüren nach innen und splitterten, als sie gegen die Wände schlugen.

Vespera schrie und ließ ihr Weinglas fallen. Es zerbrach über den Boden, als sich Kaelen drehte, seine Hacken hoben sich. Seine Alpha-Aura breitete sich durch die Kammer aus und drückte auf alle im Inneren.

Ein Mann in einem dunklen, maßgeschneiderten Mantel trat durch die zerbrochene Tür. Er war groß und breitschulterig, und seine Anwesenheit reichte aus, um sogar Kaelens Wolf im Hinterkopf wimmern zu lassen.

Der Fremde ging am abgebrochenen Holz vorbei und ins Licht.

Hoher Alpha Cassian. Souverän des Schattenschleiers.

Er war der am meisten gefürchtete Mann auf dem Kontinent, ein Führer, der auf keinen Rat reagierte, keinen Vertrag respektierte und keine Gesetze außer seinen eigenen befolgte.

Cassian ignorierte Kaelen. Seine stürmischen grauen Augen bewegten sich durch den Raum, vorbei an Vespera, bevor sie sich auf Lyra niederließen. Sie war immer noch auf den Knien, Blut auf der Lippe und ein Stift in ihrer zitternden Hand.

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Sein Kiefer zog sich zusammen, als er den Anblick vor ihm aufnahm.

"Alpha Kaelen", sagte Cassian und seine tiefe Stimme trug sich durch den Raum. "Ich wurde zu der Annahme veranlasst, dass du mich zu einer Feier eingeladen hast. Aber hier sehe ich einen Feigling und einen Eindringling, die eine Frau schlagen, die nicht zu ihm gehört."

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