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Kapitel 5.

Author: Kester
last update publish date: 2026-07-28 11:39:36

Wie mit Dr. Jhonny vereinbart, machte sich Angelina nach ihrer Ankunft im Krankenhaus auf den direkten Weg in sein Sprechzimmer.

Dort saß sie dem Mann im weißen Kittel bereits gegenüber. Nur ein massiver Schreibtisch trennte die beiden, während der Arzt sie mit ernster Miene ansah.

„Geht es Ihnen nicht gut, Frau Angelina? Sie sehen sehr blass aus“, bemerkte er und schenkte ihr ein leichtes, aufmunterndes Lächeln.

„Es geht mir gut, Herr Doktor“, antwortete Angelina. „Ich bin vermutlich nur etwas zu schnell gelaufen.“

Dr. Jhonny nickte langsam. Dann öffnete er die Schublade unter seiner Arbeitsfläche, zog einen weißen Umschlag mit dem Logo des Krankenhauses heraus und legte ihn auf den Tisch.

„Bitte sehr, Frau Angelina“, sagte er und schob ihr den Umschlag mit den Laborergebnissen zu.

Angelina atmete tief durch. Es war bereits das zweite Mal, dass sie einen solchen Befund entgegennahm. Völlig unerwartet stieg eine feine Welle der Unruhe in ihr auf.

„Dr. Jhon …“, begann sie, verstummte jedoch sogleich wieder. Sie wollte etwas sagen, verwarf den Gedanken jedoch im selben Moment.

„Ja? Kann ich noch etwas für Sie tun, Frau Angelina?“, fragte Dr. Jhonny, dem ihre angespannte Körpersprache nicht entgangen war.

*Ich sollte ihm wohl besser nichts von den Vorfällen des letzten Monats erzählen. Ich werde der Sache lieber selbst auf den Grund gehen*, dachte Angelina bei sich.

Sie riss die Ecke des Umschlags auf und zog das Faltschreiben heraus. Entfaltet vertiefte sie sich vollkommen in die medizinischen Angaben. Eine lautlose Stille legte sich über das Zimmer.

Keine Minute später folgte eine impulsive Reaktion: Schlagartig legte Angelina die rechte Hand über ihren Mund, der sich vor ungläubigem Staunen weit geöffnet hatte. Ihr Blick fixierte messerscharf die eine Zeile, die klar und eindeutig zusammenfasste: *Ihre Gebärmutter ist vollkommen gesund.*

„Was ist los, Frau Angelina?“, fragte Dr. Jhonny irritiert. „Verzeihen Sie – gibt es etwas an dem Befund, das Sie nicht verstehen?“

„Das heißt … meine Gebärmutter war die ganze Zeit über völlig in Ordnung, Herr Doktor?“, fragte Angelina, tief erschüttert.

„Aber natürlich. Genau das geht aus dem Bericht hervor“, bestätigte der Arzt.

„Bedeutet das …, dass ich schwanger werden kann?“

„Selbstverständlich. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Versuchen Sie einfach, während Ihrer fruchtbaren Tage intim mit Ihrem Ehemann zu sein“, riet er ihr.

„Aber …“, zögerte Angelina plötzlich.

„Aber was, Frau Angelina?“

„Nichts für ungut, Dr. Jhon. Vielen Dank für alles, ich mache mich dann besser auf den Weg.“ Angelina stand auf. Sie reichte ihm die Hand und verabschiedete sich mit einem ehrlichen, dankbaren Lächeln.

Nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte, winkte Angelina ein Taxi herbei. Sie wollte an einen Ort fahren, an dem man ihr Äußeres auffrischen konnte – in der Hoffnung, Axtons Begehren wieder neu zu entfachen.

Während der Fahrt liefen ihr Freudentränen über die Wangen. Zärtlich strich sie über ihren noch immer flachen Bauch. Sie würde der Familie Almero beweisen, dass mit ihrem Körper alles in bester Ordnung war.

*Heute Abend werde ich ein Date mit Axton haben. Ich werde wunderschön aussehen, berückend duften und einfach umwerfend sein. Hoffentlich verliebt er sich wieder in mich*, dachte sie voller Zuversicht.

Sobald sie erst einmal schwanger war, so schwor sie sich, würde Moreen ihren Platz in der Almero-Familie endgültig verlieren. Sie durfte sich keinesfalls von der Frau geschlagen geben, die es gewagt hatte, ihr den Ehemann wegzunehmen.

Dennoch blieb ein leiser Zweifel in ihrem Herzen zurück: Wenn sie Axton den Laborbericht von Dr. Jhonny zeigte – würde er ihr glauben? Würde er ihr abkaufen, dass ihre Gebärmutter absolut gesund war?

Acht Uhr abends. Angelina hatte gut fünf Stunden im Schönheitssalon verbracht. Natürlich war es ihr schwergefallen, so lange stillzusitzen, da sie ausgiebige Pflegeroutinen eigentlich nicht ausstehen konnte.

Doch das Ergebnis entschädigte sie für alles. Ihr zuvor etwas zerzaustes Haar fiel nun seidenweich und glänzend über ihre Schultern. Ihr Teint wirkte frisch und strahlend.

„Einfach perfekt“, raunte Angelina verzückt, während sie ihr Spiegelbild betrachtete.

*Na, Axton? Jetzt bin ich wunderschön. Wirst du meinem Charme noch widerstehen können?*, meinte sie still bei sich.

Das plötzliche Schrillen ihres Telefons ließ sie hochschrecken. Hastig kramte Angelina ihr Smartphone aus der Handtasche. Auf dem Display prangte der Name *„Axton“*. Ein glückliches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, ehe sie den Anruf entgegennahm.

„Wo steckst du, Angelina?“, fragte Axton ohne Umschweife mit seiner tiefen Baritonstimme.

„Ich bin noch unterwegs, Liebling“, antwortete sie lächelnd.

„Komm sofort nach Hause!“, befahl er kühl.

„Warum denn? Vermisst du mich etwa?“, neckte sie ihn.

„Ich bin nicht in der Stimmung für Scherze!“

„Ich habe eine Überraschung für dich, Schatz. Warte auf mich, ich bin gleich da.“

Angelina legte auf, ohne seine Antwort abzuwarten. Ihr Herz klopfte wie wild vor Vorfreude darauf, ihm den Befund zu zeigen.

„Weißt du, wo Moreen ist?“

Axtons erste Frage ließ Angelina die Stirn runzeln. Sie konnte schlichtweg nicht fassen, dass er ausgerechnet nach Moreens Verbleib fragte. Was ihre Eifersucht noch weiter schürte: Seine Miene spiegelte tiefe Sorge um die andere Frau wider.

Und das, obwohl Angelina gerade erst zur Tür hineinspaziert war und kaum den Fuß ins Wohnzimmer gesetzt hatte.

„Ihr Handy ist schon den ganzen Tag ausgeschaltet! Sie ist bestimmt wegen des Streits heute Morgen mit dir abgehauen!“, beschuldigte Axton sie direkt.

„Du gibst mir immer die Schuld!“, entgegnete Angelina wütend.

„Weil du verdammt noch mal schuld bist, Angelina! Dein Verhalten hat Moreen zutiefst verletzt!“

„Das ist nicht mein Problem! Sie hat mir meinen Mann gestohlen, ich werde sicher nicht tatenlos zusehen!“

„Du …!“ Axton hob die rechte Hand, als wolle er ihr eine Ohrfeige verpassen, hielt jedoch mitten in der Bewegung inne.

„Warum schlägst du nicht zu? Los doch, tu es!“, forderte Angelina ihn heraus, anstatt die Lage zu entschärfen.

„Wenn es sonst nichts weiter gibt, lass mich in Ruhe! Ich will mich ausruhen!“, zischte sie und wandte sich ab.

Mit schnellen Schritten eilte sie die Treppe hinauf, tief enttäuscht von Axtons Empfang. Selbst ihr perfektes Styling hatte nichts genützt – das Erste, wonach er gefragt hatte, war wieder nur Moreen gewesen. Sie hatte sich getäuscht: Der ganztägige Besuch im Schönheitssalon konnte Axtons Abneigung gegen sie nicht mindern.

Ihr ursprünglicher Plan, ihn mit dem Laborergebnis zu überraschen, war gescheitert. Es hatte keinen Zweck, ihn in seinem kochenden Geladenheitszustand darauf anzusprechen.

Nun lag Angelina in ihrem Schlafzimmer. Seitlich auf dem Bett eingekuschelt, hielt sie ein Seitenschläferkissen umschlungen. Reglos starrte sie ins Leere. Sie hatte sich diesen Abend so neu und wunderschön ausgemalt – doch der Traum war zerplatzt. Eigentlich hätte sie in diesem Moment Axtons starken Körper umarmen wollen. Sie vermisste die Intimität mit ihrem Ehemann so unendlich sehr.

Das knallende Geräusch einer aufgerissenen Tür ließ Angelina herumfahren. Axton stürzte ins Zimmer und griff hastig nach dem Autoschlüssel.

„Wo willst du hin?“, fragte Angelina und richtete sich langsam auf dem Bett auf.

„Moreen suchen!“, antwortete Axton voller Panik.

„Wozu denn? Lass sie doch allein nach Hause kommen, Axton! Diese Frau ist einfach nur übertrieben verwöhnt!“, meckerte Angelina.

„Moreen wurde entführt! Und ich muss sie sofort befreien!“, rief Axton und rannte bereits aus dem Zimmer, ohne einen einzigen Blick auf Angelinas versteinertes Gesicht zu verschwenden.

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